{"id":13901,"date":"2010-10-07T00:00:00","date_gmt":"2010-10-07T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13901"},"modified":"2010-10-07T00:00:00","modified_gmt":"2010-10-07T00:00:00","slug":"13901","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13901\/","title":{"rendered":"Eine Stadt im Aufruhr"},"content":{"rendered":"<p>  Wie kann die Massenbewegung gegen Stuttgart 21 erfolgreich sein?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>Vorbemerkung: Dieser Artikel erschien zuerst in der Oktoberausgabe   der sozialistischen Zeitung &quot;Solidarit&#228;t&quot; und wurde vor den Ereignissen   des 30. Septembers verfasst. Eine aktuelle Analyse findet sich <a href=\"\/?p=13914\">hier<\/a>.   <\/b><\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Seit Monaten gehen in Stuttgart Massen gegen das Projekt &#8222;Stuttgart   21&#8220; auf die Stra&#223;e. Noch beeindruckender als die Teilnehmerzahlen ist   die Entschlossenheit, nicht nur gegen Stuttgart 21 zu protestieren,   sondern es wirklich zu stoppen. Trotzdem wollen die schwarz-gelben   Regierungen in Stuttgart und Berlin das Projekt mit Brachialgewalt   durchsetzen. Im August und September wurde mit der Zerst&#246;rung des   Bahnhof-Nordfl&#252;gels der erste Schritt dazu gemacht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, aktiv im Cannstatter Aktionskreis gegen Stuttgart   21<\/i><\/h4>\n<p>  Urspr&#252;nglich erhofften sich die kapitalistischen Strategen der Region   mit Hilfe von Stuttgart 21 ein zweites wirtschaftliches Standbein im   Bereich von Medien und Dienstleistungen, weil Autoindustrie und   Maschinenbau in der Krise 1993 schwer getroffen wurden. Diese Tr&#228;ume   sind l&#228;ngst ausgetr&#228;umt. Inzwischen geht es nur noch darum, riesige   &#246;ffentliche Geldbetr&#228;ge in die Region zu pumpen, damit m&#246;glichst viel an   Profiten h&#228;ngen bleibt. Besonders Bauwirtschaft, Immobilienfirmen und   Banken wollen profitieren. Und die Konzentration der Bahn auf   Hochgeschwindigkeitsstrecken zu Lasten der Fl&#228;che ist ohnehin im   Interesse von Autokonzernen wie Daimler (woher drei der letzten vier   Bahn-Chefs kamen).<\/p>\n<h4>  Stuttgart-21-Mafia<\/h4>\n<p>  Sie sind mit der Politik verflochten. Der Tunnelbohrmaschinenhersteller   Herrenknecht hat den ehemaligen Ministerpr&#228;sident Lothar Sp&#228;th (CDU) als   Aufsichtsratsvorsitzenden, schw&#228;rmt &#246;ffentlich von Auftr&#228;gen durch   Stuttgart 21 und spendete 2009 der CDU f&#252;r den Bundestagswahlkampf   70.000 Euro. Der Stuttgarter CDU-Finanzb&#252;rgermeister Michael F&#246;ll bekam   einen Posten im Beirat der an Stuttgart 21 stark interessierten Baufirma   Wolff &amp; M&#252;ller und gab ihn erst nach heftigen Protesten (&#8222;F&#246;llig   korrupt&#8220;) wieder auf. Au&#223;erdem haben viele dieser Politiker ihre   Karrieren so mit Stuttgart 21 verkn&#252;pft, dass sie nach einem Verzicht   auf dieses Projekt politisch am Ende w&#228;ren.<\/p>\n<p>  Die Proteste gegen S 21 haben bundesweit und international   Medienaufmerksamkeit erlangt. Wenn sie das Projekt jetzt beenden w&#252;rden,   w&#228;re das offensichtlich ein Erfolg des Protests und w&#252;rde AktivistInnen   in ganz Deutschland ermutigen.<\/p>\n<p>  Die SPD hatte Stuttgart 21 von Anfang an unterst&#252;tzt. Letztes Jahr wurde   der SPD-Landtagsvizepr&#228;sident Wolfgang Drexler Projektsprecher (&#8222;Mr.   Stuttgart 21&#8220;). Inzwischen ist die SPD zwar weiterhin f&#252;r das Projekt,   will aber mit einem Volksentscheid und einem Baustopp punkten. Drexler   ist als Projektsprecher zur&#252;ckgetreten.<\/p>\n<p>  Wir k&#246;nnen nicht bis zur Landtagswahl warten und hoffen, dass dann noch   etwas vom Schlossgarten &#252;brig ist. Wir k&#246;nnen auch nicht darauf   vertrauen, dass das Projekt wegen der st&#228;ndig steigenden Kosten beerdigt   wird.<\/p>\n<h4>  Proteststurm<\/h4>\n<p>  Dabei verbucht unser Widerstand jetzt schon Erfolge. Im September   erkl&#228;rte der Gemeinderat, auf K&#252;rzungen von 450.000 Euro bei der Kultur   und 250.000 Euro im Sozialbereich zu verzichten, um &#8222;die wegen des   heftigen Streits &#252;ber Stuttgart 21 angespannte Atmosph&#228;re zwischen den   Bef&#252;rwortern und den Gegnern des Projekts zu entkrampfen&#8220; (Stuttgarter   Zeitung).<\/p>\n<p>  Ein Beispiel f&#252;r das Ausma&#223; der Proteste ist die erste Woche vom Abriss   des Bahnhof-Nordfl&#252;gels: Als am 25. August die Meldung vom Abrissbeginn   per Massen-SMS und E-Mail an die AktivistInnen ging, legten Zehntausende   die Stuttgarter Innenstadt mit Stra&#223;enblockaden lahm. Auch Z&#252;ge wurden   blockiert. Der Auftritt des Oberb&#252;rgermeisters Wolfgang Schuster (CDU)   beim Weindorf ging in Pfeifkonzert und Sprechch&#246;ren unter. Zwei Tage   sp&#228;ter demonstrierten Zehntausende. Am folgenden Montag kamen &#252;ber   10.000 zur Montagsdemo. Der Schauspieler Walter Sittler rief auf, am   kommenden Abend zum Nordfl&#252;gel zu kommen, weil es dann eine   Live-Schaltung zur Sendung &#8222;Menschen bei Maischberger&#8220; geben werde.   Tausende waren kurz vor 23 Uhr da. Am Mittwoch, als sich der   Abrissbeginn &#8222;w&#246;chelte&#8220;, demonstrierten nachmittags Tausende vor dem   Amtssitz des CDU-Ministerpr&#228;sidenten Stefan Mappus.<\/p>\n<h4>  Reichen Gro&#223;demos?<\/h4>\n<p>  Ein Grund, warum sich Landes- und Bundesregierung nach gewissem   Schwanken f&#252;r das Durchdr&#252;cken des Projekts entschieden haben, ist   sicherlich, dass in unserem Widerstand eine Kluft entstanden ist. Die   Beteiligung an den Demonstrationen und Kundgebungen stieg auf fast   70.000 an. Als bei der Kundgebung am 18. September der &#8222;Aktionskonsens&#8220;   der Parksch&#252;tzer verlesen wurde, gab es frenetischen Beifall f&#252;r den   Satz: &#8222;Gesetze und Vorschriften, die nur den reibungslosen Projektablauf   sch&#252;tzen, werden wir nicht beachten.&#8220; Aber damit Zehntausende nicht nur   klatschen, sondern auch mitmachen, gen&#252;gen allgemeine Appelle nicht.   Notwendig w&#228;re es, dass bei den Kundgebungen regelm&#228;&#223;ig VertreterInnen   der Blockierer reden, Erfahrungen und Erfolge berichten und einer   &#252;bertriebenen Angst vor der Beteiligung entgegen wirken.<\/p>\n<p>  Noch gr&#246;&#223;er w&#228;re die Beteiligung an Blockaden und anderen Formen von   zivilem Ungehorsam, wenn Menschen dort nicht einzeln, sondern in Gruppen   von Menschen, die einander kennen und einsch&#228;tzen k&#246;nnen, hingehen   w&#252;rden. Aber hier liegt ein weiteres gro&#223;es Problem der Bewegung: der   Mangel an Strukturen.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften und Linkspartei<\/h4>\n<p>  Eigentlich h&#228;tten die Partei DIE LINKE und vor allem die Gewerkschaften   (der DGB z&#228;hlt allein in Baden-W&#252;rttemberg &#252;ber 800.000 Mitglieder) die   Kraft, Stuttgart 21 zu stoppen. Wenn sie ihre Strukturen und Apparate   nutzen w&#252;rden, dann k&#246;nnten sie die Besch&#228;ftigten und die Bev&#246;lkerung   durch eine Aufkl&#228;rungskampagne mit Argumenten bewaffnen und f&#252;r   Massenblockaden, Besetzungen und Streiks bis hin zu einem regionalen   Generalstreik mobilisieren. Aber die Gewerkschaftsapparate sind so stark   von der Stuttgart-21-Partei SPD kontrolliert, dass sogar   gewerkschaftliche Beschl&#252;sse gegen Stuttgart 21 oft hintertrieben werden.<\/p>\n<p>  Mitglieder und auch Mandatstr&#228;ger der LINKEN haben sich an Blockaden   beteiligt, aber die Partei insgesamt hat dabei keine organisierende   Rolle gespielt. DIE LINKE vers&#228;umt auch, inhaltlich einen wesentlichen   Beitrag zu leisten und den Zusammenhang zwischen Stuttgart 21 und   Kapitalismus zu erkl&#228;ren &#8211; und nicht den Gr&#252;nen das Feld zu &#252;berlassen,   f&#252;r die Stuttgart 21 einfach nur schlechte kapitalistische Politik ist.<\/p>\n<h4>  Strukturen aufbauen<\/h4>\n<p>  Vor diesem Hintergrund gilt es, dass wir von unten Strukturen aufbauen.   Daf&#252;r sind die Voraussetzungen eigentlich gut: In der ganzen Stadt und   im Umland finden immer wieder &#8222;Schwabenstreiche&#8220; statt. Leute treffen   sich um 19 Uhr, oft im Stadtteil, und machen dann eine Minute Krach.   Wenn man danach nicht einfach wieder auseinander gehen w&#252;rde, sondern   sich zu einem Treffen verabredet und dort auch politisch &#252;ber Stuttgart   21 diskutiert, im Stadtteil gemeinsam Flugbl&#228;tter verteilt, Infotische   macht &#8211; und auch gemeinsam an einer Blockade teilnimmt &#8211; w&#252;rde das die   Bewegung einen gro&#223;en Schritt weiter bringen.<\/p>\n<p>  Margaret Thatcher, die britische Premierministerin 1979-1990, hatte   wegen ihrer Unnachgiebigkeit den Spitznamen &#8222;eiserne Lady&#8220; erhalten. Als   sie versuchte, eine Steuer einzuf&#252;hren, die Arme so stark belastete wie   Reiche (Poll Tax, &#8222;Kopfsteuer&#8220;), initiierte unsere britische   Schwesterorganisation einen Steuerboykott, an dem sich auf dem H&#246;hepunkt   18 Millionen beteiligten. Der Schl&#252;ssel zum Erfolg war, dass im ganzen   Land &#246;rtliche Aktionskomitees gebildet wurden. In der Region Glasgow   (Strathclyde, drei Millionen EinwohnerInnen), einer Hochburg der   Bewegung, bestand das &#246;rtliche Anti-Poll-Tax-B&#252;ndnis schon bei seiner   Gr&#252;ndung im Juli 1988 aus 105 Gruppen. Zentral war, dass mit &#8222;Militant&#8220;,   unserer Schwesterorganisation, eine starke marxistische Kraft   existierte, die &#8211; auf Basis der Erfahrung und Lehren vergangener K&#228;mpfe   und aufgrund ihrer konsequenten Ablehnung kapitalistischer Politik &#8211;   damals richtige strategische und taktische Vorschl&#228;ge machte und die   Mehrheit von ihnen &#252;berzeugen konnte.<\/p>\n<p>  AktivistInnen der Bewegungen gegen Hochgeschwindigkeitsz&#252;ge, wie in Val   di Susa in Italien, betonen ebenfalls die Bedeutung &#246;rtlicher   Strukturen. F&#252;r den Kampf gegen Stuttgart 21 k&#246;nnte man in den   Wohngebieten, in Betrieben, Schulen und Hochschulen Aktionskomitees   gegen Stuttgart 21 bilden.<\/p>\n<h4>  Demokratische Vernetzung und politische Debatten<\/h4>\n<p>  Ebenso wichtig wie der Aufbau solcher Strukturen ist ihre demokratische   Vernetzung. In der britischen Anti-Poll-Tax-Bewegung wurde in   landesweiten Aktionskonferenzen die Strategie beschlossen, die den   Erfolg brachte: massenhafter, organisierter Zahlungsboykott.<\/p>\n<p>  Beim Widerstand gegen Stuttgart 21 hatten wir im September auch unter   ernsthaften AktivistInnen Meinungsverschiedenheiten, ob Blockaden am   weitgehend zerst&#246;rten Nordfl&#252;gel noch Sinn machen, oder ob man sich   schon auf den Kampf gegen das Abholzen der B&#228;ume vorbereiten solle.   Widerstandskonferenzen von Aktiven oder von Delegierten der   Nachbarschafts- oder Aktionskomitees (je nachdem, wie weit der Aufbau   solcher Komitees schon ist), w&#228;ren das beste Forum, um strategische,   taktische und politische Fragen gemeinsam zu diskutieren und   demokratisch zu entscheiden.<\/p>\n<h4>  Tag der bundesweiten Solidarit&#228;t<\/h4>\n<p>  Stuttgart 21 bekommt zunehmend bundesweite Bedeutung. Auf der einen   Seite schauen AktivistInnen auf Stuttgart, auf der anderen hat sich die   Bundesregierung als Eigent&#252;merin der Bahn klar f&#252;r Stuttgart 21   positioniert. Deshalb schlagen wir einen Tag der bundesweiten   Solidarit&#228;t vor: An einem Samstag im Oktober sollte &#252;berregional zu   einer Demonstration nach Stuttgart mobilisiert werden. In entfernteren   Orten wie Berlin und Hamburg k&#246;nnten zeitgleich Solidarit&#228;tskundgebungen   stattfinden.<\/p>\n<p>  Dabei m&#252;ssten eigentlich bundesweite Organisationen wie Gewerkschaften   und DIE LINKE eine besonders wichtige Rolle spielen. Es schreit   eigentlich danach, den Protest gegen Sparpaket und Gesundheitsreform mit   dem Kampf gegen das Profitprojekt S 21 und mit dem Widerstand gegen die   Atomkonzerne zusammenzubringen.<\/p>\n<h4>  Streiken?<\/h4>\n<p>  Die SAV hat von Anfang an die Wirksamkeit von Streiks gegen Stuttgart 21   betont. Deshalb haben wir uns auch f&#252;r den Sch&#252;lerstreik am 30.   September eingesetzt, auch um die Idee von Streiks von Besch&#228;ftigten zu   propagieren. Angesichts der Abneigung der Gewerkschaften gegen   politische Streiks ist es dahin noch ein weiter Weg. Aber wenn   betriebliche Aktionskomitees gegen Stuttgart 21 entstehen w&#252;rden, wenn   Widerstandskonferenzen Forderungen an Gewerkschaften stellen w&#252;rden,   w&#252;rde das den Druck auf die Gewerkschaftsspitze erh&#246;hen, in den   Betrieben zu informieren, zu Demos, Blockaden und Besetzungen zu   mobilisieren und schlie&#223;lich auch Streiks zu organisieren. Um dahin zu   arbeiten, w&#228;re es au&#223;erdem wichtig, den Zusammenhang zwischen der   Milliardenverschwendung f&#252;r das Profitprojekt Stuttgart 21 und dem   fehlenden Geld f&#252;r Bildung, Soziales und Kultur st&#228;rker zu betonen.<\/p>\n<h4>  Jetzt Park besetzen! Blockaden steigern!<\/h4>\n<p>  Prinzipiell waren die S-21-Gegner mit den Torblockaden am Nordfl&#252;gel auf   dem richtigen Weg. Es gab zahlreiche Berichte, dass die Polizei an die   Grenzen ihrer Kr&#228;fte stie&#223;. Der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer von Wolff &amp; M&#252;ller   best&#228;tigte, &#8222;dass Behinderungen den Bauablauf beeintr&#228;chtigen und zu   Mehrkosten und Verz&#246;gerungen f&#252;hren&#8220;.<\/p>\n<p>  Wir brauchen jetzt eine Dauerpr&#228;senz im Park, am Besten eine   Massenbesetzung. Es ist klar, dass der Versuch, die B&#228;ume zu f&#228;llen,   eine qualitative Steigerung w&#228;re. Ein zerst&#246;rtes Geb&#228;ude l&#228;sst sich   wieder aufbauen, ein gef&#228;llter Baum nicht. Es ist zu erwarten, dass dann   mehr Leute zu entschlosseneren Formen von zivilem Ungehorsam bereit   w&#228;ren. Vielleicht w&#252;rden Tausende oder Zehntausende sagen, dass es   besser ist, wenn Bauz&#228;une fallen als hunderte Jahre alte Parkb&#228;ume?<\/p>\n<p>  Je st&#228;rker unser ziviler Ungehorsam ist, desto klarer wird, dass sich   ein riesiges Bauprojekt mitten in einer Gro&#223;stadt nicht gegen die   Mehrheit der Bev&#246;lkerung durchf&#252;hren l&#228;sst. Zugleich w&#252;rde das den   politischen Druck weiter steigern. Offenbar haben Angela Merkel, Mappus   und Co. gerade mehr Angst davor, welche Radikalisierung ein   erfolgreicher Kampf in Stuttgart bundesweit bewirken k&#246;nnte. Wenn wir es   schaffen, demokratische Strukturen aufzubauen und den zivilen Ungehorsam   auszuweiten, wird ihre Sorge davor, welche Radikalisierung eine   Verl&#228;ngerung des Kampfes in Stuttgart bewirken w&#252;rde, gr&#246;&#223;er werden.<\/p>\n<h4>  Demokratiefrage<\/h4>\n<p>  Schon in den letzten Monaten wurden die Profitinteressen hinter dem   Projekt immer wieder angeprangert. Der gro&#223;e Beifall, den Joe Higgins,   der Europaabgeordnete der irischen Schwesterorganisation der SAV, bei   der Montagsdemo am 20. September bekam, war eine erneute Best&#228;tigung   daf&#252;r. Die Frage, die die AktivistInnen &#252;ber das Thema Stuttgart 21   hinaus am meisten umtreibt, ist aber die Frage der Demokratie. Das ist   nahe liegend. Wir k&#228;mpfen gegen ein zerst&#246;rerisches Projekt und die   Gegenseite betont st&#228;ndig, dass es von breiten Mehrheiten demokratisch   beschlossen wurde. Da muss doch der Wurm drin sein!<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich ist es nichts Ungew&#246;hnliches, dass gro&#223;e Mehrheiten im   Parlament das Gegenteil von dem wollen, was gro&#223;e Mehrheiten der   Bev&#246;lkerung wollen. Das ist bei Atomausstieg, Mindestl&#246;hnen, Rente mit   67, Afghanistaneinsatz &#228;hnlich. Ungew&#246;hnlich bei Stuttgart 21 ist, dass   es nicht nur eine Mehrheitsmeinung der Bev&#246;lkerung gibt, sondern   mindestens zweimal pro Woche Massenproteste.<\/p>\n<h4>  Volksentscheid<\/h4>\n<p>  Eine Frage, die in der Bewegung gegen Stuttgart 21 immer wieder   aufkommt, ist Frage des Volksentscheids. Aber selbst, wenn die   Herrschenden sich hier in den n&#228;chsten Wochen doch noch einmal bewegen   sollten, k&#246;nnte eine solche Abstimmung zu sp&#228;t kommen. Der Nordfl&#252;gel   ist bereits weg, wir haben keine Garantie, dass nicht schon sehr bald   auch an den S&#252;dfl&#252;gel und an die B&#228;ume Hand angelegt wird.<\/p>\n<p>  Und vor allem haben wir keine Garantie, dass es mit der Ank&#252;ndigung   eines Volksentscheids auch zu seiner Durchf&#252;hrung kommt. In Stuttgart   wei&#223; inzwischen so ziemlich jeder, dass auch OB Schuster mal eine solche   Abstimmung versprochen und sein Wort dann gebrochen hat.<\/p>\n<p>  Genau da liegt der Hund begraben! Abgesehen davon, dass die Medien, die   jetzt schon extrem einseitig berichten, bei einem Volksentscheid   wahrscheinlich die Werbetrommel f&#252;r die S-21-Bef&#252;rworter massiv r&#252;hren   w&#252;rden, sitzen die verantwortlichen Politiker und ihre   Unternehmerfreunde weiter am l&#228;ngeren Hebel. Was ist denn mit der   Schweiz, wo es viele Volksentscheide gibt? Die bessere Bahnpolitik der   Schweiz liegt eher daran, dass sie keine eigene Autoindustrie hat. Und   den Machenschaften der Schweizer Gro&#223;banken und Chemiegiganten haben   Volksentscheide nicht das Handwerk gelegt.<\/p>\n<p>  Volksentscheide sind keine echte Bedrohung f&#252;r die Herrschenden. Wenn   wir hingegen den Widerstand gegen S 21 weiter m&#228;chtig steigern und in   Stuttgart zeigen k&#246;nnen, dass &#8222;die da oben&#8220; nicht immer &#8222;machen k&#246;nnen,   was sie wollen&#8220;, dass massenhafter ziviler Ungehorsam m&#246;glich ist, dass   wir uns organisieren k&#246;nnen, w&#228;re das in Stuttgart und bundesweit eine   starke Ermutigung f&#252;r Gegenwehr. Und das w&#228;re f&#252;r die Herrschenden   wirklich unangenehm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie kann die Massenbewegung gegen Stuttgart 21 erfolgreich sein?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[230],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13901"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13901"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13901\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}