{"id":13950,"date":"2010-11-07T00:00:00","date_gmt":"2010-11-07T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13950"},"modified":"2010-11-07T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-07T00:00:00","slug":"13950","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13950\/","title":{"rendered":"Atommafia enteignen"},"content":{"rendered":"<p>  Abschalten l&#228;sst sich nur, was einem geh&#246;rt<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>100.000 DemonstrantInnen am 18. September in Berlin, 50.000 am 9.   Oktober in M&#252;nchen, Zehntausende bei den Castor-Blockaden im Wendland&#8230;   Trotzdem d&#252;rfen die Kernreaktoren dank dem neuen &quot;Energiekonzept&quot; der   Bundesregierung bis 2030 am Netz bleiben. Das verspricht Zusatzgewinne   von 50 Milliarden Euro. <\/b><\/p>\n<p>  <b>Der &quot;Atomkonsens&quot; unter Rot-Gr&#252;n 2002 bedeutete alles andere als den   Ausstieg. Lediglich zwei ohnehin altersschwache Kernkraftwerke wurden   abgeschaltet. SPD und Gr&#252;ne, die sich heute bei den Anti-AKW-Protesten   als Umweltschutzparteien pr&#228;sentieren, tragen damit auch eine   Verantwortung f&#252;r die erneute Laufzeitverl&#228;ngerung. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Conny Dahmen, K&#246;ln <\/i><\/h4>\n<h4>  Alle AKWs sofort abschalten<\/h4>\n<p>  Knapp 25 Jahre nach dem Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl ist die   Atomkraft keineswegs sicherer, sondern nur &#228;lter geworden. Wenig   &#252;berraschend sind daher die 100 bis 200 St&#246;rf&#228;lle, welche das Bundesamt   f&#252;r Strahlenschutz Jahr f&#252;r Jahr in deutschen Atomkraftwerken   verzeichnet. Da jemand wie Umweltminister Nobert R&#246;ttgen (CDU) in einem   Paralleluniversum zu leben scheint, sei nochmal daran erinnert: Ein   Reaktorunfall wie Tschernobyl t&#246;tet auf einen Schlag Zehntausende von   Menschen, durch Folgesch&#228;den wie Erbkrankheiten leiden ganze   Generationen, Landstriche und L&#228;nder werden jahrzehntelang radioaktiv   verseucht.<\/p>\n<p>  Bereits der ganz normale AKW-Betrieb ist in h&#246;chstem Ma&#223;e umwelt- und   gesundheitsgef&#228;hrdend. Im F&#252;nf-Kilometer-Umkreis von deutschen AKWs   bekommen Kinder unter f&#252;nf Jahren 60 Prozent h&#228;ufiger Krebs als im   Bundesdurchschnitt.<\/p>\n<p>  F&#252;nf bis acht der 17 Meiler werden aufgrund von Sicherheitsm&#228;ngeln immer   wieder abgeschaltet. Trotzdem geht kein einziges Licht aus, denn die   &#220;berkapazit&#228;ten in der Stromerzeugung sind so gro&#223;, dass selbst bei   einer sofortigen Abschaltung aller AKWs und bei Spitzenbedarf noch eine   ausreichende Reserve vorhanden w&#228;re.<\/p>\n<h4>  Atomm&#252;lltransporte stoppen<\/h4>\n<p>  Die 70.000 Kilogramm radioaktiver M&#252;ll, die jedes Jahr weltweit beim   AKW-Betrieb anfallen, werden Jahrtausende weiter strahlen. Das   hochgiftige Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren. Wie und   wo allein die j&#228;hrlich 500 Tonnen deutschen Atomm&#252;lls &#252;ber solche   Zeitr&#228;ume hinweg sicher lagern sollen, wei&#223; niemand. Das &quot;Zwischenlager&quot;   in Gorleben ist in weiten Teilen voller Grundwasser. Die Castor-Beh&#228;lter   haben gerade mal 40 Jahre Garantie. Wiederaufarbeitungsanlagen k&#246;nnen   nur ein Prozent des radioaktiven M&#252;lls in neue Brennelemente einbauen   und vermehren den Schrott noch zus&#228;tzlich.<\/p>\n<h4>  Umstellung auf regenerative Energien. Massive Steigerung der   &#246;ffentlichen Forschungsausgaben<\/h4>\n<p>  Angesichts der radioaktiven M&#252;llberge ist es ein Hohn, dass   Atomlobbyisten die Kernenergie als &quot;saubere&quot; Alternative zu   Kohlekraftwerken darstellen. Uranbau, Uranerzaufbereitung und   Urananreicherung setzen erhebliche Mengen von Treibhausgasen frei.   Kernkraftwerke wandeln nur ein Drittel der bei der Kernspaltung   freigesetzten Energie in Strom um, der Rest heizt Fl&#252;sse und die   Atmosph&#228;re auf.<\/p>\n<p>  Selbst eine Studie des Umweltbundesamtes aus diesem Jahr kam zum   Schluss, dass eine vollst&#228;ndig auf erneuerbaren Energien beruhende   Stromerzeugung im Jahr 2050 in Deutschland bereits mit den heute   bekannten Technologien m&#246;glich ist (2009 lag der Anteil erneuerbarer   Energien am bundesweiten Bruttostromverbrauch bei 16 Prozent). Die   Treibhausgasemissionen k&#246;nnten um 80 bis 95 Prozent verringert werden.   Bei konsequenter F&#246;rderung und zus&#228;tzlichen Investitionen in die   Forschung lie&#223;en sich in noch k&#252;rzerer Zeit immense Fortschritte   erzielen.<\/p>\n<p>  Die M&#246;glichkeiten, welche Sonne, Wind, Wasser, Erdw&#228;rme, Ebbe und Flut   (Gezeitenkraftwerke) und Biomasse zur Energiegewinnung bieten, sind   vielf&#228;ltig und vor allem mehr als ausreichend vorhanden. Der heute   technisch nutzbare Anteil der Sonnenenergie ist immer noch dreimal   gr&#246;&#223;er als der weltweite Verbrauch an Energie.<\/p>\n<h4>  &#214;ffentliches Investitionsprogramm zur Energieeinsparung durch   W&#228;rmed&#228;mmung, Erneuerung von Heizungsanlagen, W&#228;rmer&#252;ckgewinnung,   Kraft-W&#228;rme-Kopplung<\/h4>\n<p>  F&#252;r die &#220;bergangszeit bietet die Kraft-W&#228;rme-Kopplung f&#252;r   Kohlekraftwerke, aber auch f&#252;r Erdgasanlagen, ein erhebliches   Einsparpotenzial, da bei dezentralen Anlagen mit Wirkungsgraden von   mindestens 80 Prozent zugleich Strom und W&#228;rme erzeugt wird. Bereits bei   bestehenden &quot;Passivh&#228;usern&quot; werden Heizkosten und Stromverbrauch massiv   gesenkt, allein durch eine verbesserte W&#228;rmed&#228;mmung und   W&#228;rmer&#252;ckgewinnung. Energiesparende und umweltschonende   Produktionsverfahren in der Industrie, die f&#252;r knapp 21 Prozent des   bundesweiten Energieverbrauchs verantwortlich ist, k&#246;nnten die   Emissionen erheblich reduzieren.<\/p>\n<h4>  Ausbau des Schienennetzes, &#214;PNV zum Nulltarif<\/h4>\n<p>  Eine komplette R&#252;ckverstaatlichung der Bahn und kommunaler   Verkehrsunternehmen, der Ausbau des Schienennetzes und die Verlagerung   des G&#252;terverkehrs auf die Schiene w&#252;rden den Autoverkehr (18 Prozent des   gesamten Energieverbrauchs) erheblich einschr&#228;nken. Durch kostenlose   &#246;ffentliche Nahverkehrsmittel mit hohen Taktzeiten und die Erweiterung   lokaler Bus- und Stadtbahnnetze w&#252;rden echte Alternativen zum   Individualverkehr geschaffen.<\/p>\n<h4>  Sinnvolle Ersatzarbeitspl&#228;tze f&#252;r alle Besch&#228;ftigten der Atomindustrie<\/h4>\n<p>  Forschung, Bau und Betrieb regenerativer Energiegewinnungsanlagen, die   Sanierung und der Neubau von Privatwohnungen als &quot;Passivh&#228;user&quot; oder der   Ausbau der &#246;ffentlichen Verkehrsmittel w&#252;rden genug Arbeitskr&#228;fte   ben&#246;tigen, um allen Besch&#228;ftigten der Atomindustrie und der   Kohlekraftwerke neue und interessante Jobs zu verschaffen &#8211; ohne   Lohneinbu&#223;en.<\/p>\n<p>  Zur Zeit besch&#228;ftigt die Atomindustrie noch 35.000 Menschen. Binnen   weniger Jahre sind im Bereich erneuerbarer Energien bundesweit bereits   340.000 Arbeitspl&#228;tze entstanden.<\/p>\n<p>  Skandal&#246;s ist die Haltung der F&#252;hrung der IG Bergbau, Chemie, Energie,   die in einer Stellungnahme vom 9. Oktober erkl&#228;rte: &quot;Solange die   Kernenergie als Br&#252;cke zu einer klimavertr&#228;glichen Kohleverstromung   ben&#246;tigt wird, ist eine kurzfristige Laufzeitverl&#228;ngerung offensichtlich   nicht zu vermeiden.&quot; K&#228;mpferische KollegInnen m&#252;ssen f&#252;r einen   grundlegenden Kurswechsel der Gewerkschaft eintreten.<\/p>\n<h4>  Stromkonzerne in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hren<\/h4>\n<p>  Auf die Nutzung der Kernenergie werden die Herrschenden nicht freiwillig   verzichten. Zum einen gibt es nach wie vor gro&#223;es Interesse an   nuklearwaffenf&#228;higem Material, das AKWs nebenbei produzieren. Was uns   als purer Irrsinn erscheint, ist f&#252;r andere eine Goldgrube: Die gro&#223;en   Stromkonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, welche 80 Prozent der   Stromproduktion in Deutschland beherrschen, verdienen an einem   Kernkraftwerk jeden Tag bis zu einer Million Euro. Da die   Investitionskosten bereits seit geraumer Zeit steuerlich abgeschrieben   wurden und die Betriebskosten vergleichsweise niedrig sind, sind die   Reaktoren wahre Gelddruckmaschinen.<\/p>\n<p>  Atomm&#252;ll-Beseitigung, Krankheitskosten, Umweltsch&#228;den, Polizeieins&#228;tze   (zum Beispiel beim Castor-Transport) zahlt der Steuerzahler.   Dar&#252;berhinaus kassierte die Atomindustrie zwischen 1950 bis 2008 165   Milliarden Euro an Subventionen, darunter gerade auch der   Atomanlagenhersteller Siemens. Noch immer flie&#223;en jedes Jahr rund 200   Millionen Euro Steuergelder in neue Atomprojekte.<\/p>\n<p>  Die Konzerne wollen an beidem verdienen, &quot;&#214;kostrom&quot; und Atomstrom.   Deswegen darf die Energieversorgung nicht in den H&#228;nden einer Bande   profitgieriger Energieriesen liegen, sondern muss staatlich organisiert   sein.<\/p>\n<p>  Demokratische Kontrolle und Verwaltung der Energiebetriebe durch   Belegschaftskomitees, VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung,   Umweltschutz- und Verbraucherverb&#228;nden.<\/p>\n<h4>  Durchschnittlicher Tariflohn und jederzeitige W&#228;hl- und Abw&#228;hlbarkeit   aller Funktion&#228;re<\/h4>\n<p>  Heute geh&#246;ren Staatsunternehmen wie der schwedische Vattenfall-Konzern   zu den Hauptprofiteuren der Atomkraft. Unter kapitalistischen   Rahmenbedingungen ist auch staatliche Energief&#246;rderung keineswegs im   Interesse der Mehrheit der Bev&#246;lkerung. Daher m&#252;ssen in &#246;ffentliches   Eigentum &#252;berf&#252;hrte Unternehmen auch demokratisch kontrolliert und   verwaltet werden. In entsprechenden Gremien sollten Vertreter-Innen der   Belegschaften, der Besch&#228;ftigten, der Regierung sowie SpezialistInnen   der Umweltschutz- und Verbraucherverb&#228;nde beraten und entscheiden. Um   pers&#246;nlicher Bereicherung und Missmanagement vorzubeugen, m&#252;ssen alle   Mitglieder in Leitungsgremien jederzeit w&#228;hl- und abw&#228;hlbar sein. Ohne   privilegierte Manager k&#246;nnten Innovationen aus den Belegschaften   umgesetzt werden, jede Menge Kreativit&#228;t w&#252;rde frei.<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine demokratisch geplante Wirtschaft, die sich an den Bed&#252;rfnissen   von Mensch und Umwelt und nicht am Profit orientiert<\/h4>\n<p>  Die Enteignung der Atommafia kann nur der erste Schritt sein hin zu   einer gesamtgesellschaftlichen, demokratisch geplanten Wirtschaft. W&#228;ren   alle Konzerne und Banken in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt, lie&#223;en sich   die wirklichen gesellschaftlichen Bed&#252;rfnisse ermitteln, entsprechende   Pl&#228;ne erstellen und umsetzen, zumal einzelne Betriebe oder Branchen   nicht mehr in Konkurrenz zueinander st&#252;nden, sondern effektiv   zusammenarbeiten k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  G&#252;ter w&#252;rden zum Beispiel m&#246;glichst an einem Ort und nah am Verbraucher   produziert, und nicht mit Lkw, Flugzeug und Schiff um die Welt bef&#246;rdert   werden. Wohnortnahe Arbeitspl&#228;tze k&#246;nnten nicht nur den Pendlerstress,   sondern auch die CO2-Emissionen erheblich reduzieren.   Papierverschwendende Werbemittel w&#252;rden wegfallen. Die wenigen   notwendigen Verpackungen best&#252;nden aus wieder verwertbarem Material.   Allein durch den Wegfall der R&#252;stungsausgaben (1,24 Billionen Euro 2009)   st&#228;nden viele Mittel zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<p>  Heute entscheiden eine Handvoll Konzernchefs und B&#252;rokraten. Vorschl&#228;ge   von Besch&#228;ftigten und AktivistInnen, wie zum Beispiel die   Alternativkonzepte der S-21-Gegner, interessieren nicht. Im Sozialismus   hingegen haben demokratische Diskussionen und Entscheidungen Vorrang. Im   Ostblock existierte kein Sozialismus. Dort wurde die Wirtschaft   b&#252;rokratisch organisiert. Die Angst der Elite vor Machtverlust   verhinderte Innovationen und umweltfreundliche Technologien.<\/p>\n<p>  Die Zeit dr&#228;ngt: Wir m&#252;ssen uns endlich von der Profitwirtschaft   befreien, wenn die Zukunft der Menschheit nicht f&#252;r Bankkonten, Yachten   und Champagner-Cocktails einiger Weniger den Bach runter gehen soll. n<\/p>\n<h4>  Strompreiswucher<\/h4>\n<p>  Trotz der fast hundert Milliarden Euro Gewinn, die die vier Stromriesen   &#8211; RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW &#8211; allein zwischen 2002 und 2008 in   Deutschland erwirtschafteten, legten sie im gleichen Zeitraum noch mal   50 Prozent auf den Strompreis drauf. Die Strompreiserh&#246;hung 2011   begr&#252;nden sie absurderweise mit der F&#246;rderung der Solarenergie. Zum   Gl&#252;ck gibt es ja f&#252;nf Euro mehr Hartz IV im Monat!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Abschalten l&#228;sst sich nur, was einem geh&#246;rt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[114,119],"tags":[231],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13950"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13950"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13950\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13950"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13950"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13950"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}