{"id":13932,"date":"2010-10-22T00:00:00","date_gmt":"2010-10-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13932"},"modified":"2012-07-02T18:46:51","modified_gmt":"2012-07-02T16:46:51","slug":"13932","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13932\/","title":{"rendered":"Klassenk&#228;mpfe in Griechenland und die Krise der griechischen Linken"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Lucy Redler<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Du hast Mitte Oktober an Veranstaltungen der griechischen   Schwesterorganisation der SAV, Xekinima, in Volos, Thessaloniki und   Athen teilgenommen. Worum ging es dabei?<\/h4>\n<p>  Thematisch ging es um den Charakter der Krise, den Stand der   Klassenk&#228;mpfe in Europa und die europ&#228;ischen Linksparteien. Neben mir   haben Andros Payiatsos, Generalsekret&#228;r von Xekinima, und Marco Veruggio   von Controcorrente, einer marxistischen Str&#246;mung in der italienischen   Rifondazione Comunista, auf den Veranstaltungen gesprochen. Mit   insgesamt &#252;ber 250 TeilnehmerInnen waren die Veranstaltungen sehr   erfolgreich. Eine Reihe von Mitgliedern von SYRIZA nahm an den   Veranstaltungen teil, in Athen unter anderen ein Abgeordneter aus dem   griechischen Nationalparlament.<\/p>\n<h4>  Was ist dein Eindruck von der Stimmung in der griechischen   Arbeiterklasse und Linken?<\/h4>\n<p>  Im Gegensatz zum ersten Halbjahr, in dem sechs Generalstreiks in   Griechenland stattfanden und die Stimmung von enormer Wut und   Kampfbereitschaft gepr&#228;gt war, ist die Stimmung heute etwas   komplizierter. Der n&#228;chste Generalstreik ist f&#252;r den 15. Dezember   geplant. Das ist der Zeitpunkt, zu dem es aufgrund der   Haushaltsberatungen jedes Jahr zu gro&#223;en Mobilisierungen und Streiks   kommt. Angesichts der geplanten Massenentlassungen bei der Eisenbahn und   anderen Sektoren und der Privatisierungspl&#228;ne der PASOK-Regierung w&#228;re   eine richtige Gegenoffensive der Gewerkschaften n&#246;tig. Doch die beiden   gro&#223;en Gewerkschaftsverb&#228;nde bieten keine Strategie an, um K&#228;mpfe   erfolgreich zusammenzuf&#252;hren. Andros Payiatsos hat bei der Veranstaltung   berichtet, dass der Pr&#228;sident der Gewerkschaft GSEE, Panagopoulos,   &#246;ffentlich gegen&#252;ber der Nachrichtenagentur Reuters ge&#228;u&#223;ert habe, dass   es keinen Sinn mache, die Arbeiter zu weiteren Streiks aufzurufen, weil   die bisherigen Streiks die Regierung nicht zum R&#252;ckzug gezwungen h&#228;tten.   Viele Arbeiter meinen dagegen, dass ein 24-st&#252;ndiger Generalstreik nicht   ausreichend w&#228;re.<\/p>\n<h4>  Das hei&#223;t, dass es momentan keine K&#228;mpfe in Griechenland gibt?<\/h4>\n<p>  Doch, aber sie finden unabh&#228;ngig voneinander statt. Die Besch&#228;ftigten   der Eisenbahn haben bereits Streikaktionen gegen die geplanten   Privatisierungen beschlossen. Auch die Besch&#228;ftigten des   Elekrizit&#228;tsbranche sind sehr kampfbereit. Ihre K&#228;mpfe k&#246;nnen auch f&#252;r   andere Besch&#228;ftigte eine Ermutigung sein und den Druck von unten f&#252;r   verallgemeinerte Gegenwehr erh&#246;hen. Zum Zeitpunkt als ich in Athen war,   haben Besch&#228;ftigte des Kultusministeriums den Zugang zur Akropolis   blockiert, weil sie seit zwei Jahren keinen Lohn ausgezahlt bekommen   haben.<\/p>\n<h4>  Wie ist die Lage in SYRIZA nach der Abspaltung eines Teils von   Synaspismos (SYN)?<\/h4>\n<p>  SYRIZA hat es in den letzten Monaten nicht vermocht, klare Forderungen   zu formulieren, wie der Kampf gef&#252;hrt werden kann und welche politischen   Alternativen n&#246;tig sind. Xekinima hat in SYRIZA wiederholt daf&#252;r   argumentiert, dass SYRIZA f&#252;r die Streichung aller Schulden und die   Verstaatlichung aller Banken eintreten muss. SYRIZA hat bis heute die   Forderung nach Schuldenstreichung nicht angenommen &#8211; und das in einer   Situation, in der die PASOK-Regierung die griechische Arbeiterklasse f&#252;r   die Krise bluten lassen will. Synaspismos und andere gro&#223;e linke   Organisationen sprechen sich lediglich f&#252;r die Neuverhandlung der   Schulden und teilweise auch f&#252;r eine partielle Streichung der Schulden   aus, was alles andere als ausreichend ist. Der Zustand von SYRIZA ist   h&#246;chst problematisch. In Umfragen hat das B&#252;ndnis nur noch eine   Unterst&#252;tzung von zwei bis drei Prozent, w&#228;hrend drei&#223;ig Prozent sagen,   dass sie nicht zur Wahl gehen w&#252;rden oder noch unentschieden sind. Die   kommunistische Partei KKE stagniert ebenfalls. Niemand kann momentan   sagen, wie es mit SYRIZA nach den Kommunalwahlen im November genau   weitergehen wird.<\/p>\n<h4>  Was hat das mit den Wahlen zu tun?<\/h4>\n<p>  Trotz klarer Mehrheiten im Zentralkomitee f&#252;r eine eigenst&#228;ndige   Kandidatur von SYRIZA bei den Kommunalwahlen in Athen, hat die Fraktion   um die SYN-F&#252;hrung entschieden, einen angeblichen &#8222;Rebellen&#8220; von PASOK,   Mitropoulos, zu unterst&#252;tzen und damit SYRIZA an den Rand der Spaltung   gef&#252;hrt. Eine andere Fraktion in SYRIZA, um die maoistische KOE und   andere, hat sich unabh&#228;ngig von der Mehrheit im Zentralkomitee   entschieden, den ehemaligen Pr&#228;sidenten von SYRIZA, Alavanos, zu   unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Es ist m&#246;glich, dass das Ergebnis der Kommunalwahlen in Athen dazu   f&#252;hrt, dass sich die F&#252;hrung von SYN entscheidet, ihre Mitarbeit in   SYRIZA zu beenden. Dies ist nur eine von mehreren M&#246;glichkeiten. Da die   Mitglieder von SYN &#252;ber 70 Prozent der Mitgliedschaft von SYRIZA   ausmachen, w&#252;rde dies die Krise von SYRIZA enorm versch&#228;rfen.<\/p>\n<p>  Ein Genosse aus Thessaloniki meinte in der Diskussion, die Krise der   griechischen Linken sei tiefer als die Krise des Kapitalismus. Ihre   Unf&#228;higkeit, ein klares Programm zu formulieren und die Regierung   herauszufordern, f&#252;hrt derzeit dazu, dass PASOK die Umfragen anf&#252;hrt &#8211;   und dass nach sechs Generalstreiks!<\/p>\n<h4>  Wie geht Xekinima mit dieser Situation um?<\/h4>\n<p>  Xekinima hat sich bereits in den letzten Monaten st&#228;rker auf   eigenst&#228;ndige Arbeit konzentriert und spielt eine wichtige Rolle in den   K&#228;mpfen. GenossInnen von Xekinima haben beispielsweise einen sehr   wichtigen Arbeitskampf in einem Krankenhaus mit angef&#252;hrt. Politisch   versuchen sie in Diskussion mit anderen linken Kr&#228;ften Antworten zu   formulieren, wie der Kampf gegen die Regierung und Arbeitgeber   erfolgreich sein kann und welche Forderungen daf&#252;r zentral sind.<\/p>\n<p>  Trotz der momentan komplizierteren objektiven Lage ist die Stimmung in   Xekinima sehr gut. Die Organisation macht zudem bedeutende Fortschritte,   Arbeiter und Arbeiterinnen mit Migrationshintergrund zu organisieren.   Bei der Veranstaltung in Athen waren &#252;ber drei&#223;ig GenossInnen   afrikanischer und asiatischer Herkunft anwesend. Viele von ihnen spielen   eine bedeutende Rolle in der Organisation.<\/p>\n<h4>  Kannst du abschlie&#223;end in drei S&#228;tzen sagen, ob es neue Entwicklungen in   Italien gibt?<\/h4>\n<p>  Ja, am interessantesten erscheint mir das, was Marco Veruggio &#252;ber die   Metallarbeitergewerkschaft FIOM berichtet hat. Aufgrund ihrer   kompromisslosen und k&#228;mpferischen Haltung an der Seite der   Fiat-Besch&#228;ftigten wird die FIOM immer mehr zum Anziehungspunkt f&#252;r   Arbeiter und linke Aktivisten. Am vergangenen Samstag konnte sie &#252;ber   100.000 zu einer Demonstration mobilisieren. Die politische Leerstelle,   die die Rifondazione Comunista gelassen hat, wird nun teilweise von der   FIOM besetzt. K&#252;rzlich meinte ihr Vorsitzender, dass die FIOM zwar keine   politische Partei gr&#252;nden k&#246;nne, aber helfen k&#246;nnte, die Grundlage dazu   vorzubereiten. Unsere GenossInnen von Controcorrente haben mittlerweile   ihren Hauptslogan von &#8222;Wir brauchen eine Linke der Arbeiterklasse&#8220;   ge&#228;ndert in &#8222;Wir brauchen eine Linke wie die FIOM&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Lucy Redler\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[27,44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13932"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13932"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13932\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}