{"id":13797,"date":"2010-08-26T00:00:00","date_gmt":"2010-08-26T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13797"},"modified":"2010-08-26T00:00:00","modified_gmt":"2010-08-26T00:00:00","slug":"13797","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13797\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Leute raus &#8211; Mieten hoch &#8211; bumm &#8211; ganz normal, Kapitalismus oder \r\n      wie sagt man&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Gentrification &#224; la Hamburg-St. Pauli<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Das Zitat &#252;ber den Hamburger Stadtteil St. Pauli aus dem Film &#8222;Empire   St. Pauli&#8220; k&#246;nnte es treffender nicht ausdr&#252;cken. Seit Jahren werden &#8211;   nicht nur &#8211; in Hamburg ehemalige Arbeiter- und Armutsbezirke, zumeist in   innerst&#228;dtischer Lage, schick und teuer gemacht, im Fachjargon   &#8222;gentrifiziert&#8220;.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Linda Fischer, Hamburg<\/i><\/h4>\n<p>  Vor 20 Jahren galt St. Pauli als &#8222;Armutsstadtteil&#8220;, dies hat sich rasant   gewandelt. Die Mieten kletterten in den letzen 15 Jahren von 7,70 Euro   auf &#252;ber elf Euro. Die logische Folge ist, dass die &#228;rmeren   Bev&#246;lkerungsschichten verdr&#228;ngt werden. MigrantInnen sind meist die   ersten, die &#8222;gehen m&#252;ssen&#8220;. Der Anteil der BewohnerInnen ohne deutschen   Pass ist zum Beispiel von &#252;ber 40 Prozent Mitte der neunziger Jahre auf   27,1 Prozent gesunken. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die SAGA, das   st&#228;dtische Wohnungsunternehmen in Hamburg, bei ihrer Bewerberauswahl auf   den Nachnamen schaut (Yilmaz = aussortiert).<\/p>\n<h4>  Wohnen &#8211; mehr als nur ein Dach &#252;ber den Kopf?<\/h4>\n<p>  Durch das gestiegene Image des Stadtteils werden Unternehmen angezogen   und exklusive B&#252;ro- und Wohnh&#228;user neu gebaut. Kleine, g&#252;nstige   Gesch&#228;fte werden durch teure Lokale ersetzt, Freir&#228;ume kommerzialisiert.   F&#252;r die (ehemaligen) Bewohner hat dies dramatische Folgen: Eine Frau   lebte seit vielen Jahren in St. Pauli, erz&#228;hlte von einem gro&#223;en   Zusammenhalt unter den Nachbarn. Als sie arbeitslos wurde, ihre Kinder   auszogen, war die Wohnung f&#252;r Hartz IV zu gro&#223;. Eine kleinere,   bezahlbare Wohnung in St. Pauli gab es nicht mehr. Nun wohnt sie, wie   viele, in einem anderen, anonymen Stadtteil.<\/p>\n<p>  Noch ein Beispiel: Es gab eine Kneipe, die war (wie einige weitere   Gastst&#228;tten) f&#252;r viele G&#228;ste gesellschaftlicher Treffpunkt, manchmal   Sozialstation. Die Wirtin half beim Ausf&#252;llen der Amtsantr&#228;ge. Das Haus   wurde abgerissen, die Kneipe ist nun weg, und damit &#8222;das Wohnzimmer&#8220;   vieler G&#228;ste.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig sind viele Gro&#223;wohnsiedlungen in verschiedenen Gebieten von   Hamburg heute durch leer stehende Gesch&#228;fte gepr&#228;gt, soziale und   kulturelle Einrichtungen, Schulen machen dicht, da ihnen die Gelder   gek&#252;rzt werden. Das ist paradox: St. Pauli wird dir genommen, da du dir   den Stadtteil nicht mehr leisten kannst, und in vielen anderen   Stadtteilen entsteht &#8222;Wohnqualit&#228;t&#8220; erst gar nicht.<\/p>\n<h4>  Ursachen<\/h4>\n<p>  Es hei&#223;t, Gentrifizierung beginnt mit den &#8222;Pionieren&#8220; (K&#252;nstler,   Alternative), die in ein Gebiet ziehen, da es g&#252;nstig und zentral ist.   Der Stadtteil wird dadurch f&#252;r andere Gruppen interessant. Doch das   Problem sind nicht die &#8222;Pioniere&#8220;, sondern der Kapitalismus: Das   essenzielle Bed&#252;rfnis &#8222;Wohnen&#8220; wird zur Ware. &#220;ber die H&#246;he der Miete   entscheidet nicht das Konto des Mieters, und &#252;ber Investitionen   entscheidet die &#8222;Wirtschaftlichkeit&#8220;.<\/p>\n<p>  Oft wird erst die Infrastruktur &#252;ber Jahrzehnte vernachl&#228;ssigt, um dann   durch neue Investitionen steigende Grundst&#252;ckswerte und Mieten zu   erzielen. Die SAGA hat zum Beispiel in Wohnh&#228;user so lange nicht   investiert, bis diese bauf&#228;llig und abgerissen wurden, um sie durch   teurere zu ersetzen.<\/p>\n<p>  Die Politiker sind dabei treibende Kraft: &#8222;Die K&#252;nstler kommen zuerst,   dann wird der Stadtteil aufgewertet. Gentrifiziert&#8220;, so der   Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, Markus Schreiber (SPD) &#252;ber seine   Arbeit.<\/p>\n<h4>  Widerstand<\/h4>\n<p>  Es regt sich in vielen St&#228;dten Widerstand, leider meist personell,   thematisch und r&#228;umlich auf die &#8222;Szenegebiete&#8220; begrenzt. Es wird oft   nicht geschafft, eine allgemeine Bewegung f&#252;r bezahlbaren und   lebenswerten Wohnraum voranzutreiben. In Hamburg gibt es auch breitere   Ans&#228;tze, wie eine Mieterinitiative von SAGA-MieterInnen, die sich gegen   Mieterh&#246;hungen wehren. Wenn beispielsweise kollektiv beschlossen w&#252;rde,   einen Mietboykott zu organisieren, k&#246;nnte gro&#223;er Druck auf die   Wohnungsunternehmen ausge&#252;bt werden. Wenn sich diese Bewegung dann mit   Protesten gegen andere K&#252;rzungen zusammentun w&#252;rde, lie&#223;e sich umso mehr   Durchschlagskraft erreichen.<\/p>\n<p>  Gefordert werden sollte: Alle Wohnungen in &#246;ffentliches Eigentum,   kontrolliert und verwaltet durch die MieterInnen! Keine Miete h&#246;her als   20 Prozent des Einkommens! F&#252;r ein &#246;ffentliches Investitionsprogramm in   den Stadtteilen zum Ausbau der kulturellen, sozialen, infrastrukturellen   Einrichtungen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gentrification &#224; la Hamburg-St. Pauli\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[228],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13797"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13797"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13797\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}