{"id":13900,"date":"2010-10-21T00:00:00","date_gmt":"2010-10-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13900"},"modified":"2010-10-21T00:00:00","modified_gmt":"2010-10-21T00:00:00","slug":"13900","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13900\/","title":{"rendered":"Risse in der deutsch-franz&#246;sischen Zweckgemeinschaft"},"content":{"rendered":"<p>  Zwischenimperialistische Spannungen wachsen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Diplomatie spielt der &#214;ffentlichkeit ein ritualisiertes   L&#252;gentheater vor. &#220;ber die wahren Interessen der beteiligten Regierungen   wird ein Dunstschleier schw&#252;lstiger Gesten und Verlautbarungen   ausgebreitet, w&#228;hrend die wichtigen Entscheidungen in Hinterzimmern   getroffen werden. Dieser Zustand offenbart, in wessen Interesse die   kapitalistischen Regierungen handeln, denn eine Au&#223;enpolitik im   Interesse der gro&#223;en Bev&#246;lkerungsmehrheit, der Lohnabh&#228;ngigen, br&#228;uchte   keine Geheimvertr&#228;ge.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Fabian Thiel, Hamburg<\/i><\/h4>\n<p>  Es ist also in ruhigen Zeiten eher ungew&#246;hnlich, wenn b&#252;rgerliche   Regierungen ihre Konflikte &#246;ffentlich austragen. Aber wir haben l&#228;ngst   keine &#8222;ruhigen Zeiten&#8220; mehr. Die mehrfachen Vorst&#246;&#223;e der franz&#246;sischen   Finanzministerin Christine Lagarde, dass Deutschland mehr f&#252;r den Konsum   tun sollte, statt Europa mit Exportprodukten zu &#252;berschwemmen, die   Warnung von Staatschef Nicolas Sarkozy, dass weitere deutsche Sparpakete   zu einer Rezession f&#252;hren w&#252;rden, oder die Streitigkeiten auf dem R&#252;cken   der Roma sind Ausdruck versch&#228;rfter Interessenkonflikte zwischen der   Mehrheit der franz&#246;sischen und deutschen Kapitalisten.<\/p>\n<h4>  Konkurrierende Bl&#246;cke<\/h4>\n<p>  Das deutsch-franz&#246;sische Verh&#228;ltnis wird gerne als Auss&#246;hnung ehemaliger   Erbfeinde dargestellt. In Wirklichkeit sahen sich zwei Rivalen   gezwungen, sich in der Nachkriegszeit zusammen zu tun, um auf dem   Weltmarkt bestehen zu k&#246;nnen. Die europ&#228;ischen Nationalstaaten empfanden   sich als zu klein, um den einzelnen nationalen Kapitalisten einen   ausreichenden Binnenmarkt zu bieten und um im internationalen   Konkurrenzkampf mithalten zu k&#246;nnen. Deswegen gab es jahrzehntelang   Bem&#252;hungen, einen gemeinsamen, nach au&#223;en gesch&#252;tzten europ&#228;ischen Markt   herzustellen. Die Europ&#228;ische Union (und seit 1999 die Euro-Zone)   bedeuten einen &#246;konomischen und politischen Block gegen ASEAN in   S&#252;dostasien und NAFTA in Nordamerika.<\/p>\n<h4>  Abh&#228;ngigkeiten und Rivalit&#228;ten<\/h4>\n<p>  &#220;ber 60 Prozent vom Au&#223;enhandel Deutschlands und Frankreichs l&#228;uft in   Europa ab. Beide sind sich die wichtigsten Handelspartner. Die   Herrschenden in Frankreich und Deutschland haben sich immer wieder   zusammengerauft, um als die beiden st&#228;rksten imperialistischen Staaten   Europas den Rest der EU zu kontrollieren.<\/p>\n<p>  Die franz&#246;sischen Kapitalisten verf&#252;gen &#252;ber gro&#223;en Einfluss in vielen   Mittelmeer-L&#228;ndern, das deutsche Kapital hat seit den neunziger Jahren   gerade in Osteuropa an Gewicht gewonnen. Die gekn&#252;pften   Beziehungsgeflechte sind vielf&#228;ltig und reichen von Joint-Ventures und   Banken&#252;bernahmen &#252;ber gezielte Korruption lokaler Politiker bis hin zur   Einflussnahme auf die Medien. So geh&#246;rt die gr&#246;&#223;te und die drittgr&#246;&#223;te   polnische Tageszeitung heute zum Springer-Konzern. Die Auslandseins&#228;tze   der Bundeswehr, gerade seit dem Balkankrieg 1999, widerspiegeln die neue   aggressivere Au&#223;enpolitik der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>  Im Irak-Krieg 2003 legten sich Frankreich und Deutschland st&#228;rker als in   den Vorjahren mit dem US-Imperialismus an. Auch hier mit der Intention,   ihre eigenen imperialistischen Interessen zu st&#228;rken.<\/p>\n<h4>  Euro-Krise<\/h4>\n<p>  Im Zuge der Weltwirtschaftskrise und der Euro-Turbulenzen traten   deutliche Meinungsverschiedenheiten dar&#252;ber auf, mit welchen Mitteln der   Euro und die EU zusammengehalten werden sollten. Die (als   Griechenland-Hilfe getarnten) Bankenrettungsaktionen, das Hick-Hack um   eine Wirtschaftsregierung, die Diskussionen dar&#252;ber, zahlungsunf&#228;hige   Staaten aus der EU zu schmei&#223;en &#8211; stets gerieten die nationalen   Interessen scharf aneinander. Die neu geschaffenen EU-Institutionen und   Positionen b&#252;&#223;ten an Bedeutung ein. Die Regierenden Deutschlands und   Frankreichs rangelten &#8211; zum Beispiel beim Krisengipfel am 7. Mai &#8211; um   die Vorherrschaft, w&#228;hrend jemand wie der st&#228;ndige EU-Ratschef Herman   Van Rompuy nur Zaungast war.<\/p>\n<p>  Am 1. Juli 2010 hielt Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef bei Siemens und   ThyssenKrupp, vor der franz&#246;sischen Elite eine Rede in der Residenz des   deutschen Botschafters in Paris. Er erkl&#228;rte: &#8222;Die Wahrnehmung eigener   Interessen wird oft als selbstverst&#228;ndlich betrachtet, w&#228;hrend es   schnell als unsolidarisch empfunden wird, wenn andere dasselbe tun.&#8220; Die   Krise des Kapitalismus hat seit 2007 viel durcheinandergewirbelt. Da   diese Krise keineswegs vor&#252;ber ist, werden die Imperialisten verst&#228;rkt   ihre &#8222;eigenen Interessen wahrnehmen&#8220;, wie Cromme es nennt. Das wird die   Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland intensivieren. Erst Recht   im Falle eines Scheiterns des Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zwischenimperialistische Spannungen wachsen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[230],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13900"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13900\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}