{"id":13864,"date":"2010-09-08T00:00:00","date_gmt":"2010-09-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13864"},"modified":"2012-05-15T14:54:58","modified_gmt":"2012-05-15T12:54:58","slug":"13864","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13864\/","title":{"rendered":"NRW, Kraft-Regierung und DIE LINKE"},"content":{"rendered":"<p>  Parlamentarische Erg&#228;nzungspartei oder k&#228;mpferische Interessenvertretung?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die neue SPD\/Gr&#252;ne-Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW)   hat die Sommerferien f&#252;r verl&#228;ngerte Flitterwochen genutzt. Sie   unterlie&#223; es, die Wahrheit &#252;ber ihre Vorhaben in den n&#228;chsten Jahren zu   verk&#252;nden. Rot-Gr&#252;n profitiert davon, dass die von J&#252;rgen R&#252;ttgers   gef&#252;hrte CDU\/FDP-Koalition auch nach ihrem Ableben extrem unbeliebt ist.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Wenn man genau hinguckt, wird allerdings deutlich, dass es keinen gro&#223;en   Unterschied zwischen der rot-gr&#252;nen Regierung und ihrer Vorg&#228;ngerin   gibt. Am Rande des farceartigen &#8222;Sondierungsgespr&#228;chs&#8220; mit der LINKEN im   Mai sprach Hannelore Kraft davon, dass die Wahlprogramme einem   &#8222;Realit&#228;tscheck&#8220; unterzogen werden m&#252;ssten.<\/p>\n<h4>  Krafts &#8222;Realit&#228;tscheck&#8220;<\/h4>\n<p>  Dieser &#8222;Check&#8220; f&#252;hrt zu deutlichen Abstrichen. Ein Wahlplakat der SPD   versprach &#8222;ein NRW, das seine Kommunen nicht l&#228;nger im Stich l&#228;sst&#8220;.   Kraft k&#252;ndigte an, den St&#228;dten finanziell zu helfen. Daf&#252;r soll jetzt   ein Topf von 300 bis 400 Millionen Euro bereit gestellt werden. Das   reicht nicht einmal, um das Haushaltsloch der Stadt K&#246;ln im Jahr 2010 zu   stopfen. Au&#223;erdem wird diese Hilfe an Bedingungen gekn&#252;pft, an   &#8222;verl&#228;ssliche Kriterien&#8220;. Die Kommunen, die diese Hilfe abrufen, sollen   weitere Einsparungen zusagen. Solche &#8222;Hilfen&#8220; hat die EU Griechenland   zugestanden: Nur wenn der soziale Kahlschlag weitergeht, gibt es Geld.<\/p>\n<p>  Im Wahlkampf hatten SPD und Gr&#252;ne damit geworben, die Studiengeb&#252;hren   abzuschaffen und dadurch viele Stimmen von Studierenden bekommen. Nach   der Wahl waren SPD und Gr&#252;ne nicht bereit, mit der LINKEN &#252;ber eine   sofortige Abschaffung der Studiengeb&#252;hren zu reden. Sie hatten f&#252;r die   Landtagssitzung im Juli einen Antrag vorbereitet, der die Abschaffung   der Geb&#252;hren erst f&#252;r das Wintersemester 2011 vorsah, zogen diesen aber   ohne Erkl&#228;rung zur&#252;ck. Es ist nach wie vor offen, wann es zur   Abschaffung der Geb&#252;hren kommt.<\/p>\n<p>  Die Wut &#252;ber die Katastrophe bei der Duisburger Love Parade richtet sich   &#8211; durchaus zu Recht &#8211; vor allem gegen den CDU-Oberb&#252;rgermeister der   Stadt, Adolf Sauerland, und den Veranstalter Rainer Schaller. Davon   profitiert die SPD vor&#252;bergehend. Doch auch die SPD in Duisburg und NRW   hat das Event als &#8222;Standortfaktor&#8220; gepusht, hat weggesehen, als das   Projekt durchgezogen wurde, ohne auf die zahlreichen Warnungen zu h&#246;ren.<\/p>\n<p>  SPD und Gr&#252;ne praktizieren die gleiche Art von &#8222;Realpolitik&#8220; wie CDU und   FDP. Wenn es wirtschaftlich etwas besser geht, machen sie kleinere   Zugest&#228;ndnisse, wenn es eng wird, b&#252;rden sie die Kosten der Krise der   breiten Masse der Bev&#246;lkerung auf. Der &#8222;Realit&#228;tscheck&#8220; f&#252;r die   Regierung Kraft wird noch kommen.<\/p>\n<h4>  Flei&#223;ige LINKE<\/h4>\n<p>  Die Landtagsfraktion der LINKEN hat in den Sommermonaten Initiativen   ergriffen f&#252;r die sofortige Abschaffung der Studiengeb&#252;hren und f&#252;r die   Einstellung von 500 neuen Betriebspr&#252;fern. Die Fraktion mobilisiert   gegen faschistische Aufm&#228;rsche in Duisburg und NRW und hat   Solidarit&#228;tsreisen in die T&#252;rkei unternommen, um Arbeitsk&#228;mpfe und   Proteste gegen die Unterdr&#252;ckung der kurdischen Bev&#246;lkerung zu   unterst&#252;tzen. Es ist gut, wenn die M&#246;glichkeiten der parlamentarischen   Arbeit genutzt werden, um au&#223;erparlamentarische Mobilisierungen zu   bef&#246;rdern und die Fraktion sich nicht von der   b&#252;rgerlich-parlamentarischen Routine vereinnahmen l&#228;sst.<\/p>\n<p>  Strategisch bleibt die Ausrichtung der NRW-LINKEN allerdings unklar.   Immer wieder werden von Bundesebene, zum Beispiel durch die Vorsitzende   Gesine L&#246;tzsch, Vorst&#246;&#223;e unternommen, SPD und Gr&#252;nen eine engere   Zusammenarbeit in NRW anzubieten. Das Gerede vom &#8222;Politikwechsel&#8220; durch   eine Zusammenarbeit mit SPD und Gr&#252;nen will nicht verstummen. Doch mit   diesen Hartz-IV-Parteien w&#252;rde sich ein &#8222;Politikwechsel&#8220; auf einige   symbolische Sozialz&#252;ckerchen beschr&#228;nken, w&#228;hrend der grundlegende Kurs   &#8211; Entlastung der Reichen und Konzerne, Aufb&#252;rden der Krisenlasten auf   die lohnabh&#228;ngige Bev&#246;lkerung &#8211; beibehalten w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Fraktion und Parteivorstand in NRW lassen offen, ob sie solch einen   &#8222;Politikwechsel&#8220; f&#252;r m&#246;glich halten. Nach wie vor steht DIE LINKE   bundesweit und in NRW vor der Frage, ob sie sich in Richtung   parlamentarischer Erg&#228;nzungspartei auf dem linken Fl&#252;gel des   b&#252;rgerlichen Parteiensystems entwickeln will oder zu einer k&#228;mpferischen   Partei f&#252;r Besch&#228;ftigte und Erwerbslose, die eine grundlegende   Opposition gegen das kapitalistische System und seine Parteien in den   Vordergrund r&#252;ckt. Das bleibt entscheidend sowohl f&#252;r die Rolle der   Partei in sozialen K&#228;mpfen als auch bez&#252;glich der Wahlergebnisse.<\/p>\n<p>  ____________________________________________________________<\/p>\n<p>  <i>Claus Ludwig ist K&#246;lner Ratsmitglied f&#252;r die Fraktion DIE LINKE<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Parlamentarische Erg&#228;nzungspartei oder k&#228;mpferische Interessenvertretung?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[229],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13864"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13864\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}