{"id":13892,"date":"2010-10-22T00:00:00","date_gmt":"2010-10-22T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13892"},"modified":"2010-10-22T00:00:00","modified_gmt":"2010-10-22T00:00:00","slug":"13892","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/10\/13892\/","title":{"rendered":"Vor den gewerkschaftlichen Aktionswochen"},"content":{"rendered":"<p>  Viele Einzelaktionen oder effektiver Widerstand?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Es ist positiv, dass die Gewerkschaften Proteste gegen Sparpaket,   kommunale K&#252;rzungen, Gesundheitsreform und Rente mit 67 angek&#252;ndigt   haben. Allein die Aktionskonferenz der IG Metall in Baden-W&#252;rttemberg am   22. September mit 2.500 Vertrauensleuten und Betriebsr&#228;ten zeigt das   Potenzial, welches die Gewerkschaften f&#252;r eine machtvolle Kampagne gegen   die Bundesregierung h&#228;tten. Jedoch wird aus den bisherigen Aktionspl&#228;nen   nicht sichtbar, wie der Widerstand so geb&#252;ndelt werden soll, dass die   Regierung einlenken und ihre K&#252;rzungspl&#228;ne fallen lassen muss. Im   Gegenteil, an Stelle einer B&#252;ndelung der Kr&#228;fte sieht alles nach einer   Verzettelung aus.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Die IG Metall will einen &#8222;Kurswechsel f&#252;r ein besseres Leben&#8220;, ver.di   meint: &#8222;Gerecht geht anders.&#8220; Und der DGB m&#246;chte mit den Herbstaktionen   ein Zeichen gegen die &#8222;Schieflage&#8220; in Deutschland setzen. Anstatt   eindeutige und greifbare politische Forderungen zu stellen, wirken die   Aussagen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wie zahnlose Appelle an   das soziale Gewissen der Politiker und der Bosse, zum Beispiel wenn sehr   vage gemahnt wird: &#8222;Wir brauchen gute Arbeit, starke &#246;ffentliche   Leistungen, gutes Auskommen im Alter, ein solidarisches   Gesundheitssystem sowie qualifizierte Bildung und Ausbildung.&#8220; N&#246;tig   w&#228;re hingegen eine klare Kampfstrategie, wie eine Protest- und   Streikbewegung aufgebaut und die Pl&#228;ne der Bundesregierung zu Fall   gebracht werden k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Aktionismus oder effektiver Widerstand?<\/h4>\n<p>  Die Kampagnen-Seite von ver.di, www.gerecht-geht-anders.de, bietet   beispielsweise ein Bild von kunterbuntem Aktionismus. Nat&#252;rlich ist es   gut, dass AktivistInnen in vielen St&#228;dten und in einigen Betrieben die   Initiative ergreifen, und Aktionen planen oder bereits durchgef&#252;hrt   haben. So gibt es seitens der Anti-Krisen-B&#252;ndnisse in ein paar Orten   Demonstrationen am 29. September, dem europaweiten Aktionstag des   Europ&#228;ischen Gewerkschaftsbundes (EGB), so findet in Frankfurt am Main   am 18. Oktober eine &#8222;Bankenblockade&#8220; statt, so soll am 26. November, dem   Tag der Entscheidung &#252;ber das Sparpaket, ein Protest vor dem Bundestag   erfolgen. Zudem werden &#8211; sehr sp&#228;t &#8211; vom 24. Oktober an bis zum 13.   November drei Aktionswochen von gewerkschaftlicher Seite her   durchgef&#252;hrt. In mehreren St&#228;dten sollen dann am Samstag, den 13.   November beziehungsweise kurz davor gr&#246;&#223;ere Demonstrationen organisiert   werden.<\/p>\n<p>  Wieviel mehr Durchsetzungskraft h&#228;tte es jedoch, wenn all die Proteste   nicht vereinzelt durchgef&#252;hrt, sondern durch eine entschlossene   Gewerkschaftsf&#252;hrung effektiv koordiniert w&#252;rden. Angefangen mit   Betriebsversammlungen an einem Tag (sp&#228;testens zu Beginn der   Aktionswochen) und anschlie&#223;enden Protestkundgebungen in allen gr&#246;&#223;eren   St&#228;dten Deutschlands. Das w&#228;re ein allererster Schritt hin zu einem   gemeinsamen Widerstand.<\/p>\n<h4>  Politischer Streik und Generalstreik<\/h4>\n<p>  Die Bundesregierung l&#228;sst sich weder durch Mittagspausenaktionen noch   durch Samstagsdemos von ihren Vorhaben abbringen. Solche Aktionen k&#246;nnen   nur ein Anfang sein. N&#246;tig sind gemeinsame Streikaktionen aller   Besch&#228;ftigten bis hin zu einem Generalstreik &#8211; um einen gr&#246;&#223;tm&#246;glichen   politischen und &#246;konomischen Druck auszu&#252;ben -, so wie es in Frankreich,   Spanien und Griechenland gerade vorgemacht wird. Der ver.di-Vorsitzende   Frank Bsirske hat erst k&#252;rzlich in der Zeitschrift &#8222;Mitbestimmung&#8220; in   einem Interview ge&#228;u&#223;ert, &#8222;politische Streiks&#8220; seien f&#252;r ver.di &#8222;kein   Tabu&#8220;. Diese Aussage sollten AktivistInnen bei ver.di aufgreifen und   einfordern, dass statt vieler Einzelaktionen auf einen gemeinsamen   Streik- und Protesttag im &#214;ffentlichen Dienst hingearbeitet wird.   Generell sollte f&#252;r betriebs- und branchen&#252;bergreifende Streiks in den   Aktionswochen gek&#228;mpft werden.<\/p>\n<p>  Sollten die Gewerkschaften jetzt mit einer gro&#223;angelegten Informations-   und Mobilisierungskampagne beginnen, also Millionen Flugbl&#228;tter und   Plakate gegen die Angriffe der Regierenden herausbringen und   Veranstaltungen organisieren, dann k&#246;nnte wirksam auf   Arbeitsniederlegungen hingearbeitet werden. Hierbei w&#228;re es n&#246;tig, auch   die Verbindung zu den Gro&#223;protesten gegen die Atompolitik und gegen   Stuttgart 21 (auch hier geht es um die Bereicherung einer kleinen   Minderheit auf Kosten der gro&#223;en Mehrheit) zu ziehen. Zudem pl&#228;dieren 86   Prozent der in einer Forsa-Umfrage befragten Besch&#228;ftigten f&#252;r Lohn- und   Gehaltserh&#246;hungen &#8211; das wirft die Frage nach einer Nachschlagsforderung   in der Metallindustrie und anderswo auf.<\/p>\n<p>  Am Mittwoch, den 8. September protestierten in Braunschweig insgesamt   2.500 Besch&#228;ftigte, darunter 1.000 VW-ArbeiterInnen und KollegInnen aus   mehreren Betrieben des &#214;ffentlichen Dienstes, gemeinsam zum Auftakt der   Herbstaktionen gegen Sozialabbau. Das ist ein kleines Beispiel f&#252;r   notwendige betriebs&#252;bergreifende Gegenwehr. Ausgehend von   Vertrauensleute- und Betriebsr&#228;tekonferenzen und einer ernsthaften   gewerkschaftlichen Kampagne mit konkreten Schritten zum Aufbau des   Widerstands &#8211; von betriebs- und branchen&#252;bergreifenden Streiks bis hin   zu massenhaften Mobilisierungen aller Gewerkschaften zu den   Demonstrationen am 13. November &#8211; k&#246;nnte ein eint&#228;giger Generalstreik   vorbereitet werden. Musterresolutionen und Argumentationshilfen hierzu   gibt es auf der Homepage des &#8222;Netzwerks f&#252;r eine k&#228;mpferische und   demokratische ver.di&#8220;: www.netzwerk-verdi.de.<\/p>\n<h4>  Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise!<\/h4>\n<p>  In allen Betrieben und Gewerkschaften muss der Druck auf die   Gewerkschaftsf&#252;hrungen verst&#228;rkt werden. Die Lohnk&#228;mpfe der   Besch&#228;ftigten der Stahlindustrie, der Telekom und der Unikliniken in   Baden-W&#252;rttemberg und Berlin k&#246;nnten Bestandteil eines hei&#223;en Herbstes   werden. Auch die Tarifrunden haben einen politischen Charakter.   Unternehmer wollen weitere Profitsteigerungen durch Lohnsenkungen   erreichen. In den Unikliniken sollen die Kosten der Gesundheitsreform   auf das Personal abgew&#228;lzt werden. Der Kampf f&#252;r h&#246;here L&#246;hne und gegen   die K&#252;rzungspl&#228;ne der Regierung k&#246;nnten unter dem Motto der   Anti-Krisen-B&#252;ndnisse &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise&#8220; zusammengefasst   und koordiniert werden.<\/p>\n<h4>  F&#252;r k&#228;mpferische Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Auch wenn es momentan schwierig erscheint, den Druck so weit auf die   Gewerkschaftsoberen zu erh&#246;hen, dass sie sich in den n&#228;chsten Wochen zu   koordinierten Streikaktionen und zur Vorbereitung eines eint&#228;gigen   Generalstreiks gezwungen sehen, ist es n&#246;tig, in den Belegschaften das   Bewusstsein f&#252;r solche n&#246;tigen Kampfschritte zu st&#228;rken. Mehr   KollegInnen m&#252;ssen f&#252;r den Aufbau einer k&#228;mpferischen Opposition   gewonnen werden; einer Opposition mit dem Ziel, eine programmatische und   personelle Alternative zu schaffen.<\/p>\n<p>  Daf&#252;r macht es Sinn, KollegInnen zu sammeln und mit ihnen gemeinsam   Druck f&#252;r weitergehende Proteste bis hin zu Arbeitsniederlegungen zu   machen. Wo m&#246;glich, sollten entsprechende betriebliche Aktionen   organisiert werden, noch besser zeitgleich mit anderen Betrieben.   Zentrales Ziel ist es, die Gewerkschaften von unten zu erneuern und   wieder zu Kampforganisationen zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Viele Einzelaktionen oder effektiver Widerstand?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23,11],"tags":[230],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13892"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}