{"id":13946,"date":"2010-11-03T00:00:00","date_gmt":"2010-11-02T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13946"},"modified":"2012-07-16T14:54:52","modified_gmt":"2012-07-16T12:54:52","slug":"13946","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13946\/","title":{"rendered":"Immer auf dem Sprung"},"content":{"rendered":"<p>  Radikaler Umbau der Bundeswehr soll kommen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Kommission zur Reform der Bundeswehr hat ihren Bericht vorgelegt.   Werden die Vorschl&#228;ge in die Tat umgesetzt, steht der radikalste Umbau   in der Geschichte der deutschen Streitkr&#228;fte bevor.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  In den letzten 20 Jahren hat sich das Bild der Bundeswehr massiv   ver&#228;ndert. Bis zur Wende war deren Aufgabengebiet auf die   Landesverteidigung begrenzt. Dies war eine Folge der vernichtenden   Niederlage des deutschen Imperialismus im 2. Weltkrieg. In den 90er   Jahren wurden unter der Kohl-Regierung peu &#225; peu Aufweichungen   durchgesetzt. Es war aber der Rot-Gr&#252;nen Regierung vorbehalten, den   historischen Tabubruch durchzusetzen und erstmals deutsche Soldaten   wieder in Kampfeins&#228;tze zu schicken. Heute sind Bundeswehrsoldaten in   aller Welt im &#8222;Einsatz&#8220;: Kosova, Bosnien &#8211; Herzegowina, Afghanistan,   Usbekistan, Libanon, Sudan, Kongo und Somalia. Als Begr&#252;ndung f&#252;r diese   Entwicklung liefern uns die Politiker von CDU bis Gr&#252;ne, dass man der   &#8222;gewachsenen Verantwortung Deutschlands&#8220; gerecht werden m&#252;sse. In   Wirklichkeit geht es darum, dass die gr&#246;&#223;te europ&#228;ische Wirtschaftsmacht   seine politischen und wirtschaftlichen Interessen notfalls auch mit   milit&#228;rischen Mitteln durchsetzen will.<\/p>\n<h4>  Probleme<\/h4>\n<p>  Die Bewaffnung der Bundeswehr wurde den Bed&#252;rfnissen einer weltweit   einsatzf&#228;higen Interventionsarmee angepasst. Von den derzeit knapp   250.000 Soldaten sind rund 188.000 Berufs- und Zeitsoldaten, 28.000   freiwillig l&#228;nger dienende Wehrdienstleistende und nur 34.000 echte   Wehrpflichtige. Gemessen an der Gesamtzahl der Soldaten sind jedoch aus   Sicht der Herrschenden nur 7500 im Auslandseinsatz. Ausgehend von den   bisherigen Strukturen gelangte sie dabei an ihre Grenzen. Vor diesem   Hintergrund begann vor einigen Jahren eine Diskussion &#252;ber die   Abschaffung der Wehrpflicht und den Aufbau einer Berufsarmee. Mit dem   Beschluss der Bundesregierung die Wehrpflicht zun&#228;chst &#8222;auszusetzen&#8220;   wird ein entscheidender Schritt in diese Richtung unternommen.<\/p>\n<h4>  Kommission<\/h4>\n<p>  Interessant ist die personelle Zusammensetzung der sechs-k&#246;pfigen   Arbeitsgruppe, die vom &#8222;Verteidigungsminister&#8220; zu Guttenberg berufen   wurde. So geh&#246;rte ihr J&#252;rgen Kluge an, seines Zeichens ehemaliger Chef   der deutschen Tochter der Unternehmensberatung Mc Kinsey und heutiger   Vorstandsvorsitzender des Haniel Konzerns. Stellvertretender   Vorsitzender war der Pr&#228;sident des Unternehmerverbandes DIHK,   Hans-Heinrich Driftmann. Dazu kamen einige Politiker und Milit&#228;rs. Den   Vorsitz &#252;bernahm Oberst der Reserve und amtierender Chef der   Bundesagentur f&#252;r Arbeit, Frank-J&#252;rgen Weise (Quelle: website   Verteidigungsministerium). Die Wahrung der Interessen der Banken und   Konzerne befanden sich in zuverl&#228;ssigen H&#228;nden&#8230;<\/p>\n<h4>  Ergebnisse<\/h4>\n<p>  Wohin die Reise gehen soll, kann man bereits aus der &#220;berschrift des   Abschlussberichtes ableiten: &#8222;Vom Einsatz her denken&#8220;. Oberste Priorit&#228;t   soll demnach sein, dass mehr und besser ausger&#252;stete Soldaten ins   Ausland geschickt werden k&#246;nnen. Die Kommission will das Kontingent auf   15.000 Soldaten verdoppeln . Die Struktur soll eine Berufsarme sein,   auch wenn sie sich hinter einem &#8222;freiwilligen Dienst&#8220; versteckt. Dazu   passt das Vorhaben, dass die Milit&#228;rf&#252;hrung gegen&#252;ber der Politik   gest&#228;rkt wird. Bisher befinden sich die Inspekteure von Heer, Marine,   Luftwaffe und Streitkr&#228;ftebasis direkt im Ministerium. Zuk&#252;nftig sollen   diese bei ihren Einheiten angesiedelt werden. Es d&#252;rfte k&#252;nftig noch   schwieriger sein, die leitenden Offiziere einer politischen Kontrolle zu   unterwerfen. Gest&#228;rkt wird die Rolle des Generalinspekteurs der   Bundeswehr. Er soll zum Oberkommandierenden der Streitkr&#228;fte werden.   Zudem soll die H&#228;lfte der 3000 Arbeitspl&#228;tze im Verteidigungsministerium   wegfallen. Zus&#228;tzlich sollen Abl&#228;ufe gestrafft und die Anschaffung von   R&#252;stungsg&#252;tern organisatorisch umgestellt werden (Quelle: Frankfurter   Rundschau, 27.10.10).<\/p>\n<h4>  Zunahme von Konflikten<\/h4>\n<p>  Vor dem Hintergrund der extrem unsicheren weltweiten, wirtschaftlichen   und politischen Entwicklung ist es aus Sicht der herrschenden Klassen   aller Gro&#223;m&#228;chte eine objektive Notwendigkeit sich auf zunehmende   Konflikte und Kriege einzustellen. Neben dem Nahen Osten und   Afghanistan\/Pakistan kommen zus&#228;tzliche, &#246;konomische Brandherde hinzu.<\/p>\n<h4>  Handelskriege<\/h4>\n<p>  Der US-Imperialismus befindet sich einer tiefen Krise. Fast 20 Prozent   der Bev&#246;lkerung sind erwerbslos oder unterbesch&#228;ftigt und die Konzerne   im internationalen Vergleich zu wenig &#8222;wettbewerbsf&#228;hig&#8220;. Die Regierung   Obama versucht nun mehr den heimischen Markt zu sch&#252;tzen und   gleichzeitig den Export anzukurbeln. Dieser Politik werden auch andere   Regierungen folgen deren heimischer Markt am Boden liegt.   Handelskonflikte sind hier vorprogrammiert.<\/p>\n<h4>  &#8222;Seltene Erden&#8220;<\/h4>\n<p>  In den vergangenen Wochen spitzt sich der Streit um die sogenannten   &#8222;seltenen Erden&#8220; zu. Diese Rohstoffe sind f&#252;r die Produktion vieler   High-Tech-Produkte entscheidend. Das Problem: Viele dieser Metalle sind   entweder in armen und instabilen L&#228;ndern Afrikas und Asiens verf&#252;gbar.   Oder in nur sehr geringen Mengen in den Industriel&#228;ndern (zum Beispiel   den USA), so das bisher der Abbau nicht profitabel war. Daher wurde der   weltweite Bedarf in den letzten Jahren fast ausschlie&#223;lich von China   gedeckt. Hier werden unter miserablen Arbeitsbedingungen kosteng&#252;nstig   die Rohstoffe in alle Welt exportiert. Weil aber die heimische   Wirtschaft nach wie vor sehr schnell w&#228;chst und die chinesische F&#252;hrung   zunehmend selbstbewusst imperiale Interessen vertritt, hat sie die   Ausfuhr stark begrenzt, was zu fast hysterischen Reaktionen der   Kapitalisten weltweit gef&#252;hrt hat. Ein Vorgeschmack auf zuk&#252;nftige   Entwicklungen&#8230;<\/p>\n<h4>  &#8222;Peak Oil&#8220;<\/h4>\n<p>  Eine k&#252;rzlich erschienene Studie des &#8222;Zentrum f&#252;r Transformation der   Bundeswehr&#8220; analysiert die Folgen des &#8222;Peak Oil&#8220;, also dem H&#246;hepunkt der   weltweiten &#214;lproduktion. Der zu erwartende R&#252;ckgang der F&#246;rderung wird   zu deutlich h&#246;heren Preisen f&#252;hren. Zunehmende Verteilungskonflikte,   wirtschaftliche und politischen Umbr&#252;chen machen die Welt unsicherer   (siehe auch isw-Information, Oktober 2010). Die Autoren kommen zum   Schluss, dass &#8222;um die Energieversorgung aufrecht zu erhalten und ein   g&#252;nstiges Umfeld f&#252;r eine stabile F&#246;rderung und Lieferung zu schaffen&#8220;   &#8230;bed&#252;rfe es &#8222;einer verst&#228;rkten Einflussnahme&#8220;. Eine nette Umschreibung   f&#252;r Milit&#228;reins&#228;tze und Kriege.<\/p>\n<h4>  Gefahr des Nationalismus<\/h4>\n<p>  Die Bundeswehr-Experten sehen die Notwendigkeit, dass die Herrschenden   der Gesellschaft offensiver als bisher &#8222;erkl&#228;ren&#8220; m&#252;ssen, dass es bei   den Auslandseins&#228;tzen nicht um den Aufbau von Krankenh&#228;usern geht. Sie   mahnen eine &#8222;umfassende politische und gesellschaftliche Debatte&#8220; an. In   dieser m&#252;sse es &#8222;&#8230;eine klare Festlegung nationaler Interessen&#8220; geben.   Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn es der Kapitalistenklasse   gelingt, Nationalismus und Chauvinismus in der Masse der Bev&#246;lkerung   durchzusetzen.<\/p>\n<h4>  Widerstand<\/h4>\n<p>  Es wird Aufgabe der der Antikriegsbewegung sein, hier entscheidenden   Widerstand zu leisten. Dabei kommt der Gewerkschaftsbewegung und der   Partei DIE LINKE eine besondere Verantwortung zu. Konkreter Protest   gegen Aufm&#228;rsche und Gel&#246;bnisse der Bundeswehr sollten aber auch mit   einer Debatte kombiniert werden, wie die heutige Gesellschaftsordnung   &#252;berwunden werden kann, die Militarismus und Kriege hervorbringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Radikaler Umbau der Bundeswehr soll kommen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[62],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13946"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13946"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13946\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}