{"id":13860,"date":"2010-09-24T00:00:00","date_gmt":"2010-09-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13860"},"modified":"2010-09-24T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-24T00:00:00","slug":"13860","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13860\/","title":{"rendered":"Bildungscard &#8211; wie dumm sind wir eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>  Wie an Symptomen eines kranken Systems herumlaboriert &#8211; und   diskriminiert &#8211; wird<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Diskussion in den b&#252;rgerlichen Medien um Bildungsgutscheine f&#252;r   die 1,8 Millionen Hartz-IV-Kinder f&#246;rdert zwei Vorurteile gegen&#252;ber den   betroffenen Familien: 1. Die Eltern stammen aus &#8222;bildungsfernen&#8220;   Schichten, die sich nicht um die Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder   k&#252;mmern. 2. Sie geben eher Geld f&#252;r &#8222;verzichtbaren&#8220; Konsum aus, anstatt   ihren Kinder eine vern&#252;nftige Ausbildung zu erm&#246;glichen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ingo Rehmke, Bremerhaven<\/i><\/h4>\n<p>  Man kann dies auch einfacher formulieren: Sie sind zu dumm und   egoistisch, sie hauen ihre &#252;ppigen Hartz-IV-Leistungen in &#8222;sp&#228;tr&#246;mischer   Dekadenz&#8220; (FDP-Chef Guido Westerwelle) lieber auf den Kopf, statt sich   um ihre Kinder zu sorgen. Deshalb m&#252;ssen die Politiker f&#252;r die   &#8222;richtige&#8220; Erziehung der Kinder sorgen. Nebenbei zeigt dann die Nutzung   der Karte sofort, dass dieses Kind aus einer Familie stammt, wo Kinder   nur in die Welt gesetzt werden, um noch mehr Sozialleistungen verprassen   zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Halten wir an dieser Stelle einmal fest, worum es tats&#228;chlich geht. Ein   Kind zu bekommen, bedeutet heute ein erhebliches Armutsrisiko. Weder   Eltern- und Kindergeld, noch Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz   mindern dieses Risiko. Dazu kommt die ungerechte soziale Auslese des   Schulsystems, an der auch die F&#246;rderprogramme oder die Einbeziehung   privater Sponsoren an Schulen und Hochschulen nichts &#228;ndern. Im   Gegenteil.<\/p>\n<h4>  Armut<\/h4>\n<p>  Der Anteil der befristeten Arbeitsverh&#228;ltnisse, des Niedriglohnsektors   und der Leiharbeit steigt seit Jahren. Diese &#8222;Besch&#228;ftigungs&#8220;politik   sorgt daf&#252;r, dass immer mehr Menschen nicht von ihrem Lohn leben k&#246;nnen,   sondern auf zus&#228;tzliche Leistungen des Staates angewiesen sind.<\/p>\n<p>  Indessen passiert in jeder Kommune das gleiche: K&#252;rzungen im   Sozialhaushalt und Erh&#246;hungen von Geb&#252;hren f&#252;r Bibliotheken,   Schwimmb&#228;der, Theater. Gleichzeitig werden Einrichtungen geschlossen,   Mitarbeiter entlassen oder freie Stellen nicht mehr besetzt. Dies gilt   nicht nur f&#252;r Schulen und Kinderg&#228;rten, sondern auch f&#252;r Jugendhilfe,   Streetworker, Frauenh&#228;user&#8230;<\/p>\n<p>  Um von diesem sozialem Kahlschlag abzulenken, wird &#252;ber die ach so   schlimmen Eltern hergezogen, die ihren Kindern eine gute Ausbildung und   F&#246;rderung regelrecht verweigern w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Erst das Bundesverfassungsgericht zwang die Regierenden, &#252;ber die   Hartz-IV-Regels&#228;tze neu nachzudenken. Aber nicht, dass wir jetzt &#8222;unser&#8220;   Verfassungsgericht loben, die Richter befanden nur, dass die Berechnung   der Leistungen nicht nachvollziehbar sei. So wurde mal eben &#8222;vergessen&#8220;,   dass Kinder zur Schule gehen und dass dies ja auch Geld koste. Dass ein   Kind mit etwa drei Euro pro Tag f&#252;r Lebensmittel weniger Geld   angerechnet bekommt, als zum Beispiel ein Polizeihund (6,80 Euro),   scheint auch dem Gericht entgangen zu sein&#8230;<\/p>\n<h4>  Bildungscard?<\/h4>\n<p>  Das, was nicht fehlt, ist eine Bildungscard (die derzeit gehandelten 16   Euro pro Kind und Monat w&#252;rden nicht mal f&#252;r einen Klavierunterricht   reichen) &#8211; es fehlt vielmehr an ausreichenden, guten und erschwinglichen   Angeboten. Kostenlose Bildung f&#252;r alle, gen&#252;gend LehrerInnen,   Studienpl&#228;tze, Kinderg&#228;rten, freie Nutzung von Sportanlagen,   Bibliotheken, Jugendh&#228;usern &#8211; dies alles w&#228;re m&#246;glich. Doch dieser Staat   sch&#252;tzt eben nicht die Schwachen, sondern ist und bleibt das Instrument   zur Unterdr&#252;ckung aller berechtigten Interessen der Mehrheit der   Bev&#246;lkerung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie an Symptomen eines kranken Systems herumlaboriert &#8211; und<br \/>\n      diskriminiert &#8211; wird\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50],"tags":[229],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13860"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13860"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13860\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}