{"id":13819,"date":"2010-08-16T11:00:00","date_gmt":"2010-08-16T11:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13819"},"modified":"2010-08-16T11:00:00","modified_gmt":"2010-08-16T11:00:00","slug":"13819","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13819\/","title":{"rendered":"&#220;berschwemmungen in Pakistan: eine Katastrophe ungeahnten Ausma&#223;es"},"content":{"rendered":"<p>  14 Millionen Menschen betroffen, &#252;ber 1.500 Tote, Tausende hungern &#8211;   mangelhafte Reaktion der Regierung und Inkompetenz verschlimmern die   Situation<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Laut der UN brauchen sechs Millionen Menschen dringend Hilfe zum   &#220;berleben. Sie k&#246;nnen ohne notwendige Hilfe und Unterst&#252;tzung nicht   &#252;berleben. Die UN hat eine der gr&#246;&#223;ten Hilfsaktionen ihrer Geschichte   angek&#252;ndigt. Nach dem Tsunami im indischen Ozean bekamen etwa f&#252;nf   Millionen Menschen Unterst&#252;tzung von der UN, w&#228;hrend die gesch&#228;tzten   300.000 zerst&#246;rten H&#228;user in Pakistan in der Gr&#246;&#223;enordnung der Zahlen   des verheerendn Erdbebens in Haiti liegen.<\/p>\n<h4>  <i>von Khalid Bhatti, Kampagne f&#252;r Gewerkschaftsrechte (TURCP) und   Generalsekret&#228;r der Sozialistischen Bewegung Pakistan (CWI in Pakistan) <\/i><\/h4>\n<p>  Allerdings ist nach Zahlen der Katastrophenschutzbeh&#246;rde (NDMA) die   Zerst&#246;rung in Pakistan viel gr&#246;&#223;er als bisher angenommen. Nach   NDMA-Angaben sind bisher insgesamt 11 Millionen Menschen betroffen,   750.000 H&#228;user in 8.604 D&#246;rfern sind besch&#228;digt oder zerst&#246;rt. Die   gr&#246;&#223;ten Sch&#228;den sind in den acht Distrikten der Provinz Khyber   Pakhtunkhwa und sieben Distrikten der Provinz Punjab entstanden. Bisher   sind auch vier Distrikte der Provinz Sindh und einige Gebiete in   Kaschmir, Belutschistan und Gilgit-Baltistan betroffen.<\/p>\n<p>  Hunderttausende Menschen, darunter Kinder, Alte und Frauen, leben unter   freiem Himmel ohne irgendeinen Unterstand oder Zelte. Sie sind   einerseits mit sehr hei&#223;em und feuchtem Wetter und andererseits mit   str&#246;mendem Regen konfrontiert. Der Regen macht die Situation noch   schlimmer. Tausende Menschen sitzen seit Tagen zwischen Wassermassen   fest, ohne sauberes Trinkwasser oder Nahrung.<\/p>\n<p>  Die Infrastruktur ist ebenfalls betroffen, Br&#252;cken, Schulen,   Krankenh&#228;user, Stra&#223;en und Kommunikationsm&#246;glichkeiten wurden vernichtet.<\/p>\n<p>  Die von den j&#252;ngsten &#220;berschwemmungen verursachte Zerst&#246;rung ist   beispiellos. Neben der unmittelbaren Ausl&#246;schung von Menschenleben und   der Zerst&#246;rung &#246;ffentlichen und privaten Eigentums k&#246;nnten die gesamten   Auswirkungen der Katastrophe viel gr&#246;&#223;er und weitreichender sein, als   momentan eingesch&#228;tzt werden kann. Kurzfristig werden Nahrungsmangel,   &#220;berflutung der Felder und hohe Essenspreise wahrscheinlich alle Armen   und ArbeiterInnen betreffen.<\/p>\n<h4>  Schwache Reaktion<\/h4>\n<p>  Die durch die &#220;berschwemmung verursachte Zerst&#246;rung ist &#252;berall im Land   sichtbar. Mehr als 1.500 Menschen sind ums Leben gekommen,   hunderttausende Familien sind jetzt obdachlos, Felder und Besitz im Wert   von Milliarden Rupien wurden zerst&#246;rt. Die Regierung behauptet, die   Zerst&#246;rung sei Folge einer Naturkatastrophe, aber in Wirklichkeit w&#228;ren   die Sch&#228;den nicht so gro&#223;, wenn die Herrschenden und die zust&#228;ndigen   Beh&#246;rden versucht h&#228;tten etwas zu unternehmen, um die Situation zu   verbessern.<\/p>\n<p>  Pakistan erlebt die gr&#246;&#223;te Flutkatastrophe seiner Geschichte.   Katastrophal ist auch die vollkommen unzureichende Reaktion des Staates   auf das Ereignis, die viele vermeidbare Todesf&#228;lle verursacht hat. Es   scheint, dass trotz wiederholter Katastrophen die staatlichen   Institutionen wenig aus den Erfahrungen gelernt haben. Die   Katastrophenschutzberh&#246;rde (NDMA), die gegr&#252;ndet wurde um mit   Naturkatastrophen und Notsituationen umzugehen ist gescheitert. In der   NDMA fehlen Ausbildung und Planung, um mit solchen Situationen umgehen   zu k&#246;nnen. Die mangelnde Bereitschaft und Reaktion der NDMA in der   aktuellen Katastrophe ist selbst zu einer nationalen Katastrophe   geworden. Diese Einrichtung wurde nach dem verheerenden Erdbeben 2005   gegr&#252;ndet. Sie wurde zun&#228;chst von einem Armeegeneral geleitet. Der   aktuelle Leiter ist ein Ex-General. Es stellt sich die Frage, wie eine   so wichtige Einrichtung erwartet Herausforderungen begegnen zu k&#246;nnen,   wenn sie noch nicht einmal Ausr&#252;stung und Ger&#228;te f&#252;r Rettungseins&#228;tze   anschafft und durch Mangel an Geld und ausgebildeten Kr&#228;ften behindert   wird.<\/p>\n<p>  Ob Erdbeben, Zyklone in K&#252;stengebieten, Erdrutsche und die Bildung eines   Sees im Gebiet von Attabat in Gilgit oder der Flugzeugabsturz von Margla   &#8211; &#252;ber viele Jahre hat sich die F&#228;higkeit des Staates Katastrophen zu   begegnen stetig verschlechtert. Sensibilit&#228;t gegen&#252;ber den Opfern und   eine Vision, um ihre Probleme zu beheben fehlen v&#246;llig. Die   unvermeidliche und eindeutige Botschaft, die bei den Menschen ankommt,   ist, dass sie auf sich allein gestellt sind und f&#252;r sich selbst k&#228;mpfen   m&#252;ssen. Andererseits haben die einfachen Leute einen bemerkenswertes Ma&#223;   an Solidarit&#228;t und Ausdauer gezeigt und eine Katastrophe nach der   Anderen &#252;berstanden.<\/p>\n<p>  Es ist bemerkenswert, dass der Wetterdienst die Beh&#246;rden dar&#252;ber   informiert hatte, dass in der Monsunzeit extreme Regenf&#228;lle erwartet   wurden. Die MeteorologInnen sagten auch voraus, dass der Regen in den   Einzugsgebieten der gr&#246;&#223;ten Fl&#252;sse starke &#220;berschwemmungen verursachen   k&#246;nnte. Aber unverst&#228;ndlicherweise machten sich nach diesen Voraussagen   die betreffenden Beh&#246;rden nicht die M&#252;he, irgendwelche Vorsorgema&#223;nahmen   zu treffen. Der Grund ist sehr einfach: die erwarteten Opfer waren die   Armen und die arbeitenden Massen und nicht die &#8222;Eliteklasse Pakistans&#8220;.   Jetzt hat der Premierminister selbst zugegeben, dass die Regierung den   Fehler gemacht hat die Bev&#246;lkerung nicht rechtzeitig &#252;ber die Flutgefahr   zu informieren. Viele Ma&#223;nahmen h&#228;tten vorsorglich ergriffen werden   k&#246;nnen, um die Sch&#228;den zu begrenzen. Aber die B&#252;rokraten in ihren   komfortablen B&#252;ros mit Klimaanlagen haben ihre desinteressierte,   besch&#228;mende Haltung gegen&#252;ber den Arbeitenden und den Armen erneut   gezeigt. Die &#8222;Anstrengungen&#8220; unserer Herrschenden, der gro&#223;en Parteien,   Unternehmen und staatlichen Einrichtungen werden nur zur F&#246;rderung ihrer   eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt. Die Zentralregierung und   die Provinzregierungen haben die Unterst&#252;tzungs- und Rettungsarbeiten   erst sp&#228;t und ohne ausreichende Planung begonnen. Die zivile B&#252;rokratie   hat wieder ihre Unf&#228;higkeit und ihr Desinteresse an Hilfsma&#223;nahmen   gezeigt. Das Scheitern der zivilen B&#252;rokratie und der PolitikerInnen hat   Betroffene erneut gezwungen bei der Armee nach Hilfe und Rettung zu   suchen. Das Milit&#228;r ist die zentrale Kraft bei den   Unterst&#252;tzungsma&#223;nahmen. Die Armee konnte ihr besch&#228;digtes Image dadurch   verbessern.<\/p>\n<h4>  Profite vor Menschen<\/h4>\n<p>  Gro&#223;unternehmen, die Industriellen, Banken und Gro&#223;h&#228;ndler bereiten sich   darauf vor, die Katastrophe vollkommen f&#252;r ihren eigenen Vorteil   auszunutzen. Sie haben die Preise f&#252;r Nahrungsmittel, Waren des   t&#228;glichen Bedarfs, Gem&#252;se und Obst erh&#246;ht. Es gibt eine Flut von   Preiserh&#246;hungen im Land. Zucker kostet jetzt 74 statt 62 Rupien pro kg.   Die Preise f&#252;r Gem&#252;se sind fast um 100 Prozent gestiegen. Tee ist um 30   Prozent teurer geworden. Die Preise f&#252;r Trockenmilch, abgepackte Milch   und Linsen wurden ebenfalls erh&#246;ht. Die Zentralbank hat Zinss&#228;tze erh&#246;ht   um Kredite teurer zu machen. Transportunternehmen haben die Preise f&#252;r   LKWs und andere M&#246;glichkeiten des Warentransports erh&#246;ht. In manchen   Flutgebieten wurden Menschen gezwungen, 300 bis 400 Prozent mehr zu   bezahlen, um ihren Besitz zu transportieren. Beim Personenverkehr ist   die Situation &#228;hnlich. Die Menschen f&#252;rchten mehr Preiserh&#246;hungen, weil   der Ramadan begonnen hat. Die Preise mancher Nahrungsmittel sind sogar   in England und anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern niedriger, als in Pakistan.   Die Regierung hat bereits die Kontrolle &#252;ber Preismechanismen verloren.   Die freie Marktwirtschaft bedeutet Freiheit f&#252;r Gro&#223;unternehmen, w&#228;hrend   Millionen von ArbeiterInnen und Armen leiden. Die Unf&#228;higkeit der   Regierung, Preise zu kontrollieren, und die Riesenprofite f&#252;r eine   Handvoll Reiche werden die Leben der bereits betroffenen Menschen noch   unertr&#228;glicher machen. Die Gier nach Superprofiten wird die Preise f&#252;r   Nahrung und andere K&#252;chengegenst&#228;nde weiter erh&#246;hen. Sogar f&#252;r Familien   aus der Mittelschicht wird es schwer, die st&#228;ndig steigenden   Essensausgaben zu zahlen. Wieder einmal zeigt sich, dass der   Kapitalismus ein System ist, das auf Profiten basiert und nicht auf den   Bed&#252;rfnissen der Bev&#246;lkerung. Unter dem Kapitalismus werden die Menschen   weiter unter dem Elend und der Zerst&#246;rung sowohl nat&#252;rlicher als auch   von Menschen verursachter Katastrophen leiden. Die arbeitenden Massen   leiden unter dem vom Kapitalismus verursachten Elend. Es gibt genug   Ressourcen, um den betroffenen Menschen zu helfen, aber ihre faire und   gleiche Verteilung ist notwendig. Diese ist auf kapitalistischer   Grundlage nicht m&#246;glich. Der Sozialismus wird gebraucht, um dringend   ben&#246;tigte Ressourcen zur Verf&#252;gung zu stellen. Eine sozialistische   Planwirtschaft ist notwendig, um die derzeitige Katastrophe zu beenden   und weitere Katastrophen zu verhindern. Die Verstaatlichung der   Gro&#223;industrie, der Banken, Versicherungen und anderer wichtiger   Wirtschaftszweige unter der demokratischen Kontrolle der ArbeiterInnen   ist das Gebot der Stunde.<\/p>\n<h4>  Seuchengefahr<\/h4>\n<p>  Nachdem die &#220;berschwemmungen weit verbreitet Tod und Zerst&#246;rung gebracht   haben, stehen die Menschen in den betroffenen Gebieten jetzt vor einer   neuen Bedrohung: Epidemien. In Anbetracht der Situation vor Ort ist die   Verbreitungvon durch Wasser &#252;bertragener Krankheiten ein ernsthaftes   Problem. Berichten zufolge wurden in einigen Distrikten von Sindh   tausende PatientInnen wegen verschiedener Infektionskrankheiten   behandelt. Berichte aus Khyber Pakhtunkhwa weisen darauf hin, dass &#252;ber   100.000 Menschen, &#252;berwiegend Kinder, unter Durchfall und   Gastroenteritis leiden. Hautkrankheiten und andere Leiden verbreiten   sich in den &#220;berschwemmungsgebieten, haupts&#228;chlich durch kontaminiertes   Trinkwasser. Solche Krankheiten k&#246;nnen sich auch in andere Gebiete   ausbreiten. Wenn die Regierung, und besonders das   Gesundheitsministerium, den Opfern nicht gen&#252;gend medizinische   Einrichtungen zur Verf&#252;gung stellt, wird in diesen Gebieten eine neue   Krise entstehen. Sauberes Trinkwasser und sanit&#228;re Einrichtungen sind   ebenfalls notwendig um die Verbreitung der Krankheiten zu stoppen.<\/p>\n<h4>  ArbeiterInnen- und B&#228;uerInnenhilfskomitees<\/h4>\n<p>  Die betroffenen ArbeiterInnen, B&#228;uerInnen und Armen in den St&#228;dten und   auf dem Land k&#246;nnen sich nicht auf die staatlichen Institutionen und   Regierungsfunktion&#228;re verlassen. Es ist notwendig, Arbeiter- und   Bauernkomitees zu bilden um die Hilfsaktionen und sp&#228;ter die   Wiederaufbauarbeiten durchzuf&#252;hren. Die Komitees m&#252;ssen den betroffenen   Menschen gegen&#252;ber rechenschaftspflichtig sein. Die Komitees sollten f&#252;r   die Hilfs- und Rettungsaktionen in ihren Gebieten verantwortlich sein.   Sie m&#252;ssen transparent und demokratisch arbeiten. Repr&#228;sentative   Distriktkomitees sollten ebenfalls gebildet werden um die Arbeit auf   Distriktebene zu koordinieren.<\/p>\n<p>  Die Progressive ArbeiterInnenf&#246;deration und die Kampagne f&#252;r   Gewerkschaftsrechte haben bereits auf nationaler Ebene ein   ArbeiterInnenhilfskomitee gegr&#252;ndet. Viele landesweite und regionale   Gewerkschaften beteiligen sich an den Komitees. Im Moment f&#252;hren wir   Hilfskampagnen in verschiedenen Teilen des Landes durch. Wir rufen alle   Gewerkschaften und sozialen Bewegungen auf, zusammen zukommen und den   betroffenen Menschen zu helfen, von denen die meisten B&#228;uerInnen und   ArbeiterInnen sind. Bisher haben wir mehr als einhundert Menschen   geholfen. Viele mehr brauchen unsere Solidarit&#228;t und Unterst&#252;tzung zum   &#220;berleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      14 Millionen Menschen betroffen, &#252;ber 1.500 Tote, Tausende hungern &#8211;<br \/>\n      mangelhafte Reaktion der Regierung und Inkompetenz verschlimmern die<br \/>\n      Situation\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13819"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13819"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13819\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}