{"id":13778,"date":"2010-07-27T00:00:00","date_gmt":"2010-07-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13778"},"modified":"2012-07-17T17:29:20","modified_gmt":"2012-07-17T15:29:20","slug":"13778","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/07\/13778\/","title":{"rendered":"Der &#8222;Sargfighter&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  50 Jahre nach Beginn der Starfighter-Aff&#228;re<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die &#8222;Starfighter-Aff&#228;re&#8220; hat bis heute alle Bestandteile eines   zweitklassigen Krimis: Ein untaugliches Kampfflugzeug f&#252;r Millionen an   Steuergeldern eingekauft, Bestechung, Bedrohung, L&#252;gen, Betrug und   Leichen &#252;ber Leichen<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/h4>\n<p>  Geboren wurde der Lockheed F-104 Starfighter im Korea-Krieg. Die United   States Airfoce machte aufgrund der Erfahrungen mit dem sowjetischen   Jagdflugzeug MiG 15 eine Ausschreibung f&#252;r ein   Hochleistungsjagdflugzeug: Es sollte doppelte Schallgeschwindigkeit   erreichen und jeden Gegner in den Schatten stellen. Die R&#252;stungsschmiede   Lockheed zog den Auftrag an Land und witterte ein Milliardengesch&#228;ft.<\/p>\n<h4>  Fehlkonstruktion<\/h4>\n<p>  Lockheeds Flugzeug erwies sich bereits in der Testphase als   Fehlkonstruktion. Mehrfach mussten sich Airfoce-Testpiloten mit dem   Schleudersitz retten, da die F-104 abschmierte. Genau genommen war die   Maschine nicht flugf&#228;hig: Sie stellte sich unkontrolliert auf das Heck,   wodurch das Triebwerk ausfiel und der Starfighter mitsamt Piloten nach   unten durchsackte. Zudem hatte das Triebwerk die unangenehme   Angewohnheit den Auslass der Schubd&#252;se ohne Vorwarnung zu &#246;ffnen, was zu   Schubverlust und Absturz f&#252;hrte. Die Lebenserhaltungssysteme des Piloten   funktionierten in gleicher Weise &#8222;zuverl&#228;ssig&#8220;, weshalb die Testpiloten   der Airforce alsbald zu dem vernichtenden Urteil kamen: &#8222;Ger&#228;t   unbrauchbar.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Hersteller war &#252;ber so viel Ehrlichkeit selbstverst&#228;ndlich wenig   erfreut. Lockheed war sich durchaus dar&#252;ber im Klaren, dass das Votum   der Testpiloten gro&#223;en Einfluss auf die Beschaffungspl&#228;ne der Airforce   haben w&#252;rde. Diese entschloss sich schlie&#223;lich auch den &#8222;Starfighter&#8220; in   weitaus kleineren St&#252;ckzahlen zu kaufen, als urspr&#252;nglich vorgesehen.   Lockheed &#8211; einem der gr&#246;&#223;ten R&#252;stungsproduzenten der USA &#8211; drohte damit   der Konkurs. Dies wollte die US-Regierung als Anwalt der Banken und   Konzerne um jeden Preis verhindern und versprach &#8211; trotz aller M&#228;ngel   des Flugzeugtyps &#8211; Lockheed alle erdenkliche Hilfe beim Verkauf im   Ausland.<\/p>\n<h4>  Aufbau der Bundeswehr<\/h4>\n<p>  Europa, wo sich seit Ende der 40er Jahre mehr und mehr die Frontlinie   des &#8222;Kalten Krieges&#8220; formierte, schien auf Lockheed nur zu warten.   Gerade der Aufbau der Bundeswehr in der BRD &#8211; ganz &#8222;demokratisch&#8220; gegen   den Willen der &#252;bergro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung und riesige Proteste   durchgesetzt &#8211; lie&#223; den US-Konzern hoffen.<\/p>\n<p>  Bereits 1955, ein Jahr vor der DDR, baute die BRD eine neue Armee auf.   Mit dabei zahlreiche alte Nazi-Gener&#228;le, SS-M&#228;nner und Kriegsverbrecher.   Bereits im Jahr darauf wurde die Wehrpflicht wieder eingef&#252;hrt und 1957   lieferten kanadische und US-amerikanische Konzerne die ersten   Kampfflugzeuge an die Bundesrepublik.<\/p>\n<h4>  Atomare Teilhabe<\/h4>\n<p>  Dem damaligen Verteidigungsminister, Franz Josef Strau&#223; (CSU) gingen   diese Schritte noch lange nicht weit genug. Er wollte im Rahmen der   &#8222;Vorw&#228;rtsverteidigung&#8220;, man k&#246;nnte auch imperialistische Drohgeb&#228;rde   dazu sagen, die Bewaffnung der BRD mit Atomwaffen. Daf&#252;r wollte er ein   Flugzug, dass nach eigenen Aussagen Atomwaffen bis zum Ural tragen   k&#246;nnte. Derartige &#196;u&#223;erungen weckten vielerorts, nicht zuletzt in der   BRD, unsch&#246;ne Erinnerungen an Hitlers Eroberungspl&#228;ne. Strau&#223; ging es um   eine R&#252;ckkehr der BRD in de Kreis der imperialistischen Staaten, was die   Profite der deutschen Gro&#223;unternehmen sichern w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Selbst die SPD-F&#252;hrung, die sich in der Wiederbewaffnungsdebatte nicht   zu einem klaren Nein hatte durchringen k&#246;nnen stand diesen Pl&#228;nen mit   Ablehnung gegen&#252;ber. Sie wusste die Mehrheit der eigenen Partei und der   Bev&#246;lkerung hinter sich.<\/p>\n<p>  Strau&#223; aber ging eigene Wege. Er hoffte, dass Frankreich der BRD die   Tore zum Besitz von Atomwaffen &#246;ffnen w&#252;rde und k&#252;ndigte im Gegenzug   daf&#252;r dem Kauf des franz&#246;sischen Kampfflugzeugs Mirage an.<\/p>\n<p>  Frankreich lehnte jedoch ab. Die offizielle Begr&#252;ndung waren die   Schrecken, die die deutschen Truppen in zwei Weltkriegen verbreitet   hatten. Inoffiziell ging es Paris jedoch darum den l&#228;stigen   imperialistischen Konkurrenten nicht noch weiter aufzup&#228;ppeln.<\/p>\n<p>  Die Suche nach Unterst&#252;tzung f&#252;r die deutschen Atomwaffenpl&#228;ne f&#252;hrte   Strau&#223; letzten Endes in die USA, die vollends hinter dem Bonner   Verb&#252;ndeten standen. Washington hatte auch den perfekten   Atomwaffentr&#228;ger zu bieten: die F-104 &#8222;Starfighter&#8220;.<\/p>\n<h4>  Bestechung<\/h4>\n<p>  Strau&#223; fuhr h&#246;chstpers&#246;nlich in die USA, um sich ein Bild vom   &#8222;Starfighter&#8220; zu machen. Kurz nach seiner R&#252;ckkehr in die BRD   pr&#228;ferierte er die F-104. Schon damals machten Ger&#252;chte um eine   Bestechung Strau&#223;` die Runde &#8211; sie konnten nie entkr&#228;ftet werden. Im   Gegenteil im weiteren Verlauf der &#8222;Starfighter-Aff&#228;re&#8220; h&#228;uften sich die   Indizien, die den Schluss zulassen, dass Strau&#223; &#8222;die Hand aufgehalten   hat&#8220;.<\/p>\n<p>  Fortan warb Strau&#223; mit gr&#246;&#223;ter Entschiedenheit f&#252;r den Kauf des   &#8222;Starfighters&#8220;. Die &#214;ffentlichkeit war gegen dieses R&#252;stungsprojekt,   dass die Beziehungen zur DDR wesentlich verschlechtern und Milliarden   Steuergelder verschlingen w&#252;rde. Lockheed und Strau&#223; wollten das &#228;ndern.   Lockheed schaltete in deutschen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen, die   f&#252;r den Kauf der Maschine werben sollten. Als Marketing-Strategie   vollkommen ungeeignet &#8211; keiner der LeserInnen w&#252;rde jemals dieses   Flugzeug kaufen &#8211; war es ein geschickter politischer Schachzug, der die   &#246;ffentliche Stimmung beeinflussen sollte.<\/p>\n<h4>  &#8222;Katze im Sack!&#8220;<\/h4>\n<p>  Strau&#223; setzte sich sehr zur Freude von Lockheed durch. Der Bundestag   beschloss mit der Mehrheit der Stimmen von CDU\/CSU und FDP den Kauf der   F-104. Die SPD stimmte zwar gegen die Beschaffung dieses Typs, war   jedoch keinesfalls gegen eine weitere Aufr&#252;stung der Bundeswehr. Der   sp&#228;tere SPD-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) war der Meinung, dass der   &#8222;Starfighter&#8220; die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erf&#252;llen werde. Man   brauche f&#252;r die Aufgaben als Jagdflugzeug, Jagdbomber und Atombomber   eben auch drei verschiedene Flugzeugtypen. Au&#223;erdem k&#228;me der Kauf der   F-104 dem Kauf der &#8222;Katze im Sack&#8220; gleich, da die f&#252;r die BRD   vorgesehene Version des Flugzeugs zum Zeitpunkt der Abstimmung &#252;ber den   Kauf noch nicht einmal zur Verf&#252;gung stand. Dass die weitere Aufr&#252;stung   der Bundeswehr an sich das Problem darstellte kam der SPD-F&#252;hrung nicht   in den Sinn und so sollte auch sie bald in den &#8222;Starfighter-Skandal&#8220;   hineingezogen werden.<\/p>\n<h4>  &#8222;G f&#252;r Germany&#8220;<\/h4>\n<p>  Lockheed entwickelte, wie im Kaufvertrag vorgesehen, in Windeseile eine   f&#252;r die BRD ver&#228;nderte Version, die mit dem K&#252;rzel &#8222;G&#8220; gekennzeichnet   wurde: Sie sollte, anders als urspr&#252;nglich gedacht, auch nachts fliegen   k&#246;nnen, atomare und konventionelle Bomben tragen und eine vergr&#246;&#223;erte   Reichweite besitzen. Dies steigerte die Kosten des &#8222;Starfighters&#8220; von 5   auf gut 6 Millionen DM pro St&#252;ck. Die Maschine wurde eine Tonne   schwerer, aber die gravierenden Fehler blieben erhalten.<\/p>\n<p>  Die ersten 66 Flugzeuge wurden noch von Lockheed in den USA gebaut, die   weiteren 800 (!) sollten als Lizenzprodukte in Europa hergestellt werden.<\/p>\n<p>  Zur fliegerischen Abnahme der ersten F-104G schickte die Bundesluftwaffe   eigene Testpiloten in die USA, die geschockt waren. Die Flugzeuge, die   sie einflogen waren nichts weiter als gemeingef&#228;hrlicher Edelschrott:   Beim Schie&#223;en mit der Kanone verabschiedeten sich die Sicherungen, die   Turbine fiel aus und das Flugzeug st&#252;rzte ab, der Schleudersitz   funktionierte nicht, weshalb der Pilot sich nicht retten konnte und   weder der Nachtflug, noch der Flug bei schlechtem Wetter waren m&#246;glich.   Die Piloten empfahlen die Abnahme der Maschinen zu verweigern,   allerdings z&#252;ckte Lockheed den mit Strau&#223; (CSU) ausgearbeiteten Vertrag,   der den Deutschen genau das verweigerte. Der Hinweis von Lockheed war,   man werde f&#252;r ein paar Millionen die Maschinen so herrichten, dass sie   doch noch flugf&#228;hig werden w&#252;rden.<\/p>\n<h4>  Erste Abst&#252;rze<\/h4>\n<p>  Im Sommer 1960 lieferte Lockheed die ersten F-104G in die BRD. Die   Piloten der Bundesluftwaffe waren jedoch geschockt, keine der Maschinen   war bis dahin vom Boden abgehoben und die Testpiloten von Lockheed   bereiteten sie auf so einige unangenehme &#220;berraschungen vor. Der   Generalinspekteur der Bundesluftwaffe Kammhuber bereitete f&#252;r seinen   pers&#246;nlichen Freund Strau&#223; als Dankesch&#246;n f&#252;r den Kauf der F-104G eine   besondere &#220;berraschung vor: Vier &#8222;Starfighter&#8220; sollten ihm zu ehren am   Tag der feierlichen Indienststellung der Maschine Kunstflugman&#246;ver   vorf&#252;hren. Ein erfahrener Pilot der US Airforce sollte die Formation   f&#252;hren. Am Tag der Generalprobe geschah genau das wof&#252;r die F-104   ber&#252;hmt war, die Turbine des F&#252;hrungsflugzeugs fiel im Steigflug aus und   riss die drei anderen mit in die Tiefe. Alle vier Flugzeuge prallten bei   K&#246;ln auf die Erde, alle vier Piloten starben.<\/p>\n<p>  Die Bundesluftwaffenf&#252;hrung, die Kenntnis &#252;ber die wirkliche   Absturzursache hatte, versuchte den Vorgang zu verschleiern. Der   US-Pilot habe einen Fehler gemacht, als die vier Jagdflugzeuge in einem   ganz normalen Verbandsflug &#252;ber K&#246;ln hinwegdonnerten. F&#252;r die Leichen   schneiderte man eigens vor der Beerdigung noch neue Uniformen. So wurden   die Piloten posthum zu Mitgliedern einer nicht existierenden   Kunstflugstaffel der Bundesluftwaffe, den Angeh&#246;rigen verschwieg man die   wirkliche Todesursache.<\/p>\n<h4>  &#8222;Pilot Error&#8220;<\/h4>\n<p>  Diese 4 Toten waren der Beginn einer traurigen Serie. Zu den   altbekannten Fehlern des &#8222;Starfighter&#8220; gesellten sich bald weitere, die   aus den Umbauten und dem nass-kalten Wetter in der BRD resultierten: Die   Landeklappen fuhren oft nur auf einer Seite aus, die Folge waren   unkontrollierbare Rollen um die L&#228;ngsachse, die das Flugzeug beim Anflug   auf die Landebahn abst&#252;rzen lie&#223;en. Der Schleudersitz hatte die   unvorteilhafte Eigenschaft einem Piloten, der sich retten wollte das   Genick zu brechen oder auch mal ganz zu versagen und das Fahrwerk fuhr   nach dem Abheben manchmal einfach nicht ein.<\/p>\n<p>  Mit steigender Betriebsdauer fielen immer mehr F-104 vom Himmel, 1965   waren es 26, 15 Piloten starben dabei und 1966 waren es schon 58   Abst&#252;rze. Die Zeitungen der BRD z&#228;hlten einen makaberen Countdown bis   zur 100. Manche Piloten weigerten sich mit dem &#8222;Witwenmacher&#8220; oder   &#8222;fliegenden Sarg&#8220; oder einfach &#8222;Sargfighter&#8220;, wie die Piloten die F-104   fortan annten, weiter zu fliegen. Sie hatten allerdings empfindliche   Verdienstausf&#228;lle hinzunehmen. In der Bev&#246;lkerung machten makabre Witze   die Runde: &#8222;Wie kommst Du zu Deinem eigenen Starfighter&#8220;, hie&#223; es in   einem. &#8222;Ganz einfach, kauf Dir ein Grundst&#252;ck und warte ab!&#8220;<\/p>\n<p>  Spektakul&#228;re Abst&#252;rze machten in der Presse die Runde. Der 33j&#228;hrige   Geschwaderkommodore Klaus Heinrich Lehnert hob im Dezember 1965 mit   seinem &#8222;Starfighter&#8220; in N&#246;rvenich ab und verlor w&#228;hrend des Flugs das   Bewusstsein. Seine Maschine flog allerdings weiter Richtung Norden, &#252;ber   D&#228;nemark hinweg und st&#252;rzte erst &#252;ber Norwegen bei Ankenes ab, weil der   Sprit alle war, wobei Lehnert sein Leben verlor. Ursache: giftige Gase   waren in die Sauerstoffversorgung eingedrungen. Gut einen Monat sp&#228;ter   geschah das gleiche seinem Staffelkollegen Kmonitzek, der sich jedoch   mit dem Schleudersitz retten konnte. Der Fehler trat immer wieder auf   und konnte bis zur Au&#223;erdienststellung der F-104 nicht ausgemerzt werden.<\/p>\n<p>  Die Bundeswehr setzte von Sommer 1960 bis zur Ausmusterung am 22. Mai   1991 insgesamt 916 Starfighter ein; davon ging knapp ein Drittel,   n&#228;mlich 292 Maschinen, durch Unf&#228;lle verloren. Allein von 1961 bis 1964   waren es 64 Maschinen. Bis 1991 verungl&#252;ckten 116 deutsche Piloten   t&#246;dlich.<\/p>\n<p>  Der Bundestag bildete Untersuchungsaussch&#252;sse. Wie nicht anders zu   erwarten konnten diese weder erkl&#228;ren was mit der F-104 los war, noch   warum Strau&#223; dieses Ger&#228;t beschafft hatte.<\/p>\n<p>  Da sowohl die Bundeswehr als auch die Bundesregierung wenig Interesse   hatten die &#8222;Starfighter-Aff&#228;re&#8220; aufzukl&#228;ren, w&#228;lzte man die Schuld auf   die Piloten ab. Bis heute hei&#223;t es im Bundeswehr-Chargon die F-104 sei   eben ein Flugzeug, das keine Fehler verzeihe und die Abst&#252;rze seien nur   durch solche zu erkl&#228;ren. Absturzursache: &#8222;pilot error&#8220;<\/p>\n<h4>  Witwe wehrt sich<\/h4>\n<p>  Gerlinde Hippel, die nicht bereit war die L&#252;gen der Bundeswehr weiter   hinzunehmen entschloss sich das Geschehene aufzukl&#228;ren und suchte sich   Hilfe bei einem US-amerikanischen Rechtsanwalt. Ihr Mann war bei einem   Man&#246;ver in den Niederlanden abgest&#252;rzt und so blieb sie schwanger mit   einem Kleinkind allein zur&#252;ck. Als sie anfing den Fall aufzukl&#228;ren   schickte man ihr den Verfassungsschutz ins Haus und bedrohte sie. Man   ging sogar so weit die Streichung der Witwenrente anzuk&#252;ndigen, sollte   Hippel weiter die Aufkl&#228;rung der h&#228;ufigen Abst&#252;rze betreiben.<\/p>\n<p>  In der neuen Bundesregierung (SPD-FDP) sa&#223; ab 1969 nun eine Partei, die   dem &#8222;Starfighter&#8220; offiziell kritisch gegen&#252;berstand und Aufkl&#228;rung   ank&#252;ndigte. Dennoch wurde Hippel weiter eingesch&#252;chtert. Die SPD ordnete   nur einen st&#228;rkeren Flugbetrieb an, die Piloten sollten sich mehr im   Umgang mit der neuartigen Waffe &#252;ben. Aufkl&#228;rung: Fehlanzeige! Auch der   &#8222;Starfighter-Gegner&#8220; Schmidt, bald schon selbst Kanzler, lie&#223; die   Witwenmacher weiter fliegen und sah sich nicht bem&#252;&#223;igt die   Korruptionsvorw&#252;rfe gegen Strau&#223; auf den Pr&#252;fstand zu stellen.<\/p>\n<p>  So trauten sich zahlreiche Hinterbliebene von &#8222;Starfighter-Piloten&#8220;   nicht sich Gerlinde Hippels Klage anzuschlie&#223;en.<\/p>\n<h4>  Absturz Joachim von Hassels<\/h4>\n<p>  Erst ein weiterer Todesfall sollte Bewegung in die Sache bringen: Der   Sohn des ehemaligen Verteidigungsministers Kai-Uwe von Hassel (CDU), der   die Kritik am &#8222;Starfighter&#8220; immer wieder mit dem Hinweis auf seinen   Sohn, der eben diesen Typ flog zu zerstreuen suchte, starb bei einem   Einsatz. Joachim von Hassels Witwe schloss sich medienwirksam der Klage   Hippels an und sehr bald kamen weitere Angeh&#246;rige hinzu.<\/p>\n<p>  Der US-Anwalt Baily setzte eine Schadensersatzzahlung von Lockheed   durch. Der R&#252;stungskonzern zahlte einmalig insgesamt den Preis einer   F-104 an die Hinterbliebenen. Dieses Schuldeingest&#228;ndnis f&#252;hrte &#252;berall   in Europa, in Holland, Italien und D&#228;nemark zum R&#252;cktritt der   Verteidigungsminister. Alle diese L&#228;nder hatten unter ebenso   eigenartigen Begleitumst&#228;nden wie die BRD den &#8222;Starfighter&#8220; beschafft.   Dies n&#228;hrte wiederum den Verdacht auf Korruption gegen Strau&#223;. Doch   nichts geschah. Selbst der &#8222;Starfighter&#8220; flog munter weiter, falls er   mal nicht abst&#252;rzte.<\/p>\n<h4>  Gewinner: europ&#228;ische R&#252;stungsindustrie<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich waren die europ&#228;ischen R&#252;stungskonzerne schnell zur Stelle:   Messerschmitt-B&#246;lkow-Blohm kritisierte die F-104G als unzureichende   Waffe und schlug &#8211; wie sollte es anders sein &#8211; den Bau eines eigenen   Flugzeugs vor. Daraus entstand sp&#228;ter die britisch-deutsch-italienische   Koproduktion Tornado. Auch so ein &#8222;Skandalvogel&#8220;, der Milliarden   verschlang und im Einsatz nicht unbedingt selten abst&#252;rzte. Da er   eigentlich auch als Jagdflugzeug konzipiert und gekauft (!) war, diese   Aufgabe aber nicht erf&#252;llte schlug Daimler-Benz Aerospace den Bau eines   weiteren Flugzeugs vor und so war flugs der milliardenschwere J&#228;ger 90,   sp&#228;ter J&#228;ger 2000, dann &#8222;Eurofighter&#8220; geboren. Der kostet den   Steuerzahler zur Zeit pro St&#252;ck etwa 120 Millionen Euro. Die BRD kauft,   Krise hin oder her, 140 St&#252;ck und Griechenland muss, egal ob bankrott   oder nicht, 40 von diesen Maschinen beschaffen. &#220;brigens: Die ersten 20   gelieferten Eurofighter waren nicht einmal flugf&#228;hig, u.a. funktionierte   der Schleudersitz nicht &#8211; das weckt Erinnerungen!<\/p>\n<h4>  R&#252;stungsindustrie verstaatlichen!<\/h4>\n<p>  Es geht nicht um &#8222;bessere&#8220; R&#252;stung. Kapitalistische Staaten r&#252;sten, um   die Interessen der Banken und Konzerne auch im Ausland durchzusetzen.   &#8222;bessere&#8220; R&#252;stung hei&#223;t mehr Leid, mehr Tod; hei&#223;t Krieg im Interesse   der Banken und Konzerne. Die R&#252;stungskonzerne gehen international f&#252;r   ihre Profite &#252;ber Leichen.<\/p>\n<p>  Diesem Alptraum kann nur durch die Verstaatlichung der R&#252;stungsindustrie   unter demokratischer Kontrolle der Besch&#228;ftigten und der arbeitenden   Bev&#246;lkerung Einhalt geboten werden. Das w&#228;re notwendig, um die   Produktion auf gesellschaftlich n&#252;tzliche Dinge umzustellen und dabei   alle Arbeitspl&#228;tze zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      50 Jahre nach Beginn der Starfighter-Aff&#228;re\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[66],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13778"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13778\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}