{"id":13877,"date":"2010-09-15T00:00:00","date_gmt":"2010-09-15T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13877"},"modified":"2010-09-15T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-15T00:00:00","slug":"13877","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13877\/","title":{"rendered":"&#8222;Mit aller Kraft gegen die GmbH-Gr&#252;ndung wehren!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  In Dresden droht zum wiederholten Male die Umwandlung der Krankenh&#228;user   in eine gGmbH. Interview mit Dorit Wallenburger, Vorsitzende der   ver.di-Betriebsgruppe im Krankenhaus Dresden-Neustadt.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Ende August ging in Dresden die Meldung durch die Presse, dass die   Oberb&#252;rgermeisterin Helma Orosz (CDU) die Rechtsform der Dresdner   Krankenh&#228;user &#228;ndern will. Die H&#228;user sollen allerdings, laut der   Zusicherung des Ordnungsb&#252;rgermeisters Sittel (CDU) st&#228;dtisch bleiben.   Klingt doch alles gar nicht so schlimm.<\/h4>\n<p>  Das ist die Zauberformel, mit der alle beruhigt werden sollen. Den   Regierenden schwebt eine GmbH oder gGmbH vor, die zumindest vorerst   vollst&#228;ndig in kommunaler Tr&#228;gerschaft bleiben soll. Trotzdem bedeutet   eine GmbH-Gr&#252;ndung drei grundlegende Verschlechterungen f&#252;r die   Besch&#228;ftigten und die Bev&#246;lkerung:<\/p>\n<p>  1) Die Stadt wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus   dem Kommunalen Arbeitgeberverband austreten, was den Abschied vom   Tarifvertrag bedeutet.<\/p>\n<p>  2) &#220;ber die Belange der Krankenh&#228;user wird nicht mehr im Stadtrat (also   mit gr&#246;&#223;erer &#246;ffentlicher Kontrolle) entschieden, sondern in   Aufsichtsr&#228;ten.<\/p>\n<p>  3) In zahlreichen anderen F&#228;llen zeigt sich, dass die GmbH-Gr&#252;ndung der   erste Schritt zur weiteren Privatisierung &#8211; sprich Verkauf &#8211; ist.<\/p>\n<h4>  Aber es hei&#223;t doch, dass keine Kollegin\/kein Kollege mit weniger Geld   nach Hause gehen soll.<\/h4>\n<p>  Damit ist gemeint, dass die jetzigen Geh&#228;lter der jetzt unbefristet   Besch&#228;ftigten &#8222;eingefroren&#8220; werden sollen. Von zuk&#252;nftigen   Tarifsteigerungen sind wir dann abgekoppelt. Neu Eingestellte oder   Besch&#228;ftigte, bei denen der Vertrag ge&#228;ndert werden muss (z.B. bei   Stundenzahlver&#228;nderungen, Umsetzungen, Arbeitsvertragsverl&#228;ngerungen   etc.) k&#246;nnen sich auf diesen Bestandsschutz nicht berufen.<\/p>\n<p>  Im Uniklinikum Dresden f&#252;hrte das in den Jahren nach der &#220;berf&#252;hrung in   eine Anstalt &#214;ffentlichen Rechts dazu, dass die Geh&#228;lter z.B. von   Krankenschwestern bis zu 500,-&#8364; verschieden sein konnten, bei der   gleichen Arbeit. Jetzt gibt es dort seit 2007 nach langen K&#228;mpfen einen   Haustarifvertrag, der aber deutlich unter dem TV&#246;D liegt.<\/p>\n<h4>  Ist Deiner Meinung nach mit Stellenabbau zu rechnen?<\/h4>\n<p>  Das ist schwer zu sagen. Dass unsere Krankenh&#228;user bei der schwierigen   Finanzierungssituation so lange schwarze Zahlen geschrieben haben, liegt   auch daran, dass in den vergangenen Jahren schon massiv Stellen   reduziert worden sind und mit weniger Schwestern immer mehr PatientInnen   in immer k&#252;rzeren Verweildauern behandelt wurden. Ich kann mir kaum   vorstellen, dass am Personal noch zu sparen ist. Personalabbau ist aber   eben genau wie der Ausstieg aus dem Tarifvertrag, Arbeitsverdichtung und   Ausgliederungen verschiedener Arbeitsbereiche ein g&#228;ngiges Mittel der   Krankenhausbetreiber, um Kosten zu reduzieren. Auf jeden Fall wird es   nicht mehr Stellen geben.<\/p>\n<h4>  In solchen K&#228;mpfen ist es immer unabdingbar, dass die Belegschaft sich   wehrt. Oft ist das gar nicht so einfach.<\/h4>\n<p>  Das ist wahr. Uns wird als aktiven Gewerkschaftern immer vorgeworfen,   wir w&#252;rden unberechtigte &#196;ngste in der Belegschaft sch&#252;ren. Dabei ist es   genau anders herum. In der heutigen gesellschaftlichen Situation hat   jede\/r Besch&#228;ftigte eine Riesenangst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.   Wer ein kritisches Wort sagt oder eine &#220;berlastungsanzeige schreibt,   wird vorgeladen und zur Rede gestellt. Oder die Kritik wird einfach   ignoriert. &#196;ndern tut sich in beiden F&#228;llen nichts. So besteht bei   vielen eine Mischung aus Angst und Resignation. Damit ist es schwer,   Kampagnen zu organisieren und Angriffe abzuwenden.<\/p>\n<h4>  Ihr habt ja die Rechtsform&#228;nderung schon einmal abwenden k&#246;nnen. Wann   war das? Wie habt Ihr das geschafft?<\/h4>\n<p>  Der letzte gro&#223;e Vorsto&#223; zur Rechtsform&#228;nderung war 2007. Damals gab es   mehrere parallele Aktionen, die in der Summe die Eigenbetriebe erhalten   konnten: es gab ein B&#252;rgerbegehren, das drei Stadtr&#228;te von Die Linke   initiiert haben und das von ver.di und den Personalr&#228;ten unterst&#252;tzt   wurde. Es gab eine gemeinsame Personalversammlung beider Krankenh&#228;user,   zu der auch die Kandidaten f&#252;r die Oberb&#252;rgermeisterwahl geladen waren,   und es gab eine Aktionen der ver.di-Betriebsgruppe: Wir haben eine   Besch&#228;ftigtenbefragung durchgef&#252;hrt, wir haben Informationsmaterial   zusammengestellt und verteilt und eine Kundgebung vor dem Rathaus   organisiert. Das alles hat dazu gef&#252;hrt, dass der Stadtrat beschloss,   die Eigenbetriebe vorerst in dieser Form weiterzuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Was m&#252;ssen Deiner Meinung nach die n&#228;chsten Schritte sein?<\/h4>\n<p>  Eine &#228;hnliche konzertierte Aktion muss wieder durchgef&#252;hrt werden. Im   Moment sieht alles danach aus, als ob der Rechtsformwechsel sehr z&#252;gig   vollzogen werden soll. Viele Personalr&#228;te und auch Gewerkschafter sind   schon dabei, nach den &#8222;geringsten &#220;beln&#8220; f&#252;r die Besch&#228;ftigten im Falle   des Betriebs&#252;bergangs zu schauen.<\/p>\n<p>  Meiner Meinung nach m&#252;sste sich sofort eine Art B&#252;ndnis gr&#252;nden, das   sich mit aller Kraft gegen die GmbH-Gr&#252;ndung wehrt. Dazu geh&#246;rt   Pressearbeit, &#214;ffentlichkeitsarbeit, Information und vor allem   Organisation der Besch&#228;ftigten, Organisation von Aktionen usw. Das   k&#246;nnte mit Stationsrundg&#228;ngen durch die ver.di-Betriebsgruppe beginnen,   sich fortsetzen mit der aktiven Beteiligung am 29.9., mit aktiven   Mittagspausen und m&#252;sste im Ernstfall bis zu Arbeitsniederlegungen   f&#252;hren &#8211; wirksame Druckmittel haben wir also in jedem Fall zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<h4>  In all den Jahren des Kampfes gegen die Rechtsform&#228;nderung, was waren da   H&#252;rden und konntet Ihr die aus dem Weg r&#228;umen?<\/h4>\n<p>  Die Haupth&#252;rde ist meiner Meinung nach das mangelnde Selbstbewusstsein   der Besch&#228;ftigten und die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaftsf&#252;hrung<\/p>\n<p>  Wenn es eine breite &#220;berzeugung g&#228;be, dass Gesundheitsversorgung eine   &#246;ffentliche Aufgabe ist, die nicht Marktgesetzen unterworfen werden   darf, w&#228;re das alles kein Problem. Dann k&#246;nnte man gut argumentieren,   dass eine gute Behandlung nicht vom Geld abh&#228;ngen darf, dass   motiviertes, ausgeschlafenes, qualifiziertes Pflegepersonal nicht f&#252;r   Dumpingl&#246;hne und unter Konkurrenzdruck zu haben ist; dass jeder Mensch   unabh&#228;ngig von seinem Geldbeutel und seiner Krankenversicherung ein   Recht auf die bestm&#246;gliche Behandlung hat. Dann g&#228;be es keinen Grund   mehr f&#252;r eine GmbH-Gr&#252;ndung.<\/p>\n<p>  Aber solange sich alle dem Argument beugen, dass kein Geld da sei, und   die Augen davor verschlie&#223;en, dass es an anderen Stellen in   Milliardenh&#246;he verschleudert wird, werden wir nicht erfolgreich k&#228;mpfen   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Und solange die Gewerkschaft ihr Hauptziel in der Erhaltung des   Betriebsfriedens und der Harmonie zwischen allen Beteiligten sieht   anstatt klar Position zu beziehen, werden wir auch niemanden haben, der   die Besch&#228;ftigten organisieren kann.<\/p>\n<h4>  In jedem Kampf ist Solidarit&#228;t wichtig. Wie kann die in Eurem Fall   aussehen?<\/h4>\n<p>  Wir k&#246;nnten Berichte aus Krankenh&#228;usern gebrauchen, bei denen   Gegenwehraktionen erfolgreich waren. Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen helfen   sehr. Wir wollen demn&#228;chst eine Postkartenaktion starten, die kann viel   Unterst&#252;tzung gebrauchen. Und nat&#252;rlich w&#228;re es toll, wenn zu Aktionen   m&#246;glichst viele Menschen kommen. Wer Interesse hat, uns zu unterst&#252;tzen,   kann sich an bg-khdn@web.de wenden.<\/p>\n<p>  <i>Das Interview f&#252;hrte Steve K&#252;hne<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      In Dresden droht zum wiederholten Male die Umwandlung der Krankenh&#228;user<br \/>\n      in eine gGmbH. 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