{"id":13904,"date":"2010-09-29T00:00:00","date_gmt":"2010-09-29T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13904"},"modified":"2010-09-29T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-29T00:00:00","slug":"13904","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13904\/","title":{"rendered":"Der Generalstreik in Indien am 7. September"},"content":{"rendered":"<p>  Eine neue Welle der Radikalisierung hat begonnen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Verschiedene Gewerkschaften aus unterschiedlichsten Bereichen haben am   7. September zum Generalstreik in Indien aufgerufen. Es war ein Protest   gegen die steil ansteigenden Preise f&#252;r Lebensmittel und Kraftstoffe,   w&#228;hrend sowohl L&#246;hne als auch Arbeitszeiten gek&#252;rzt und Arbeitspl&#228;tze   vernichtet werden.<\/p>\n<h4>  <i>von Jagadish Chandra, New Socialist Alternative (Sektion des Komitees   f&#252;r eine Arbeiterinternationale in Indien)<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Es war ein unvorstellbarer landesweiter Streik, den es so noch nie   gegeben hat. Es ist die Einheit (der Gewerkschaften), die die Arbeiter   dazu inspiriert hat, sich am Aufruhr zu beteiligen und die zu massiven   Auswirkungen gef&#252;hrt hat&#8220;, sagte der Generalsekret&#228;r der AITUC (All   India Trade Union Congress &#8211; von der Regierung unabh&#228;ngiger   Gesamt-Indischer Gewerkschaftskongress &#8211; Anm.d.&#220;bers.) und   Parlamentsmitglied (MP) der Kommunistischen Partei Indiens (CPI) Gurudas   Dasgupta in Neu Dehli.<\/p>\n<p>  Die meisten elektronischen und Printmedien verurteilten erwartungsgem&#228;&#223;   den Generalstreik mit der Aussage, er w&#228;re ein unn&#252;tzes und   verschwenderisches Instrument und weiter, dass die Gewerkschaften und   deren Kampf die aufstrebende indische Wirtschaft gef&#228;hrden. Trotzdem   fand der Generalstreik mit einer Beteiligung von Millionen von Arbeitern   statt.<\/p>\n<p>  Zehntausende aus der armen Arbeiterklasse demonstrierten in jeder der   Hauptst&#228;dte der Bundesstaaten und den gr&#246;&#223;eren St&#228;dten und brachten ihre   Wut zum Ausdruck, die sich vor allem gegen die von der United   Progressive Alliance (UPA) gef&#252;hrte Zentralregierung richtet, die unter   der F&#252;hrung von Mammohan Singh und Sonia Gandhi von der Kongress Partei   (Congress Party) steht.<\/p>\n<p>  In vielen Bundesstaaten richtete sich die Frustration offensichtlich   gegen die sogenannten Oppositions-Regierungen, die dieselbe   armut-ignorierende, neo-liberale Wirtschaftsoffensive gegen die   organisierten und unorganisierten Teile der Arbeiterklasse unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Durch die Gr&#246;&#223;e Indiens wird es schwierig sein, die genaue Anzahl derer   zu ermitteln, die sich am Generalstreik vom 7. September beteiligt   haben. Dennoch gab der Pr&#228;sident des Nationalen Indischen   Gewerkschaftskongresses (INTUC) G. Sanjeeva Reddy bekannt: &#8222;Ungef&#228;hr 100   Millionen Arbeiter und Angestellte aus verschieden Bereichen, wie   Banken, Telekommunikation, Verteidigung, Hafenanlagen,   Transportunternehmen und &#214;lanlagen, sowie aus nicht organisierten   Sektoren, wie der Bauwirtschaft, haben sich am Streik beteiligt&#8220;. Dies   vermittelt uns einen Eindruck, was an diesem Tag los war.<\/p>\n<h4>  100 Millionen und mehr!<\/h4>\n<p>  H. Mahadevan, stellvertretender Generalsekret&#228;r des AITUC (die mit der   kommunistischen Partei Indiens CPI in Verbindung steht) kommentierte den   Erfolg des Streiks mit den Worten: &#8222;Ungef&#228;hr 100 Millionen Arbeiter,   sowohl aus den (gewerkschaftlich) organisierten, als auch   unorganisierten Arbeitsbereichen haben sich an der Arbeitsniederlegung   beteiligt. Einige Gewerkschaften traten nicht &#246;ffentlich auf, doch sind   sie auf unserer Seite.&#8220;<\/p>\n<p>  Eine gemeinsame Stellungnahme der Gewerkschaften spricht davon, dass der   Generalstreik besonders die Metropolen beeintr&#228;chtigt hat. Die   BundesstaatenWest Bengalen, Kerala und Tripura, aber auch Assam,   Meghalaya, Manipur, Jharkhand, Bihar, Orissa, Madhya Pradesh,   Maharashtra, Punjab, Rajasthan, Haryana, Chhattisgarh, Goa, Himachal   Pradesh, Andhra Pradesh, Tamil Nadu, Karnataka und weitere Bundesstaaten   sind dem Streikaufruf gefolgt.<\/p>\n<p>  Im Widerspruch zu den verzerrten Reportagen der Medien, die die   Teilnahme der Arbeiter am Streik auf die &#252;blichen drei Staaten West   Bengal, Kerala und Tripura reduzierten, wo linksgerichtete Parteien   traditionell eine solide Basis in der Arbeiterschaft haben, hat der   Generalstreik vom 7. September aus zwei Gr&#252;nden Geschichte geschrieben:<\/p>\n<p>  es war der gr&#246;&#223;te Streik innerhalb der letzten Jahrzehnte, und es war   das erste Mal seit der Unabh&#228;ngigkeit von der englischen   Kolonialregierung, dass sich der vom Kongress kontrollierte Nationale   Indische Gewerkschaftskongress (INTUC) ganz offiziell am Streik   beteiligt hat.<\/p>\n<h4>  Sonias Krokodilstr&#228;nen<\/h4>\n<p>  Viele Linke nahmen an, dass der INTUC dazu gedr&#228;ngt werden w&#252;rde, sich   vom Streikaufruf zur&#252;ckzuziehen. Ein Teil der F&#252;hrungsriege der INTUC   hat tats&#228;chlich irref&#252;hrende Pressemitteilungen herausgegeben, in denen   verbreitet wurde, der Gewerkschaftskongress h&#228;tte sich vom Streikaufruf   zur&#252;ckgezogen.<\/p>\n<p>  Doch selbst die Topf&#252;hrungsriege des Gewerkschaftskongresses h&#228;tte die   Abeiterklasse nicht von der Teilnahme am Streik abbringen k&#246;nnen, da die   zugrundeliegenden Zust&#228;nde in der Wirtschaft weitaus &#252;berzeugender   waren, um die Arbeiterschaft zum Streik zu bewegen, damit sie ihrer Wut   Ausdruck verleihen konnte.<\/p>\n<p>  Sonia Gandhi (Pr&#228;sidentin der regierenden Kongress Party) gab in letzter   Minute eine Erkl&#228;rung ab, dass sie mit der Misere der Arbeiter   sympathisiere und dass sie mit dem Ministerpr&#228;sidenten die Forderungen   der Arbeiter besprechen wolle. Diese Erkl&#228;rung wurde von den Medien   hochgepuscht und war ein Versuch, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken,   um der Streikfront die Schlagkraft zu nehmen. Das Establishment   f&#252;rchtete nicht den Streik selbst, sondern den Dominoeffekt, der durch   einen vereinten Kampf im Bewusstsein der Arbeiterschaft im Hinblick auf   die n&#228;chste Wahlperiode entstehen w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  T&#228;uschung (Farce)<\/h4>\n<p>  Das Verbindungskomitee der Gewerkschaften JCTU (Joint Committee of the   Trade Unions), spielte die Entscheidung der Gewerkschaft Bharatiya   Mazdoor Sangh (BMS &#8211; Indiens gr&#246;&#223;te Einzelgewerkschaft &#8211; Anm. d. &#220;bers.)   herunter, sich von diesem historischen Streik zur&#252;ckzuziehen. Die BMS   wird von der rechten Oppositionspartei BJP kontrolliert. Dies   verdeutlicht, dass die leeren Phrasen der BJP angesichts der   wirtschaftlichen H&#228;rte f&#252;r die Bev&#246;lkerung eine Farce waren.<\/p>\n<p>  Innerhalb und au&#223;erhalb des Parlaments wei&#223; die BJP nur zu gut, dass   ihre &#8222;Freie Markt Ideologie&#8220; voll und ganz auf der Linie der Kongress   Partei liegt und dass sie somit direkt die neo-liberale Politik von   Maamohan Singh, Pranab Mukharjee und Chidambaram unterst&#252;tzt.<\/p>\n<p>  Ihre Regierungen in Gujarat, Kamatak, Chattisgarh stehen im Wettbewerb   mit den Bundesstaaten unter Herrschaft der Kongress Partei, in dem es   darum geht, welcher Bundesstaat am Besten geeignet ist, um die   Arbeitskraft und Ressourcen durch ausl&#228;ndische und einheimische Firmen   maximal auszubeuten.<\/p>\n<p>  Die Wachstumsrate von sieben bis neun Prozent der indischen Wirtschaft   in den letzten Jahren &#8211; trotz Weltwirtschaftkrise &#8211; ist zweifelsohne auf   die starke Ausbeutung der Arbeiterklasse und der Armen in Indien   zur&#252;ckzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Nur eine sehr d&#252;nne gebildete Mittelschicht hat von dem gro&#223;artig   verk&#252;ndeten Boom und Wachstum profitiert. Diese schockierende   Offenbarung der Entbehrungen f&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung stammt aus   den eigenen Statistiken der Regierung. Jenseits der von der Regierung   akzeptierten Fakten verdienen 77 Prozent der indischen Bev&#246;lkerung (836   Millionen) ein mageres (t&#228;gliches) Einkommen von 20 Rs. (weniger als   einen halben Dollar), unter dem Vorwand von &#8222;Entwicklung&#8220; wird im gro&#223;en   Stil Land enteignet, was mehr als 60 Millionen Menschen &#252;berall in   Indien von ihrem Land und ihrer Lebensgrundlage vertrieben hat.<\/p>\n<p>  Unter dem Eindruck der extremen Armut und Ungerechtigkeit fanden selbst   die milden minimalen Reformforderungen der JCTU (die vorherrschend von   den linksgerichteten Gewerkschaften, wie die Confederation of Indian   Trade Unions, CITU und AITUC geleitet wird) eine willkommene und   begeisterte Resonanz in der gro&#223;en Mehrheit der organisierten und nicht   organisierten Bev&#246;lkerung. Doch davon abgesehen; betrachtet man kritisch   die Vorbereitungen zum Generalstreik, dann lie&#223; die Haltung der JCTU   sehr viel zu w&#252;nschen &#252;brig.<\/p>\n<p>  Au&#223;erhalb der Bundesstaaten West Bengalen, Kerala und Tripura, wo   Streiks, Bandhs (eine Form des zivilen Ungehorsams verwurzelt in der   Hinduistischen Kultur &#8211; Anm. des &#220;bers.) und Gheraos (Sitzstreiks um   Regierungsgeb&#228;ude herum, typische Form von zivilen Protesten in S&#252;dasien   &#8211; Anm. des &#220;bers.) Routine geworden sind, die meist von den regierenden   Parteien offiziell unterst&#252;tzt werden, gab es kaum Vorbereitungen oder   eine Mobilisierung f&#252;r den Streik von Seiten der Regierungen. Im Rest   des Landes inklusive der Metropolen Bombay, Hyderabad, Chennai und   Bangalore hat die F&#252;hrungsebene so gut wie nichts zus&#228;tzlich f&#252;r die   Mobilisierung zum Erfolg des Streiks getan.<\/p>\n<p>  Die Topf&#252;hrungsriege der Linken und der Gewerkschaften haben unter einer   Vertrauenskrise zu leiden, ausgel&#246;st durch ihre Behauptungen der letzten   Jahre, dass sie die Treuh&#228;nder und F&#252;hrer der Arbeiterbewegung sind. Als   die links-politischen Parteien in den sp&#228;ten 1980er Jahren die Politik   der Klassenzusammenarbeit zu Zeiten der Nationalen Front-Regierung   unterst&#252;tzten (angef&#252;hrt durch das neo-liberale Regime von Vizepr&#228;sident   Singh) und sich mehr und mehr von der Arbeiterklasse entfernten,   verfielen sie in die gleiche gef&#228;hrliche Vorgehensweise, sich der von   der Kongress Partei gef&#252;hrten Regierung der United Progressive Alliance   (UPA) anzuschlie&#223;en &#8211; auch wenn sie dieses Mal dadurch verhinderten,   dass die BJP an die Macht kommen konnte.<\/p>\n<p>  Ihre Regierungsperiode an Seiten der UPA gab Mammohan Singh einen   enormen Einfluss, seine aggressive, neo-liberale Politik zu entfesseln,   w&#228;hrend er gleichzeitig die &#8222;Genossen&#8220; dazu brachte, die verschiedenen   Grunds&#228;tze des &#8222;Programms des kleinsten gemeinsamen Nenners &#8220; (Common   Minimum Programme- CMP) zu verinnerlichen. Dieses Programm war vom   linken Fl&#252;gel ausgearbeitet worden &#8211; als Minimalkonsens, wie die   Regierungsarbeit unter der UPA Regierung im Wirtschafts- und   Sozialbereich des Landes aussehen sollte. Dies f&#252;hrte dazu, dass sie   kapitalistische Wirtschaft und Politik st&#228;rker und erfolgreicher   praktizierten, als die Kapitalisten selbst im Rest des Landes.<\/p>\n<p>  Wenigstens f&#252;r einige Zeit wurde die im Bundesstaat West Bengalen   regierende Kommunistischen Partei (CPI (M)) mit Lob von nationalen und   internationalen &#252;bersch&#252;ttet &#8211; f&#252;r den &#8222;Pragmatismus&#8220; eines   kapitalismus-freundlichen Kommunismus. Die ber&#252;hmt gewordenen Zitate von   Buddhadeb Bhattacharjee (Vorsitzender der CPI (M)): &#8222;Reform oder   Untergang&#8220;, und: &#8222;Es gibt keine Alternative zum Kapitalismus&#8220; wurden zum   Gegenstand von Thesen in vielen Management Schulen.<\/p>\n<p>  Die CPI (M) und der Rest der &#8222;Linken Front&#8220; erodierten ihre eigene Basis   innerhalb der armen Landbev&#246;lkerung durch das Entsenden von   Schl&#228;gertruppen und Polizei, die die Dorfbev&#246;lkerung, die gegen die   Landenteignungen durch die Konzerne Tata und die indonesische Salim   Group in den Bezirken von Nandigram und Singpur protestieren,   schikanierten, vergewaltigten und erschossen. Dies brachte vor allem die   fundamentalen Widerspr&#252;che dieser stalinistischen Parteien zum   Vorschein, die sich in zunehmendem Ma&#223;e wie andere b&#252;rgerliche Parteien   verhielten.<\/p>\n<p>  Daher haben viele Analysten, inklusive einiger des linken Lagers, damit   begonnen, eine Niederlage der von der CPI (M) gef&#252;hrten &#8222;Linken Front&#8220;   in West Bengalen in den kommenden Parlamentswahlen in 2011   vorherzusagen. Bereits in den wenigen Kommunal- und Nachwahlen der   letzten Zeit musste die CPI (M) Niederlagen in vielen ihrer Hochburgen   eingestehen.<\/p>\n<p>  Der von der F&#252;hrung der Linken beanspruchte au&#223;ergew&#246;hnliche Erfolg des   Generalstreiks f&#252;hrt daher zu einem widerspr&#252;chlichen Bild, angesichts   einer objektiven Betrachtung der Gesamtsituation.<\/p>\n<p>  Der Generalstreik hat viele Angelegenheiten in den Vordergrund ger&#252;ckt.   W&#228;hrend die F&#252;hrungsriege der linken Parteien ihr Bestes tun wird, ihr   sinkendes Ansehen an der Basis aufzubessern, um die n&#228;chsten Wahlen in   West Bengalen und Kerala zu gewinnen, wird die Arbeiterklasse im   Allgemeinen einen gewaltigen Schub an Selbstvertrauen f&#252;r ihren Kampf   und f&#252;r direkte Aktionen gewinnen. In Zukunft wird es eine wachsende   Forderung nach Einheit und Kampfgeist innerhalb der Gewerkschaften geben.<\/p>\n<p>  Es gibt bereits Anzeichen daf&#252;r, dass in diesem Winter eine sogenannte   &#8222;Versammlung der Gewerkschaften&#8220; (Parliament of Trade Unions) als   alternatives Forum f&#252;r die Arbeiterklasse abgehalten werden wird, um auf   deren Sorgen einzugehen.<\/p>\n<p>  Der als k&#228;mpferisch bezeichnete Gurundas Dasgupta (einer der   Vorsitzenden der von der CPI (M) angef&#252;hrten AITUC) hat nach dem   erfolgreichen Streik in einem Gespr&#228;ch mit der Presse, den   Ministerpr&#228;sidenten von West Bengalen Buddhadeb Bhattacharjee   zurechtgewiesen, da er die Haltung der Gewerkschaften beim Streikaufruf   mit den Worten kritisiert hatte: &#8222;Bevor Buddhadeb geboren wurde, bevor   ich geboren wurde, haben Arbeiter mit Streiks protestiert. Und dies wird   so weitergehen.&#8220;<\/p>\n<p>  Dasgupta behauptete: &#8222;Der von neun Gewerkschaften ausgerufene   landesweite Generalstreik stellt eine neue Welle und Initiative der   Gewerkschaftsbewegung dar.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Sollte die Regierung unsere Forderungen nach dem Streik nicht beachten,   dann wird die Gewerkschaftsbewegung versch&#228;rft werden. Wir werden zum   Parlament marschieren und dieses belagern.&#8220;<\/p>\n<p>  Die stark militanten Fl&#252;gel wurden von einer psychologischen Last   befreit &#8211; egal was auf dieser Basis in den n&#228;chsten Wochen und Monaten   geschehen wird. Eine erneute Suche nach Ideen wird beginnen, ob es   entweder einen Spielraum f&#252;r Reformen innerhalb des kapitalistischen   Systems gibt, oder das System selbst ge&#228;ndert werden muss.<\/p>\n<p>  W&#228;hren des Streiks wurde von einem weniger bekannten   Gewerkschaftszentrum in Manipur (einem abgelegen Bundesstaat im   Nordosten Indiens) eine Pressemitteilung ver&#246;ffentlicht, die B&#228;nde &#252;ber   das Zusammenr&#252;cken spricht. Sie kommentiert: &#8220;W&#228;hrend die Schwere der   Krise des Imperialismus in der ganzen Welt stark zunimmt, ist die   einzige Antwort des Imperialismus, die Last auf die Arbeiterklasse und   Konsumenten abzuw&#228;lzen, w&#228;hrend die b&#252;rgerlichen   Wirtschaftswissenschaftler versuchen, uns davon zu &#252;berzeugen, dass sich   die Situation am Verbessern ist.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die indischen Regierungen &#8211; egal ob es die UPA in ihrer jetzigen oder   fr&#252;heren Zusammensetzung ist, oder die National Defense Academy (NDA)   oder andere &#8211; sind dem neo-liberalen Glaubensgrundsatz gefolgt, das der   freie Markt alle Probleme von selbst l&#246;st. Dies bedeutete in der   Realit&#228;t, dass den gro&#223;en Industrien Freir&#228;ume, Zugest&#228;ndnisse und   Unterst&#252;tzung zuteil wurde &#8211; alle Hindernisse aus dem Weg ger&#228;umt   wurden, um die Last auf die Arbeiterklasse in Form von   Werksschlie&#223;ungen, Werksverkleinerungen, Vertragsrechts&#228;nderungen,   Umwandlung von Vollzeit in Teil- und Leiharbeit (Casualisation),   Privatisierungen und Preissteigerungen abzuw&#228;kzen. Wir unterst&#252;tzen den   Generalstreik vom 7. September voll und ganz, rufen jedoch die   Arbeiterklasse dazu auf, dass dieser Streik und die vorangegangen   Aktionen nicht zu einem Strohfeuer verkommen werden&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Der Streik muss ein Startsignal sein f&#252;r eine kontinuierliche Bewegung,   die die Forderungen der Arbeiterklasse in einer nachhaltigen und   systematischen Form aufnimmt. Wir m&#252;ssen das System selbst bek&#228;mpfen.   Nicht die Arbeiter sind f&#252;r das Fehlen der Politisierung der   Arbeiterbewegung verantwortlich, sondern die F&#252;hrung selbst.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Gewerkschaften, wie die INTUC, CITU und AITUC rufen zwar zur   Unterst&#252;tzung solcher Streiks der Arbeiterklasse auf. Doch am Ende   ermahnen sie die Arbeiter, den Kongress, und vor allen die   kommunistischen Parteien CPM und CPI zu unterst&#252;tzen.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die ist keine L&#246;sung f&#252;r die Arbeiterklasse. Wir rufen die   Arbeiterklasse dazu auf, sich mit allen gleichgesinnten Gewerkschaften   zu vereinen, den Kampf zu politisieren und ihn zu einem Kampf f&#252;r eine   echte Demokratie und einen echten Sozialismus voranzutreiben.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Generalstreik hat wahrhaftig eine neue Welle eingel&#228;utet, die neue   Generationen von Arbeitern und Jugendlichen radikalisieren wird, die   sich zum ersten Mal diesem Kampf angeschlossen haben. Es ist kein   Zufall, dass den angereisten Unterst&#252;tzern des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale aus Europa eine begeisterte Anerkennung f&#252;r ihr   Eingreifen vor und w&#228;hrend des Streikes in Bangalore und Chennai zuteil   wurde.<\/p>\n<p>  Die Kr&#228;fte f&#252;r einen echten Marxismus und Sozialismus, die sich um die   New Socialist Alternative (CWI, India) gruppieren, stehen vor der gro&#223;en   Herausforderung, die neuen Mitstreiter einzubinden und sozialistische   L&#246;sungen zur derzeitigen kapitalistischen Anarchie zu finden.<\/p>\n<h4>  <i>Streikforderungen <\/i>    <\/h4>\n<p>  <i>Um in dem traditionellen Rahmen von Minimal- und Maximalforderungen   zu bleiben, stellen die Gewerkschaftsf&#252;hrer folgende Forderungen in f&#252;nf   Punkten auf: <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Dringende Schritte zu unternehmen, um die andauernde Preissteigerung   dadurch zu kappen, dass Lebensmittel allen zug&#228;nglich gemacht werden   (Rationierung von Lebensmitteln) und Spekulationen auf dem Rohstoffmarkt   verboten werden. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Das strikte Durchsetzen der bestehenden Grundrechte im Arbeitsrecht   ohne Ausnahmeregelungen und mit harten Strafen f&#252;r Verst&#246;&#223;e gegen das   Arbeitsrecht. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Pro-aktive Ma&#223;nahmen zu ergreifen, damit nur den einsichtigen   Unternehmern, die den Besch&#228;ftigungs- und Arbeitsschutz beachten, in den   von Rezession betroffen Sektoren ein Stimulus-Paket angeboten wird und   weitere konkrete Schritte gegen Werksschlie&#223;ungen, K&#252;ndigungen,   Umwandlung von Vollzeitvertr&#228;gen in Leiharbeit (casualisation) und   Outsourcing unternommen werden. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Die R&#252;cknahme aller restriktiven Ma&#223;nahmen &#8211; basierend auf der   Armutsgrenze, unter Beachtung der Antragsgrenzen f&#252;r Sozialleistungen   des Unorganised Worker&#8217;s Social Security Act 2008 und die Gr&#252;ndung eines   nationalen Fonds f&#252;r den nicht organisierten Arbeitssektor, um eine   nationale Grundlage der Sozialleistungen f&#252;r alle nicht organisierten   Arbeiter, inklusive tempor&#228;rer und Leiharbeitsverh&#228;ltnisse, zu schaffen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Kein Investitionsabbau im Sektor der &#246;ffentlichen Unternehmen   (Central Public Sector Enterprises CPSE), um Haushaltsdefizite   abzubauen. Stattdessen sollen die wachsenden Reserven und &#220;bersch&#252;sse   f&#252;r Erweiterungen und Modernisierungen, sowie f&#252;r die Wiederbelebung des   leidenden &#246;ffentlichen Sektors genutzt werden. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Die Gewerkschaften fordern ebenfalls die Wiedereinstellung von   Arbeitern und Angestellten, die aufgrund der wirtschaftlichen Rezession   ihre Arbeit verloren haben und die Bereitstellung von 500 Milliarden Rs.   (indische Rupien, entspricht ca. 8,2 Millarden Euro, Anm. des &#220;bers.)   f&#252;r den Sozialfond f&#252;r unorganisierte Arbeiter. Die Regierung hat bisher   nur 10 Milliarden Rs. (ca. 164 Millionen Euro) f&#252;r 400 Millionen   unorganisierter Arbeiter im Land bereit gestellt. Es muss darauf   hingewiesen werden, das der Finanzminister Pranab Mikharjee in seinem   Bundeshaushalt 5 Trillionen Rs. (ca. 82 Billiarden Euro) f&#252;r Unternehmer   und Konzerne ausgegeben hat &#8211; dies entspricht etwa 8 Prozent des   Bruttoinlandprodukts <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Angesichts der extremen Armut und Ungerechtigkeit sind selbst die   minimalen Reformforderungen, die von der JCTU vorgebracht wurden, auf   eine positive und begeisterte Resonanz bei der gro&#223;en Mehrheit der   organisierten und nicht organisierten Arbeiterschaft gesto&#223;en. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Die JCTU wird vor allem von den Gewerkschaften des linken Fl&#252;gels   gef&#252;hrt, wie z. Bsp. der Konf&#246;deration indischer Gewerkschaften   (confederation of Indian Trade Unions &#8211; CITU) und der Gesamtindischen   Gewerkschaftskonf&#246;deration (All-India Trade Union Confederation &#8211; AITUC).<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Eine neue Welle der Radikalisierung hat begonnen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13904"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13904\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}