{"id":13942,"date":"2010-10-28T08:00:00","date_gmt":"2010-10-28T08:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13942"},"modified":"2010-10-28T08:00:00","modified_gmt":"2010-10-28T08:00:00","slug":"13942","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13942\/","title":{"rendered":"Warnungen vor einem &#8222;W&#228;hrungskrieg&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Gipfel des Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) gescheitert<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Warnungen vor einem W&#228;hrungskrieg dominierten den letzten Gipfel des   Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) und der Weltbank am Wochenende des   9.\/10. Oktobers in Washington DC. Die weltweite Zusammenarbeit von   Politikern ist in Aufl&#246;sung, so wie es sich, als die Weltwirtschaft in   2008 abst&#252;rzte, bereits abgezeichnet hatte. Viele Regierungen sind   dabei, ihre W&#228;hrungen k&#252;nstlich abzuwerten, um damit die eigene   Exportwirtschaft anzukurbeln, was neue wirtschaftliche Einbr&#252;che   riskiert. Der Gipfel endete in einem Fiasko. Das einzige Resultat: eine   gemeinsame Erkl&#228;rung ohne wirklichen Inhalt. Nachfolgend zwei Artikel   von Per-&#197;ke Westerlund, die Anfang in der schwedischen sozialistischen   Zeitung &#8222; Offensiv&#8220; erschienen , einer zum Thema Weltwirtschaft, der   andere &#252;ber den drohenden W&#228;hrungskrieg:<\/b><\/p>\n<h4>  <b>Die Weltwirtschaft auf dem Weg in den &#8221;Double-Dip&#8221; <\/b><\/h4>\n<p>  Die Weltwirtschaft war im Jahr 2008 nur um 2,8 Prozent gewachsen und   schrumpfte sogar im Jahr 2009 zum ersten Mal seit &#252;ber 65 Jahren um 0,6   Prozent. Wobei sie in den entwickelten Industrienationen im Durchschnitt   sogar um 3.2 Prozent schrumpfte. Die USA &#8211; als gr&#246;&#223;te Industrienation   der Welt- verbuchte einen R&#252;ckgang von 3,2 Prozent, In einigen   europ&#228;ischen Staaten &#8211; wie Deutschland, Italien und England &#8211; war das   Abrutschen der Wirtschaft noch gr&#246;&#223;er, so auch in Japan.<\/p>\n<p>  Nur durch die gr&#246;&#223;ten &#8220;Rettungspakete&#8221; aller Zeiten konnte verhindert   werden, dass die Krise nicht die gleichen Ausma&#223;e erreichte, wie zu   Zeiten der &#8222;Gro&#223;en Depression&#8220; der 1930er Jahre. Um den Unterschied zu   den Rezessionen der letzen Jahrzehnte zu unterstreichen, bezeichnet der   IWF die aktuelle Krise als die &#8222;Gro&#223;e Rezession&#8220;<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus feierte sein Comeback nach einer Nahtoderfahrung. In   den USA endete die schwerste und l&#228;ngste Rezession seit 1929 erst im   Juni diesen Jahres (laut Regierungsvertretern, Anm. d. &#220;bers.).   Allerdings ist es bereits offensichtlich geworden, dass die   beschlossenen Konjunkturpakete nicht weitreichend genug waren, um einen   Aufschwung dauerhaft zu stabilisieren und au&#223;erdem die Krise durch die   massiven Sparpakete der Regierungen weiter versch&#228;rft werden wird.<\/p>\n<p>  Vor dem eigentlichen Gipfel in Washington mit Finanzministern und   Weltbankmanagern aus 187 L&#228;ndern pr&#228;sentierte der IWF einen   aktualisierten Bericht zur Lage und Zukunft der Weltwirtschaft (World   Economic Outlook &#8211; WEO), der besagt: &#8222;die Risiken f&#252;r einen Abschwung   bleiben weiterhin erh&#246;ht&#8220;. Die Erholung der entwickelten   kapitalistischen L&#228;nder vollzieht sich &#8222;nur langsam&#8220; angesichts der   &#220;berwindung der schwersten Rezession seit dem 2. Weltkrieg. Der   Produktionsaussto&#223; der Weltwirtschaft liegt noch immer unter dem Stand   von 2008.<\/p>\n<p>  Das Wachstum im laufenden Jahr 2010 gr&#252;ndet sich auf die   Konjunkturf&#246;rderungsprogramme und der Erh&#246;hung von Lagerbest&#228;nden. Die   &#220;berproduktion ist weit verbreitet, Investitionen gering und die   Arbeitslosigkeit weiterhin sehr hoch. Der IWF sch&#228;tzt, dass weltweit 210   Millionen Menschen arbeitslos sind &#8211; 30 Millionen mehr als noch vor drei   Jahren.<\/p>\n<h4>  <b>Auf dem Weg in den &#8220;Double-Dip&#8220;?<\/b><\/h4>\n<p>  Der World Economic Outlook (WEO) sagt voraus, dass sich das weltweite   Wachstum im n&#228;chsten Jahr verlangsamen wird. F&#252;r die entwicketen   Industrienationen (USA, Westeuropa, Japan und einige wenige mehr) wird   das Wachstum von 2,7 Prozent in diesem Jahr auf 2,2 Prozent im kommenden   Jahr sinken. F&#252;r die sogenannten Schwellenl&#228;nder, mit China an der   Spitze, wird ein R&#252;ckgang von 7,1 Prozent auf 6,4 Prozent erwartet. Die   aufstrebenden Nationen haben zwar ein erheblich gr&#246;&#223;eres Wachstum, doch   warnt der Internationale W&#228;hrungsfond IWF vor der hohen Abh&#228;ngigkeit   dieses Wachstums von der Exportwirtschaft.<\/p>\n<p>  Das Wachstum in den USA fiel im zweiten Quartal 2010 auf 1,6 Prozent und   wird in der zweiten Jahresh&#228;lfte wohl kaum mehr als ein Prozent oder   sogar weniger betragen. Staatliche Subventionsprogramme &#8211; wie   Abwrackpr&#228;mie, Investitionshilfen, Subventionen im Umweltschutz &#8211; sind   eingestellt worden. Nach den Aussagen des Wirtschaftsexperten Nouriel   Roubini befindet sich der Immobiliensektor der USA bereits in einem   &#8222;Double-Dip&#8220; &#8211; einer Wirtschaftskurve in Form des Buchstabens &#8222;W&#8220;. Der   Immobilienhandel hat fast den tiefsten Stand aller Zeiten erreicht.<\/p>\n<p>  Viele Wirtschaftsexperten sagen langfristig ein schwaches   Wirtschaftswachstum f&#252;r die USA voraus. Eine wachsende Zahl von Experten   jedoch h&#228;lt ein erneutes Absinken in die Rezession f&#252;r wahrscheinlicher.   Mit den Worten des Internationalen W&#228;hrungsfonds: &#8222;Dar&#252;ber hinaus ist   die wirtschaftliche Erholung weiterhin durch Schocks und die   vorherrschenden Abw&#228;rtstendenzen gef&#228;hrdet.&#8220;.<\/p>\n<h4>  <b>Schwachpunkte<\/b><\/h4>\n<p>  Die Analyse des WEO zeigt einige Schwachpunkte in den reicheren L&#228;ndern   auf:<\/p>\n<p>  Die Einnahmen der Privathaushalte sind gesunken und damit auch die   Nachfrage und der Konsum. Millionen Menschen sind arbeitslos geworden   oder haben ihre H&#228;user verloren. Im letzten Jahrzehnt wurde die   Nachfrage mit Verbraucherkrediten k&#252;nstlich hochgehalten. Nun sind diese   Kredite zur R&#252;ckzahlung f&#228;llig.<\/p>\n<p>  Banken und der gesamte Finanzmarkt sind noch immer instabil. Der   Immobilienmarkt, ein f&#252;hrender Wirtschaftsfaktor f&#252;r das   Wirtschaftswachstum in den USA, England, Irland, Spanien und anderen   L&#228;ndern, ist tiefer abgerutscht als in vorherigen Krisen und wird seine   &#8222;&#252;bliche&#8220; Rolle als Wachstumsmotor in der &#220;berwindung der aktuellen   Rezession nicht spielen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Defizite der Staatshaushalte und die Verschuldung der Staaten   wachsen rasend schnell an. Irland hat Anfang des Monats einen neuen   &#8222;Weltrekord&#8220; gebrochen mit einem Haushaltsdefizit des Staates von 32   Prozent des Bruttoinlandsproduktes &#8211; zehn mal h&#246;her als es in den   Mitgliedsvertr&#228;gen und Statuten der EU festgeschrieben steht. Die   Staatsverschuldung Irlands hat sich in den letzten f&#252;nf Jahren   vervierfacht.<\/p>\n<p>  Die meisten der seit 2008 beschlossenen&#8220; Rettungspakete&#8220; dienten dem   Ziel, die Banken zu retten &#8211; die heute weltweit f&#252;hrenden   &#8222;Subventions-Junkies&#8220; &#8211; ein Wort das gerade Neoliberale benutzen, um   Rentner und Arbeitslose zu diffamieren. Mit den Rettungspaketen wurden   die Bankenprofite und Manager-Boni in der Wall Street, Londons   Finanzdistrikt, etc. durch Defizite im jeweiligen Staatshaushalt   finanziert.<\/p>\n<p>  Die Europ&#228;ische Zentral Bank (EZB) hat Notfallgelder bereit gestellt,   die rund um die Uhr abrufbar sind, um die Liquidit&#228;t von Banken zu   sichern. Ebenfalls hat die EZB Staatsanleihen im Wert von mehr als 63,5   Milliarden Euro gekauft. In Irland &#252;bernimmt die Regierung die Garantien   f&#252;r Kapitaleinlagen von Sparern und Investoren; gleicherma&#223;en f&#252;r   einheimische und ausl&#228;ndische Spekulanten.<\/p>\n<p>  Der Internationale W&#228;hrungsfonds hat ausgerechnet, dass Kredite im Wert   von 4.000 Milliarden US $ (= vier Billionen) in den n&#228;chsten Jahren   verl&#228;ngert oder neu abgeschlossen werden m&#252;ssen und bezeichnet die   Europ&#228;ischen Banken als besonders gef&#228;hrdet. Die Banken m&#252;ssen laut IWF   (wegen Kreditausf&#228;llen bei der R&#252;ckzahlung durch Verbraucher und   Unternehmen, Anm. des &#220;bers.) Kredite &#252;ber 2.200 Milliarden US $ (= 2,2   Billionen) abschreiben. Das sind zwar 100 Milliarden US $ weniger, als   in vorherigen Prognosen, doch noch immer ein gigantischer Betrag. Von   mehr als einem Viertel dieser Kreditabschreibungen werden die genauen   Details der ausgefallenen Kredite nach wie vor geheim gehalten.<\/p>\n<h4>  <b>Wer muss zahlen? <\/b><\/h4>\n<p>  Regierungen in Griechenland, Portugal Spanien und Irland sind von   international agierenden Kapitalisten &#8211; die genau in diesen L&#228;ndern   h&#246;chst profitable Spekulationsgesch&#228;fte t&#228;tigen &#8211; unter Druck gesetzt   worden, damit sie die brutalen Sparpakete durchsetzen. L&#246;hne, Geh&#228;lter,   Renten, Kindergeld und &#246;ffentliche Ausgaben wurden gek&#252;rzt und   Arbeitspl&#228;tze vernichtet.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten haben Blut geleckt und sehen in der Wirtschaftskrise   eine goldene M&#246;glichkeit, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der   Arbeiterklasse aggressiv zu attackieren. In diesem Licht muss man auch   die Nachricht sehen, dass vor zwei Wochen Irlands Kredite vier   Prozentpunkte teurer waren, als deutsche Kredite.<\/p>\n<p>  Der IWF kommt zu dem Schluss, dass die entwickelten Wirtschaftsnationen   &#8222;verst&#228;rkt einen ausgeglichenen Staatshaushalt anstreben, das   Haushaltsdefizit zun&#228;chst stabilisieren und dann nach und nach die hohen   &#246;ffentlichen Schulden reduzieren und ihre Finanzsektoren sanieren und   reformieren m&#252;ssen.&#8220; &#8211; und dies, obwohl der IWF zur gleichen Zeit die   Sorge um die niedrige Wachstumsrate der Weltwirtschaft zu seinem   Leitmotiv gemacht hat. Es ist einfach ein Ding der Unm&#246;glichkeit,   gleichzeitig die Staatsschulden abzubauen und das Wirtschaftswachstum zu   f&#246;rdern. Es ist so, als ob man beim Autofahren gleichzeitig den   Vorw&#228;rts- und R&#252;ckw&#228;rtsgang einlegen wollte.<\/p>\n<p>  In der Praxis bedeutet die Argumentationslinie der Kapitalisten und des   IWF als ihr Sprachrohr nichts anderes als Wachstumsanreize f&#252;r Banken   und Gro&#223;unternehmen und f&#252;r den Rest der Bev&#246;lkerung tiefe Einschnitte   und neoliberale &#8222;Reformen&#8220;. Gew&#252;nscht werden: &#8222;Reformen f&#252;r die schnell   gewachsenen Konjunkturprogramme, vor allem in den Bereichen   Leistungsanspr&#252;che und Steuerreformen, die die Produktion und nicht so   sehr den Konsum f&#246;rdern sollen&#8220;. Der IWF will &#8222;Arbeitsmarktreformen&#8220;,   die &#8222;das Wachstum f&#246;rdern und neue Jobs kreieren&#8220;. Was das konkret   hei&#223;t, sieht man gerade in Spanien: geringere Renten   (&#8222;Leistungsanspr&#252;che an den Staat&#8220;) und eine Vereinfachung des   K&#252;ndigungsschutzes, so dass Arbeiter nun leichter von Arbeitgebern   entlassen werden k&#246;nnen (&#8222;Arbeitsmarktreform&#8220;).<\/p>\n<p>  Aber selbst der IWF muss zugeben, dass der Sparkurs die Wirtschaft   trifft. Die Reduzierung der Ausgaben im &#246;ffentlichen Sektor um ein   Prozent reduziert das Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozent &#252;ber einen   Zeitraum von zwei Jahren. Dies ist der Grund, warum die Wirtschaft in   Spanien, Irland, Portugal und den baltischen Staaten am Schrumpfen ist.   Und je mehr L&#228;nder ihre Ausgaben k&#252;rzen, umso gr&#246;&#223;er werden die   depressiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.<\/p>\n<h4>  <b>&#8221;Unorthodoxe Methoden&#8221; <\/b><\/h4>\n<p>  Was k&#246;nnen Regierungen tun, wenn die Zinsrate bereits bei &#8220;null&#8221; liegt,   die Konjunkturpakete ausgesch&#246;pft sind und trotzdem sowohl Nachfrage,   als auch Wachstum weiterhin schwach sind? Der IWF erwartet, dass die   US-amerikanische Notenbank &#8211; die &#8222;Federal Reserve&#8220;, den Start in eine   neue Runde &#8222;unkonventioneller Ma&#223;nahmen&#8220; oder &#8222;quantitativer   Erleichterungen&#8220; einl&#228;utet. Das hei&#223;t, dass sich die Federal Reserve   selbst Milliarden US $ zuspricht, um Staatsanleihen (sog. &#8222;I Owe You&#8220;&#8217;s   &#8211; IOU&#8217;s) zu kaufen. (Im Klartext hei&#223;t das, dass die Geldpressen   angeschmissen werden, um die Staatsanleihen kaufen zu k&#246;nnen. &#8211; Anm. d.   &#220;bers.)<\/p>\n<p>  Das ist Hokuspokus auf h&#246;chster Ebene. &#8222;Niemand ist sich derzeit sicher,   ob und wie diese quantitativen Erleichterungen und andere unorthodoxe   Geldmarktregulierungen funktionieren&#8220;, stellt die Financial Times in   ihrer Ausgabe vom 6. Oktober fest. Der IWF bezieht eine &#228;hnliche   Position: &#8222;Man wei&#223; relativ wenig &#252;ber die Wirksamkeit von   unkonventionellen erleichternden Geldmarktregulierungen und finanziellen   Einsparungen (im Staatshaushalt).&#8220; Der wahrscheinlichste Effekt wird   sein, dass sowohl die Zinsraten und der Dollarkurs weiter fallen werden,   was die US-Exporte beg&#252;nstigen wird.<\/p>\n<p>  Ob dadurch jedoch die Nachfrage innerhalb der USA selbst gesteigert   wird, ist mehr als zweifelhaft, da diese Art Krisenmanagement die   Privathaushalte und Unternehmen eher zu Vorsicht und Zur&#252;ckhaltung   dr&#228;ngt.<\/p>\n<h4>  <b>Neugewichtung? <\/b><\/h4>\n<p>  Die meisten Wirtschaftswissenschaftler begr&#252;nden ihre Hoffung auf eine   vollst&#228;ndige Erholung der Weltwirtschaft auf eine ver&#228;nderte Balance   oder Neugewichtung zwischen den Staaten. L&#228;nder mit hohen R&#252;cklagen &#8211; in   erster Linie China, Deutschland und Japan, sollten mehr konsumieren.   Chinas riesiger Handels&#252;berschuss gegen&#252;ber dem Rest der Welt wird als   Hauptgrund f&#252;r das aktuelle weltweite Ungleichgewicht gesehen (siehe   unten).<\/p>\n<p>  Hinter diesem Ungleichgewicht sind jedoch zwei treibende Kr&#228;fte   erkennbar: zum einen Chinas Investitionen, Produktion und Exporthandel,   aber auch zum anderen die kreditgetriebenen Haushaltsdefizite der USA.   In diesem Zusammenspiel spielt es eine wichtige Rolle, dass   Gro&#223;unternehmen aus den USA und Europa ihre Produktionsst&#228;tten nach   China verlegt haben und dadurch die reimportierten Fertigprodukte im   Westen billiger geworden sind.<\/p>\n<p>  Dieses Ungleichgewicht zu ver&#228;ndern ist allerdings keine einfache   Aufgabe. Der IWF gibt zu: &#8222;Mittelfristig wird die Inlandsnachfrage (in   &#8220;Schwellenl&#228;ndern&#8221;) wohl nicht stark genug sein, um die Schw&#228;che der   Nachfrage in den entwickelten Wirtschaftsnationen auffangen zu k&#246;nnen.   Daher muss davon ausgegangen werden, dass die weltweite Ausbalancierung   oder Neugewichtung zum Stillstand kommen wird.&#8220;<\/p>\n<p>  Einfacher gesagt, w&#252;rde die Ausbalancierung und Neugewichtung der   Weltwirtschaft das Wirtschaftswachstum in China, Indien und anderen   L&#228;ndern mit der st&#228;rksten Wachstumsrate in 2010 bremsen.<\/p>\n<p>  Kapitalistische Wirtschaftsexperten stimmen weitgehend &#252;berein, dass die   aktuelle Krise keine Parallelen in der Vergangenheit hat, dass die   Erholung unsicher und stark gef&#228;hrdet ist und dass die Arbeiterklasse   die Rechnung daf&#252;r bezahlen soll.<\/p>\n<p>  F&#252;r uns SozialistInnen ist es die Aufgabe, zu verdeutlichen und zu   erkl&#228;ren, dass es keinen kapitalistischen Ausweg aus dieser Krise gibt &#8211;   das System muss durch eine bewusste und organisierte Arbeiterbewegung   abgeschafft werden. Die Krise und die Ausbeutung des Kapitalismus muss   durch einen demokratischen Sozialismus ersetzt werden.<\/p>\n<h4>  <b>&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472;&#9472; <\/b><\/h4>\n<h4>  <b>Der Kapitalismus wird zunehmend parasit&#228;r<\/b><\/h4>\n<p>  <b>Mehr als die H&#228;lfte aller Bewegungen auf dem Aktienmarkt in den USA   wird von Computern ohne die Beteiligung eines einzigen Menschen   gesteuert und get&#228;tigt, Logarithmische Formeln kalkulieren die aktuellen   Preisunterschiede innerhalb von Mikrosekunden (1 ms = der ein-millionste   Teil einer Sekunde). Selbst das schnellste Breitbandkabel ist daf&#252;r zu   langsam und daher zahlen die B&#246;rsenhaie bereits extra Geld, um ihre   Computer m&#246;glichst in R&#228;umen nahe an den B&#246;rsen an der Wall Street, in   Stockholm, etc, zu installieren. <\/b><\/p>\n<p>  <i>von den Einkommenssteigerungen in den USA (1976 bis 2007) gingen 58   Prozent an die superreichen 1 Prozent der Gesamtbev&#246;lkerung. Die   Inlandsnachfrage der gro&#223;en Mehrheit wurde durch Verbraucherkredite   aufrecht erhalten. <\/i><\/p>\n<p>  Das Verm&#246;gen der britischen Banken betrug im Jahr 1988 etwa das Doppelte   des Bruttosozialproduktes Englands. Im Jahr 2006 war es bereits das   F&#252;nffache.<\/p>\n<p>  Mit zunehmenden wirtschaftlichen Problemen ist die EU nun dabei zu   erforschen, mit welchen Mitteln sie ihre Hilfe f&#252;r Investitionskapital   und f&#252;r die Exportwirtschaft steigern kann.<\/p>\n<p>  In 2008 hat die Spekulation an den B&#246;rsen mit Nahrungsmittelwerten zu   einer weltweiten Explosion der Lebensmittelpreise gef&#252;hrt. Dies geschah   auch nach den Naturkatastrophen in diesem Sommer in Russland und   Pakistan.<\/p>\n<h4>  W&#228;hrungskrieg &#8211; eine neue Phase der Krise<\/h4>\n<p>  &#8221;Regierungen, die versuchen, &#252;ber die Manipulierung der Wechselkurse   innenpolitische Probleme zu l&#246;sen, riskieren einen W&#228;hrungskrieg&#8220;, gab   IWF-Vorsitzender Dominique Straus-Kahn vor dem Gipfel bekannt. Nach dem   Ende des Gipfels zeigte er sich klar entt&#228;uscht: &#8222;Die Sprache (der   Abschlusserkl&#228;rung) wird nichts ver&#228;ndern. Wir ben&#246;tigen die Annahme von   Regulierungsma&#223;nahmen.&#8220;<\/p>\n<p>  Als erster hat der Finanzminister Brasiliens erkl&#228;rt, das ein   &#8220;internationaler W&#228;hrungskrieg&#8221; begonnen hat. Japan, S&#252;dkorea, Taiwan,   Schweiz, Kolumbien und sp&#228;ter auch Brasilien geh&#246;ren zu den L&#228;ndern, die   Regelungen getroffen haben, um den Wert ihrer Landesw&#228;hrungen k&#252;nstlich   zu verringern.<\/p>\n<p>  Durch das langsame Wirtschaftswachstum in den reichen Industrienationen   entstand ein gro&#223;er Kapitalfluss in Richtung der Schwellenl&#228;nder, wie   zum Beispiel Indien und Brasilien, wodurch der Wert der jeweiligen   Landesw&#228;hrung stieg. In der Europ&#228;ischen Union zeigen sich Politiker   besorgt dar&#252;ber, dass der Euro im Verh&#228;ltnis zu sowohl US-Dollar, als   auch zum chinesischen Renminbi wieder steigt.<\/p>\n<p>  In Japan hat die Zentralbank &#8222;Bank of Japan&#8221; US-Dollar aufgekauft, was   ein fehlgeschlagener Versuch war, den rasch steigenden Kurs des YEN   abzubremsen. Dieser lieg auf dem h&#246;chsten Stand im Vergleich zum   US-Dollar seit 1995. Die japanische Zentralbank hat ebenfalls   angek&#252;ndigt, &#8222;quantitative Erleichterungsma&#223;nahmen&#8220; (siehe obigen   Artikel) zu ergreifen, so im Ankauf von Staatsanleihen, aber auch von   privaten Stammaktien. Sie erhofft sich davon sowohl das   Wirtschaftswachstum anzukurbeln, als auch den Wechselkurs des YEN   niedrig halten zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die in den USA erwartete n&#228;chste Stufe dieser sogenannten quantitativen   Erleichterungen wird vermutlich sehr viel gr&#246;&#223;er sein, als die in Japan.   Es wird erwartet das die US-amerikanische Notenbank,- die Federal   Reserve &#8211; bis zu 100 Milliarden US-Dollar pro Monat zum Kauf von   Staatsanleihen aufwenden wird.<\/p>\n<p>  Das &#8220;Institute of International Finance&#8221; IFF, dem weltweit einzigen   globalen Zusammenschluss im Finanzsektor von mehr als 430 Gro&#223;banken,   hat bereits vor einem aus dem Konkurrenzkampf bei den Wechselkursen   entstehenden Protektionismus gewarnt. Der Protektionismus (durch   Festschreibungen und Eingriffe in den Wechselkurs und die Erhebung von   Schutzz&#246;llen) war ein entscheidender Faktor zur Entstehung der &#8222;Gro&#223;en   Depression&#8220; in den 1930er Jahren. Jede nationale kapitalistische Klasse   versuchte, sich auf Kosten der anderen zu retten.<\/p>\n<h4>  USA vs. China<\/h4>\n<p>  Der aktuelle gr&#246;&#223;te W&#228;hrungskonflikt besteht zwischen den USA und der VR   China. Ein Teil des Fl&#252;gels der US-amerikanischen Kapitalisten und zu   einem gr&#246;&#223;eren Ma&#223; Politiker versuchen, China f&#252;r die Arbeitslosigkeit   und Werksschlie&#223;ungen in den USA verantwortlich zu machen. Sie fordern   von China die Abwertung ihrer W&#228;hrung &#8211; des Renmimbi, um dem   US-amerikanischen Markt wieder eine &#8222;faire&#8220; Grundlage zur   Inlandsproduktion &#8222;zur&#252;ckzugeben&#8220;. Hingegen betrachtet die chinesische   Diktatur und ihre Kapitalisten das wachsende Exportgesch&#228;ft als wichtige   Grundlage, um an der Macht zu bleiben, und wollen daher den Wechselkurs   des Renmimbi niedrig halten.<\/p>\n<p>  In den Jahren 2005 bis 2008 haben die gemeinsamen Interessen beider   Gro&#223;m&#228;chte dazu gef&#252;hrt, dass in den Zeiten der noch wachsenden   Weltwirtschaft, China eine Abwertung des Renminibi um 20 Prozent   gegen&#252;ber der US-W&#228;hrung akzeptiert und umgesetzt hat. Mit dem Beginn   der Krise hat Peking jedoch den Wechselkurs des Renminbi wieder   eingefroren. Unter den Drohungen der Ergreifung von Gegenma&#223;nahmen aus   den USA und einer leichten Erholung der Weltwirtschaft in diesem Jahr   stieg der Wechelkurs des Renmimbi wieder seit Juni um 2,3 Prozent. Doch   die Forderungen von US-&#214;konomen und Politikern bestehen auf einer   Aufwertung von 20 bis 40 Prozent<\/p>\n<p>  Das &#8220;House of Representatives&#8221;, die Abgeordnetenkammer des US   Kongresses, hat vor Kurzem zugestimmt, einen Gesetzesentwurf   aufzusetzen, der gegen &#8220;unfaire Subventionen&#8221; von W&#228;hrungen vorgehen   soll. Dies ist eine direkte Androhung, Chinas Produkte als Strafe mit   Schutzz&#246;llen beim Import zu belegen. Der Entwurf muss noch den Senat   durchlaufen und bei Zustimmung des Senats von Pr&#228;sident Obama   unterschrieben werden, um rechtsg&#252;ltig zu werden.<\/p>\n<p>  &#8222;Ist die Zeit f&#252;r einen W&#228;hrungskriege mit China gekommen?&#8220; Die Antwort   scheint mehr und mehr &#8216;Ja&#8217; zu sein&#8220;, schrieb Martin Wolf, der   Chefkommentator f&#252;r Wirtschaft bei der Financial Times vor zwei Wochen.   F&#252;r ihn stellt Chinas niedrige Wechselkursrate eine Art von   Protektionismus dar.<\/p>\n<h4>  Ein neues Plaza Abkommen?<\/h4>\n<p>  Es sieht danach aus, dass das Wei&#223;e Haus den IWF dazu gedr&#228;ngt hat,   China zum Nachgeben zu zwingen. Nach dem gescheiterten Gipfel hofft   Obama nun, die Unterst&#252;tzung der G-20 Staaten beim Gipfeltreffen in   S&#252;dkorea im November zu bekommen.<\/p>\n<p>  Das Modell, das oft dazu herangezogen wird, gr&#252;ndet sich im sogenannten   &#8222;Plaza Accord&#8220; von 1985 (einem unterzeichneten internationalen   &#220;bereinkommen zwischen Frankreich, BRD, Japan, USA und England, Anm. d.   &#220;.), als Japan die Aufwertung des Yen zum US-Dollar vertraglich   akzeptierte. Peking sieht dieses Modell eher als Warnung, denn seit   seinem Inkrafttreten hat es f&#252;r Japan eine zwei Jahrzehnte dauernde   wirtschaftliche Stagnation gebracht.<\/p>\n<p>  Teurere Exporte aus China w&#252;rden den Welthandel verlangsamen. Eine   Verringerung der Exporte aus Asien, falls mehr W&#228;hrungen dem Wechselkurs   des Renmimbi folgen w&#252;rden, w&#252;rde die gesamte Weltwirtschaft bremsen.<\/p>\n<p>  Chinas Wachstum basiert auf massiven Investitionen. Der Anteil an   Investitionen wuchs von 32 Prozent auf 40 Prozent des   Bruttosozialproduktes in den Jahren 1997 bis 2009. In der gleichen Zeit   fiel der Anteil der privaten Haushalte von 45 Prozent auf 36 Prozent.   Die Nachfrage zu steigern k&#246;nnte daher zu einem Abfall der Investitionen   f&#252;hren. Doch sind es die Investitionen, die derzeit Chinas Wirtschaft   antreiben. Die Investitionen ihrerseits beruhen auf einer Finanzblase,   da sie oft mit k&#252;nstlich &#252;berbewerteten Grundst&#252;ckspreisen   gegenfinanziert werden.<\/p>\n<p>  Ein h&#246;herer Wechselkurs des Renminbi w&#252;rde die inneramerikanischen   Probleme der USA auch nicht l&#246;sen k&#246;nnen. Ein teurerer Renminbi w&#252;rde zu   Preissteigerungen in den USA f&#252;hren. Ein gr&#246;&#223;ere Abwertung des US-Dollar   w&#252;rde nicht nur der US-Regierung Probleme bei der Kreditbeschaffung zur   Finanzierung des Haushaltes bereiten, sondern auch den privaten   Haushalten bei der Beschaffung von Verbraucherkrediten und den   Unternehmen zur Kreditbeschaffung f&#252;r Investitionen. Ebenfalls hat die   USA ein Au&#223;enhandelsdefizit mit vielen Staaten.<\/p>\n<p>  Der &#8220;W&#228;hrungskrieg&#8221;, zurzeit noch in den Kinderschuhen, k&#246;nnte im   schlimmsten Falle in einen offenen Handelskrieg m&#252;nden. Bei den   wachsenden imperialistischen Widerspr&#252;chen vor allem zwischen den USA   und China geht es auch um die Kontrolle der nat&#252;rlichen Rohstoffe und um   milit&#228;risch-strategische Macht.<\/p>\n<p>  Wie in der Frage der L&#246;sung der allgemeinen weltweiten Krise gibt es   auch in der Frage des drohenden W&#228;hrungskrieges keine kapitalistische   L&#246;sung. Auch wenn sich Regierungen und Kapitalisten untereinander   bek&#228;mpfen, werden sie immer damit &#252;bereinstimmen, die Last der Krisen   auf die Arbeiterklasse und Armen abzuw&#228;lzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gipfel des Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) gescheitert\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13942"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13942"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13942\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13942"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}