{"id":13827,"date":"2010-09-05T00:00:00","date_gmt":"2010-09-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13827"},"modified":"2010-09-05T00:00:00","modified_gmt":"2010-09-05T00:00:00","slug":"13827","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/09\/13827\/","title":{"rendered":"&#8222;Eine soziale Explosion wird kommen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Andros Payiatsos, Generalsekret&#228;r der marxistischen   Organisation Xekinima in Griechenland, &#252;ber die Folgen der Krise und den   Widerstand der ArbeiterInnen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Griechenland steht im Mittelpunkt der Euro-Krise und zieht seit Monaten   die Aufmerksamkeit ganz Europas auf sich. Die sozialdemokratische   Regierung Papandreou hat unter dem Druck von Internationalem   W&#228;hrungsfonds und EU massive K&#252;rzungspakete beschlossen. Die griechische   Arbeiterklasse hat darauf mit bisher f&#252;nf Generalstreiks in diesem Jahr   reagiert. Wie ist die Lage in der griechischen Gesellschaft?<\/h4>\n<p>  Die griechische Gesellschaft &#8211; und damit meine ich die Massen der   ArbeiterInnen, Erwerbslosen, RentnerInnen und die Mittelschichten &#8211; ist   eine w&#252;tende Gesellschaft. Wenn man heute durch die Stra&#223;en von Athen   geht, kann man die Wut sp&#252;ren, man kann sie in den Augen der Menschen   sehen und man kann sie h&#246;ren, wenn man den Gespr&#228;chen lauscht. 91   Prozent haben in einer Meinungsumfrage angegeben, dass sie w&#252;tend sind.   80 Prozent erwarten eine soziale Explosion. Griechenland ist ein   brodelnder Vulkan, der jederzeit ausbrechen kann.<\/p>\n<p>  Und dabei sind die Auswirkungen der K&#252;rzungsprogramme noch gar nicht   richtig sp&#252;rbar. Die massive Armut und der Hunger, den die europ&#228;ischen   Kapitalistenklassen und die PASOK-Regierung der griechischen Bev&#246;lkerung   aufzwingen, werden erst noch kommen. Und dann wird das Land fr&#252;her oder   sp&#228;ter tats&#228;chlich explodieren.<\/p>\n<h4>  Wie dr&#252;ckt sich die Wut aus?<\/h4>\n<p>  51 Prozent der Bev&#246;lkerung sagt, dass sie bereit sind an militanten   K&#228;mpfen teilzunehmen. Die Beteiligung an den Streiks und Generalstreiks   ist massiv, auch wenn beim letzten Generalstreik am 29. Juni die   Demonstrationen kleiner waren, als am 5. Mai. An diesem Tag skandierten   die am Parlamentsgeb&#228;ude vorbeiziehenden ArbeiterInnen immer wieder   &#8222;Diebe und L&#252;gner&#8220; und sch&#252;ttelten die F&#228;uste in Richtung Parlament. Es   kam immer wieder zu Zusammenst&#246;&#223;en zwischen demonstrierenden   ArbeiterInnen und der das Parlament sch&#252;tzenden Polizei. Der Tod der   Bankangestellten, die einem Brandanschlag zum Opfer fielen, der   wahrscheinlich von Anarchisten ausge&#252;bt wurde und die sich nicht retten   konnten, weil ihr Boss die Eingangst&#252;ren verschlossen hatte und es keine   Notausg&#228;nge gab, lenkte die Aufmerksamkeit dann vor&#252;bergehend von dem   massiven Generalstreik ab und f&#252;hrte zu etwas Verwirrung unter den   Streikenden.<\/p>\n<p>  Die Wut dr&#252;ckt sich aber auch darin aus, dass Regierungsminister sich   kaum mehr in der &#214;ffentlichkeit zeigen k&#246;nnen. Sie werden in den   Tavernen angespuckt und beleidigt. Papandreou wurde k&#252;rzlich bei einer   Kulturveranstaltung in einem teuren Amphitheater ausgepfiffen. Sogar der   sozialdemokratische Gewerkschaftsf&#252;hrer Panagopoulos wurde k&#252;rzlich auf   einer Kundgebung von w&#252;tenden Arbeitern angegriffen. Und das nicht nur   von politisch fortgeschrittenen, radikalen Kollegen, sondern von ganz   normalen Arbeitern. Auch auf nachfolgenden Kundgebungen, bei denen die   B&#252;hne deutlich h&#246;her war, so dass Panagopoulos f&#252;r die DemonstrantInnen   nicht erreichbar war, wurde er so lautstark ausgepfiffen, dass er nicht   reden konnte<\/p>\n<p>  Die PASOK steht in Umfragen zur Zeit bei 17,1 Prozent, die konservative   Nea Demokratia bei 6,1 Prozent. 58,1 Prozent der Bev&#246;lkerung sagen, dass   sie niemanden unterst&#252;tzen. Das Griechenland, wie wir es kannten, gibt   es nicht mehr.<\/p>\n<h4>  Was w&#252;rdest Du einem Reporter der BILD-Zeitung sagen, der behauptet die   griechische Bev&#246;lkerung habe kein Recht w&#252;tend zu sein, da sie &#252;ber ihre   Verh&#228;ltnisse gelebt habe und es jetzt n&#246;tig sei, Privilegien abzubauen?<\/h4>\n<p>  Ich w&#252;rde ihn auf die Stra&#223;en Athens einladen, wo er die Armut mit   eigenen Augen sehen k&#246;nnte. Die griechische Arbeiterklasse hat seit 1985   ein K&#252;rzungsprogramm nach dem anderen mitmachen m&#252;ssen. Schon heute   leben ein Drittel der Bev&#246;lkerung unter der Armutsgrenze von 470 Euro   pro Monat. Und nun kommt der gro&#223;e Hammer. Im &#246;ffentlichen Dienst werden   die L&#246;hne um 20 bis 35 Prozent abgesenkt. Wenn die BILD-Zeitung   schreibt, das seien ja nur die 13. und 14. Monatsgeh&#228;lter, dann muss man   wissen, dass diese Bonusgeh&#228;lter erk&#228;mpft wurden, weil die   durchschnittlichen Monatsl&#246;hne so verdammt niedrig sind. Millionen   Menschen leben von etwas mehr als 700 Euro im Monat und jetzt wird der   Mindestlohn auf 590 Euro abgesenkt! 65 Prozent der RentnerInnen erhalten   weniger als 600 Euro im Monat. Mit dem neuen Rentenrecht wird das massiv   sinken. Dieses sieht vor, dass man 40 Jahre in Vollzeitbesch&#228;ftigung   gewesen sein muss, um eine volle Rente zu erhalten. Schafft man das   nicht bekommt man nur eine Sozialleistung von 350 Euro. F&#252;r jedes Jahr,   das man fr&#252;her in Rente geht, muss man auf sechs Prozent verzichten. In   einem Land mit der Arbeitslosigkeit Griechenlands ist es praktisch   unm&#246;glich 40 Jahre vollzeit zu arbeiten, schon die 35 Jahre die zur Zeit   gelten, sind kaum zu erreichen. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei   12 Prozent, real aber eher bei 20 Prozent. Und das alles bei   Supermarktpreisen, die nicht billiger sind als in Berlin oder London.<\/p>\n<h4>  Die griechischen Arbeiterinnen und Arbeiter setzen sich seit Monaten   gegen die K&#252;rzungen zur Wehr. Es gab f&#252;nf Generalstreiks und viele   Streiks in verschiedenen Branchen. In Deutschland sagen wir, man muss   k&#228;mpfen wir in Griechenland. Wie sch&#228;tzt Du die Bewegung ein?<\/h4>\n<p>  Man kann davon ausgehen, dass so ziemlich alle Teile der Arbeiterklasse   in der einen oder anderen Form an Protesten teilgenommen haben. Entweder   bei einem der Generalstreiks, die den Charakter massenhafter   Protestkundgebungen haben oder in anderen Streiks und Demonstrationen.   Diese haben das Potenzial bedeutender, als die eint&#228;gigen   Generalstreiks, zu werden. Denn sie k&#246;nnen sich &#252;ber Wochen oder Monate   hinziehen, wenn sie bis zum Ende ausgefochten werden. Sie k&#246;nnen die   Gesellschaft sogar mehr ersch&#252;ttern als 24-st&#252;ndige Generalstreiks. In   den letzten Monaten gab es Streiks und Proteste von   Krankenhausbesch&#228;ftigten, LehrerInnen, JournalistInnen, Hafenarbeitern,   Bus- und U-Bahnbesch&#228;ftigten, EisenbahnarbeiterInnen, von den   Besch&#228;ftigten des staatlichen Stromversorgungsunternehmens, der Post,   der Stadtverwaltungen. Hinzu kommen kleine Selbst&#228;ndige, RentnerInnen   und selbst Teile der Armee, die sich an Protesten beteiligt haben. Die   Stromversorgungsarbeiter haben f&#252;r zwei Tage die B&#252;ros der   Gesch&#228;ftsleitung besetzt und sind auf das Parlament marschiert, um gegen   die Privatisierung ihres Unternehmens zu k&#228;mpfen. Der Vorsitzende ihrer   Gewerkschaft sagte, wenn die Regierung die Pl&#228;ne durchsetzen wolle,   m&#252;sse sie bereit sein, jedes einzelne Mitglied der Gewerkschaftsf&#252;hrung   ins Gef&#228;ngnis zu stecken. Und das ist ein Mitglied einer PASOK-nahen   Gewerkschaftsf&#252;hrung! Sicher sind das erst einmal nur Worte gewesen,   aber sie dr&#252;cken die radikale Stimmung der Arbeiter aus.<\/p>\n<p>  Ein Merkmal der Bewegung ist, dass sich die Jugend bisher nicht an   vorderster Front beteiligt hat und es keine starke Jugendbewegung gibt.   Das h&#228;ngt zum Teil damit zusammen, dass die K&#252;rzungsprogramme das   Bildungswesen bisher weitgehend au&#223;en vor gelassen haben &#8211; gerade weil   die Herrschenden Angst vor der Dynamik einer Jugendrevolte haben. Es   dr&#252;ckt aber auch aus, dass es nach der Revolte vom Dezember 2008 eine   gewisse Ersch&#246;pfung und auch Desillusionierung gegeben hat, da die   gro&#223;en Jugendbewegungen nicht zum Erfolg gef&#252;hrt haben.<\/p>\n<h4>  Werden sich wiederholende eint&#228;gige Generalstreiks die Regierung   Papandreou stoppen k&#246;nnen?<\/h4>\n<p>  Erst einmal muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Regierung bisher ihre   K&#252;rzungsprogramme durchsetzen konnte. Damit sind Schlachten verloren   gegangen, aber noch nicht der Krieg. Denn wir stehen immer noch am   Beginn der Krise und des Widerstands. Es ist nicht ausgeschlossen, dass   die Widerstandsbewegung eine solche Kraft und Dynamik entfalten kann,   dass die Regierung zum R&#252;ckzug gezwungen oder sogar gest&#252;rzt wird und   statt der K&#252;rzungsprogramme die Zahlungsunf&#228;higkeit erkl&#228;rt wird. Das   h&#228;ngt aber vor allem von der Politik der F&#252;hrung der Arbeiterbewegung   ab: wenn die griechische Arbeiterklasse eine k&#228;mpferische und   sozialistische F&#252;hrung h&#228;tte, w&#228;re sie bereit bis zum Ende zu k&#228;mpfen   und k&#246;nnte den Kampf gewinnen. Aber die F&#252;hrer der Gewerkschaften und   auch der linken Parteien sind nicht auf der H&#246;he der Zeit. Die einen   wollen, die anderen k&#246;nnen der Bewegung keine Perspektive geben.<\/p>\n<h4>  Eine Perspektive f&#252;r die Bewegung w&#252;rde eine Kampfstrategie erfordern,   aber doch auch ein Programm von Forderungen, die erk&#228;mpft werden sollen.   Welche Strategie und welche Forderungen werden in der griechischen   Linken und der Gewerkschaftsbewegung diskutiert?<\/h4>\n<p>  Es ist tats&#228;chlich ein Kampfplan n&#246;tig. Ein Plan, der daf&#252;r sorgt, dass   die verschiedenen Teile der Arbeiterklasse in Bewegung und im Kampf   gehalten werden, der Druck auf die Regierung permanent aufrecht erhalten   und gesteigert wird. Dazu reichen wiederkehrende eint&#228;gige   Generalstreiks nicht aus. Das sp&#252;ren die ArbeiterInnen auch.   Gleichzeitig ist die Zeit noch nicht reif f&#252;r die Ausrufung eines   unbegrenzten Generalstreiks. Dazu fehlt in den K&#246;pfen der Massen und in   den F&#252;hrungen ihrer Organisationen eine Vorstellung von einem   alternativen Programm.<\/p>\n<p>  Xekinima fordert deshalb einen Kampfplan, der neben regelm&#228;&#223;igen ein-   oder auch zweit&#228;gigen Generalstreiks auch rotierende Streiks in   verschiedenen Branchen und Betrieben, Besetzungen von Betrieben und   Regierungsgeb&#228;uden und den Aufbau von Aktionskomitees vorsieht. Wir   sagen den ArbeiterInnen offen, dass sie sich auf einen langen Kampf   vorbereiten m&#252;ssen und das wird auch verstanden. Wir brauchen einen Plan   zum Sieg, der eine langgezogene Streikbewegung beinhalten w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Und es muss gemeinsam gek&#228;mpft werden. Ein Problem der griechischen   Arbeiterbewegung ist das Sektierertum, vor allem der Kommunistischen   Partei KKE. Diese und ihre Gewerkschaftsfront PAME (eine Art Fraktion im   Gewerkschaftsdachverband) weigern sich gemeinsame Demonstrationen mit   den PASOK-nahen Gewerkschaften oder dem B&#252;ndnis der radikalen Linken   SYRIZA durchzuf&#252;hren. Das f&#252;hrt zu der absurden Situation, dass in Athen   am Tag von Generalstreiks verschiedene Arbeiterdemonstrationen durch die   Stadt ziehen. Das schw&#228;cht den Widerstand. Xekinima ruft zum gemeinsamen   Kampf auf.<\/p>\n<h4>  Und f&#252;r welches Programm sollte gek&#228;mpft werden?<\/h4>\n<p>  Xekinima stellt folgende Forderungen in den Mittelpunkt: erstens die   Nichtzahlung der Schulden, zweitens die Verstaatlichung der Banken unter   demokratischer Arbeiterkontrolle und -verwaltung, drittens die   Zur&#252;ckweisung der K&#252;rzungsdiktats von IWF, EZB und der PASOK-Regierung   und viertens die Verbindung dieses Widerstands mit dem Kampf f&#252;r eine   sozialistische Gesellschaft.<\/p>\n<h4>  Was sagen die gro&#223;en linken Kr&#228;fte &#8211; die KKE und SYRIZA?<\/h4>\n<p>  Die KKE wendet eine radikale Sprache an, aber sie beschr&#228;nkt sich auf   radikal klingende allgemeine Phrasen, ohne eine konkrete politische   Strategie und konkrete Forderungen aufzustellen. So spitzt sie den Kampf   zum Beispiel nicht auf die Forderung nach der Einstellung des   Schuldendienstes zu. Die KKE-F&#252;hrung fordert immer wieder ein anderes   &#246;konomisches System, meistens ohne von Sozialismus zu sprechen, aber   zeigt keine Schritte in diese Richtung auf, weder durch politische   Forderungen wie der nach Verstaatlichung der Banken und der gro&#223;en   Konzerne noch durch das Aufzeigen einer effektiven Kampfstrategie. Es   gab ein Interview mit der Vorsitzenden der KKE, in der sie auf die   Frage, was sie vorschlage wiederholt geantwortet hat, dass die   kapitalistische Krise verantwortlich ist und als der Moderator sie zum   x-ten Mal fragte, was sie denn nun vorschlage, hat sie geantwortet, die   Arbeiterklasse k&#246;nne nichts machen au&#223;er f&#252;r ein anderes &#246;konomisches   System zu k&#228;mpfen!<\/p>\n<p>  Innerhalb des Linksb&#252;ndnisses SYRIZA haben wir von Xekinima f&#252;r unsere   Forderungen gestritten und gemeinsam mit anderen Kr&#228;ften auch einiges   erreicht. So hatte SYRIZA zwischenzeitlich die Forderung nach der   Verstaatlichung der Banken aufgestellt, aber ihre F&#252;hrer &#228;u&#223;ern diese   Forderung selten &#246;ffentlich. Mittlerweile wurde das Programm in dieser   Frage wieder verw&#228;ssert und in einem k&#252;rzlich gefassten Beschluss nur   ein &#246;ffentlicher Bankensektor als Gegenpol zum privaten Bankensektor   gefordert. Die Forderung nach der Nichtzahlung der Schulden wird von   SYRIZA bisher nicht aufgestellt. Ihr F&#252;hrer Tsipras hat erkl&#228;rt,   Griechenland soll das Geld nicht beim IWF, sondern der EZB leihen.   Nachdem ihm erkl&#228;rt wurde, dass das gar nicht geht, forderte er, Geld   solle nicht beim IWF, sondern anderswo geliehen werden.<\/p>\n<p>  Viele Linke fordern auch den Austritt aus dem Euro oder aus der EU. Das   sch&#252;rt nur Illusionen in einen kapitalistischen Ausweg aus der Krise.   Wir sagen, dass der Kapitalismus f&#252;r das Land eine Katastrophe bedeutet,   egal ob mit Euro oder Drachme, egal ob innerhalb oder au&#223;erhalb der EU.   Das Argument, Griechenland k&#246;nne durch W&#228;hrungsabwertungen seine   Konkurrenzf&#228;higkeit wiederherstellen, wenn es aus dem Euro austritt,   greift zu kurz. Erstens h&#228;tte das wahrscheinlich &#228;hnliche Schritte   anderer betroffener EU-Staaten zur Folge und es k&#246;nnte einen   Abwertungswettlauf geben, und au&#223;erdem bestehen die griechischen   Schulden weitgehend in Euro und Dollar, so dass die Einf&#252;hrung einer   dann abgewerteten Drachme das Schuldenproblem nicht im geringsten l&#246;sen   w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Aber ist die Forderung nach Nichtzahlung der Schulden nicht utopisch   bzw. w&#252;rde das nicht zu wirtschaftlichem Chaos f&#252;hren?<\/h4>\n<p>  Wir stellen diese Forderung nicht isoliert auf. Sie ist Teil eines   Gesamtprogramms, das auch die Verstaatlichung der Banken unter   Arbeiterkontrolle und auch der gro&#223;en Industrie vorsieht, um eine   demokratische wirtschaftliche Planung zu entwickeln. Diese Forderung ist   eine &#220;bergangsforderung, die ausgehend von der aktuellen Situation und   dem heutigen Bewusstsein der Arbeiterklasse eine Br&#252;cke zur   Notwendigkeit der Abschaffung des Kapitalismus schafft. Aber sie trifft   den Nagel auf den Kopf: warum sollen die B&#228;nker und Spekulanten weiter   Geld in den Hintern geschoben bekommen? 32 Prozent der griechischen   Bev&#246;lkerung unterst&#252;tzen diese Forderung, obwohl keine der gr&#246;&#223;eren   politischen Kr&#228;fte sie aufwirft! 48 Prozent unterst&#252;tzen die Forderung   nach Verstaatlichung der Banken. Diese Forderungen k&#246;nnten die Basis f&#252;r   eine Widerstandsbewegung sein, die auch eine politische Perspektive auf   eine konkrete Alternative zur K&#252;rzungspolitik vertritt.<\/p>\n<h4>  Die wichtigste Partei im Linksb&#252;ndnis SYRIZA, Synaspismos, hat sich   k&#252;rzlich gespalten. Schw&#228;cht das die Linke in Griechenland?<\/h4>\n<p>  Im Gegenteil, ist die Abspaltung des rechten Fl&#252;gels aus Synaspismos und   SYRIZA eine Chance, um in diesen Organisationen eine politische Kl&#228;rung   herbei zu f&#252;hren, das Programm zu sch&#228;rfen und sie aufzubauen. SYRIZA   hatte im Fr&#252;hjahr 2008, nach den Dezembertagen der Jugendrevolte, in   Meinungsumfragen bis zu 18,5 Prozent. Diese Unterst&#252;tzung wurde durch   die F&#252;hrung verspielt, weil sie keinen klaren und k&#228;mpferischen Kurs   eingeschlagen hat. Verantwortlich daf&#252;r waren nicht zuletzt die   Abgeordneten des rechten Fl&#252;gels von Synaspismos, die auf eine Koalition   mit PASOK orientieren. Diese sind nun gegangen und haben mit der   Demokratischen Linken eine neue Partei gegr&#252;ndet. Solche Spaltungen sind   aber in Wirklichkeit Chancen und keine Schw&#228;chung. Doch automatisch   werden Synaspismos und SYRIZA sich jetzt nicht weiter nach links   entwickeln. Dazu muss in ihren Reihen gek&#228;mpft werden, was wir von   Xekinima auch tun.<\/p>\n<h4>  Wie wird es in Griechenland weiter gehen?<\/h4>\n<p>  51 Prozent der Menschen sagen, dass sie bereit sind an einer Revolte   teilzunehmen. Griechenland wird explodieren und die meisten Arbeiter   haben beim letzten Generalstreik die Haltung zum Ausdruck gebracht: Im   September kommen wir wieder!<\/p>\n<p>  Das Land kann in eine Situation geraten, wie Argentinien vor zehn   Jahren, als es einen Generalstreik nach dem anderen gab und innerhalb   weniger Tage mehrere Pr&#228;sidenten gest&#252;rzt wurden und das Land seinen   Schuldendienst vor&#252;bergehend einstellte. Die Bewegung ist noch lange   nicht zu Ende und wir m&#252;ssen uns auf den Aufbau von Aktionskomitees, auf   das Pl&#252;ndern von Superm&#228;rkten und Jugendrevolten einstellen.<\/p>\n<p>  Entscheidend wird sein, ob aus diesen Mobilisierungen heraus eine   sozialistische Kraft entstehen wird, die eine tats&#228;chliche und klare   Alternative formuliert. Wichtig wird auch sein, den Kampf mit einer   internationalen Perspektive zu f&#252;hren. Der Internationalismus ist im   Bewusstsein der griechischen Arbeiterklasse in diesem Jahr stark   gestiegen. Der europ&#228;ische Aktionstag am 29. September bietet eine gute   Chance das mit Leben zu f&#252;llen. Doch dazu m&#252;ssen die   Gewerkschaftsf&#252;hrungen in ganz Europas unter Druck gesetzt werden, dass   es nicht nur in Spanien und Griechenland einen Generalstreik und eine   Demonstration in Br&#252;ssel geben wird, sondern daraus ein europaweiter   Streik- und Protesttag mit m&#246;glichst vielen Generalstreiks und   Arbeitsniederlegungen wird. Daf&#252;r werden sich die Sektionen des Komitees   f&#252;r eine Arbeiterinternationale &#252;berall einsetzen.<\/p>\n<h5>  <i>Das Gespr&#228;ch f&#252;hrte Sascha Stanicic. <\/i><\/h5>\n<h5>  <i>Das Interview erschien erstmals am 16.8.2010 in der Printausgabe des   Magazins sozialismus.imfo. <\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Andros Payiatsos, Generalsekret&#228;r der marxistischen<br \/>\n      Organisation Xekinima in Griechenland, &#252;ber die Folgen der Krise und den<br \/>\n      Widerstand der ArbeiterInnen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[258],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13827"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13827\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}