{"id":13831,"date":"2010-08-24T00:00:00","date_gmt":"2010-08-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13831"},"modified":"2010-08-24T00:00:00","modified_gmt":"2010-08-24T00:00:00","slug":"13831","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13831\/","title":{"rendered":"Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>  Rezension des Buches von Nouriel Roubini und Stephen Mihm<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Als Dr. Doom (Dr. Untergang) oder Kassandra wurde Nouriel Roubini   bezeichnet als er sehr fr&#252;h und detailliert als einer der wenigen   b&#252;rgerlichen &#214;konomen vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die   2007 begann, warnte.<\/p>\n<h4>  <b><i>von Lucy Redler, Berlin<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  W&#228;hrend andere eine Fortsetzung des Immobilienbooms voraussagten, sprach   der Wirtschaftsprofessor der Stern School of Business der New York   University bereits 2006 davon, dass ein Absturz der Weltwirtschaft und   eine tiefe Rezession drohen. Und er behielt recht.<\/p>\n<p>  Jetzt hat Roubini gemeinsam mit Stephen Mihm, Professor f&#252;r Geschichte   an der University of Georgia, eine 400 Seiten umfassende Analyse der   Weltwirtschaft und ihrer Zukunft ver&#246;ffentlicht, gespickt mit   zahlreichen Vorschl&#228;gen zur Bek&#228;mpfung der jetzigen und k&#252;nftiger Krisen.<\/p>\n<p>  Der Anspruch von Roubini\/Mihm ist nicht weniger als einen &#8222;Beitrag dazu&#8220;   zu leisten &#8222;wie ein Kapitalismus reformiert werden k&#246;nnte, der uns eine   Krise nach der anderen beschert hat, statt best&#228;ndig und verl&#228;sslich zu   halten, was er verspricht.(&#8230;) Dieses Buch zeigt nicht nur auf, wie wir   in diesen Schlamassel geraten sind, sondern wie wir ihm entkommen k&#246;nnen   &#8211; und zwar endg&#252;ltig.&#8220; (S. 24)<\/p>\n<p>  Roubini ist ein b&#252;rgerlicher &#214;konom, der als Wirtschaftsberater unter   Bill Clinton arbeitete und heute das Beratungsunternehmen Roubini Global   Economics (RGE Monitor) leitet. Er ber&#228;t Notenbankchefs und referiert   seine Standpunkte beim Weltwirtschaftsforum in Davos.<\/p>\n<p>  In ihrem Buch geht es Roubini\/Mihm darum, &#8222;unserer kapitalistischen   Wirtschaft zur alten St&#228;rke zur&#252;ck zu verhelfen.&#8220; (S. 243)<\/p>\n<p>  Dabei bedient Roubini sich in seiner Rolle als   Wirtschaftswissenschaftler pragmatisch unterschiedlicher &#246;konomischer   Theorien und Handlungsans&#228;tze, wenngleich seine Orientierung an John   Maynard Keynes (&#8222;der wichtigste &#214;konom der Weltwirtschaftskrise&#8220;) und   Hyman Minsky (&#8222;den radikalsten Vertreter des Keynesianismus&#8220;) noch am   deutlichsten erscheint. Doch weit davon entfernt Linkskeynesianer zu   sein, beziehen sich Roubini\/Mihm ebenfalls positiv auf Joseph Schumpeter   und seine Theorie der &#8222;kreativen Zerst&#246;rung&#8220;: &#8222;Anh&#228;nger von Keynes und   Schumpeter sprechen in der Regel nicht miteinander. Das ist bedauerlich,   denn beide Denker- und die Denkrichtungen f&#252;r die sie stehen &#8211; k&#246;nnen in   der gegenw&#228;rtigen Situation einen wichtigen Beitrag leisten. Das hei&#223;t,   dass ihre Erkenntnise zusammengebracht und auf die heute anstehenden   Probleme angewendet werden k&#246;nnen. Wir sind der Ansicht, dass eine   erfolgreiche L&#246;sung der Krise einen pragmatischen Ansatz erfordert. Er   &#252;bernimmt das Beste aus beiden Lagern und erkennt, dass staatliche   Konjunkturprogramme, Rettungsaktionen, Unterst&#252;tzung durch   letztinstanzliche Kreditgeber und Geldpolitik kurzfristig sinnvoll sein   k&#246;nnen, w&#228;hrend andererseits eine langfristige Kalkulation erforderlich   ist, um zum Wohlstand zur&#252;ckzukehren. Daher bef&#252;rworten wir in diesem   Buch eine &gt;kontrollierte Zerst&#246;rung&gt;&#8220;.(Seite 86f)<\/p>\n<p>  Roubini und Mihm erkl&#228;ren ausf&#252;hrlich und in weiten Teilen anschaulich   wie Schattenbanken, Hedgefonds, Carry trades in W&#228;hrungen und neue   Finanzinnovationen funktionieren.<\/p>\n<p>  Aus marxistischer Sicht ist das interessante an diesem Buch jedoch   weniger ihre Analyse der Krisenursachen, die trotz detailgetreuer   Beschreibung der (Nicht)-Funktionsweise der Finanzm&#228;rkte an der   Oberfl&#228;che verbleibt.<\/p>\n<p>  Vielmehr ist ihre f&#252;r b&#252;rgerliche &#214;konomen erstaunliche Einsch&#228;tzung der   Tiefe und Bedeutung der jetzigen Krise und die Perspektive der   Wahrscheinlichkeit einer lang anhaltenden &#246;konomischen Stagnation oder   auch einem erneuten Eintauchen in die Rezession von Bedeutung.<\/p>\n<p>  Im folgenden werden kurz zentrale Thesen zur Krisenanalyse, der   Krisenperspektive und den L&#246;sungsvorschl&#228;gen Roubinis\/Mihms skizziert.<\/p>\n<h4>  <b>Krisenanalyse<\/b><\/h4>\n<p>  Laut Roubini\/Mihm haben verschiedene Faktoren zur Krise gef&#252;hrt: &#8222;Die   Verbriefung von Subprimekrediten war also nur ein Faktor. Eine wichtige   Rolle spielten auch langfristige Ver&#228;nderungen der Unternehmensaufsicht   und den Managerbez&#252;gen. Und auch der Staat tr&#228;gt einen Teil der Schuld,   allen voran die Geldpolitik von Alan Greenspan. Dazu kommt die   jahrzehntelange Politik zur F&#246;rderung von Wohneigentum.&#8220; (Seite 90)<\/p>\n<p>  An anderer Stelle schreiben Roubini\/Mihm: &#8222;In der Geschichte des   Kapitalismus sind Krisen die Regel, nicht die Ausnahme&#8220; (S. 27). Doch   w&#228;hrend Roubini\/Mihm viele Parallelen zwischen der jetzigen und fr&#252;heren   Krisen wie der britischen South Sea Bubble im 18. Jahrhundert oder der   Weltwirtschaftskrise 1929 ziehen, bleibt ihre Erkl&#228;rung der Ursachen f&#252;r   die Entstehung von Spekulationskrisen an der Oberfl&#228;che.<\/p>\n<p>  Richtig ist, dass verschiedene neoliberale Ma&#223;nahmen die Krise   versch&#228;rft haben. Roubini\/Mihm dringen aber nicht zur grundlegenden   Ursache von Krisen im Kapitalismus. Laut Marx ist die Profitrate das   &#8222;wirkliche Triebwerk des Kapitals&#8220;. Dass hei&#223;t: Investiert wird nur   dort, wo Profite winken. Die Entstehung von Spekulationsblasen ist daher   nicht Krisenursache, wie Roubini\/Mihm auf 400 Seiten versuchen zu   erkl&#228;ren, sondern Ausdruck davon, dass es in der sogenannten   Realwirtschaft (nach einem langen Nachkriegsaufschwung sp&#228;testens seit   den 70er Jahren) nicht mehr ausreichend profitable Anlagem&#246;glichkeiten   f&#252;r das &#252;bersch&#252;ssige Kapital gibt und Kapital stattdessen lieber auf   den Finanzm&#228;rkten angelegt wurde wie beispielsweise in der jetzigen   Krise in hypothekenbesicherte Wertpapieren. Profit als Triebfeder der   Produktion, Konkurrenz und der Gegensatz zwischen gesellschaftlicher   Produktion und privater Aneignung f&#252;hren im Kapitalismus immer wieder zu   &#220;berakkulumation von Kapital und zu Krisen, in denen die Profitraten   tendenziell sinken.<\/p>\n<p>  In Kapitel 2 besch&#228;ftigen sich Roubini\/Mihm mit verschiedenen   &#246;konomischen Theorien von Adam Smith &#252;ber Joseph Schumpeter, John   Maynard Keynes und dem Verhaltens&#246;konom Robert Shiller. In diesem Ritt   durch die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften streifen die beiden   Autoren in einer verk&#252;rzten Zusammenfassung auch Karl Marx und w&#252;rdigen   seine Erkenntnis &#8222;dass Krisen fester Bestandteil des Kapitalismus&#8220; sind   als &#8222;immens wichtig&#8220;, kommentieren ansonsten jedoch nur, dass Marx&quot;   &#8222;Vision&#8220; sich bisher nicht bewahrheitet habe (S. 70).<\/p>\n<h4>  <b>Perspektive der Krise<\/b><\/h4>\n<p>  Von gr&#246;&#223;erer Bedeutung ist dagegen, was Roubini\/Mihm &#252;ber den weiteren   Verlauf der Krise schreiben. In scharfem Gegensatz zu all den   selbsternannten &#214;konomen in b&#252;rgerlichen Medien, Konzernen und   Regierungen, die jetzt den Aufschwung herbeireden, warnen Roubini\/Mihm   deutlich vor einer langgezogenen Krise: &#8222;Leider haben Krisen die   Angewohnheit, an St&#228;rke zu- und abzunehmen &#8211; es kommt selten vor, dass   sie nur einmal zuschlagen und sich dann wieder legen. Sie haben eine   gewissen &#196;hnlichkeit mit Wirbelst&#252;rmen, die sich allm&#228;hlich aufbauen,   sich dann wieder abschw&#228;chen, nur um dann erneut an Kraft zu gewinnen   und zerst&#246;rerischer zu werden als je zuvor.&#8220; (S. 142)<\/p>\n<p>  Und konkret auf die aktuelle Lage der Weltwirtschaft bezogen: &#8222;Die   j&#252;ngste Krise hat deutlich gemacht, dass uns wohl eher ein Zeitalter der   gro&#223;en Instabilit&#228;t bevorsteht als ein langer Aufschwung.   Spekulationsblasen und Einbr&#252;che k&#246;nnen sich mehren, und Krisen, die   nach fr&#252;herer &#220;berzeugung nur ein- oder zweimal im Jahrhundert   auftreten, k&#246;nnten die Weltwirtschaft deutlich &#246;fter beuteln.&#8220; (S. 399)<\/p>\n<p>  Auch die Rettungsma&#223;nahmen der Regierungen bewerten die beiden   kritisch-ambivalent: &#8222;In der Summe verhinderten die Ma&#223;nahmen   vermutlich, dass sich die globale Rezession zur neuen   Weltwirtschaftskrise auswuchs. Doch ob die Medizin nicht gef&#228;hrlicher   ist als die Krankheit, steht auf einem anderen Blatt.&#8220; (S. 184)<\/p>\n<p>  In diesem Sinne warnen Roubini\/Mihm sowohl vor der Entstehung der   n&#228;chsten noch gr&#246;&#223;eren Blase durch die &#8222;extrem gro&#223;z&#252;gige Geldpolitik   und quantitative Lockerungen in Kombination mit wachsender Abh&#228;ngigkeit   vom Carry Trade in US-Dollar&#8220; als auch vor Staatsbankrotten aufgrund   horrender Staatsverschuldung, einem Zerfall des Euros, einer m&#246;glichen   Wiederkehr der Deflation in Japan und einem Absturz der chinesischen   Wirtschaft. (S. 369).<\/p>\n<p>  Zur Frage, ob die Krise einen V-, U- oder W-Verlauf nehmen wird,   prognostizieren die beiden &#214;konomen f&#252;r die Industrienationen aufgrund   verschiedener Faktoren einen U-Verlauf mit Jahren   unterdurchschnittlichen Wachstums, also einer Periode der langgezogenen   Stagnation.<\/p>\n<p>  Doch sie schlie&#223;en auch andere Entwicklungen nicht aus und f&#252;rchten in   Kapitel 10, dass auch ein richtiger &#8222;Knall&#8220; oder ein &#8222;gewaltiges   Erdbeben&#8220; eintreten k&#246;nnen, wenn es nicht zu einem Abbau des   US-amerikanischen Leistungsbilanzdefizit und dem Abbau der &#220;bersch&#252;sse   der chinesischen Wirtschaft und anderer exportorientierter L&#228;ndern   kommt. (S. 340)<\/p>\n<h4>  L&#246;sungsvorschl&#228;ge<\/h4>\n<p>  Ihren anf&#228;nglichen Anspruch, Vorschl&#228;ge zu unterbreiten, mit denen &#8222;wir   dem Schlamassel entkommen k&#246;nnen &#8211; und zwar endg&#252;ltig&#8220; (s.o.) halten die   beiden am Ende ihres Buchs selbst nicht aufrecht, wenn sie schreiben:   &#8222;Krisen lassen sich nicht abschaffen. Sie k&#246;nnen aber gemanagt und   gemildert werden.&#8220; (S. 367)<\/p>\n<p>  Roubini\/Mihm pl&#228;dieren in ihrem Buch vor allem f&#252;r mehr staatliche   Regulierung und eine st&#228;rkere Rolle der Notenbanken. Ihre konkreten   Vorschl&#228;ge reichen unter anderem von einer strengen Regulierung zur   Verbriefung von Wertpapieren und eine Reform der Derivate &#252;ber neue   Verg&#252;tungsstrukturen f&#252;r H&#228;ndler und B&#228;nker, eine Reform der   Ratingagenturen, die Trennung von Investment- und Gesch&#228;ftsbanken bis   hin zur Zerschlagung von gro&#223;en Banken und Finanzunternehmen wie Goldman   Sachs, Citigroup, Bank of America, UBS und anderen.<\/p>\n<p>  Die Zentralbanken sollen ihnen zufolge eine gr&#246;&#223;ere Rolle zum Schutz des   Finanzsystems als bisher einnehmen. Da jedoch die globalen   Leistungsbilanzungleichgewichte die langfristige Stabilit&#228;t der   Wirtschaft bedrohen, sei zum einen die St&#228;rkung des Internationalen   W&#228;hrungsfonds und zum anderen die Einf&#252;hrung einer neuen internationalen   Reservew&#228;hrung (durch die Emission internationaler, auf   Sonderziehungsrechte lautende Anleihen) n&#246;tig. China m&#252;sse die   Aufwertung des Renminbi zulassen und die US-Regierung Schritte   ergreifen, um das Leistungsbilanzdefizit abzubauen.<\/p>\n<p>  Mihm und Roubini erwischen sich selbst dabei, dass die von ihnen   vorgeschlagenen Ma&#223;nahmen auf erhebliche Widerst&#228;nde sto&#223;en. Sie geben   zu, das die chinesische und US-amerikanische Regierungen &#8222;leider&#8220; nicht   bereit zu sein scheinen, &#8222;die notwendigen Schritte zu unternehmen.&#8220; (S.   340). Sie r&#228;umen ein, dass die Zentralbanken in der Vergangenheit das   genaue Gegenteil von dem betrieben haben, was sie vorschlagen, wenn sie   ausf&#252;hren, dass diese nichts unternommen h&#228;tten, um dem Spekulationswahn   Einhalt zu gebieten oder dass Finanzunternehmen sich in der   Vergangenheit der Regulierung widersetzt haben, in dem sie ihren Sitz in   weniger stark regulierte Rechtsr&#228;ume verlegt haben (S.365f).<\/p>\n<p>  Erinnert sei auch daran, dass ein Oskar Lafontaine 1999 als   SPD-Finanzminister versucht hat, &#228;hnliche Regulierungsma&#223;nahmen   einzuf&#252;hren und aufgrund von Drohungen von Investitionsboykott und   Kapitalflucht schlie&#223;lich kapituliert hat.<\/p>\n<h4>  Der H&#246;lle entkommen<\/h4>\n<p>  Das alles spricht nicht dagegen, sich mit dem Kapital anzulegen, es   spricht jedoch daf&#252;r, in dem Prozess die tats&#228;chlichen Krisenursachen zu   &#252;berwinden. Kontrollieren kann man bekanntlich nur das, was einem geh&#246;rt.<\/p>\n<p>  Roubini und Mihm sind jedoch weit davon entfernt (Oskar Lafontaine   leider auch), das Privateigentum an Produktionsmitteln und die   kapitalistische Marktwirtschaft in Frage zu stellen und beseitigen zu   wollen. Je weiter man jedoch auf den 400 Seiten vorst&#246;&#223;t, desto st&#228;rker   f&#252;hlt man sich als Leserin darin best&#228;rkt, dass nicht einzelne Reformen   des Systems n&#246;tig sind, sondern eine sozialistische L&#246;sung der Krise,   indem die Produktionsmittel vergesellschaftet und eine demokratisch   geplante Wirtschaft an die Stelle der chaotischen Marktwirtschaft tritt.<\/p>\n<p>  Roubini\/Mihm zitieren Frank Borman, Chef von Eastern Airlines, der in   den 80er Jahren meinte: &#8222;Kapitalismus ohne Konkurse ist wie Christentum   ohne H&#246;lle&#8220; (S. 211), ziehen aber nicht die Schlussfolgerung daraus, der   H&#246;lle tats&#228;chlich zu entkommen.<\/p>\n<h4>  &#8222;Kontrollierte Zerst&#246;rung&#8220;<\/h4>\n<p>  Was sie unter &#8222;kontrollierter Zerst&#246;rung&#8220; verstehen, wird deutlich, wenn   sie beschreiben, was nach kurzfristigen keynesianischen Ma&#223;nahmen   langfristig n&#246;tig ist: &#8222;Um diese Kollateralsch&#228;den zu vermeiden,   erscheint es sinnvoll, auf kurze Sicht dem Keynes&quot;schen Drehbuch zu   folgen. (&#8230;) Kurzfristig ist es besser, durch eine Lockerung der   Geldpolitik und andere vorbeugende Ma&#223;nahmen wie Kredite oder   Kapitalspritzen einen ungeordneten Zusammenbruch des Finanzssystems zu   verhindern. Genauso sinnvoll ist es, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage   durch staatliche Konjunkturprogramme und Steuerk&#252;rzungen anzukurbeln.&#8220;   Dadurch lasse sich, so Roubini und Mihm das Szenario einer lang   anhaltenden Stagnation wie in Japan in den neunziger Jahren verhindern.   &#8222;Langfristig gesehen ist es unabdingbar, dass insolvente Banken,   Unternehmen und Haushalte in Konkurs gehen und von vorn anfangen   k&#246;nnen.&#8220; (S. 86)<\/p>\n<p>  Die Vernichtung und Entwertung von Maschinen, Betrieben und   Arbeitskr&#228;ften in der Krise ist dem kapitalistischen Prozess immanent.   Roubini und Mihm pl&#228;dieren im Rahmen des Systemerhalts logisch, wenn sie   sich faktisch f&#252;r Ausgabenk&#252;rzungen und Entlassungen aussprechen, um   Haushalte zu konsolidieren und nicht profittr&#228;chtige Betriebe pleite   gehen zu lassen.<\/p>\n<p>  In dieser Logik schlagen sie vor, dass die Schwellenl&#228;nder an dem   marktorientierten Kurs festhalten sollen, den sie vor der Krise   eingeschlagen haben und die Arbeitsm&#228;rkte weiter liberalisieren.<\/p>\n<p>  F&#252;r Irland, Gro&#223;britannien, Griechenland, Spanien und Portugal   bef&#252;rworten die Autoren &#8222;empfindliche Einschnitte, statt eine   Zahlungskrise zu riskieren&#8220; (S. 389). In Bezug auf die USA fordern sie   von der Obama-Regierung von massiven Konjunkturpaketen zum Sparen   &#252;berzugehen.<\/p>\n<p>  Ihre Vorschl&#228;ge im Rahmen der kontrollierten Zerst&#246;rung laufen darauf   hinaus, entweder die Profite von Finanzunternehmen zu beschneiden oder   die Kaufkraft der Verbraucher. Im Endeffekt senkt beides die   Profitaussichten des Kapitals und ist nicht daf&#252;r geeignet, die   grundlegende Ursache der Krise zu l&#246;sen.<\/p>\n<p>  Doch auch wenn Roubini und Mihm die Interessen des Kapitals und nicht   der Millionen Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen und Armen vertreten, lohnt   die Lekt&#252;re ihres Buchs. Es vermittelt zum einen interessante Daten und   Fakten und eine f&#252;r b&#252;rgerliche &#214;konomen beachtliches Eingest&#228;ndnis der   Schw&#228;chen des eigenen Systems.<\/p>\n<p>  Zum anderen ist es ein interessanter Ausdruck der ideologischen Krise   der Kapitalisten und widerspiegelt, dass ein Teil der Bourgeoisie   Antworten auf das Ende des neoliberalen Paradigmas sucht.<\/p>\n<p>  &#8222;Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft&#8220; ist Roubinis und Mihms   Versuch solche Antworten zu liefern, ohne ein neues Paradigma   anzubieten, denn die &#8222;kontrollierte Zerst&#246;rung&#8220; ist weniger ein neues   Leitbild als vielmehr ein Potpourri unterschiedlicher Ma&#223;nahmen.<\/p>\n<h5>  Nouriel Roubini, Stephen Mihm: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre   Zukunft (original: Crisis Economics. A Crash Course in the Future of   Finance), erschienen 2010 im Campus Verlag, 470 Seiten, 25,60 Euro.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Rezension des Buches von Nouriel Roubini und Stephen Mihm\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[70,27,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13831"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13831"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13831\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13831"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13831"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13831"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}