{"id":13858,"date":"2010-09-20T00:00:00","date_gmt":"2010-09-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13858"},"modified":"2012-12-30T12:03:03","modified_gmt":"2012-12-30T11:03:03","slug":"13858","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13858\/","title":{"rendered":"Tatort Casting-Show"},"content":{"rendered":"<p>  Wie Tr&#228;ume zerplatzen und mit Dem&#252;tigungen Profit gemacht wird<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 20. August startete das neue Castingformat &#8222;X Factor&#8220;.   Zehntausende hoffen darauf, wie Mark Medlock den amerikanischen Traum   vom Arbeitslosen zum Superstar verwirklichen zu k&#246;nnen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Jenni W&#246;rl, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Einzelne wie Justin Timberlake, Kelly Clarkson oder Leona Lewis haben   den internationalen Durchbruch geschafft, aber die meisten sind schon   nach einer Hitsingle wieder pass&#233;.<\/p>\n<h4>  Das Geheimnis des Erfolges?<\/h4>\n<p>  Im August ging auch die 9. Staffel von &#8222;Popstars&#8220; auf Sendung. Die   Sendung erh&#228;lt nach zehn Jahren immer noch relativ hohe Einschaltquoten   (zuletzt &#252;ber zwei Millionen ZuschauerInnen), &#8222;Deutschland sucht den   Superstar&#8220; (DSDS) kommt sogar auf etwa 6,5 Millionen.<\/p>\n<p>  Bei DSDS erzielen die Castings oft h&#246;here Einschaltquoten als die   Motto-Shows. Weil es Genugtuung bereitet, sich &#252;ber andere lustig zu   machen &#8211; zum Beispiel weil sie nicht gut singen k&#246;nnen oder nicht dem   g&#228;ngigen Sch&#246;nheitsideal entsprechen? Weil man damit ausgleicht, wie man   selbst in Schule oder Betrieb buckeln muss? Casting-Shows reproduzieren   kapitalistische Spaltungsmechnismen ganz nach dem Motto &#8222;Teile und   herrsche&#8220;.<\/p>\n<p>  Andererseits bieten diese Sendungen eine M&#246;glichkeit, sich aus der   Realit&#228;t in eine hoffnungsvollere Welt zu fl&#252;chten. Alles scheint   m&#246;glich. Im Spiel der Emotionen kann man mitfiebern, mithoffen,   mittr&#228;umen. Aber der Alltag sieht oft anders aus: kein Job oder keine   gut bezahlte Arbeit, kein alternatives Fernsehprogramm und kein Geld f&#252;r   alternative Freizeitgestaltung.<\/p>\n<h4>  Gewinne, Gewinne, Gewinne<\/h4>\n<p>  Das Ziel der Produktionsfirmen ist ja auch nicht, qualit&#228;tsvolle   Unterhaltung zu liefern oder begabte K&#252;nstlerInnen zu f&#246;rdern. Es geht   darum, schnellen Gewinn zu machen. Individualit&#228;t und Vielf&#228;ltigkeit   bleiben auf der Strecke. Im Allgemeinen herrschen in der Musik-industrie   schon harte Bedingungen f&#252;r K&#252;nstlerInnen. So fand zum Beispiel am 26.   Februar 2002 ein Benefiz-Konzert von Sheryl Crow, Billy Joel und anderen   zur Finanzierung langwieriger Rechtsstreitigkeiten mit der   Musikindustrie statt.<\/p>\n<p>  Die Knebelvertr&#228;ge der g&#228;ngigen Casting-Formate setzen dem aber noch die   Krone auf. K&#252;nstlerInnen m&#252;ssen sich relativ lang (h&#228;ufig f&#252;r f&#252;nf Jahre   oder l&#228;nger) mit einer bestimmten Anzahl von einzusingenden Alben an   eine bestimmte Plattenfirma binden. Damit verkaufen die K&#252;nstlerInnen   zum Beispiel auch die Rechte an selbstgeschriebenen Songs, die in der   genannten Zeit entstehen. Im Gegenzug ist die Plattenfirma aber h&#228;ufig   nicht verpflichtet, die genannte Anzahl von Alben mit den K&#252;nstlerInnen   auch zu produzieren. Die H&#228;lfte der Siegerbands bei &#8222;Popstars&#8220;   ver&#246;ffentlichten nicht mehr als zwei Alben, bevor sie sich aufl&#246;sten.   Die Anteile der K&#252;nstlerInnen an Plattenverk&#228;ufen oder Gagen sind   relativ gering. Die K&#252;nstlerInnen von Nu Pagadi (&#8222;Popstars&#8220;-Gewinner   2004) blieben beispielsweise von den Albumverk&#228;ufen nach Abzug der   Produktionskosten nur sieben bis neun Prozent. Reich werden also andere.<\/p>\n<h4>  Jeder ist ein Star<\/h4>\n<p>  Wahrscheinlich jeder Mensch hat k&#252;nstlerisches Talent. In einer   Gesellschaft, in der nicht der Profit, sondern die Bed&#252;rfnisse   entscheidend sind, w&#252;rde jedem Zugang zu Musik erm&#246;glicht. Es w&#252;rde   nicht vom Geldbeutel abh&#228;ngen, ob man sich Musik anh&#246;ren oder selbst   Musik machen kann. Instrumente und Prober&#228;ume st&#228;nden kostenlos zur   Verf&#252;gung. Eine deutliche Arbeitszeitverk&#252;rzung w&#252;rde dazu f&#252;hren, dass   jeder auch die Zeit h&#228;tte, sich seinen k&#252;nstlerischen Interessen zu   widmen. Wer das m&#246;chte, k&#246;nnte auch Vollzeit als K&#252;nstler t&#228;tig sein. In   einer sozialistischen Gesellschaft w&#252;rde man sich an Vielf&#228;ltigkeit   erfreuen und es h&#228;tte niemand einen Nutzen davon, wenn jede Musik wie   die andere klingt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie Tr&#228;ume zerplatzen und mit Dem&#252;tigungen Profit gemacht wird\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,296],"tags":[229],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13858"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13858"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13858\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}