{"id":13793,"date":"2010-08-11T00:00:00","date_gmt":"2010-08-11T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13793"},"modified":"2010-08-11T00:00:00","modified_gmt":"2010-08-11T00:00:00","slug":"13793","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/08\/13793\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir brauchen einen hei&#223;en Herbst und einen hei&#223;en Winter.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Viktor Egio (Mitglied der Gruppe La Chispa und im CWI in   Spanien)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Spanien geh&#246;rt zu den am h&#228;rtesten von der Krise betroffenen L&#228;ndern.   Wie ist die Situation?<\/h4>\n<p>  Die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch, wie in den anderen   europ&#228;ischen L&#228;ndern. Man merkt es sofort, wenn man nach Spanien kommt.   Die Arbeitslosen stehen bis zu einen Kilometer vor dem Arbeitsamt und ab   10 Uhr sind die Stra&#223;en voll. Das ging bei uns sehr schnell. Noch vor   zwei Jahren war die Arbeitslosigkeit bei 8 Prozent. Unter Jugendlichen   bis 25 Jahren sind es heute mehr als 40 Prozent. Ein Grund f&#252;r den   schnellen Anstieg war das hohe Ausma&#223; an befristeter Besch&#228;ftigung. Die   Unternehmer haben sehr schnell eine Million Besch&#228;ftigte fast ohne   Arbeitslosengeld auf die Stra&#223;e geschmissen.<\/p>\n<h4>  Welche Auswirkungen hat die Schuldenkrise auf Spanien?<\/h4>\n<p>  Die Frage der Schulden ist nat&#252;rlich eine relative. Vieles h&#228;ngt jetzt   an den Rating-Agenturen. Morgens muss man Economist oder New York Times   lesen, um zu wissen, was im eigenen Land los ist. Das finde ich seltsam.   Die Unternehmer und ihre Regierung benutzen den Druck der   Rating-Agenturen vor allem um ihre Politik durchzusetzen.<\/p>\n<h4>  Die spanische Regierung will k&#252;rzen. Was hat sie vor?<\/h4>\n<p>  Das Paket, dass die Regierung vorschl&#228;gt, betrifft vor allem   Arbeitslose. Selbst die Leute, die jetzt noch arbeiten, werden zuk&#252;nftig   weniger Arbeitslosengeld erhalten, wenn sie rausgeschmissen werden. Im   Moment ist es wegen dem Tourismus noch etwas besser, aber im September   und Oktober wird die Arbeitslosigkeit weiter steigen: Das wird hei&#223;.<\/p>\n<p>  Bisher haben die ArbeiterInnen f&#252;r jedes Jahr Besch&#228;ftigung 45 Tage lang   Arbeitslosengeld bekommen. Wenn man zwei Jahre gearbeitet hat, bekam man   90 Tage lang Arbeitslosengeld. Die Bezugsdauer soll jetzt auf 33 Tage   pro Besch&#228;ftigungsjahr gesenkt werden.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem soll eine Art Elterngeld sowie &#246;ffentliche Investitionen   gek&#252;rzt werden. Dazu gibt es Lohnsenkungen um bis zu 15 Prozent im   &#214;ffentlichen Dienst. Das wird die Wirtschaft wirklich besch&#228;digen und   die Arbeitslosigkeit nicht senken.<\/p>\n<h4>  Was f&#252;r Proteste gab es bisher dagegen?<\/h4>\n<p>  Seit Februar tritt die Vereinigte Linke f&#252;r einen Generalstreik ein. Die   Gewerkschaften haben sehr sp&#228;t reagiert. Erst als die Staatsangestellten   durch die Lohnsenkung betroffen waren, haben sie mobilisiert und den   n&#228;chsten Generalstreik am 29. September ausgerufen.<\/p>\n<p>  Die Regierung hatte die K&#252;rzungen auch extra im Juli ausgerufen. Da ist   es wegen der Urlaubsphase sehr schwierig zu reagieren. Im September gibt   es die besten M&#246;glichkeiten eine gro&#223;e Bewegung zu schaffen. Dann k&#246;nnen   wir wirklich einen hei&#223;en Herbst schaffen.<\/p>\n<p>  Bisher waren vor allem die ArbeiterInnen in Andalusien und im Baskenland   mit einem Generalstreik beteiligt. In Katalonien gab es auch sehr gro&#223;e   Mobilisierungen. Vor allem weil die Regierung versucht hatte, das   Renteneintrittsalter auf 67 anzuheben. Das haben sie aber nicht   geschafft, weil die Gewerkschaften mobilisiert haben.<\/p>\n<p>  Das war wie eine Generalprobe f&#252;r die K&#228;mpfe. Die Gewerkschaftsf&#252;hrungen   mussten von einem Generalstreik reden und dass obwohl sie noch im Mai   gesagt haben, ein Generalstreik w&#252;rde nur die konservative Opposition   st&#228;rken.<\/p>\n<h4>  Was denkst du, wie man das Sparpaket stoppen kann?<\/h4>\n<p>  Ein Generalstreik wird daf&#252;r nicht reichen. Wir brauchen eine   ausdauernde Bewegung, einen hei&#223;en Herbst und einen hei&#223;en Winter. Man   wird noch etwas Zeit brauchen. Auch um das Vertrauen der jungen   ArbeiterInnen zu gewinnen und Strukturen aufzubauen.<\/p>\n<h4>  Welche Rolle spielt denn die Vereinigte Linke im Moment?<\/h4>\n<p>  Sie hat vor zwei Jahren eine gro&#223;e Niederlage bei Wahlen hinnehmen   m&#252;ssen. Die Leitung der Partei wurde deshalb auch abgew&#228;hlt. Sie haben   im Moment nur einen Abgeordneten im Parlament, das ist f&#252;r so eine   Partei, mit der Verankerung sehr wenig.<\/p>\n<p>  Die alte Parteif&#252;hrung wurde als sozialdemokratisch gesehen, sie haben   die Politik der PSOE mitgemacht. In der &#214;ffentlichkeit haben sie sich   wie eine Regierungspartei dargestellt. Das war keine gute Taktik und sie   haben vieles dadurch verloren. Die Kommunistische Partei ist jetzt   wieder st&#228;rker.<\/p>\n<p>  Die Vereinigte Linke hat sich deshalb f&#252;r einen neuen Mann namens   Cayolara entschieden. Er ist etwas diplomatischer. Er hat versucht die   Sozialdemokraten in der Partei nicht sofort rauszuschmei&#223;en, aber daf&#252;r   gesorgt, dass sie an Einfluss verlieren. Das hat man auch wirklich   gemerkt. Seit Februar ist die Vereinigte Linke f&#252;r den Generalstreik   eingetreten. Sie k&#246;nnen ihn nicht selbst organisieren. Das m&#252;ssen die   Gewerkschaften in die Hand nehmen. Sie haben aber Druck daf&#252;r machen   k&#246;nnen. Die Vereinigte Linke erf&#228;hrt gerade eine Wiederbelebung und   Erneuerung. Zum Beispiel wird ein neues Programm diskutiert.<\/p>\n<p>  Sie kommen damit im richtigen Moment und haben auch viel Gl&#252;ck. Die   Krise war in den letzten zwei Jahren sehr gro&#223;. Es kann sogar zu einer   Zunahme von Gewalt kommen und deshalb braucht man eine starke Partei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Viktor Egio (Mitglied der Gruppe La Chispa und im CWI in<br \/>\n      Spanien)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13793"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13793"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13793\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}