{"id":13925,"date":"2010-10-13T00:00:00","date_gmt":"2010-10-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13925"},"modified":"2012-07-02T18:47:03","modified_gmt":"2012-07-02T16:47:03","slug":"13925","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13925\/","title":{"rendered":"Das Umweltdesaster bei Kolontar (Ungarn)"},"content":{"rendered":"<p>  Das bisherige Ausma&#223; der Katastrophe<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der Kapitalismus produziert st&#228;ndig Katastrophen. Nach der   Verschmutzung des Golfes von Mexiko reist die Serie der Katastrophen   nicht ab. Letzte Woche Montag ereignete sich eines der gr&#246;&#223;ten   Industrieungl&#252;cke der Menschheitsgeschichte in Nord-West-Ungarn. Durch   unsachgem&#228;&#223;e Lagerung von hochgiftigen Abfallprodukten in einen der   gr&#246;&#223;ten Aluminiumwerke (MAL) wurden knapp eine Million Kubikmeter   Schlamm freigesetzt. Einige Chemiker halten den Schlamm sogar f&#252;r   radioaktiv und krebserregend. <\/b>    <\/p>\n<h4>  <i>von Konstantin Schmied, zur Zeit Budapest<\/i><\/h4>\n<p>  Der hochgiftige Schlamm wurde &#8222;nahezu bedenkenlos unter freiem Himmel   gelagert&#8221; (Nepszabadsag, linksliberale Zeitung). Durch einem Dammbruch   des Lagerungsbecken konnte dieses Chemikaliengemisch in die Umwelt   gelangen. Nach dem nun weite Teile des verseuchten Gebietes unbewohnbar   werden, behauptet das Unternehmen nun, dass &#8222;the red mud is not a   dangerous waste according to the European Waste Catalogue&#8221;(www.mal.hu).   Trotz dieser angenohmende &#8222;Unsch&#228;dlichkeit&#8221; der Chemikalien ordneten die   ungarischen Umweltbeh&#337;rden die Evakuierung der ersten 800 Dorfbewohner.   Bisher sind durch die Katastrophe zehn Menschen gestorben.<\/p>\n<h4>  Umweltschutz im Kapitalismus?<\/h4>\n<p>  Dem skrupelosen Unternehmen ging es schon in den letzten Jahren weniger   um Umweltschutz, sondern nur um die Maximierung ihrer Profite. So   schreibt die Firma auf ihrer Internetseite, dass ihr haupts&#228;chliches   Ziel die Aluminium-Marktf&#252;hrerschaft in Zentraleuropa sei (www.mal.hu).   Dieses Ziel wird r&#252;cksichtslos verfolgt, so verhinderte die Firma und   auch verschiedene Industrieverb&#228;nde, dass strengere Umweltschutzgesetze   eingef&#252;hrt werden. So gen&#252;gt es bisher in Ungarn eine derartige   Produktionsanlage mit 100.000.000 Forint (entspricht etwa 35&#160;000 Euro)   gegen (Umwelt-)Sch&#228;den aller Art zu versichern.<\/p>\n<h4>  Welche Hilfe ist von der Orban-Regierung zu erwarten?<\/h4>\n<p>  Doch der rechtsgerichtete Ministerpr&#225;sident Viktor Orban sprach im   ungarischen Fernsehen nicht davon, dass die Ursache bei seiner Regierung   lag (sie h&#228;tte doch strikte Gesetze erlassen k&#246;nnen) oder bei dem   Unternehmen lag, sondern er behauptete dreist, dass &#8222;menschliches   Versagen&#8221; dieses Ungl&#252;ck verursachte. Mit dieser &#196;u&#223;erung schob er die   Verantwortung f&#252;r diese Katastrophe auf die ArbeiterInnen dieser Fabrik   ab. W&#228;hrend Orban solchen Unsinn verbreitet, solidarisieren sich die   ersten Arbeiter mit den betroffenen Bewohnern und helfen bei der   Errichtung weiterer Schutzdeiche und unterst&#252;tzen die Helfer beim   Wegr&#228;umen des Giftschlammes.<\/p>\n<h4>  Verschleierungstaktik der Orban &#8211; Regierung<\/h4>\n<p>  Die Regierung Ungarns stellt die Situation nun so da, dass sich das   Ausmass der Katastrophe vermindert. So wird auf einer entsprechenden   PR-Seite behauptet, dass der PH-Wert des schlammes sich neutralisieren   w&#252;rde und die Katastrophe daher halb so schlimm sei. Verschwiegen wird   dabei jedoch, dass der PH-Wert des Schlammes zur&#252;ckgeht, weil der   Schlamm sich im Wasser aufl&#246;sst. Die rechte Regierung Ungarns will die   Katastrophe weitestgehend verschleiern. Dies gelingt ihr einerseits mit   einer restriktiven Mediengesetzgebung (Zentralisierung der   Fernsehsender) und andererseits mit milit&#228;rischer Gewalt. Am Donnerstag   letzter Woche wurde versucht ein &#246;sterreichisches Nachrichtenflugzeug   abzufangen, dass sich dem Katastrophenort n&#228;hern wollte und dadurch den   ungarischen Luftraum verletzte (Pester Llyod).<\/p>\n<h4>  Was sagen unabh&#225;ngige Wissenschaftler zu der Katastrophe?<\/h4>\n<p>  Unabh&#228;ngige Beobachter und Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace   werfen der ungarischen Regierung ebenfalls Vertuschungsversuche vor. Von   Greenpeace beauftragte Chemiker fanden heraus, dass der Schlamm einen   extrem hohen Arsen- und Quecksilbergehalt aufweist (Greenpeace   &#214;sterreich). Arsen und Quecksilber k&#246;nne das Nervensystem von Fischen   und anderen Tieren sch&#228;digen. Landwirtschaft wird auf den vierzig   Quadratkilometer gro&#223;en Gebiet nicht mehr m&#246;glich sein. Die genauen   Folgen des Umweltdesasters sind noch nicht absehbar.<\/p>\n<h4>  Wer werden die Verlierer sein?<\/h4>\n<p>  Auch wenn die ungarische Regierung und die Betreiber die Schuld f&#252;r   dieses Desaster von sich weisen und bem&#252;ht ist die Aufkl&#228;rung der   Vorf&#228;lle zu verhindern, so steht doch schon eines fest: wer die   Verlierer sein werden. Die Firma bat den betroffenden eine Entsch&#228;digung   von 400 Euro an. &#220;ber 500 Wohnh&#228;user werden unbewohnbar sein, da sie vom   Schlamm verseucht wurden (Wikipedia). Wenn der Schlamm trocknet oder ein   weiterer Damm bricht, k&#246;nnen weitere Gebiet verseucht werden. Der   meterologische Dienst &#214;sterreichs bef&#252;rchtet, dass trockener Rotschlamm   bis &#214;sterreich geweht werden k&#246;nnte (zamc.ac.at).<\/p>\n<h4>  Was tun gegen die Sauerei?<\/h4>\n<p>  Weder der Stalinismus noch der Kapitalismus in Ungarn sorg(t)en sich um   die Umwelt. So wurde w&#228;hrend des Stalinistischen Regimes wider dem Volke   riesige Aluminiumwerke gebaut (in der Ausstellung des &#8222;terrorhaza&#8221; wurde   dies als eine Gr&#228;ueltat der Sowjetunion dargestellt). Auf die Natur und   die Menschen wurde dabei keine R&#252;cksicht genommen. Nach der   Privatisierung des gro&#223;en Aluminiumtrustes w&#228;hrend der neunziger Jahre   wurde ebenso wenig etwas f&#252;r den Umweltschutz getan, andernfalls w&#228;re es   nicht zu diesem Desaster gekommen.<\/p>\n<p>  Der besten Weg, die Umwelt zu sch&#252;tzen und sinnvolle Schutzprogramme zu   entwickeln, ist die Erreichtung einer Gesellschaft, in der nicht eine   kleine kapitalistische oder b&#252;rokratische Minderheit nach eigenen   Gutd&#252;nken herrscht, sondern alle mit entscheiden d&#252;rfen. Dieses Ziel   kann nur in einer sozialistischen Gesellschaft verwirklicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das bisherige Ausma&#223; der Katastrophe\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13925"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13925"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13925\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13925"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13925"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13925"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}