{"id":13846,"date":"2010-09-02T00:00:00","date_gmt":"2010-09-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13846"},"modified":"2010-09-02T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-02T00:00:00","slug":"13846","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13846\/","title":{"rendered":"&#8222;Vakuum auf der Linken&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Nach dem Niedergang der Rifondazione Comunista wird die italienische   Metallarbeiterf&#246;deration FIOM zur wichtigsten Oppositionskraft im Land.   Gespr&#228;ch mit Marco Veruggio<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Sebastian F&#246;rster sprach mit Marco Veruggio, Mitglied von   Controcorrente (&#187;Gegen den Strom&#171;), einer marxistischen Str&#246;mung in der   Partei Rifondazione Comunista<\/b><\/p>\n<h4>  Das Unternehmen Fiat hat Ende Juni die Arbeiter seines Werkes in   Pomigliano d&#8217;Arco mit einer Schlie&#223;ungsdrohung gezwungen, deutlich   verschlechterte Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Was genau geschah in   Pomigliano?<\/h4>\n<p>  In den letzten Monaten gab es vermehrt Ger&#252;chte, da&#223; es wegen der Krise   in der Automobilbranche zu Betriebsschlie&#223;ungen kommen werde. Fiat-Chef   Sergio Marchionne hielt dagegen und versprach, weiter in Italien zu   investieren. Die Ank&#252;ndigung, da&#223; die Panda-Produktion von Polen nach   Pomigliano verlegt und weitere 700 Millionen Euro investiert werden   sollten, machte vielen Hoffung. Fiat legte den Branchen-Gewerkschaften   diesen Vorschlag vor, machte aber klar, da&#223; im Gegenzug die   Besch&#228;ftigungsbedingungen in Pomigliano ver&#228;ndert werden m&#252;&#223;ten: 18   Schichten pro Woche, Reduzierung der Pausen, kein Widerspruch gegen   angeordnete &#220;berstunden. Sollte eine Gewerkschaft Arbeitsk&#228;mpfe gegen   die Pl&#228;ne des Konzerns organisieren, w&#252;rde sie mit hohen Geldstrafen   belegt und streikende Besch&#228;ftigte direkt gefeuert werden k&#246;nnen. Zudem   sollte eine &#8211; noch nicht klar definierte &#8211; Obergrenze f&#252;r Krankentage   eingef&#252;hrt werden. Wenn die &#252;berschritten w&#252;rde, g&#228;be es kein   Krankengeld mehr.<\/p>\n<h4>  Wie haben die Gewerkschaften auf diese Erpressungsversuche reagiert?<\/h4>\n<p>  Nur die FIOM, die Metallarbeitergewerkschaft in der CGIL, der gr&#246;&#223;ten   Gewerkschaftszentrale Italiens, reagierte mit Ablehnung auf das Vorhaben   der Fiat-Gesch&#228;ftsleitung, Streikrecht und Krankengeldzahlungen   einzuschr&#228;nken. Zu Gespr&#228;chen &#252;ber die Arbeitszeit erkl&#228;rte sie sich   aber bereit und brachte einen eigenen Gegenvorschlag ein. Die anderen im   Betrieb vertretenen Gewerkschaften, die christliche CISL, die   sozialistische UIL und die gelbe Unternehmergewerkschaft FISMIC wollten   den Vertrag sofort unterzeichnen und setzten ein entsprechendes   Referendum an. Das Management &#252;bte einen starken Druck auf die   Belegschaft aus, mit &#187;Ja&#171; zu stimmen. Jedem Besch&#228;ftigten wurde eine DVD   ausgeh&#228;ndigt, in der die Gesch&#228;ftsleitung erkl&#228;rte, warum das Referendum   angenommen werden m&#252;sse. Die FIOM organisierte derweil Protestaktionen   und Streiks im Betrieb. In anderen Fiat-Werken wie in Turin kam es zu   Solidarit&#228;tsstreiks.<\/p>\n<h4>  Dennoch konnte sich Fiat mit dem Referendum durchsetzen.<\/h4>\n<p>  Bei einer Wahlbeteiligung von fast 100 Prozent stimmten immerhin 38   gegen die Pl&#228;ne des Managements. Das kam f&#252;r viele recht unerwartet, da   der Druck auf die Arbeiter, mit &#187;Ja&#171; zu stimmen, sehr hoch war. Trotz   der Niederlage in der Sache konnte die FIOM das Ergebnis als politischen   Erfolg verbuchen und erhielt wegen ihrer renitenten Haltung italienweit   gro&#223;e Aufmerksamkeit. Die F&#252;hrung der CGIL, der die FIOM als   Metallgewerkschaft angeh&#246;rt, kritisierte allerdings deren Haltung.   Konsequent versuchte der CGIL-Vorstand mit Hilfe der   Berlusconi-Regierung, des Partito Democratico und der Massenmedien, die   Metaller zu isolieren. Die FIOM ist der CGIL-F&#252;hrung schon lange ein   Dorn im Auge, weil sie gemeinsam mit den &#246;ffentlich Besch&#228;ftigen und   Bankangestellten die linke Opposition im Dachverband darstellt.<\/p>\n<p>  Nach dem Referendum drohte die Fiat-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung mit K&#252;ndigungen und   Klagen gegen FIOM-Aktivisten. Konzernchef Marchionne k&#252;ndigte an, da&#223; er   die Produktion des Multipla-Nachfolgemodells LO von Turin in das   serbische Kragujevac verlegen und die Pomigliano-Arbeiter in eine   neugegr&#252;ndeten Tochtergesellschaft ausgliedern w&#252;rde, die nicht dem   Industrieverband angeh&#246;rt und nicht an den offiziellen Tarifvertrag   gebunden ist.<\/p>\n<h4>  Wie wurde der Kampf der FIOM unter den Besch&#228;ftigten anderer Branchen   aufgenommen?<\/h4>\n<p>  Die FIOM hat einen gro&#223;en Einflu&#223; und hohen Bekanntheitsgrad in Italien.   Nach den Ereignissen in Pomigliano sehen die Leute in der FIOM die   einzige linke Kraft, die ihren Worten Taten folgen l&#228;&#223;t und konsequent   f&#252;r die Rechte von Arbeitern eintritt. Nach den Demonstrationen und   Streiks gegen Berlusconis &#187;Sparpaket&#171; am 25. Juni kamen viele   Besch&#228;ftigte anderer Branchen auf die FIOM zu und fragten, ob sie nicht   Mitglied werden k&#246;nnten, darunter auch etliche Lehrer. Soziale   Oppositionsbewegungen wie die &#187;Veilchenblaue Bewegung&#171;, eine   B&#252;rgerrechtsorganisa&#173;tion, bezogen sich positiv auf den Kampf der FIOM.<\/p>\n<h4>  Wie verhielt sich die Linke, insbesondere die Rifondazione Comunista zu   den Aktionen der FIOM?<\/h4>\n<p>  Andere linke Organisationen unterst&#252;tzten in Presseerkl&#228;rungen formell   die Aktionen in Pomigliano. Rifondazione blieb aber bei einer   vorsichtigen verbalen Solidarit&#228;t, da sie es sich nicht mit den   Funktion&#228;ren des Partito Democratico wie Guglielmo Epifani in der   CGIL-Spitze verderben will. W&#228;hrend des CGIL-Kongresses, als versucht   wurde, die FIOM zu isolieren, mischte sich die F&#252;hrung der PRC nicht ein   und lie&#223; die linke Opposition im Stich. Hintergrund ist die   parlamentarische Ausrichtung dieser Leute, die nur ihre eigenen   Interessen vertreten und nichts aus den Fehlern der   Regierungsbeteiligung und dem massiven Rechtsruck der Partei gelernt   haben. Diese Leute versuchen trotz allem noch immer, in einer Koalition   mit dem b&#252;rgerlichen Partito Democratico zu landen. Was notwendig ist,   ist eine neue Arbeiterpartei, die konsequent linke Positionen und die   Interessen der arbeitenden Bev&#246;lkerung vertritt. Nach dem Scheitern der   Rifondazione Comunista existiert auf der Linken ein Vakuum, das die FIOM   als Branchengewerkschaft nur sehr bedingt f&#252;llen kann. Sie bietet aber   einen wichtigen Ansatz f&#252;r die Schaffung einer solchen neuen Partei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nach dem Niedergang der Rifondazione Comunista wird die italienische<br \/>\n      Metallarbeiterf&#246;deration FIOM zur wichtigsten Oppositionskraft im Land.<br \/>\n      Gespr&#228;ch mit Marco Veruggio\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13846"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13846"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13846\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}