{"id":13884,"date":"2010-09-18T00:00:00","date_gmt":"2010-09-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13884"},"modified":"2010-09-18T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-18T00:00:00","slug":"13884","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13884\/","title":{"rendered":"Kasachstan: Sozialistischer Europaabgeordneter trifft sich mit \r\n      AktivistInnen der Opposition"},"content":{"rendered":"<p>  Das brutale Nasarbajew-Regime sitzt auf einer tickenden sozialen   Zeitbombe<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Riesige Plakatw&#228;nde mit Kasachstans Pr&#228;sident Nasarbajew stehen auf dem   Weg zwischen der neu gebauten Hauptstadt Astana und dem Bergbaugebiet   Karaganda, 200 Kilometer s&#252;dlich von Astana. Sie zeigen den Pr&#228;sidenten   umgeben von gl&#252;cklich aussehenden Menschen. Die Plakate gaukeln einen   &#228;u&#223;erst popul&#228;ren &quot;F&#252;hrer der Nation&quot; vor. Nichts k&#246;nnte weiter von der   Wahrheit entfernt sein.<\/p>\n<h4>  <i>von Tanja Niemeier, Mitglied der Besuchsdelegation von Joe Higgins in   Kasachstan <\/i><\/h4>\n<p>  Im Juni 2010 wurde ein Gesetz verabschiedet, das Nasarbajew als   &quot;Pr&#228;sidenten auf Lebenszeit&quot; inthronisiert. Dasselbe Gesetz verbietet   jede Kritik am Pr&#228;sidenten und den Mitgliedern seiner Familie. Es wurde   verabschiedet, w&#228;hrend Kasachstan den Vorsitz der OSZE (Organisation f&#252;r   Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) inne hat, einer internationalen   Organisation mit dem Anspruch, die demokratischen Rechte zu verteidigen   und zu &#252;berwachen. Laut OSZE-Quellen hat jedoch keiner der 56   Mitgliedstaaten irgendeine offizielle Kritik an diesem Gesetz ge&#252;bt.<\/p>\n<p>  Nasarbajew hat Kasachstan in den letzten zwanzig Jahren regiert, mit   Wahlergebnissen von 91 Prozent in stalinistischem Stil. Nasarbajew &quot;s   Partei ist die einzige Partei im Parlament. Diese Wahlergebnisse wurden   nicht nur von der Opposition in Frage gestellt, sondern auch von   internationalen Organisationen zur &#220;berwachung von Wahlen. Die   Opposition mu&#223; also unter &#228;u&#223;erst schwierigen Bedingungen arbeiten.<\/p>\n<p>  Als Teil einer Delegation der Vereinten Europ&#228;ischen Linken (GUE \/ NGL),   besuchten Joe Higgins, MdEP der irischen Sozialistischen Partei und ich   Kasachstan, um Aktivisten der unabh&#228;ngigen Gewerkschaft,   MenschenrechtlerInnen, JournalistInnen, ehemalige Strafgefangene,   politische AktivistInnen und Menschen aus den sozialen Bewegungen zu   treffen.<\/p>\n<p>  Vadim Kuramschin, ein angesehener Anwalt und Menschenrechtsaktivist,   wurde zwei Tage vor unserem ersten Treffen in Karaganda verhaftet, bei   dem er uns Informationen &#252;ber die erniedrigenden Haftbedingungen in den   Gef&#228;ngnissen Kasachstans &#252;bergeben wollte. Erst im August f&#252;gten sich in   der Region Karaganda viele H&#228;ftlinge selbst Verletzungen der Handgelenke   und M&#228;gen zu, um so gegen die barbarischen Zust&#228;nde in den Gef&#228;ngnissen   zu protestieren.<\/p>\n<p>  Die Gef&#228;ngnisse sind &#252;berf&#252;llt. Man kann f&#252;r drei Jahre im Gef&#228;ngnis   landen, wenn man beschuldigt wird, ein Mobiltelefon gestohlen zu haben.   Vadim Kursamshin wurde verhaftet, weil die Beh&#246;rden offensichtlich Angst   davor hatten, dass die Wahrheit &#252;berall auf der Welt bekannt wird.<\/p>\n<p>  &quot;Ich wei&#223;, dass sich mein Leben von nun an &#228;ndern wird. Ich wei&#223;, dass   ich durch die Beh&#246;rden verfolgt und bedroht werde, aber ich f&#252;rchte mich   nicht mehr. Ich will Gerechtigkeit f&#252;r alle diejenigen, die noch im   Gef&#228;ngnis sind und f&#252;r die Familien, die sich Sorgen um ihre Angeh&#246;rigen   machen&quot;, sagt Aleksander, ein junger Ex-H&#228;ftling aus Shimkent. Er ist   Tausende von Kilometern gereist ist, um mit uns zu reden und die Mauer   des Schweigens zu durchbrechen.<\/p>\n<p>  Es ist das erste Mal, dass Aleksander &#246;ffentlich &#252;ber das spricht, was   ihm und vielen anderen Gefangenen widerfahren ist, die gedem&#252;tigt und   gebrochen wurden in einigen der brutalsten Gef&#228;ngnisse Kasachstans.   Vergewaltigungversuche und st&#228;ndige Schl&#228;ge, wenn man sich weigert, die   Spucke der Beamten vom Boden zu lecken sind nur zwei Beispiele f&#252;r das,   was Aleksander, andere Ex-H&#228;ftlinge und ihr Verwandten berichtet haben.<\/p>\n<p>  &quot;Weitere drei&#223;ig Ex-Gefangene wollten kommen und sich mit Ihnen   treffen&quot;, sagt Dauriya, eine junge Frau, die in den Gef&#228;ngnissen f&#252;r   Gerechtigkeit k&#228;mpft. Aber viele von ihnen erhielten telefonische   Warnungen vor den schrecklichen &quot;Dingen&quot;, die ihnen oder ihre Familien   geschehen w&#252;rden, wenn sie sich mit Joe Higgins treffen.<\/p>\n<p>  &quot;Wenn diese Regierung der Bev&#246;lkerung nicht einmal grundlegende   demokratische und Arbeitnehmerrechte respektiert, dann ist es nicht   verwunderlich, dass sie Gefangene so entw&#252;rdigend behandelt&quot;, berichtet   ein Aktivist von &quot;Kasachstan 2012&quot;, einer politischen Bewegung, die die   Proteste und sozialen Bewegungen im ganzen Land zu b&#252;ndeln versucht.<\/p>\n<h4>  Der Aufbau von unabh&#228;ngigen Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Eine der wichtigsten Aufgaben f&#252;r &#8222;Kasachstan 2012&#8220; ist die Bildung   unabh&#228;ngiger Gewerkschaften, welche die Interessen der Arbeiterklasse   und der armen Menschen im Land wirksam verteidigen k&#246;nnen. Die meisten   offiziellen Gewerkschaften sind Reste der alten stalinistischen   Staatsgewerkschaften und f&#252;llen die Taschen der Regierung, andere   betriebliche Gewerkschaften werden vom Management kontrolliert.<\/p>\n<p>  Die Familien der Bergleute, Wissenschaftler, medizinisches Personal,   &#214;larbeiter, Eisenbahner &#8211; von denen einige 44 Stunden im Zug verbracht   hatten, um uns zu treffen &#8211; sprachen &#252;ber den Mangel an Gesundheits-und   Sicherheitsvorschriften. Dies hatte Explosionen in den Minen zur Folge,   bei denen viele Arbeiter verletzt oder get&#246;tet wurden.<\/p>\n<p>  Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Akademiker, welchedie riesigen,   zum gr&#246;&#223;ten Teil an ausl&#228;ndische Multis &#252;bergebenen &#214;l-und Gasreserven   erschlossen haben, verdienen 300 US-Dollar pro Monat plus 100 Dollar an   Boni, w&#228;hrend wissenschaftliche Anw&#228;rter nur 200 US-Dollar pro Monat   erhalten.<\/p>\n<p>  Trotz der repressiven Charakters des Regimes in Kasachstan haben wir   engagierte K&#228;mpferInnen getroffen, die sich f&#252;r Ver&#228;nderungen engagieren   und entschlossen sind, sich den Beh&#246;rden nicht zu beugen. &quot;Wenn n&#246;tig,   werden wir Barrikaden bauen, um unsere H&#228;user gegen die Bulldozer zu   verteidigen &quot;, sagt einer der Bewohner des Elendsviertels Bakai am   Stadtrand von Almaty, der auch Dozent f&#252;r Geschichte ist.<\/p>\n<p>  Viele Menschen gehen davon aus, dass das Regime die nat&#252;rlichen   Reicht&#252;mer des Landes den gro&#223;en multinationalen Unternehmen   ausgeliefert hat, w&#228;hrend die Bev&#246;lkerung unter katastrophalen   wirtschaftlichen Verh&#228;ltnissen leben mu&#223;.<\/p>\n<p>  Es scheint, dass es nur eines Funkens bedarf, um eine gro&#223;e Bewegung im   ganzen Land auszul&#246;sen. &quot;Wir m&#252;ssen k&#228;mpfen, bis wir in unserem Land   wieder selbst das Sagen haben&quot;, meinte ein anderer Aktivist von   &#8222;Kasachstan 2012&#8220;, als er sich bei Joe Higgins f&#252;r seinen Besuch und das   Zuh&#246;ren bedankte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das brutale Nasarbajew-Regime sitzt auf einer tickenden sozialen<br \/>\n      Zeitbombe\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,101],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13884"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13884"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13884\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}