{"id":13832,"date":"2010-08-22T00:00:00","date_gmt":"2010-08-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13832"},"modified":"2012-05-09T14:12:41","modified_gmt":"2012-05-09T12:12:41","slug":"13832","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13832\/","title":{"rendered":"Polen: Gr&#246;&#223;te Demonstration f&#252;r die Rechte von Lesben und Schwulen aller       Zeiten in Osteuropa"},"content":{"rendered":"<p>  20.000 zogen am 17. Juli durch die Stra&#223;en von Warschau<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nicht nur die polnische LGBT-Community nahm teil, sondern auch   Heterosexuelle die ihre Solidarit&#228;t mit der Parade ausdr&#252;cken und ihre   Ablehnung von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung zeigen   wollten. Viele heterosexuelle Paare brachten auch ihre Kinder mit zum   Umzug.<\/p>\n<h4>  <i>von Paul Newbery, Warschau<\/i><\/h4>\n<p>  Aber w&#228;hrend die Stimmung auf der Parade von Freude und Spa&#223;   gekennzeichnet war, war sie trotzdem auch politisch. Die Parade, die der   Abschluss der polnischen Veranstaltungswoche Europride 2010 war,   forderte eine Gesetzes&#228;nderung um gleichgeschlechtliche Partnerschaften   zu legalisieren. Damit verbunden waren Forderungen nach der M&#246;glichkeit,   wie heterosexuelle Ehepaare gemeinsame Besitzrechte zu haben und   gemeinsame Steuererkl&#228;rungen einzureichen, nach dem Sorgerecht f&#252;r   Kinder des\/der PartnerIn und dem Recht, Entscheidungen &#252;ber die   medizinische Behandlung f&#252;r eineN bewusstloseN PartnerIn zu f&#228;llen.<\/p>\n<h4>  Sexualit&#228;t in Polen<\/h4>\n<p>  In den letzten 20 Jahren, seit der Wiedereinf&#252;hrung des Kapitalismus,   sind die Widerspr&#252;che in der polnischen Gesellschaft im sexuellen   Bereich gewachsen. Einerseits gibt es einen verbesserten Zugang zu   Information und Wissen &#252;ber sexuelle Angelegenheiten durch Polens   &#214;ffnung nach Westen und verbesserte Kommunikationsm&#246;glichkeiten wie das   Internet. Andererseits ist damit die zunehmende Kommerzialisierung des   Sex verbunden, die Ausbeutung des weiblichen K&#246;rpers um Produkte zu   verkaufen ebenso wie das Wachstum der Pornoindustrie. Schlie&#223;lich sehen   wir in Kontrast zu diesen Entwicklungen einen Versuch, Polen ins   Mittelalter zur&#252;ckzuwerfen und die Bev&#246;lkerung zu verbl&#246;den.<\/p>\n<p>  Dies beinhaltet ein massives Wachstum der Macht und der Privilegien der   Kirche w&#228;hrend dieser Periode, die Einf&#252;hrung des Schulfaches Religion   (meistens von katholischen Priestern oder Nonnen unterrichtet) in   staatlichen Schulen auf Kosten der Sexualaufkl&#228;rung, das Verbot der   Abtreibung und andere Angriffe auf die Rechte der Frauen. Zus&#228;tzlich   wird die Rolle der Hausfrau und Mutter gef&#246;rdert, damit der Staat bei   der Kindererziehung und Altenpflege Geld sparen kann. Das wichtigste   Element dieser Kampagne ist die F&#246;rderung des einzig akzeptablen   Familienmodells (Mann, Frau und 2 oder mehr Kinder) und eine massive   Kampagne gegen Homosexualit&#228;t.<\/p>\n<p>  Neben der Kampagne f&#252;r das traditionelle heterosexuelle Familienbild ist   ein weiterer Grund f&#252;r die institutionalisierten Angriffe auf   Homosexualit&#228;t die verbreitete Arbeitslosigkeit und Armut, wegen der die   Herrschenden einen S&#252;ndenbock brauchen, um von den realen Ursachen der   Probleme abzulenken und die Bev&#246;lkerung zu spalten.<\/p>\n<h4>  Unterdr&#252;ckung von Schwulen und Lesben<\/h4>\n<p>  Im letzten Jahr wurde Polen in einem EU-Bericht f&#252;r die   institutionalisierte Diskriminierung von Schwulen und Lesben, z.B. durch   Polizei, Schulen und die Regierung, sowie am Arbeitsplatz, verurteilt.   Der Bericht listete die vielen F&#228;lle von verbaler Aggression und sogar   physischen Drohungen gegen Lesben und Schwule in Statements polnischer   Politiker auf. Ein Beispiel war der verstorbene Pr&#228;sident Lech   Kaczy&#324;ski, der als B&#252;rgermeister von Warschau den Gleicheitsparade 2005   verboten hatte und die extreme Rechte zu Gegenaktionen ermutigte. Andere   Politiker aus Kaczy&#324;skis Lager unterst&#252;tzten sogar physische Angriffe.<\/p>\n<p>  Nach einem EU-Bericht wurde bei dieser Gelegenheit das Grundrecht der   Versammlungsfreiheit verletzt. Als Folge von Kaczy&#324;skis Bemerkungen gab   es einen Anstieg der physischen Angriffe gegen Lesben und Schwule.<\/p>\n<p>  Diese bewusste Anstrengung des polnischen Establishments erkl&#228;rt den   Anstieg von Diskriminierung und Intoleranz gegen Schwule und Lesben.   Allerdings ist die Kehrseite dieses Prozesses die steigende Zahl an   Menschen, die ihre Solidarit&#228;t und ihren Protest gegen solche   Diskriminierung ausdr&#252;cken wollen. Die Gr&#246;&#223;e der diesj&#228;hrigen   Demonstration ist ein Indikator f&#252;r die wachsende Unterst&#252;tzung f&#252;r   Schwule und Lesben in Polen in den letzten Jahren. Vor f&#252;nf Jahren waren   nur 33 Prozent der WarschauerInnen f&#252;r die Gleichheitsparade, w&#228;hrend   neue Umfragen zeigen das in diesem Jahr 45 Prozent daf&#252;r und 44 Prozent   dagegen sind.<\/p>\n<p>  Diese Umfrage und die Europride-Demo sind ermutigende Signale.   Allerdings sollte die polnische LGBT-Bewegung ihre Kr&#228;fte mit der   Frauenbewegung und weiteren Bewegungen der Arbeiterklasse, besonders den   Gewerkschaften, vereinen um die Diskriminierung von Schwulen und Lesben   zu beenden und Gleichheit zu erreichen.<\/p>\n<p>  Der Kampf gegen alle Formen von Diskriminierung, Unterdr&#252;ckung und   Ausbeutung kann nur als gemeinsamer Kampf gegen die Ursache &#8211; den   Kapitalismus &#8211; erfolgreich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      20.000 zogen am 17. Juli durch die Stra&#223;en von Warschau\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[33,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13832"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13832"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13832\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}