{"id":13768,"date":"2010-07-10T00:00:00","date_gmt":"2010-07-10T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13768"},"modified":"2010-07-10T00:00:00","modified_gmt":"2010-07-10T00:00:00","slug":"13768","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/07\/13768\/","title":{"rendered":"Tarifeinheit per Gesetz?"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;r die Einheit im Kampf<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am 23. Juni entschieden, dass   k&#252;nftig in einem Betrieb gleichzeitig mehrere Tarifvertr&#228;ge zur   Anwendung kommen k&#246;nnen. Beispielsweise k&#246;nnen MedizinerInnen in einer   Klinik entsprechend einer vom Marburger Bund geschlossenen Vereinbarung   statt eines von ver.di vereinbarten Tarifvertrags verg&#252;tet werden. Genau   daf&#252;r hatten auch zwei &#196;rzte in Mannheim geklagt. Damit wird die   bisherige Rechtsprechung zur &#8222;Tarifeinheit&#8220; &#8211; ein Betrieb, eine   Gewerkschaft &#8211; aufgegeben.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Eckhard Geitz, Kassel<\/i><\/h4>\n<p>  DGB-Chef Michael Sommer warnt nun vor der &#8222;Zerkl&#252;ftung der   Tariflandschaft&#8220;. Arbeitgeber-Vorsitzender Dieter Hundt f&#252;rchtet die   &#8222;Vervielfachung kollektiver Konflikte&#8220;. Wenn sich selbst der   FDP-Fraktionsvize Heinrich Kolb besorgt zeigt, muss das stutzig machen.<\/p>\n<h4>  Spartengewerkschaften<\/h4>\n<p>  Im konkreten Fall wollten die beiden &#196;rzte nicht entsprechend des von   ver.di vereinbarten Tarifvertrags des &#214;ffentlichen Dienstes (TV&#214;D)   verg&#252;tet werden. Wahrscheinlich h&#228;tten sich viele Kolleg-Innen aufgrund   der Verschlechterungen des TV&#214;D genauso entschieden, wenn sie gefragt   worden w&#228;ren.<\/p>\n<p>  Co-Management, Verzicht und &#214;ffnungsklauseln, die Besch&#228;ftigte dem   Arbeitgeber ausliefern, bilden den Hintergrund daf&#252;r, dass mehrere f&#252;r   unterschiedliche Berufsgruppen t&#228;tige Spartengewerkschaften wie die   Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf&#252;hrer (GDL), Cockpit oder die   Unabh&#228;ngige Flugbegleiter-Organisation (UFO) auf Druck von unten in   bestimmten F&#228;llen bessere Abschl&#252;sse als ver.di erzielten.<\/p>\n<h4>  Schulterschluss von DGB und BDA<\/h4>\n<p>  Noch vor dem Erfurter BAG-Urteil stellten der DGB und die   Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&#228;nde (BDA) gemeinsam   &#8222;Eckpunkte f&#252;r ein Tarifvertragsgesetz&#8220; vor. Damit soll per Gesetz   festgelegt werden, dass in einem Betrieb der Tarifvertrag der   Organisation mit den meisten Mitgliedern gilt. F&#252;r die Laufzeit eines   solchen Tarifvertrags soll dann f&#252;r alle Gewerkschaften Friedenspflicht   herrschen. Damit wollen die DGB-Oberen Seit an Seit mit den Arbeitgebern   gegen das Streikrecht schreiten. CDU-Arbeitsministerin Ursula von der   Leyen signalisierte bereits Zustimmung.<\/p>\n<h4>  Das Urteil und seine Folgen<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend die DGB-Spitze und f&#252;hrende Kr&#228;fte der LINKEN, wie Parteichef   Klaus Ernst, auf eine &#8222;Tarifeinheit&#8220; per Gesetz dr&#228;ngen, argumentieren   die B&#252;rgerlichen nicht ganz so geschlossen. Einerseits hoffen FAZ oder   Financial Times Deutschland (FTD), dass man unbequemere Gewerkschaften   wie die GDL so in die Schranken weisen kann. Andererseits glauben sie   auch an die Schw&#228;chung der Gewerkschaften durch die Kraft der Konkurrenz.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ist Einheit aus Sicht der Lohnabh&#228;ngigen ohne jeden Zweifel   w&#252;nschenswert. Gro&#223;e, mitgliederstarke Gewerkschaften haben ein ganz   anderes Potenzial, den Arbeitgebern Paroli zu bieten, als viele, sehr   kleine gewerkschaftlichen Kr&#228;fte. Aber Einheit kann nicht per Gesetz   verordnet werden. Einheit ist im Kampf gefragt. Im &#220;brigen w&#252;rden die   DGB-Gewerkschaften bei einer gesetzlichen &#8222;Tarifeinheit&#8220;, worauf   Arbeitsrechtler Wolfgang D&#228;ubler hinweist, &#8222;keineswegs in allen   Betrieben in der Mehrheitsposition&#8220; sein und sich folglich selber des   &#246;fteren um die M&#246;glichkeit bringen, Teile einer Belegschaft &#252;berhaupt   tariflich abzusichern. Wer also stur einer von der Bundesregierung   beschlossenen &#8222;Tarifeinheit&#8220; das Wort redet, kann nicht zwischen Freund   und Feind unterscheiden.<\/p>\n<p>  <i>Eckhard Geitz ist Mitglied im Sprecherrat des &#8222;Netzwerks f&#252;r eine   k&#228;mpferische und demokratische ver.di&#8220;<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;r die Einheit im Kampf\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[227],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13768"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13768"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13768\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}