{"id":13917,"date":"2010-10-08T19:00:00","date_gmt":"2010-10-08T19:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13917"},"modified":"2010-10-08T19:00:00","modified_gmt":"2010-10-08T19:00:00","slug":"13917","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13917\/","title":{"rendered":"&quot;Die Polizei hat provoziert!&quot;"},"content":{"rendered":"<p>  Pressekonferenz der Jugendoffensive gegen S 21<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Heute fand um 14 Uhr eine einst&#252;ndige Pressekonferenz der   Jugendoffensive gemeinsam mit Vertretern des B&#252;ndnisses der Parksch&#252;tzer   statt. Anlass dazu war der brutale Einsatz, mit dem die Polizei in   Stuttgart am 30. September den Schlossgarten in der N&#228;he des Stuttgarter   Hauptbahnhofes r&#228;umte. Ebenso wurde die Pressekonferenz der Polizei vom   5. Oktober zum Anlass genommen, eine Gegendarstellung der Ereignisse der   &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich zu machen. Ein Live-Mitschnitt der Konferenz   wurde auf den Nachrichtensendern ntv und N24 &#252;bertragen.<\/p>\n<h4>  <i>von Ren&#233; Kiesel, z.Z. in Stuttgart<\/i><\/h4>\n<h4>  Sch&#252;lerstreik statt Politikverdrossenheit<\/h4>\n<p>  &quot;Der Sch&#252;lerstreik sollte zeigen, was m&#246;glich gewesen w&#228;re, wenn auch   die Eltern gestreikt h&#228;tten und Entschlossenheit demonstrieren,&quot; begann   Florian Tuniutti, einer der SprecherInnen der Jugendoffensive gegen   Stuttgart 21, seine Ausf&#252;hrungen.<\/p>\n<p>  Die Sch&#252;lerdemonstration an diesem Tag wurde von der Polizei offiziell   genehmigt. Sie hatten die Einwilligung, sich bis um 17 Uhr im   Schlossgarten aufzuhalten und auch einen Lautsprecherwagen zu benutzen.<\/p>\n<p>  Nachdem bekannt wurde, dass ein massives Polizeiaufgebot im Park   aufgebaut wurde, wurde der Parksch&#252;tzeralarm ausgel&#246;st, der auch die   Sch&#252;lerInnen informierte und die dann gemeinsam entschieden, die Demo   abzubrechen und dorthin zu gehen.<\/p>\n<p>  Alle unter 16-J&#228;hrigen sowie jene, die sich unsicher waren, wurden von   den Mitgliedern der Jugendoffensive aufgefordert, auf eigenen Wunsch zu   gehen.<\/p>\n<p>  Die Einsatzleitung habe folglich davon gewusst, dass sich die ca. 2.000   Sch&#252;lerInnen im Park aufhalten. Die Entscheidung, die Absperrung des   Gel&#228;ndes im Park mit allen Mitteln durchzusetzen, sei von den   Verantwortlichen der Landesregierung bewusst gef&#228;llt worden. Es seien   Einsatzkr&#228;fte aus mehreren Bundesl&#228;ndern eingesetzt worden, die mit   Wasserwerfern, Pfefferspray und Panzerung ausger&#252;stet gewesen seien.<\/p>\n<h4>  Eltern wollen Protest fortsetzen<\/h4>\n<p>  Ursel Beck, Mutter von zwei Schulkindern, deren j&#252;ngster Sohn ebenfalls   unter den TeilnehmerInnen war, berichtete von einem Gespr&#228;ch in einem   Kreis von Eltern, in dem zum Ausdruck kam, dass die M&#252;tter und V&#228;ter   entsetzt &#252;ber den Einsatz der Polizei sind und dies verurteilen. Sie   erw&#228;gen nun, gemeinsam rechtlich dagegen vorzugehen.<\/p>\n<p>  Die rund 400 Verletzten, unter denen viele Minderj&#228;hrige waren, h&#228;tten   nicht nur physische Verletzungen erlitten, sondern litten auch unter den   seelischen Folgen. Viele berichteten von Schlaflosigkeit,   Orientierungsschwierigkeiten und Problemen, die Ereignisse an diesem Tag   zu verarbeiten.<\/p>\n<p>  Neben den Erlebnissen dieses Tages, seien die Eltern auch &#252;ber die   Berichterstattung der Medien und die Verleumdungen der Regierung   schockiert, die gerade diese Pressekonferenz notwendig machten. Sie   seien fest entschlossen, den Protest gegen das Prestigeprojekt Stuttgart   21 weiterhin fortzusetzen.<\/p>\n<h4>  Polizei verweigerte Versorgung der Verletzten<\/h4>\n<p>  Matthias, Pressesprecher der Parksch&#252;tzer, betonte, dass es mehr als die   offiziellen 130 Verletzten seien. Vielmehr seien &#252;ber 400 Menschen von   Pfefferspray, Schlagstock- und Wasserwerfereins&#228;tzen betroffen gewesen.<\/p>\n<p>  Als man versuchte, &#252;ber den Notruf Rettungssanit&#228;ter an den Einsatzort   zu holen, sei verschiedenen AnruferInnen gesagt worden, dass die Helfer   nicht an den Einsatzort k&#228;men. Angeblich seien sie von der Polizei   behindert worden. Ehrenamtliche Demosanit&#228;ter h&#228;tten die Verletzten dann   versorgt.<\/p>\n<p>  Das vorgef&#252;hrte Videomaterial habe eindeutig gezeigt, dass die   DemonstrantInnen trotz der Provokationen der Polizei nicht mit Gewalt   reagierten, sondern sich gegenseitig immer in ihrer Gewaltlosigkeit   best&#228;rkten.<\/p>\n<p>  Hingegen legte er die Vermutung nahe, dass unter der Menschenmenge auch   ein Agent Provocateur der Polizei war. Auf dem Titelblatt der &quot;Bild&quot; ist   ein Mann mit Vermummung mit einem Pfefferspray in der Hand zu sehen, der   den Strahl gegen die Polizeireihen richtet. Die Gr&#246;&#223;e des Strahls lie&#223;e   auf ein nicht handels&#252;bliches Pfefferspray schlie&#223;en. Ebenso seine   Haltung, die auf eine Polizeiausbildung schlie&#223;en lie&#223;e und die Richtung   des Strahls. Augenzeugen berichteten, er zielte auf die Beine eines   Polizisten und verschwand danach hinter die Linie der Einsatzkr&#228;fte.   Davon gab es auf YouTube ein Video, das die Polizei selbst   ver&#246;ffentlichte, jedoch anschlie&#223;end wieder zur&#252;ckzog.<\/p>\n<p>  Tobi von der Jugendoffensive f&#252;hrte dazu ein 7-min&#252;tiges Video vor, dass   die zeitliche Abfolge der Ereignisse darlegte und deutlich zeigte, wie   Polizisten in Zivilkleidung und einer Warnweste zu Beginn der Proteste   im Park aktiv versucht h&#228;tten, Sch&#252;lerInnen durch k&#246;rperlichen Einsatz   zu provozieren. Dies gelang ihnen allerdings nicht.<\/p>\n<p>  Alexander Schlager ist einer der vier Schwerverletzten und erlitt einen   Netzhautriss im Auge durch den Wasserstrahl, der operativ behandelt   wurde. Er verlas eine gemeinsame Erkl&#228;rung, in der er einen   Untersuchungsausschuss zum Einsatz der Polizei durch den Landtag   forderte.<\/p>\n<p>  Weiterhin wurde in weiteren Redebeitr&#228;gen durch Anwesende und   Augenzeugen deutlich gemacht, dass die Polizei trotz mehr als 80 Stunden   Videomaterial dieses Tages keine Beweise f&#252;r die Vorw&#252;rfe bringen   konnte, die DemonstrantInnen h&#228;tten Gewalt angewendet. Nachdem die   Rambotaktik nicht mehr ziehen w&#252;rde, setzten sie nun auf Schlichtung,   die allerdings zum Scheitern verurteilt sei, da Mappus und Co. am   Milliardenprojekt festhalten wollten.<\/p>\n<p>  Mehrere Eltern berichteten von den Erlebnissen vor Ort und best&#228;tigten,   dass von der Polizei grund- und ansatzlos von Gewalt, Pfefferspray und   Wasserwerfern Gebrauch gemacht worden w&#228;re.<\/p>\n<p>  Eine Journalistin vom Freien Radio in Stuttgart forderte ihre   Kolleginnen von verschiedenen Sendeanstalten und Zeitungen auf, die   Wahrheit zu senden und aufrichtig zu sein. Sie kritisierte, dass die   Diffamierungen der DemonstrantInnen durch Landesregierung eine Plattform   in den Medien gefunden h&#228;tten und diese selbst f&#252;r eine falsche   Darstellung der Tatsachen verantwortlich gewesen w&#228;ren. So zum Beispiel,   dass die Eltern ihre Kinder als &quot;lebendige Schutzschilde&quot; benutzt   h&#228;tten, wor&#252;ber ebenfalls Fassungslosigkeit herrschte.<\/p>\n<p>  Einigkeit hingegen bestand darin, mit den Protesten weiterzumachen, bis   das Projekt endg&#252;ltig gestoppt ist. Von allen Beteiligten ging ein   klares &quot;Jetzt erst recht!&quot; als Botschaft aus. Morgen, am 09.10.10 um 15   Uhr gibt es eine Massenkundgebung vor dem ehemaligen Nordfl&#252;gel des   Hauptbahnhofes in Stuttgart. Den Abschluss soll die anschlie&#223;ende   Demonstration um 16 Uhr im Schlossgarten finden. Es werden von den   VeranstalterInnen mehrere zehntausend TeilnehmerInnen erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Pressekonferenz der Jugendoffensive gegen S 21\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13917"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13917"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13917\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}