{"id":13883,"date":"2010-09-29T00:00:00","date_gmt":"2010-09-29T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13883"},"modified":"2010-09-29T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-29T00:00:00","slug":"13883","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13883\/","title":{"rendered":"&#8222;Ver&#228;ndert eure Politik oder wir werden euch ver&#228;ndern.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Mitgliedern der kasachischen Schwesterorganisation der   SAV, Sozialistischer Widerstand Kasachstan<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Was bedeutet die Entwicklung der Situation in Kasachstan f&#252;r das CWI?<\/h4>\n<p>  Wir sind mit einer Schw&#228;che der Opposition auf einem Level konfrontiert,   den wir nicht erwartet haben. Eine linke sozialistische Alternative   fehlt bislang noch g&#228;nzlich, jedoch ist unsere Sektion federf&#252;hrend   dabei so eine aufzubauen.<\/p>\n<p>  Die Schw&#228;chung der Opposition ist ma&#223;geblich auf die Politik der   Sozialdemokratie zur&#252;ckzuf&#252;hren, die eine beobachtende Rolle &#252;bernehmen   und ansonsten faule Kompromisse aushandeln. Au&#223;erdem sind viele aus der   F&#252;hrung in kriminelle Gesch&#228;fte eingebunden wie zum Beispiel in das   Erkaufen von Sitzen im Parlament.<\/p>\n<p>  Die Anzahl der AktivistInnen der sogenannten Volkspartei stagniert. Sie   wird von einem Oligarchen, der zurzeit in London lebt, finanziert. Er   ist Eigent&#252;mer der Bank BT.<\/p>\n<h4>  Was bedeutet die Protestbewegung 2012?<\/h4>\n<p>  Es ist eine Bewegung verschiedener sozialer Schichten und Protestgruppen   und unabh&#228;ngiger Gewerkschaften sowie Gruppen, die gegen ungerechte   Entscheidungen der Gerichte aktiv sind. Kasachstan 2012 hat einen stark   sozialistischen Charakter. Eine wichtige Komponente ist ebenfalls, dass   H&#228;user mit faulen Krediten erbaut wurden und dieser Bereich sehr bald   kollabiert ist. Dadurch sind viele Menschen, die sich auch in der   Protestbewegung 2012 beteiligen, davon bedroht, ihr Heim zu verlieren.   Die Bewegung gr&#252;ndete sich im August 2009 durch die Vernetzung der   vorhin genannten Protestbewegungen und Organisationen. Die Finanzkrise   bzw. die Krise der Realwirtschaft hat Kasachstan bereits 2007 stark   getroffen. Die Regierung ist hier in Probleme geraten und K&#228;mpfe gegen   die Auswirkungen der Krise haben begonnen.<\/p>\n<p>  Die Protestbewegung 2012 war von Anfang an von unten organisiert und die   Basis erkannte sehr rasch, dass es notwendig ist, die Bewegung auf   politischer Ebene aufzubauen um grunds&#228;tzliche Forderungen zu erreichen.   Die Wahl des Namens war ebenso eine Entscheidung von den Menschen selbst   &#8211; von normalen ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>  Des weiteren wurde der Slogan entwickelt: &#8222;Ver&#228;ndert eure Politik oder   wir werden euch ver&#228;ndern.&#8220; Dieses Motto r&#252;ckte ins Zentrum der Bewegung.<\/p>\n<p>  Ein Meilenstein des Protestes war das Entlassen eines Parlamentariers   der Manager und Besitzer einer Bankfirma ist, die ma&#223;geblich an der   Vergabe fauler Kredite beteiligt war. Die entwickelte sich zu einem   gro&#223;en Skandal, welcher mit dem R&#252;cktritt dieser Person endete &#8211; ein   bedeutender Schritt f&#252;r die Protestbewegung.<\/p>\n<p>  Die erste Konferenz fand im August 2009 im Vorgarten eines Aktivisten   statt, weil es gef&#228;hrlich und streng verboten ist solche Treffen in der   &#214;ffentlichkeit abzuhalten. An dieser Konferenz nahmen 300 AktivistInnen   teil. Ironischer Weise war ebenfalls dieselbe Anzahl an Polizisten   anwesend.<\/p>\n<p>  Entscheidend ist ebenfalls, dass Kasachstan dieses Jahr den Vorsitz der   OSZE stellt (Hauptsitz in Wien), somit hat es vor der zweiten Konferenz   Provokationen gegeben. Die lokalen Beh&#246;rden haben jedes Lokal, welches   f&#252;r so ein Treffen gro&#223; genug gewesen w&#228;re, kontaktiert und das Treffen   dezidiert verboten. Als einziger Ausweg wurde die zweite Konferenz auf   der Stra&#223;e abgehalten.<\/p>\n<p>  Einige AktivistInnen wurden dann von der Polizei und Sicherheitskr&#228;ften   angegriffen. Ein Aktivist der Bewegung sprach dann vor der OSZE mit   einem aufgrund der Attacken eingegipsten Arm. Dieser Aktivist beschwerte   sich regelrecht &#252;ber die Umst&#228;nde, dass die Menschen in Kasachstan ihre   demokratischen Rechte in Anspruch nehmen bzw. einfordern und daf&#252;r   verpr&#252;gelt worden sind. Dies bedeutete Schmach und Schande f&#252;r das   Regime in Kasachstan bzw. f&#252;r die OSZE, weil Menschen, die f&#252;r ihre   Rechte als Menschen k&#228;mpfen in dieser Form unterdr&#252;ckt werden bzw. weil   so ein Land den Vorsitz eines signifikanten Sicherheitsorgans der EU   &#252;bernehmen darf.<\/p>\n<h4>  Seid ihr in einem Kampf um die Macht?<\/h4>\n<p>  Das bestehende Regime bricht langsam zusammen, jedoch versucht es an der   Macht zu bleiben um die Protestbewegung auszubremsen. Somit ist der   Machtanspruch durchaus gegeben, jedoch wird im selben Atemzug die   wichtige Frage aufgeworfen, was nach dem Sturz des Regimes passieren   soll. Die AktivistInnen des CWI testen hier auch die M&#246;glichkeiten. Von   der Sektion des CWI wird eine Art &#220;bergangsprogramm f&#252;r diese Situation   entworfen und &#252;berlegt, wie Trotzki in dieser komplizierten Situation   gehandelt h&#228;tte.<\/p>\n<h4>  Was ist der Charakter des herrschenden Regimes?<\/h4>\n<p>  Der Charakter ist durch die Bank autorit&#228;r, die gesamte Macht ist in   einer Person, dem Pr&#228;sidenten zusammengefasst. Nasarbajew (Pr&#228;sident von   Kasachstan, Anm.) hat die Bev&#246;lkerung mehrmals betrogen und &#252;ber den   Tisch gezogen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der   Bev&#246;lkerung ihm nicht mehr traut. Seine Anh&#228;nger in Politik und   Wirtschaft verhalten sich unterw&#252;rfig, vergleichbar mit der   Kotau-Haltung (vergleichbar einem Kniefall, Anm.).<\/p>\n<p>  Die Wirtschaft und die Produktionsmittel sind in der Hand der   Oligarchen. Das Regime und die Macht sind eng ineinander verflochten,   diese Oligarchen tragen auch viele Aspekte einer B&#252;rokratie. Somit sind   viele Elemente die das Regimes als diktatorisch definieren. Die   b&#252;rokratischen Strukturen der ehemaligen Sowjetunion verblieben, jedoch   sind es jetzt nicht mehr (nur) B&#252;rokratInnen und StalinistInnen in   diesen Postionen, sondern es sind die Bourgeoisie und die Oligarchen,   die den Ton angeben. Dies sind Entwicklungen, die in fast allen   ehemaligen Sowjetstaaten zu beobachten sind.<\/p>\n<p>  Die b&#252;rokratischen staatlichen Strukturen wurden in der Sowjetunion   aufgebaut und wir werden sie uns zur&#252;ckholen und in demokratische   umwandeln. Das ist der einzige gerechte Weg. Der Unmut und Zorn gegen   das gegenw&#228;rtige Regime steigt so schnell, dass immer die Gefahr   besteht, dass wir hinterherhinken. Aufgrund von Repression und Verboten   von Demonstrationen, Kundgebungen und Infotischen ist unsere   &#214;ffentlichkeitsarbeit in Kasachstan sehr eingeschr&#228;nkt.<\/p>\n<p>  Vor einigen Tagen wurde ein Aktivist der Protestbewegung, der im   Sicherheitsdienst t&#228;tig war, von Polizei und Sicherheitsdienst aus   seinem Haus geworfen. Er und seine Familie sind somit obdachlos und   wissen nicht, wo sie wohnen sollen.<\/p>\n<p>  2011 wird f&#252;r unsere AktivistInnen in Kasachstan kein einfaches Jahr   werden, da Kasachstan n&#228;chstes Jahr nicht mehr den Vorsitz in der OSZE   stellen wird. Es ist daher wahrscheinlich, dass Gewalt, Willk&#252;r und   Repression noch zunehmen werden. Somit muss auch Untergrundarbeit   angedacht werde<\/p>\n<h4>  Wie organisiert ihr eure tagt&#228;gliche Arbeit?<\/h4>\n<p>  Wir arbeiten viel mit Gewerkschaften zusammen, mit denen wir f&#252;r jeden   Tag einen Plan entwerfen, was die n&#228;chsten Schritte sind. Wir m&#252;ssen uns   exakt organisieren um Fehler zu vermeiden, da wir uns solche nicht   leisten k&#246;nnen. Viele von den produktivsten Gewerkschaften sind aus   verschiedenen Regionen des Landes. Somit muss auch Zeit aufgebracht   werden sich angemessen zu vernetzen.<\/p>\n<p>  Es sind bewegte Zeiten in Kasachstan. Wir bekommen die Information von   den Geschehnissen und m&#252;ssen dann die richtigen Handlungen daraus   ableiten. Die Beteiligung an bzw. die Unterst&#252;tzung von Protesten oder   Streiks ist extrem wichtig um neue Menschen in K&#228;mpfe einzubinden.   Weiters geht es auch oft darum Menschen in schwierigen Situationen zu   helfen wie z. B. bei Angriffen der Polizei oder bei Entlassungen. Ebenso   m&#252;ssen diese Menschen geschult werden, um zu lernen, wie man selbst   Widerstand organisiert. Wie verbessern diese F&#228;higkeiten seit Jahren,   besonders dort, wo sie noch schwach ausgepr&#228;gt sind. Um Druck auf die   Regierung zu erzeugen versuchen wir einer breiten &#214;ffentlichkeit   Einblick in ihre Aktivit&#228;ten zu erm&#246;glichen um sie ins richtige Licht zu   r&#252;cken &#8211; ein Mittel, das den Regierenden besonders unangenehm ist. Das   Regime f&#252;rchtet Demonstrationen oder organisierte Treffen jeglicher Art   und antwortet mit blanker Gewalt darauf. Viel von unserer   Organisationsarbeit muss von zu Hause aus erledigt werden, da die   &#214;ffentlichkeit oftmals zu gef&#228;hrlich ist. Die Sicherheitsdienste   &#252;berwachen unsere Arbeit genau, sie setzen Spione ein und h&#246;ren bei den   meisten Telefongespr&#228;chen mit. Deshalb vermeiden wir es Namen zu nennen.   Allerdings schicken wir Sicherheitskr&#228;fte zur Belustigung ins Leere   indem wir via Telefon die n&#228;chste Demonstration besprechen, die dort und   dann stattfindet. Das f&#252;hrt dazu, dass Polizisten oftmals einsam und   verlassen in der Gegend herumstehen.<\/p>\n<p>  Wir erstellen eine Website f&#252;r die Protestbewegung 2012 um unsere Arbeit   besser organisieren und kontrollieren zu k&#246;nnen, alles wird von der   Basis beschlossen und nicht von der Spitze diktiert. In den letzten drei   Monaten haben wir gemeinsam mit den fortschrittlichen Gewerkschaften   beschlossen eine Partei aufzubauen um bei den Wahlen 2012 besser   intervenieren zu k&#246;nnen. Wir hoffen, dass wir unsere Unterst&#252;tzung bis   dahin ausbauen k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Mitgliedern der kasachischen Schwesterorganisation der<br \/>\n      SAV, Sozialistischer Widerstand Kasachstan\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13883"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13883"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13883\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13883"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13883"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13883"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}