{"id":13834,"date":"2010-08-21T00:00:00","date_gmt":"2010-08-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13834"},"modified":"2010-08-21T00:00:00","modified_gmt":"2010-08-21T00:00:00","slug":"13834","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13834\/","title":{"rendered":"Eine Einf&#252;hrung in das Denken Trotzkis"},"content":{"rendered":"<p>  Besprechung von J&#252;rg Ulrichs &#8222;Trotzki als junger Revolution&#228;r&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Dem Leben und Wirken Leo Trotzkis bis zur russischen   Oktoberrevolution 1917 widmet sich J&#252;rg Ulrich &#8211; geboren 1930 und   emeritierter Professor f&#252;r Neuropathologie in Basel &#8211; in seinem k&#252;rzlich   in einer Neuauflage im vsa-Verlag erschienenen Buch &#8222;Trotzki als junger   Revolution&#228;r&#8220;.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Nelli T&#252;gel, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Trotzki wurde 1879 bei Odessa geboren, politisierte sich fr&#252;h und wurde   mit 20 Jahren wegen seiner Aktivit&#228;ten f&#252;r den &#8222;S&#252;drussischen   Arbeiterbund&#8220; zum ersten von mehreren Malen zu vier Jahren Verbannung   verurteilt. Die darauf folgenden Jahre verbrachte Trotzki in   verschiedenen Teilen der Welt im Exil und in Russland, wo er einer der   F&#252;hrer der Revolutionen 1905 (Trotzki war dort mit nur 26 Jahren   Vorsitzender des Petrograder Sowjets), der Februarrevolution und der   Oktoberrevolution von 1917, durch die es zum bisher ersten und einzigen   Mal in der Geschichte der Menschheit gelang, den Kapitalismus zu st&#252;rzen   und eine R&#228;tedemokratie aufzubauen, wurde. Der Autor beschreibt   eindr&#252;cklich die Rolle der russischen Revolution&#228;re und ihrer   Organisation, der Bolschewiki, denen sich Trotzki und seine   &#8222;Interrayonisten&#8220; im Sommer 1917 anschlossen, sowie ihre   Entstehungsgeschichte.<\/p>\n<p>  Das Buch endet mit Trotzkis Aufbruch aus den USA nach Russland, nachdem   er vom Ausbruch der Februarrevolution erfahren hatte, ein l&#228;ngerer   Epilog umrei&#223;t jedoch die darauf folgenden Entwicklungen: die   Oktoberrevolution, die Jahre des B&#252;rgerkriegs, die gescheiterten   Revolutionen in Deutschland und anderen L&#228;ndern, die Stalinisierung   Russlands, der Aufbau der Linken Opposition unter Trotzkis F&#252;hrung und   die Verbannung durch Stalin bis zu Trotzkis Ermordung durch einen   stalinistischen Agenten in Mexiko.<\/p>\n<p>  Die gro&#223;e St&#228;rke des Buches besteht darin, dass der Autor es schafft,   die Biographie Trotzkis eng mit den weltpolitischen Ereignissen   einerseits, einer Charakterisierung der verschiedenen Str&#246;mungen der   russischen revolution&#228;ren Bewegung andererseits und den Hauptwerken   Trotzkis und einigen wenigen wichtigen Werken des Marxismus insgesamt zu   verkn&#252;pfen.<\/p>\n<p>  So sind dem Text kurze Zusammenfassungen von Trotzkis Schriften zur   Theorie der Permanenten Revolution, &#252;ber die Balkankriege, die er als   Korrespondent f&#252;r die &#8222;Kiewskaya Mysil&#8220; schrieb, seiner &#8222;Verratene(n)   Revolution&#8220;, in der Trotzki die Sowjetunion Stalins charakterisiert,   seiner Arbeiten &#252;ber China, Deutschland und des &#8222;&#220;bergangsprogramms&#8220;   (Gr&#252;ndungsmanifest der von Trotzkis als Reaktion auf die Stalinisierung   der Kommunistischen Internationale 1938 gegr&#252;ndeten 4. Internationale)   eingearbeitet.<\/p>\n<p>  Der Text ist &#8211; wie J&#252;rg Ulrich im Vorwort schreibt &#8211; f&#252;r junge   LeserInnen geschrieben. &#8222;Anhand der Person Trotzkis wollte ich jungen   politisch interessierten Menschen die Entwicklung sozialistischer Ideen   und Bewegungen zeigen (&#8230;)&#8220;. Tats&#228;chlich eignet er sich f&#252;r alle, die   beginnen, sich mit Trotzkis Ideen, dem Marxismus und\/ oder der   Geschichte der Russischen Revolution zu besch&#228;ftigen. Der Verweis auf   zentrale Schriften Trotzkis weckt mit Sicherheit Interesse, sich mit   diesen weiter zu besch&#228;ftigen bzw. eine der Trotzki-Biographien oder   seine Autobiographie &#8222;Mein Leben&#8220; zu lesen. Eine Zeittafel und &#220;bersicht   &#252;ber weiterf&#252;hrende Literatur komplettieren das Buch.<\/p>\n<p>  An einigen Stellen ist die, aus der Beschreibung der von ihm   verarbeiteten Texte, herauslesbare Interpretation bestimmter Texte &#8211; wie   des &#220;bergangsprogramms &#8211; diskussionsw&#252;rdig und sollte kritisch   hinterfragt werden, da die Interpretation Auswirkungen auf die   Schlussfolgerungen f&#252;r die heutige Arbeit von MarxistInnen hat. So   schreibt J&#252;rg Ulrich zum Beispiel, das systemsprengende des   &#220;bergangsprogramms leite sich aus der ver&#228;nderten Weltlage &#8211; der Phase   des Niedergangs des Kapitalismus &#8211; und der daraus resultierende Tatsache   ab, dass die Durchsetzung von Forderungen, die vorher (z.b. bei den   Arbeiterparteien der 2. Internationale\/ Sozialdemokratishen Parteien)   Minimalforderungen (Forderungen nach bestimmten Reformen im Gegensatz zu   Maximalforderungen\/ Sozialismus) waren, nun schon einen &#220;bergang zur   sozialistischen Revolution bedeuteten. Dies ist nicht falsch, allerdings   betont Trotzki auch, dass die Aufgabe von Revolution&#228;ren bei der   Aufstellung von Forderungen und dem Kampf f&#252;r diese das bewusste   Aufzeigen von Verbindungen zwischen Tagesforderungen und der   sozialistischen Revolution ist und unterscheidet zwischen   Minimalforderungen und &#220;bergangsforderungen.<\/p>\n<p>  Interessant ist, dass der Autor in seinem kurzen Vorwort auch darauf   hinweist, dass er das Buch zu Beginn der 1990er Jahre unter der Annahme   geschrieben habe, &#8222;dass sich im ehemaligen &quot;Ostblock&quot; wieder eine starke   Arbeiterbewegung bilden und einen wichtigen Faktor im Weltgeschehen   darstellen w&#252;rde.&#8220; Zurecht weist er darauf hin, dass es den Rahmen   dieses Buches sprengen w&#252;rde, n&#228;her auf die Gr&#252;nde daf&#252;r einzugehen,   weshalb dies nicht eingetroffen ist und die Frage des Aufbaus der   Arbeiterbewegung heute und morgen zu behandeln. Umso mehr sollte das   Buch auch als Anreiz daf&#252;r verstanden werden, sich mit diesen Fragen   auseinander zusetzen.<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_542\/Trotzki-als-junger-Revolution\u00e4r.html\">Das   Buch bestellen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Besprechung von J&#252;rg Ulrichs &#8222;Trotzki als junger Revolution&#228;r&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[91,70],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13834"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13834"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13834\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}