{"id":13840,"date":"2010-08-25T05:00:00","date_gmt":"2010-08-25T05:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13840"},"modified":"2010-08-25T05:00:00","modified_gmt":"2010-08-25T05:00:00","slug":"13840","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13840\/","title":{"rendered":"Was ist dran am &quot;Aufschwung XL&quot;?"},"content":{"rendered":"<p>  Euro drohen neue Schwierigkeiten und Spannungen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Bundeswirtschaftsminister Rainer Br&#252;derle (FDP) prahlt: &#8222;Wir erleben   derzeit einen Aufschwung XL.&#8220; Commerzbank-Chefvolkswirt J&#246;rg Kr&#228;mer   schw&#228;rmt von einem &#8222;Sommerm&#228;rchen&#8220;. Fakt ist, dass die Steigerung des   Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal um 2,2 Prozent im Vergleich zum   Vorquartal das beste Quartalsergebnis seit 1990 ist. Fakt ist aber auch,   dass diesem Ergebnis die tiefste Rezession in der Geschichte der   Bundesrepublik vorausging (2009 schrumpfte die BRD-Wirtschaft um 4,7   Prozent). &#8222;Trotz des hohen Wachstums hat die deutsche Wirtschaft bislang   erst 60 Prozent des Einbruchs wieder aufgeholt, der durch die   Finanzkrise verursacht wurde&#8220;, muss Kr&#228;mer von der Commerzbank   eingestehen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Eine Fortdauer der aktuellen &#246;konomischen Erholung ist mehr als   fraglich. Neben der Lageraufstockung nach der dramatischen Talfahrt   basiert die Erholung der deutschen Wirtschaft ma&#223;geblich auf der   Nachfrage aus Nordamerika und vor allem Asien. Alles andere als eine   stabile Grundlage f&#252;r eine nachhaltige Boomphase.<\/p>\n<p>  In den USA ist der Wachstumsmotor schon wieder ins Stocken geraten, kaum   dass er angekurbelt wurde. Die Arbeitslosigkeit steigt und steigt, hat   offiziell die Marke von zehn Prozent erreicht und bel&#228;uft sich   eigentlich, legt man EU-Ma&#223;st&#228;be an, auf das Doppelte! Angesichts der   industriellen Demontage der letzten 30 Jahre und der beispiellosen   Kreditaufbl&#228;hung droht der gr&#246;&#223;ten Volkswirtschaft der Welt ein   &#228;hnliches Szenario wie dem von Japan nach 1990.<\/p>\n<p>  Und China konnte dieser Tage zwar die bisherige zweitgr&#246;&#223;te   Wirtschaftsmacht &#252;berrunden. Doch die Gefahr einer &#8222;&#220;berhitzung&#8220;   (aufgrund der aufgebauten &#220;berkapazit&#228;ten) und dem Platzen der   gigantischen Spekulationsblase (die Wolfgang M&#252;nchau von der Financial   Times Deutschland k&#252;rzlich mit der US-Blase 2006 verglich) nimmt   alarmierend zu. Im Nachhinein betrachtet k&#246;nnte Chinas vorl&#228;ufiger   gr&#246;&#223;ter &#246;konomischer Erfolg mit dem Vorabend seiner verheerendsten   Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zusammentreffen.<\/p>\n<h4>  S&#252;deuropa von wirtschaftlicher Erholung abgekoppelt<\/h4>\n<p>  Wegen seiner Exportabh&#228;ngigkeit steht und f&#228;llt die Zukunft der   deutschen Wirtschaft mit den Aussichten f&#252;r die Weltwirtschaft im   Allgemeinen &#8211; und der EU-Wirtschaft im Besonderen. Schlie&#223;lich gehen   zwei Drittel der BRD-Ausfuhren in andere L&#228;nder der Europ&#228;ischen Union.   Und hier f&#228;llt es den Regierenden erheblich schwerer, dem &#246;konomischen   Verlauf ein &#8222;Sommerm&#228;rchen&#8220; anzudichten. In vielen wichtigen L&#228;ndern der   Euro-Zone ist der Sommer vielmehr &#8222;ins Wasser gefallen&#8220;. Gerade auf   S&#252;deuropa trifft dies zu. So kommen Spanien, Portugal oder Italien kaum   aus der Stagnation. Und Griechenland steckt weiter in der Rezession.<\/p>\n<h4>  Streit um Euro-Zins<\/h4>\n<p>  Kaum dass die Kapitalisten im Euro-Raum &#8211; nach der turbulentesten Krise   der Gemeinschaftsw&#228;hrung seit ihrer Einf&#252;hrung &#8211; aufatmen konnten, sehen   sie schon die n&#228;chsten Probleme auf sie zukommen. Denn die   divergierenden Tendenzen der verschiedenen nationalen Wirtschaftsr&#228;ume   f&#252;hren zu divergierenden Anspr&#252;chen an die Geld- und Zinspolitik. Mehr   und mehr m&#252;ssen die Herrschenden in der Bundesrepublik eine Fortdauer   der Niedrigzinspolitik als nicht f&#246;rderlich empfinden &#8211; w&#228;hrend die   wirtschaftlich besonders angeschlagenen Staaten S&#252;deuropas weiter auf   extrem niedrige Zinss&#228;tze angewiesen sind, um zaudernden Investoren   einen zus&#228;tzlichen Anreiz zu bieten. Entgegengesetzt verhielt es sich   vor dem Crash in der Euro-Zone: Damals waren die von Deutschland und   anderen gew&#252;nschten Niedrigzinsen der Europ&#228;ischen Zentralbank Gift f&#252;r   Staaten wie Spanien oder Irland &#8211; da sie nur ihre stetig wachsenden   Immobilienblasen n&#228;hrten.<\/p>\n<p>  Zu Recht bezeichnete Holger Steltzner in der FAZ vom 21. August die   derzeitige Ruhe an den Kapitalm&#228;rkten des Euro-Raums als &#8222;tr&#252;gerisch&#8220;.   Und warnte: &#8222;Noch bevor sich die Frage nach der R&#252;ckzahlung der   Notkredite f&#252;r Griechenland stellt, d&#252;rften die Spannungen im   gemeinsamen W&#228;hrungsgebiet wieder zunehmen. (&#8230;) Nun wird nach der Krise   wegen der Wachstumsschw&#228;che in der Peripherie des Euro-Raums der   Einheitszins weiter niedrig gehalten, was die deutsche Wirtschaft   &#252;berm&#228;&#223;ig stimuliert. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Ein Zins f&#252;r   auseinanderstrebende nationale Wirtschaftsentwicklungen &#8211; das passt   nicht.&#8220;<\/p>\n<h4>  &#8222;Oliveng&#252;rtel&#8220; versus BRD und Co.<\/h4>\n<p>  Fast ein Vierteljahr nach dem panikartigen Br&#252;sseler Euro-Gipfel am 7.   Mai trat der britische Historiker Peter Ludlow mit einer Studie an die   &#214;ffentlichkeit, in der er die erhitzten Debatten auf dem Gipfeltreffen   fast minuti&#246;s widergibt. Diese Studie zeigt nicht nur auf, &#8222;dass sich   auf der Sitzung Bundeskanzlerin Merkel durchsetzte&#8220; (Nikolas Busse in   der FAZ vom 29. Juli), sondern au&#223;erdem, dass die miteinander   streitenden Kr&#228;fte gr&#246;&#223;tenteils den gleichen Lagern zuzuordnen sind wie   bei den sich heute abzeichnenden Spannungen. Auf der einen Seite stand   damals der &#8222;Oliveng&#252;rtel&#8220;, wie Ludlow die S&#252;dl&#228;nder nannte (hier spielte   sich der franz&#246;sische Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy als Hauptkontrahent von   Angela Merkel auf), auf der anderen Seite die Bundesrepublik, die   Niederlande oder Luxemburg.<\/p>\n<p>  Eine wesentliche Quelle f&#252;r die mal latent, mal offener existierenden   Konflikte unter den 16 Euro-L&#228;ndern stellen die strukturellen   Ungleichgewichte in Wirtschaft und Handel dar. Zum einen auf den Export   ausgerichtete L&#228;nder wie Deutschland, zum anderen die lange auf Pump   ausgeweitete Konsumt&#228;tigkeit von Staaten wie Irland oder Spanien. Die   grundlegend anderen &#246;konomischen Strukturen verhindern, dass die   Bundesrepublik pl&#246;tzlich einfach viel mehr importiert und andere &#252;ber   Nacht massiv die Warenausfuhr ankurbeln. Nicht zuletzt daraus   resultieren die immer deutlicher zu Tage tretenden Auseinandersetzungen   zwischen der deutschen und der franz&#246;sischen Regierung. Erinnert sei nur   an den Vorwurf von Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde an die   Adresse Deutschlands gerichtet, nicht genug f&#252;r den Konsum zu tun.<\/p>\n<p>  In Aufschwungszeiten k&#246;nnen die verschiedenen L&#228;nder eines gemeinsamen   W&#228;hrungsraums sich noch irgendwie zusammenraufen. In Zeiten wie diesen,   die der US-&#214;konom Paul Krugman als neue Depressions&#228;ra einstuft,   bedeuten 16 unterschiedliche, in das Korsett einer einheitlichen Geld-   und Zinspolitik eingeschn&#252;rte Volkswirtschaften eine perspektivisch   immer unertr&#228;glichere Zerrei&#223;probe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Euro drohen neue Schwierigkeiten und Spannungen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13840"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13840"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13840\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}