{"id":13843,"date":"2010-08-26T07:00:00","date_gmt":"2010-08-26T07:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13843"},"modified":"2010-08-26T07:00:00","modified_gmt":"2010-08-26T07:00:00","slug":"13843","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13843\/","title":{"rendered":"Stuttgart: Der Sturm nach der Stille"},"content":{"rendered":"<p>  Der Teilabriss des Stuttgarter Bahnhofs hat begonnen.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Ende Juli hatte die Errichtung des Bauzauns am Nordfl&#252;gel des   Stuttgarter Hauptbahnhofs f&#252;r eine vier Tage anhaltende Welle zivilen   Ungehorsams mit Stra&#223;enblockaden, Spontandemos, Besuchen im Rathaus und   beim Landtag gesorgt.<\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  In den folgenden Wochen wuchs die Beteiligung an den Protesten noch   einmal deutlich an, auf bis zu 30.000 TeilnehmerInnen, die Organisatoren   hatten aber einen gewissen Erfolg, die Bewegung in die Bahnen   etablierter Protestformen zur&#252;ckzulenken. Bei dem Schweigemarsch am 20.   August gab es auf einem Transparent die Parole, das sei die &#8222;Stille vor   dem Sturm&#8220;. F&#252;nf Tage sp&#228;ter war es mit der Stille vorbei und der Sturm   brach los.<\/p>\n<h4>  Tag X<\/h4>\n<p>  Am Mittwoch, dem 25. August begann der Abriss des Nordfl&#252;gels des   Hauptbahnhofs. Im Vorfeld hatten die S21-Macher angek&#252;ndigt, den   Nordfl&#252;gel Stockwerk f&#252;r Stockwerk abzutragen. Jetzt wurde ein &#252;ber   mehrere Stockwerke reichendes Loch in die Fassade gerissen. F&#252;r das   L&#252;genpack kommt es auf eine L&#252;ge mehr oder weniger nicht mehr an.<\/p>\n<p>  In kurzer Zeit kamen Hunderte und dann Tausende DemonstrantInnen zum   Bahnhof und blockierten die Zufahrt.<\/p>\n<p>  Andere blockierten die Kreuzung Heilbronnerstr.\/Arnulf-Klett-Platz vor   dem Bahnhof, an der stundenlang nur Rettungswagen mit Blaulicht   durchgelassen worden. Andere Kreuzungen in der Innenstadt wurden   ebenfalls blockiert, so dass der Verkehr in der Innenstadt stundenlang   weitgehend lahm gelegt wurde und stadteinw&#228;rts lange Staus entstanden.<\/p>\n<p>  Am Sp&#228;tnachmittag wollte Oberb&#252;rgermeister Schuster das Stuttgarter   Weindorf er&#246;ffnen, eines der &#8222;Events&#8220;, mit denen die Stadt Stuttgart ihr   Image international aufpolieren und Touristen anlocken will. Dieses Jahr   fand die Er&#246;ffnung unter massivem Polizeischutz und unter Ausschluss der   &#214;ffentlichkeit statt, aber begleitet von einem ohrenbet&#228;ubenden L&#228;rm.   &#8222;Die Rufe der Protestler kann auch die launig aufspielende Band nicht   &#252;bert&#246;nen.&#8220; (Stuttgarter Zeitung)<\/p>\n<p>  DemonstrantInnen kletterten auf das Dach des Hauptbahnhof-Nordfl&#252;gels   und entrollten ein Transparent: &#8222;Brandstifter Schuster &#8211; raus aus dem   Rathaus&#8220;. Sie erkl&#228;rten, sie w&#252;rden oben bleiben, bis Verkehrsminister   Ramsauer einen Baustopp verk&#252;nde.<\/p>\n<p>  Um 18.00 Uhr beginnt vor dem Nordfl&#252;gel eine Protestkundgebung. In   Redebeitr&#228;gen wird zu Recht erkl&#228;rt, dass der Abriss bautechnisch zum   jetzigen Zeitpunkt keineswegs notwendig ist und nur dazu dient, Fakten   zu schaffen, in der Hoffnung, den Protest gegen Stuttgart 21 so zu   entmutigen. Die Gef&#252;hle der DemonstrantInnen sind zwiesp&#228;ltig, viele   sind zornig, viele sind entsetzt, viele sind verzweifelt. Aber es   &#252;berwiegt die Entschlossenheit, diese Rechnung der Stuttgart-21-Mafia   nicht aufgehen zu lassen. Viele haben die Hoffnung, dass der   Abrissbeginn die letzte Karte ist, die die S21-Mafia ausspielen kann.   Sie hoffen, dass Stuttgart 21 am Ende ist, wenn der Protest jetzt nicht   nachl&#228;sst, sondern sich noch einmal steigert. Wir wissen nat&#252;rlich   nicht, was auf der Gegenseite hinter den Kulissen los ist. Richtig ist   aber, dass eine Steigerung der Massenproteste, des zivilen Ungehorsams   der richtige Weg ist, auch wenn wir keine Garantie &#252;bernehmen k&#246;nnen,   dass wir nur ein paar Tage vom Ziel entfernt sind.<\/p>\n<p>  Kurz vor dem Ende der Kundgebung kam die Nachricht, dass AktivistInnen   die Abfahrt des TGV nach Paris gestoppt hatten. Das erhielt gro&#223;en   Beifall von den DemonstrantInnen und bissige Kommentare vom Podium, dass   der TGV in Paris ebenfalls in einem Kopfbahnhof endet, den dort niemand   in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof verwandeln will und Stuttgart   offenbar auch ohne Stuttgart 21 nicht vom Hochgeschwindigkeitsverkehr   abgeschnitten sei. Der TGV konnte etwa eine Dreiviertelstunde   aufgehalten werden, was beim Zugverkehr insgesamt zu einigem   Durcheinander f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Nach dem traditionellen &#8222;Schwabenstreich&#8220; (ab 19.00 Uhr eine Minute   L&#228;rm) zog ein gro&#223;er Demonstrationszug durch die Stuttgarter Innenstadt,   w&#228;hrend andere AktivistInnen weiterhin Kreuzungen besetzt hielten.<\/p>\n<p>  Die Stra&#223;enblockaden nach der Errichtung des Bauzauns Ende Juli waren   ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei gewesen. Diesmal hielt sich die   Polizei bis weit in die Nacht zur&#252;ck und lie&#223; die BlockiererInnen   gew&#228;hren und beschr&#228;nkte sich darauf, den Verkehr umzuleiten.<\/p>\n<h4>  Jugendoffensive und SAV<\/h4>\n<p>  AktivistInnen der Jugendoffensive und Mitglieder der SAV waren an vielen   der Proteste beteiligt: dem Besuch bei der Weindorf-Er&#246;ffnung, der   TGV-Blockade, Stra&#223;enblockaden. Wir halfen auch, DemonstrantInnen von   gut besetzten Blockaden zu Blockaden zu dirigieren, die d&#252;nner besetzt   waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Teilabriss des Stuttgarter Bahnhofs hat begonnen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13843"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13843"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13843\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}