{"id":13867,"date":"2010-09-28T00:00:00","date_gmt":"2010-09-28T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13867"},"modified":"2010-09-28T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-28T00:00:00","slug":"13867","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13867\/","title":{"rendered":"Widerstand gegen Sparpakete in Europa"},"content":{"rendered":"<p>  Ein Sturm zieht auf &#252;ber Europa. <\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nach Rezession und Rettungspaketen droht nun eine gigantische   K&#252;rzungswelle &#252;ber die Bev&#246;lkerung hereinzubrechen. Die Entwicklung in   Griechenland, wo es in diesem Jahr schon zu sechs Generalstreiks kam,   ist in den Augen der Herrschenden ein &#8222;Stresstest&#8220; daf&#252;r, wie die   Arbeiterklasse auf den Kahlschlag reagiert. Auch in anderen L&#228;ndern   bahnen sich soziale Explosionen an.<\/b><\/p>\n<p>  &#8222;Wir sind nicht Griechenland!&#8221; beteuerten die Regierungsvertreter   verschiedener L&#228;nder Europas, w&#228;hrend sie zusehen mussten, wie auch   Portugal und Spanien abrutschten.<\/p>\n<p>  Am 26. August titelte nun die FAZ: &#8222;Die Schuldenkrise in Irland spitzt   sich zu.&#8220; Die Ratingagentur Standard &amp; Poor&#8216;s sch&#228;tzt inzwischen, dass   der irische Staat 90 Milliarden Euro &#8211; rund die H&#228;lfte der gesamten   Wirtschaftsleistung &#8211; aufbringen muss, um die angeschlagenen Banken   rauszuboxen. Dabei betr&#228;gt das Haushaltsdefizit bereits elf Prozent des   Sozialprodukts.<\/p>\n<h4>  Staatsschuldenkrise<\/h4>\n<p>  Mit enormen Defiziten belastet, droht auch anderen Regierungen in Europa   das d&#252;nne Eis unter den F&#252;&#223;en einzubrechen. Zus&#228;tzlichen Druck &#252;ben die   Europ&#228;ische Union (EU) und der Internationale W&#228;hrungsfonds (IWF) aus.   Hinzu kommen Ratingagenturen und Spekulanten, die bereits den   griechischen Staat tiefer in den Ruin getrieben haben.<\/p>\n<p>  Jahrelange neoliberale Politik, Weltwirtschaftskrise und   Bankenrettungspakete f&#252;hrten in der Euro-Zone zu einer   durchschnittlichen Staatsverschuldung von fast 90 Prozent (der   Maastricht-Vertrag hatte 60 Prozent als Obergrenze festgelegt). Der   G-20-Gipfel in Toronto im Fr&#252;hsommer markierte f&#252;r die meisten   kapitalistischen Staaten, nicht zuletzt der EU, eine Kehrtwende &#8211; weg   von Konjunkturprogrammen hin zu einer K&#252;rzungsorgie.<\/p>\n<p>  Damit werden jedoch Infrastrukturprogramme beendet, die Kaufkraft der   Masse der Bev&#246;lkerung noch weiter eingeschr&#228;nkt und somit die Krise   international vertieft. Griechenland steckt weiter in der Rezession (im   ersten Halbjahr 2010 schrumpfte die Industrieproduktion um sechs   Prozent), die &#214;konomien Spaniens, Portugals oder Italiens stagnieren.   Irlands Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 14 Prozent! Der schwache   Aufschwung, den es in Deutschland und einigen anderen EU-L&#228;ndern gibt,   l&#228;uft Gefahr, dadurch zerdr&#252;ckt zu werden (zumal die H&#228;lfte aller   deutschen Exporte in EU-L&#228;nder gehen). Da parallel zu diesem Prozess   auch die US-&#214;konomie mit ihren nunmehr 30 Millionen Erwerbslosen taumelt   und Chinas Wirtschaft wegen enormer &#220;berkapazit&#228;ten und   Spekulationsblasen zu &#8222;&#252;berhitzen&#8220; droht, wird ein zweiter tiefer   Abschwung, ein &#8222;Double Dip&#8220;, immer wahrscheinlicher.<\/p>\n<h4>  Wut und Gegenwehr<\/h4>\n<p>  Die sogenannten &#8222;Sparpakete&#8221;, neoliberale Angriffe auf allen Ebenen,   wecken in vielen europ&#228;ischen L&#228;ndern eine massive Wut. Die Bildung soll   weiter geschleift, das Rentensystem demontiert und die Pl&#252;nderung des   Gesundheitswesens fortgesetzt werden. In den meisten EU-L&#228;ndern in einem   nie dagewesenen Ausma&#223;.<\/p>\n<p>  Der Stand der Entwicklungen in den einzelnen europ&#228;ischen L&#228;ndern ist &#8211;   bei vielen Gemeinsamkeiten &#8211; noch recht unterschiedlich. Die   unterschiedlichen Protestbewegungen k&#246;nnen sich jedoch gegenseitig   beeinflussen. So k&#246;nnten die K&#228;mpfe, die vor allem in S&#252;deuropa   (vereinzelt auch in Osteuropa) toben, auch ArbeiterInnen in Deutschland   und anderswo ermutigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich das   Tempo der Ereignisse insgesamt erh&#246;ht und sich die Proteste gegenseitig   hochschaukeln.<\/p>\n<p>  Das wissen auch die Herrschenden &#8211; und setzen vermehrt auf Spaltung. Es   ist kein Zufall, dass Frankreichs Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy ausgerechnet   am 7. September, am Tag der n&#228;chsten gewerkschaftlichen Proteste, eine   neue gegen MigrantInnen gerichtete Gesetzesvorlage im Parlament   behandeln will. In L&#228;ndern wie Griechenland oder Spanien wird von   b&#252;rgerlichen Politikern und Medien &#252;ber die &#8222;ausl&#228;ndischen Spekulanten&#8220;   geschimpft, um von der Verantwortung der Konzernchefs abzulenken. Im   hoch verschuldeten Ungarn punktet die rechtsgerichtete Regierung Viktor   Orbans gerade in der Bev&#246;lkerung, weil sie sich mit EU und IWF anlegt.   Eine Bankensteuer, die vor allem ausl&#228;ndische Finanzh&#228;user trifft, soll   700 Millionen Euro pro Jahr einbringen. Gleichzeitig bringt Orban eine   &#8222;flat tax&#8220; (eine Einheitssteuer, eine einstufige Einkommenssteuer von 16   Prozent f&#252;r alle &#8211; egal, ob Hilfsarbeiter oder Vorstandschef) auf den   Weg und baut auf Chauvinismus und Nationalismus.<\/p>\n<p>  Wenn in der Arbeiterbewegung keine grundlegende Alternative zu Krise und   Kahlschlag aufgezeigt wird, dann kann nationalistische Hetze auch   verfangen. Um so mehr stehen Gewerkschaften und linke Parteien in der   Pflicht, gemeinsamen grenz&#252;bergreifenden Widerstand zu organisieren. Der   europaweite Aktionstag des Europ&#228;ischen Gewerkschaftsbundes (EGB) am 29.   September bietet die Chance, K&#228;mpfe international zusammenzubringen.   Zumal in Spanien und Griechenland Generalstreiks anstehen. Anderswo sind   dezentrale Aktionen und landesweite Kundgebungen angek&#252;ndigt. Au&#223;erdem   findet in Br&#252;ssel eine internationale Demonstration statt. Einen solchen   Aktionstag h&#228;tte es ohne den Druck von unten so sicher nicht gegeben.   Dieser Tag darf nun nicht zum einmaligen &#8222;Dampf ablassen&#8220; missbraucht   werden. Das Committee for a Workers&#8216; International (CWI), dem auch die   SAV angeh&#246;rt, tritt daf&#252;r ein, den Widerstand in jedem Land weiter   aufzubauen. In Gro&#223;britannien und Deutschland w&#228;ren zum Beispiel   zentrale Massendemonstrationen ein wichtiger Schritt f&#252;r Besch&#228;ftigte,   die eigene St&#228;rke zu sp&#252;ren &#8211; das w&#252;rde auch die Voraussetzungen f&#252;r   eine breitere Streikbewegung verbessern. Durch die St&#228;rkung   innergewerkschaftlicher Opposition und k&#228;mpferische Gruppen in den   Betrieben k&#246;nnte der Druck auf die Gewerkschaftsoberen verst&#228;rkt werden.   Das CWI tritt daf&#252;r ein, dass es auch &#252;ber den 29. September hinaus   international koordinierte Aktionen gibt und &#252;ber die Vorbereitung von   Arbeitsniederlegungen in weiteren L&#228;ndern auf einen europaweiten   24-st&#252;ndigen Generalstreik, organisiert durch die Gewerkschaften,   hingearbeitet wird.<\/p>\n<h4>  Italien<\/h4>\n<p>  Schenkt man dem Ministerpr&#228;sidenten Silvio Berlusconi, dem reichstem   Mann des Landes, und seinen Medien Glauben, so l&#228;uft in der   italienischen Wirtschaft alles wunderbar. Das Land steht angeblich   &#8222;besser da als die anderen&#8221;, wie es der Schatzmeister seiner Regierung   ausdr&#252;ckte. Entgegen dem verordneten Optimismus sitzt Italien allerdings   auf einem riesengro&#223;en Schuldenberg (beinahe 120 Prozent des   Sozialprodukts).<\/p>\n<p>  Dazu kommt die enorme Instabilit&#228;t der Regierung. Die herrschende Partei   &#8222;Volk der Freiheit&#8221; (PdL) steht vor einer Spaltung, da PdL-Mitglied und   Parlamentspr&#228;sident Gianfranco Fini (von der fr&#252;heren Mussolini-Partei)   und seine Anh&#228;nger systematisch gegen Berlusconi Opposition machen. Die   Popularit&#228;t des Ministerpr&#228;sidenten ist rapide eingebrochen, erst recht   nachdem er im Juli ein 25 Milliarden Euro schweres K&#252;rzungsprogramm   durch das Parlament geboxt hat. Allein die Regionen und Kommunen sind   angewiesen, 8,5 Milliarden Euro zu k&#252;rzen (was zum Beispiel in einem Ort   bei Venedig dazu gef&#252;hrt hat, dass am Strand Geb&#252;hren f&#252;r Ballspielen   oder das Bauen von Sandburgen erhoben wurden).<\/p>\n<p>  Aber auch in Italien regt sich Widerstand. Bereits am 25. Juni gab es   einen vierst&#252;ndigen italienweiten Streik von einer Million   Besch&#228;ftigten, zu dem die CGIL als gr&#246;&#223;te Gewerkschaft des Landes   aufrief. Die beiden anderen gro&#223;en Gewerkschaften, CISL und UIL,   beteiligten sich nicht daran. Eine klare Haltung gegen&#252;ber den   Sozialk&#252;rzungen hat die F&#252;hrung der CGIL allerdings auch nicht. So   erkl&#228;rte die stellvertretende CGIL-Vorsitzende Susanna Camusso am   Streiktag gegen&#252;ber der Presse: &#8222;Niemand bestreitet, dass wir sparen   m&#252;ssen. Aber die K&#252;rzungen m&#252;ssen fair und auf die Zukunft gerichtet   sein.&#8221; Aus diesem Grund war die CGIL-Spitze auch nicht bereit, ihr   gro&#223;es Mobilisierungspotenzial auszusch&#246;pfen (insgesamt hat die CGIL   f&#252;nf Millionen Mitglieder). Trotzdem kam es im Juli zu einem nationalen   Streiktag.<\/p>\n<p>  In diesem Sommer hatte auch der Kampf der FIAT-Besch&#228;ftigten in   Pomigliano d&#8217;Arco bei Neapel zentrale Bedeutung. Die FIOM (in der sich   auch die MarxistInnen von Controcorrente stark engagieren), eine linkere   oppositionellere Metallergewerkschaft in der CGIL, f&#252;hrt dort einen   erbitterten Kampf gegen die Gesch&#228;ftsleitung &#8211; nachdem diese   beispiellose Angriffe auf das Streikrecht, das Krankengeld und die   Arbeitszeit angek&#252;ndigt hatte. W&#228;hrend die F&#252;hrer der Gewerkschaften   CISL und UIL schlie&#223;lich ein mieses Abkommen unterzeichneten, verst&#228;rkt   die k&#228;mpferische Haltung der FIOM bei einem Teil der Arbeiterklasse den   Wunsch nach einer neue politischen Kraft, die anders als die angepasste   Rifondazione Comunista eine konsequente Interessenvertretung der   Besch&#228;ftigten darstellt. Der Vorsitzende der FIOM ist daf&#252;r bereits   &#246;ffentlich eingetreten.<\/p>\n<p>  F&#252;r den 29. September, dem EGB-Aktionstag, ruft CGIL zu einer   landesweiten Demonstration auf. Zudem soll im September die verhasste   neoliberale Gelmini-Agenda umgesetzt werden, wodurch die bestehende   Schul- und Hochschullandschaft komplett umgekrempelt werden soll. Dies   wird wahrscheinlich eine erneute Protestwelle von Sch&#252;lerInnen,   Studierenden und LehrerInnen provozieren. F&#252;r den 16. Oktober bereitet   die FIOM einen italienweiten Aktionstag vor.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;britannien<\/h4>\n<p>  Die neue konservativ-liberale Regierung unter David Cameron &#8211; deren   Kabinett haupts&#228;chlich aus Million&#228;ren besteht &#8211; hat alle Minister   angewiesen, in ihren Ressorts 25 bis 40 Prozent des Budgets einzusparen!   Es wird gesch&#228;tzt, dass diesem Vorhaben 750.000 Stellen im &#246;ffentlichen   sowie 600.000 im privaten Bereich zum Opfer fallen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Der &#214;ffentliche Dienst soll sturmreif geschossen werden. Seit 1922 gab   es in Gro&#223;britannien keine K&#252;rzungen, die ein solches Ausma&#223; hatten. Der   Sozialkahlschlag unter Sir Eric Campbell-Geddes f&#252;hrte 1926 zu dem   ersten (und leider bisher einzigen) Generalstreik in der britischen   Geschichte, der damals immerhin neun Tage dauerte.<\/p>\n<p>  Bisher weigert sich die F&#252;hrung des Gewerkschaftsdachverbands TUC,   landesweite Demos gegen die Regierung zu organisieren. Notwendig ist   auch hier Druck von unten. In vielen Orten haben sich auf Initiative der   Schwesterorganisation der SAV, der Socialist Party, &#246;rtliche B&#252;ndnisse   gegen die K&#252;rzungen gebildet. Gewerkschaften mit einer linken F&#252;hrung   wie die PCS dr&#228;ngen bereits auf eine landesweite Demonstration am 23.   Oktober &#8211; dem Samstag nach Ank&#252;ndigung weiterer K&#252;rzungspl&#228;ne der   Downing Street &#8211; als ersten Schritt hin zu einem Generalstreik im   &#214;ffentlichen Dienst. Das britische Vertrauensleute-Netzwerk &#8211; das 2007   initiiert wurde und k&#228;mpferische AktivistInnen verschiedener   Gewerkschaften zusammenbringt &#8211; unterst&#252;tzt bereits die Idee dieser   Demonstration. Am 20. Oktober, dem Tag, an dem Cameron weitere Pl&#228;ne f&#252;r   Sparma&#223;nahmen im Bildungsbereich verk&#252;nden will, soll es zus&#228;tzlich   Proteste von jungen Besch&#228;ftigten, Sch&#252;lerInnen und Studierenden geben.<\/p>\n<h4>  Frankreich<\/h4>\n<p>  In diesem Jahr erlebte das neben der Bundesrepublik dominante Land der   EU zwei gro&#223;e Streiks gegen die Rentenreform von Pr&#228;sident Nicolas   Sarkozy. So gingen am 24. Juni &#252;ber zwei Millionen ArbeiterInnen in 200   Orten auf die Stra&#223;e. Das Renteneintrittsalter soll von 60 auf 62 Jahre   heraufgesetzt werden. Au&#223;erdem sollen die Besch&#228;ftigten zuk&#252;nftig   mindestens 41 Beitragsjahre ableisten, um Anspruch auf die volle   staatliche Rente zu erhalten. Laut Umfragen sind 68 Prozent der   Bev&#246;lkerung dagegen. Schon vor 15 Jahren wagten sich die Herrschenden   mit &#228;hnlichen Rentenpl&#228;nen aus der Deckung &#8211; mussten aber nach drei   Streikwochen im &#214;ffentlichen Dienst einknicken.<\/p>\n<p>  Die Kampfbereitschaft ist so offensichtlich, dass den Regierenden das   Wort &#8222;Sparen&#8220; nicht &#252;ber die Lippen kommen will. Noch im Mai sagte   Premier Francois Fillon, dass es &#8222;niemals Sparpl&#228;ne geben wird&#8220;. Doch   der Regierung schwebt vor, bis 2013 ein K&#252;rzungspaket von 100 Milliarden   Euro zu schn&#252;ren.<\/p>\n<p>  Sarkozy und sein Kabinett stehen derzeit im Kreuzfeuer der Kritik, weil   sie gro&#223;e Summen illegaler Spenden von Frankreichs reichster Frau, der   L&#8216;Oreal-Erbin Liliane Bettincourt, entgegengenommen haben sollen. Um von   diesem Dilemma abzulenken und die Protestbewegung zu spalten, hat   Staatschef Sarkozy einen &#8222;Krieg gegen kriminelle MigrantInnen&#8220;   ausgerufen und hetzt gegen Roma-Angeh&#246;rige (die H&#228;lfte der 300   Roma-Siedlungen soll in den n&#228;chsten drei Monaten abgerissen werden) und   migrantische Jugendliche in den Vorst&#228;dten.<\/p>\n<p>  Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts BVA findet die   Mehrheit der Bev&#246;lkerung, dass der Widerstand gegen die Regierung auf   eine h&#246;here Ebene gehoben werden muss. 67 Prozent der Befragten meinen,   dass ein Generalstreik gegen die Rentenreform notwendig ist. Auch linke   Gewerkschaftsgliederungen, wie die CGT Goodyear, fordern einen   Generalstreik.<\/p>\n<p>  Bereits am 7. September soll eine landesweiter Aktionstag mit Streiks   und Demonstrationen stattfinden. Wichtig ist auch, dass die franz&#246;sische   Arbeiterklasse an ihre hervorragenden Traditionen der Selbstorganisation   ankn&#252;pft, demokratisch legitimierte Protestkomitees bildet und   gemeinsame Streiks von Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen und privaten   Sektors sowie der Jugend stattfinden. Um so dringender, in diesem   &#8222;traditionell antikapitalistischen Land&#8220; (The Guardian) eine unter den   Lohnabh&#228;ngigen gut verankerte Partei aufzubauen, die mit einem klaren   sozialistischen Programm in die Bewegung interveniert! Leider hat die   Neue Antikapitalistische Partei (NPA), in der Gauche R&#233;volutionnaire   (CWI) f&#252;r eine k&#228;mpferische Ausrichtung eintritt, bisher keine besonders   f&#252;hrende Rolle in der Bewegung gespielt.<\/p>\n<h4>  Spanien<\/h4>\n<p>  Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist doppelt so hoch wie der europ&#228;ische   Durchschnitt, bei Jugendlichen bis 25 Jahren liegt die Arbeitslosenquote   bei 44 Prozent. Durch die Krise ist die Zahl der Erwerbslosen rasant   angestiegen &#8211; auf &#252;ber vier Millionen. Gleichzeitig hat die   &#8222;sozialistische&#8220; Regierung Zapateros massiven Sozialabbau angek&#252;ndigt.   So soll die Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld auf 33 Tage pro   Besch&#228;ftigungsjahr herunter zu setzen. Geht es nach dem Willen der   PSOE-Regierung, sollen au&#223;erdem die L&#246;hne im &#214;ffentlichen Dienst um f&#252;nf   Prozent gesenkt werden.<\/p>\n<p>  Bereits Anfang des Jahres hatte Zapatero versucht, die Erh&#246;hung des   Renteneintrittsalters durch das Parlament zu peitschen. Die   Gewerkschaften sahen sich gezwungen, landesweite Gro&#223;demonstrationen   dagegen zu organisieren. Die spanische Regierung musste schlie&#223;lich   einlenken!<\/p>\n<p>  Um es der zu erwartenden Mobilisierung gegen das &#8222;Sparpaket&#8220; schwerer zu   machen, wurde seine Ank&#252;ndigung auf den Juli gelegt, den Beginn der   Ferienzeit. Bereits im Vorfeld gab es am 8. Juni einen Streik im   &#214;ffentlichen Dienst mit zwei Millionen Beteiligten. Am 29. Juni fand im   Baskenland ein Generalstreik statt. F&#252;r den 29. September ist nun ein   landesweiter Generalstreik angek&#252;ndigt. Die spanischen CWI-Mitglieder   von La Chispa pl&#228;dieren f&#252;r einen &#8222;aktiven&#8220; Streik, der durch   Versammlungen &#8211; wie es sie vor dem Streiktag im Baskenland gegeben hat &#8211;   am Arbeitsplatz, in Stadtteilen, Schulen und Universit&#228;ten vorbereitet   wird.<\/p>\n<p>  Eine wichtige Rolle beim Aufbau der Bewegung k&#246;nnte die Vereinigte Linke   (VL) spielen, ein Parteienb&#252;ndnis linker Organisationen (in der die   Kommunistische Partei viel Gewicht hat). Bereits bei den Protesten im   Fr&#252;hjahr ist die Vereinigte Linke richtigerweise f&#252;r einen spanienweiten   Generalstreik gegen die Rentenpl&#228;ne eingetreten. Die Partei ist &#8211; nach   einer politischen Anpassung an die PSOE und R&#252;ckschl&#228;gen auf der   Wahlebene &#8211; dabei, sich neu auszurichten, bringt sich momentan st&#228;rker   in die Bewegung ein und f&#252;hrt Veranstaltungen zum kommenden   Generalstreik durch. Dadurch erf&#228;hrt sie gerade eine Wiederbelebung.   CWI-Mitglieder machen sich in der VL f&#252;r einen k&#228;mpferischen,   sozialistischen Kurs stark.<\/p>\n<h4>  Griechenland<\/h4>\n<p>  Griechenland ist zweifelsohne das Epizentrum von Krise und   Klassenk&#228;mpfen in Europa. Nicht genug damit, dass die griechische   PASOK-Regierung in diesem Jahr bereits durch sechs Generalstreiks   ersch&#252;ttert wurde. In den letzten Monaten waren fast jeden Tag   vereinzelte Streiks und Proteste in Athen und andere St&#228;dten zu   beobachten.<\/p>\n<p>  Die K&#252;rzungen, die der sozialdemokratische Regierungschef Giorgios   Papandreou durchdr&#252;cken will, beinhalten unter anderem eine Senkung der   staatlichen Renten um 30 bis 50 Prozent und eine Erh&#246;hung der   Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent. Allein die Anhebungen der   Massenverbrauchssteuern bedeutet f&#252;r eine Familie im Schnitt einen   Verlust von 60 bis 100 Euro im Monat. Bereits jetzt hat die Mehrzahl der   GriechInnen gro&#223;e M&#252;he, &#252;ber die Runden zu kommen. Jeder Dritte lebt   unterhalb der Armutsgrenze von 470 Euro, die Durchschnittsrente betr&#228;gt   lediglich 500 Euro &#8211; und das bei &#228;hnlichen Preisen wie in Deutschland.<\/p>\n<p>  Der Schlachtruf vor den Sommerferien lautete: &#8222;Im Herbst kommen wir   wieder!&#8220; Angesichts einer unb&#228;ndigen Wut, die auch die   Gewerkschaftsf&#252;hrung unter Zugzwang setzt, ist massenhafter Aufruhr zu   erwarten. Bisher sind Jugendliche nur in begrenzter Zahl an der   Streikbewegung beteiligt gewesen. Papandreou hat davor zur&#252;ckgeschreckt,   den Bildungsbereich anzugreifen, um dort keinen Fl&#228;chenbrand zu   entfachen. M&#246;glich ist aber, dass es schon bald auch dort zur   Konfrontation kommt.<\/p>\n<p>  Die griechische SAV-Schwesterorganisation Xekinima warnt vor einer   Verzettelung der Aktivit&#228;ten und argumentiert f&#252;r die Entwicklung einer   Kampfstrategie f&#252;r eine organisierte und ausdauernde Bewegung. In ihren   Augen ist die Zeit noch nicht reif f&#252;r einen unbefristeten   Generalstreik, da in den K&#246;pfen vieler noch die Vorstellung eines   alternativen Programms fehlt. Darum ist eine Fortsetzung und Verst&#228;rkung   der Streikbewegung n&#246;tig &#8211; durch weitere ein- oder auch zweit&#228;gige   Generalstreiks, Betriebsbesetzungen und die Bildung von Aktionskomitees.<\/p>\n<p>  Xekinima hat in der Bewegung und im linken Parteienb&#252;ndnis SYRIZA die   Forderung nach Schuldenstreichung aufgeworfen. Warum sollen Bankchefs   und Spekulanten weiter Gelder hinterher geworfen werden? Ein Drittel der   Bev&#246;lkerung unterst&#252;tzt bereits diese Forderung. Diese Losung stellt   Xekinima aber nicht isoliert auf, sondern fordert auch die   Verstaatlichung der Banken unter der demokratischen Kontrolle und   Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung, eine Zur&#252;ckweisung des Diktats   von IWF und EU sowie die Verbindung der Gegenwehr mit dem Kampf f&#252;r eine   sozialistische Gesellschaft.<\/p>\n<h4>  Forderungen des CWI zum europaweiten Aktionstag des Europ&#228;ischen   Gewerkschaftsbundes:<\/h4>\n<p>  &#8211; Schluss mit K&#252;rzungen und Sparpolitik! &#214;ffentlichen Dienst und Renten   verteidigen! Die Bosse sollen f&#252;r die Krise zahlen!<\/p>\n<p>  &#8211; F&#252;r massive Streiks und Proteste um den 29. September! F&#252;r die   Ausarbeitung einer Strategie und eines Plans hin zu einem 24-st&#252;ndigen   europaweiten Generalstreik!<\/p>\n<p>  &#8211; F&#252;r eine k&#228;mpferische Arbeiterbewegung! F&#252;r kampfbereite und   demokratische Gewerkschaften und Arbeiterparteien!<\/p>\n<p>  &#8211; Nein zur Diktatur des Marktes! Weg mit den Ratingagenturen und dem   IWF! Nein zur Zahlung der kapitalistischen Auslandsschulden! Ran an die   Verm&#246;gen der superreichen Spekulanten! Verstaatlichung der Banken und   des Finanzsektors unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der   arbeitenden Bev&#246;lkerung!<\/p>\n<p>  &#8211; Statt Massenarbeitslosigkeit f&#252;r eine drastische Verk&#252;rzung der   Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich! F&#252;r ein massives   Investitionsprogramm im &#214;ffentlichen Dienst, um gesellschaftlich   sinnvolle Arbeit f&#252;r Millionen zu schaffen!<\/p>\n<p>  &#8211; Nein zur EU der Bosse und M&#228;rkte! F&#252;r ein demokratisches   sozialistisches Europa!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein Sturm zieht auf &#252;ber Europa.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23,46],"tags":[229],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13867"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13867"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13867\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}