{"id":13767,"date":"2010-07-13T00:00:00","date_gmt":"2010-07-13T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13767"},"modified":"2010-07-13T00:00:00","modified_gmt":"2010-07-13T00:00:00","slug":"13767","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/07\/13767\/","title":{"rendered":"Die Blockade muss fallen!"},"content":{"rendered":"<p>  Internationale Protestaktionen gegen Gaza-Abriegelung setzen israelische   Regierung unter Druck<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Seit drei Jahren bereits schneidet eine Blockade Israels den   Gazastreifen von der Au&#223;enwelt ab. Ebenso hat &#196;gypten die Grenzen zu   Gaza geschlossen. W&#228;hrend in einem israelischen Supermarkt bis zu 15.000   Artikel zu kaufen sind, kommen derzeit nur 100 bis 150 Artikel &#252;ber die   israelischen &#220;berg&#228;nge nach Gaza, vor 2007 waren es 4.000.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/h4>\n<p>  Seit Jahrzehnten werden die Rechte der Pal&#228;stinenserInnen mit F&#252;&#223;en   getreten. Vor dem Ersten Weltkrieg vom Osmanischen Reich unterjocht,   wurden sie danach von Gro&#223;britannien und Frankreich beherrscht. Mit der   Errichtung Israels (zu der es nach dem Holocaust, der Ermordung von   sechs Millionen Juden, 1948 kam) setzte ein Krieg zwischen dem   israelischen Staat und seinen arabischen Nachbarl&#228;ndern ein. Eine halbe   Million Pal&#228;stinenserInnen mussten damals ihre Heimat verlassen. Seitdem   wurde Israel unter Mithilfe des US-Imperialismus zur viertst&#228;rksten   Armee der Welt aufger&#252;stet.<\/p>\n<h4>  PLO und Hamas<\/h4>\n<p>  Mit der von Israel nach der ersten Intifada 1987 zugestandenen Bildung   der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde 1993 wurde die PLO zu einem neuen   Unterdr&#252;cker. Vor diesem Hintergrund konnte die Hamas Boden gut machen.   2006 gewann sie die Wahlen in der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde   (Gaza und Westjordanland). Daraufhin stellten die Herrschenden Israels   die Zuweisungen an die Autonomiebeh&#246;rde ein, verh&#228;ngten eine   Handelsblockade und schlossen die Grenzen zum Gazastreifen. Diese   Politik wird von Kr&#228;ften wie BAK Shalom (einem Arbeitskreis in der   LINKEN), die den Herrschenden Israels v&#246;llig unkritisch gegen&#252;ber   stehen, mit dem zynischen Slogan &#8222;Free Gaza&#8220; betitelt &#8211; erg&#228;nzt durch   die Worte &#8222;from Hamas&#8220;.<\/p>\n<p>  Islamisch-fundamentalistische Kr&#228;fte konnten in der letzten Zeit gerade   deshalb punkten, weil keine starken Arbeiterorganisationen mit   sozialistischer Ausrichtung in der Region den Ton setzten. Aber gerade   konfrontiert mit der tiefsten Krise des Kapitalismus seit Generationen   zeigt sich die politische Alternativlosigkeit der pro-kapitalistischen   Hamas. Die Anschl&#228;ge ihrer Anh&#228;nger gef&#228;hrden nicht nur das Leben vieler   ArbeiterInnen, sondern treiben Teile der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung dem   israelischen Establishment in die Arme. Die sozialen Slogans von Hamas   sind nicht mehr als populistische &#196;u&#223;erungen.<\/p>\n<h4>  &#220;berfall<\/h4>\n<p>  Am 31. Mai enterte Israels Armee den Hilfskonvoi &#8222;Free Gaza&#8220;. Die von   Zypern aus gestarteten Schiffe mit 10.000 Tonnen Hilfsg&#252;tern und mehr   als 700 Leuten an Bord (darunter auch zwei Bundestagsabgeordneten der   LINKEN) wurden in der N&#228;he der K&#252;ste des Gazastreifens aufgebracht. Das   Vorgehen der israelischen Armee kostete neun AktivistInnen das Leben, 20   Menschen wurden verletzt. Ein griechischer Teilnehmer schilderte im   Fernsehen den Einsatz der Armee mit den Worten: &#8222;Die [Israelis] haben   fast alle Leute weggeschleppt. Sie haben mit Gummikugeln geschossen. Sie   haben Menschen angeschossen und Leute geschlagen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Marine Israels und die Elitetruppen bauschten die Selbstverteidigung   der Besatzung, die sich mit St&#246;cken und F&#228;usten zur Wehr setzte, zum   Grund f&#252;r ihr Vorgehen auf. Tats&#228;chlich liegt die Ursache der Gewalt   jedoch bei den Herrschenden in Israel, die den Gazastreifen von der   Au&#223;enwelt abschnitten und sogar so weit gingen, den Konvoi in   internationalen Gew&#228;ssern zu &#252;berfallen.<\/p>\n<h4>  Internationale Reaktionen<\/h4>\n<p>  Weltweit f&#252;hrte das Vorgehen der israelischen Armee, vor allem bei   AraberInnen, zu Wut und Best&#252;rzung. Aber auch in Tel Aviv gingen 10.000   Menschen auf die Stra&#223;e, um gegen die Blockade zu demonstrieren. Sogar   Regierungen kamen international unter Druck; Washington oder die   deutsche Bundeskanzlerin taten sich schwer, f&#252;r den Angriff Israels   Stellung zu beziehen.<\/p>\n<p>  Dabei geh&#246;rt die Bundesregierung zu den Hauptlieferanten von   R&#252;stungsg&#252;tern nach Israel. Selbst die T&#252;rkei hat in den letzten zehn   Jahren regelm&#228;&#223;ig mit Israel gemeinsame Milit&#228;rman&#246;ver durchgef&#252;hrt.   Dass seitens der Regierungen f&#252;r die pal&#228;stinensischen Massen nicht viel   zu erwarten ist, zeigt sich auch daran, dass Israel kurz vor dem   &#220;berfall auf den Hilfskonvoi in die &#8222;Organisation f&#252;r wirtschaftliche   Zusammenarbeit und Entwicklung&#8220; (OECD) aufgenommen wurde &#8211; und zwar   einstimmig.<\/p>\n<h4>  Pal&#228;stinensischer Widerstand<\/h4>\n<p>  Im Westjordanland macht unter den dortigen eine Million Menschen schon   das Wort von einer neuen, &#8222;wei&#223;en Intifada&#8220; die Runde. Arabische   Bauarbeiter haben sich wiederholt dem Bau weiterer j&#252;discher Siedlungen   verweigert. W&#228;hrend die Herrschenden Israels Selbstmordanschl&#228;ge nutzen   k&#246;nnen, um ihre Aufr&#252;stung zu rechtfertigen, wurden sie durch die erste   Intifada gewaltig ins Schwitzen gebracht. Auch heute ist es n&#246;tig, dass   die Pal&#228;stinenserInnen nicht vereinzelt, sondern massenhaft Widerstand   leisten. N&#246;tig ist es, dass sie sich eigenst&#228;ndig organisieren und   Arbeiterorganisationen ins Leben rufen. Wichtig ist die Programmatik.   Aufgrund der kapitalistischen Weltkrise stellen sich Fragen einer   grundlegenden Systemalternative in aller Sch&#228;rfe.<\/p>\n<p>  Auch der Br&#252;ckenschlag zum Widerstand in Nachbarl&#228;ndern ist essenziell.   So tobt in &#196;gypten mit seinen 75 Millionen Menschen seit drei Jahren   eine Streikwelle.<\/p>\n<h4>  Israels Burgfrieden ist br&#252;chig<\/h4>\n<p>  In Israel prallen die Meinungen hart aufeinander: Konservative   StudentInnen wollen als Reaktion auf die Gaza-Hilfsflotte mittels   Yachten von reichen israelischen Gesch&#228;ftsleuten nun in die T&#252;rkei   fahren, um dort &#8222;auf das Kurdenproblem aufmerksam zu machen&#8220;, wie ein   Sprecher dieser Studentengruppe verlautbaren lie&#223;.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich wird den KurdInnen seit Jahrzehnten das Recht auf einen   eigenen Staat vorenthalten. Aber von Kr&#228;ften, die Pal&#228;stinenserInnen   diskriminieren, ist keine Hilfe zu erwarten. N&#246;tig ist es vielmehr, dass   sich die benachteiligten Massen im ganzen Nahen Osten zusammentun.<\/p>\n<p>  Auch in Israel gibt es daf&#252;r B&#252;ndnispartner. So wehren sich zurzeit   immer mehr Israelis gegen das Vorgehen ihrer Regierung. Die Ank&#252;ndigung   vom israelischen Ministerpr&#228;sidenten Benjamin Netanjahu, weitere H&#228;user   in den Siedlungsgebieten zu errichten, emp&#246;rte auch Teile der   israelischen Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Die SAV-Schwesterorganisation in Israel weist darauf hin, dass die   kapitalistische Regierung ihres Landes gern von den sozialen Konflikten   im Inneren ablenkt, indem sie von der &#8222;pal&#228;stinensischen Gefahr&#8220;   schwadroniert, und aufgrund derselben einen Burgfrieden einfordert, der   einzig die Aufgabe hat, soziale Proteste abzuw&#252;rgen.<\/p>\n<p>  Auch in Israel gibt es oben und unten. J&#252;dische und arabische   Besch&#228;ftigte und Erwerbslose haben gemeinsame Interessen. Aber genau   deshalb werden die Kapitalisten in Israel an ihrer Teile- und   Herrsche-Politik festhalten. Soll die Spaltung zwischen AraberInnen und   J&#252;dInnen dauerhaft &#252;berwunden werden, muss der N&#228;hrboden daf&#252;r entzogen   werden. Wenn Profitstreben und Konkurrenz beseitigt sind, dann kann &#8211;   auf Basis einer freiwilligen sozialistischen F&#246;deration, mit vollen   Autonomierechten f&#252;r die jeweilige Minderheit &#8211; der gesellschaftliche   Reichtum, dann k&#246;nnen die Bodensch&#228;tze im Interesse aller genutzt werden.<\/p>\n<h4>  Lehren f&#252;r DIE LINKE<\/h4>\n<p>  Inzwischen musste die israelische Regierung aufgrund des massiven Drucks   zumindest eine Lockerung der Blockade ank&#252;ndigen. Hier zeigt sich auch,   wie sinnvoll au&#223;erparlamentarischer Protest ist. Parlamentarisch hatte   die Partei DIE LINKE bereits gegen die Blockade protestiert. Diese   Proteste verhallten ungeh&#246;rt. Das mutige Handeln auch der Abgeordneten   Inge H&#246;ger und Annette Groth als TeilnehmerInnen des Hilfskonvois   hingegen half, die deutsche Regierung in Zugzwang zu bringen.<\/p>\n<p>  Daraus muss DIE LINKE Lehren ziehen. Nur wenn sie versteht, dass es   wichtiger ist, den Widerstand zu organisieren, als im Bundestag   parlamentarische Prozedere zu pflegen, nur wenn sie den Bundestag als   B&#252;hne nutzt, um den Widerstand h&#246;r- und erlebbar zu machen, wird sie   erfolgreich sein. Jedenfalls, wenn man den Erfolg dieser Partei als eine   St&#228;rkung des Widerstands gegen die Folgen kapitalistischer Politik   definiert.<\/p>\n<h4>  Daf&#252;r tritt die SAV ein:<\/h4>\n<p>  * Vollst&#228;ndiges und dauerhaftes Ende der Besatzungs- und Blockadepolitik   Israels in Gaza und im Westjordanland<\/p>\n<p>  * F&#252;r Massenproteste der Pal&#228;stinenserInnen &#8211; F&#252;r die Schaffung von   demokratisch organisierten Selbstverteidigungskomitees in den   Pal&#228;stinensergebieten<\/p>\n<p>  * Kein Vertrauen in die kapitalistischen Regierungen &#8211; F&#252;r   internationale Solidarit&#228;tsarbeit gegen die Unterdr&#252;ckung der   Pal&#228;stinenserInnen<\/p>\n<p>  * F&#252;r den Aufbau unabh&#228;ngiger Arbeiterorganisationen in Israel und   Pal&#228;stina &#8211; gegen Repression, Krieg und Kapitalismus<\/p>\n<p>  * F&#252;r ein sozialistisches Pal&#228;stina und ein sozialistisches Israel als   Teil einer freiwilligen und demokratischen, sozialistischen F&#246;deration   im Nahen Osten<\/p>\n<h4>  Hintergrund: Gr&#246;&#223;tes Zuchthaus unter freiem Himmel<\/h4>\n<p>  &#8222;Die Blockade des Gaza-Streifens trifft die Pal&#228;stinenser hart&#8220;, so   Hans-Christian R&#246;&#223;ler in der FAZ vom 14. Juni. &#8222;Die Folge ist, dass   mindestens 40 Prozent der Menschen in Gaza keine Arbeit haben.&#8220; Laut   einer im Juni vorgestellten Studie der Internationalen   Arbeitsorganisation (ILO) leben rund 70 Prozent der &#252;ber 1,5 Millionen   Pal&#228;stinenserInnen von einem Dollar pro Tag! 98 Prozent der Betriebe   stehen still, so die Weltbank.<\/p>\n<p>  Am 27. Dezember 2008 wurden die Gefangenen des Gaza durch ihre W&#228;chter   einem grausamen Bombenhagel ausgesetzt. Gerechtfertigt wurde das seitens   der israelischen Regierung mit Fotos vom Beschuss der UN-Fakhura-Schule   durch die Hamas &#8211; Fotos, die &#252;ber ein Jahr alt waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Internationale Protestaktionen gegen Gaza-Abriegelung setzen israelische<br \/>\n      Regierung unter Druck\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[227],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13767"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13767"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13767\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}