{"id":13812,"date":"2010-08-05T13:22:19","date_gmt":"2010-08-05T13:22:19","guid":{"rendered":".\/?p=13812"},"modified":"2010-08-05T13:22:19","modified_gmt":"2010-08-05T13:22:19","slug":"13812","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13812\/","title":{"rendered":"Neue Stufe des Protests gegen Stuttgart 21"},"content":{"rendered":"<p>  Vom Protest gegen die Bauzaun-Errichtung zum Protest gegen den Abriss<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Wie bereits berichtet, wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag ein   Bauzaun um den Nordfl&#252;gel des Stuttgarter Hauptbahnhofs errichtet.   Bisher wurden noch keine Abrissarbeiten begonnen. Da nach der Besetzung   des Nordfl&#252;gels am 26. Juli die Fenster zugenagelt wurden, sieht man von   au&#223;en nicht, was im Innern m&#246;glicherweise passiert. Nach Ger&#252;chten soll   der Abriss Mitte August beginnen. <\/b><\/p>\n<h4>  <b><i>von Wolfram Klein, Stuttgart <\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Am fr&#252;hen morgen des Dienstag wurde ein weiterer Bauzaun auf dem Gel&#228;nde   des ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhofs (der seit einigen Monaten auf   zwei Provisorien in Vororten von Stuttgart verteilt ist) errichtet. Der   Bauzaun am Nordfl&#252;gel wurde inzwischen von den Stuttgart-21-GegnerInnen   in eine Infowand voller Plakate, Zettel etc. verwandelt, mit Infos &#252;ber   den Protest und wenig schmeichelhaften Kommentaren zu Stuttgart 21 (z.B.   wird die geplante Bahnhofzerst&#246;rung mit der Zerst&#246;rung der afghanischen   Buddha-Statuen durch die Taliban verglichen).<\/p>\n<h4>  <b>Massenproteste<\/b><\/h4>\n<p>  Von Freitag bis Sonntag gab es jeden Abend Proteste von mehreren Tausend   Menschen (und einen etwas kleineren Protest mit etwa zweitausend   Menschen am Samstag Mittag) mit Spontandemos und Stra&#223;enblockaden. Die   Menschen zogen durch die Innenstadt, gingen ins Rathaus, vor den Landtag   &#8211; wen interessiert eine Bannmeile?<\/p>\n<p>  Am Montag gab es die 37. und bisher mit 6.000 TeilnehmerInnen (trotz   teilweise str&#246;mendem Regens) gr&#246;&#223;te Montagsdemo gegen Stuttgart 21. Im   Anschluss an die Kundgebung gab es einen Demonstrationszug zum Amtssitz   von Stuttgart-21-Projektleiter Hany Azer. Dort wurde die Demonstration   offiziell aufgel&#246;st. Also gab es eine Spontandemonstration zur&#252;ck zum   Bahnhof. Dort entwickelte sich nach wenigen Minuten eine Stra&#223;enblockade   und bald zog ein Demonstrationszug mit gut Tausend TeilnehmerInnen &#252;ber   die Theodor-Heuss-Stra&#223;e, weiter zum Schlossplatz und &#252;ber die   K&#246;nigsstra&#223;e (Fu&#223;g&#228;ngerzone, sonst f&#252;r Demonstrationen tabu), durchs   Bahnhofsgeb&#228;ude zur&#252;ck zum Nordausgang.<\/p>\n<p>  Bei dieser Spontandemo und teilweise schon am Wochenende spielte die   &#8222;Jugendoffensive gegen Stuttgart 21&#8220; eine wichtige Rolle und half   wesentlich mit, dass sie eine laute, k&#228;mpferische Massenaktion mit   politischen Parolen war.<\/p>\n<p>  Am Mittwoch waren erneut weit &#252;ber Tausend Menschen vor dem   HBF-Nordfl&#252;gel. Um 19.00 Uhr gab es einen &#8222;Schwabenstreich&#8220; (seit 28.   Juli machen auf Initiative des Schauspielers Walter Sittler und des   Regisseurs Volker L&#246;sch AktivistInnen jeden Tag um 19.00 Uhr einen   &#8222;Schwabenstreich&#8220;, das hei&#223;t sie machen eine Minute lang L&#228;rm). Dann   blieben Hunderte Menschen eine Stunde lang am Nordausgang, studierten   die Infowand (alias Bauzaun), unterhielten sich mit einander, bis um 20   Uhr eine Veranstaltung begann: prominente Architekten, Denkmalsch&#252;tzer,   der ehemalige Chef des Stuttgarter Hauptbahnhofs referierten &#252;ber die   architektonischen und sonstigen Qualit&#228;ten des jetzigen Hauptbahnhofs.   Stuttgart d&#252;rfte gegenw&#228;rtig die einzige Stadt weltweit sein, in der so   ein Thema Tausende von Menschen anzieht. Der Ablauf der Veranstaltung   war aber nicht so &#8222;bildungsb&#252;rgerlich&#8220;, wie es seine Thematik vielleicht   erwarten lie&#223;. Die Statements wurden immer wieder durch Pfeifkonzerte,   Beifallsst&#252;rme oder Sprechch&#246;re unterbrochen, je nachdem, ob die Redner   die Abrisspl&#228;ne erw&#228;hnten oder bekr&#228;ftigten, dass man den Abriss   verhindern werde, ob sie &#252;ber den Neubau der Landesbank   Baden-W&#252;rttemberg neben dem Bahnhof und den geplanten neuen Bahnhof und   seine Macher herzogen oder den jetzigen Bahnhof lobten<\/p>\n<p>  F&#252;r Samstag (7. August) um 19.00 Uhr ist eine erneute   Massendemonstration angek&#252;ndigt. Diese Massenproteste waren und sind   ungeheuer wichtig. Sie haben bewirkt, dass die Errichtung des Bauzauns   nicht etwa zu Demoralisierung gef&#252;hrt hat, sondern das   Selbstbewusstsein, die Entschlossenheit und die Bereitschaft zu zivilem   Ungehorsam bei Tausenden AktivistInnen weiter gestiegen sind.<\/p>\n<h4>  St&#228;ndig zus&#228;tzliche Argumente<\/h4>\n<p>  Dazu kommt, dass immer wieder neue Fakten die Kritiker best&#228;tigen:<\/p>\n<p>  Diese Woche wurde bekannt, dass Finanzb&#252;rgermeister F&#246;ll Mitglied in dem   im Juli gebildeten Beirat der Baufirma &#8222;Wolff &amp; M&#252;ller&#8220; ist, derselben   Firma, die den Zuschlag f&#252;r den Abriss des HBF-Nordfl&#252;gels erhielt. Das   best&#228;tigt einmal mehr, dass Stuttgart 21 von einer Mafia aus Politikern   und von dem Projekt profitierenden Unternehmen vorangetrieben wird.<\/p>\n<p>  Das &#8222;Handelsblatt&#8220; berichtete am Dienstag, dass der Bund aus Geldmangel   bis auf Weiteres neue Verkehrs-Bauprojekte nicht beginnen will. Das   best&#228;tigt den Vorwurf, dass Stuttgart 21 sinnvolle Verkehrsprojekte   &#8222;kannibalisiert&#8220;, und ist ein weiterer Grund, das nur zum Schein bereits   begonnene Stuttgart 21 sofort zu stoppen.<\/p>\n<h4>  Wir m&#252;ssen noch mehr werden<\/h4>\n<p>  Aber trotz allem wird der bisherige Kreis von AktivistInnen nicht   ausreichen, wenn die Stuttgart-21-Mafia ernsthaft mit dem Abriss des   Nordfl&#252;gels beginnen will. Die gro&#223;e Mehrheit in Stuttgart ist gegen das   Projekt. Entscheidend wird sein, dass sich ein gr&#246;&#223;erer Teil dieser   Mehrheit an Massenprotesten beteiligt.<\/p>\n<p>  Deshalb ist die &#8222;Jugendoffensive gegen Stuttgart 21&#8220; am Dienstag durch   die K&#246;nigsstra&#223;e und den Schlossgarten gezogen, hat in wenigen Stunden   1000 Flugbl&#228;tter v.a. an Jugendliche verteilt und mit Kreideparolen auf   dem Boden und Plakaten an vom Abholzen bedrohten Parkb&#228;umen noch einmal   auf die Folgen von Stuttgart 21 aufmerksam gemacht.<\/p>\n<p>  Gut ist auch, dass die unabh&#228;ngige Betriebszeitung Alternative im   Daimler-Werk Untert&#252;rkheim in ihrer Ausgabe vom 5. August f&#252;r die   Demonstration am 7. August Werbung macht. Der Cannstatter Aktionskreis   gegen Stuttgart 21 will am 6. August ausf&#252;hrlicheres   Informationsmaterial vor dem Daimler-Werk verteilen. Das sind   ausgezeichnete Initiativen. Was w&#228;re erst m&#246;glich, wenn die IG Metall,   die seit einigen Monaten Stuttgart 21 offiziell ablehnt, ihre Ressourcen   f&#252;r die Mobilisierung zu den Protesten gegen Stuttgart 21 nutzen w&#252;rde?   Die SAV Stuttgart hat ein neues Faltblatt zu Stuttgart 21 erstellt, in   dem sie die Gewerkschaften auffordert, auch gewerkschaftliche   Kampfmittel wie Streiks gegen Stuttgart 21 einzusetzen. Das w&#252;rde es   erm&#246;glichen, sich wirklich zu Zehntausenden dem Abriss in den Weg zu   stellen. Die Idee eines &#8222;Aufstands&#8220; gegen Stuttgart 21, die seit Monaten   in Stuttgart kursiert, w&#252;rde Wirklichkeit werden. Das w&#252;rde Stuttgart 21   auch f&#252;r die verbohrtesten Politiker nicht durchsetzbar machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vom Protest gegen die Bauzaun-Errichtung zum Protest gegen den Abriss\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[56,58,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13812"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13812"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13812\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13812"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}