{"id":13762,"date":"2010-06-29T17:00:00","date_gmt":"2010-06-29T17:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13762"},"modified":"2010-06-29T17:00:00","modified_gmt":"2010-06-29T17:00:00","slug":"13762","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13762\/","title":{"rendered":"Erfolgreiche Demonstration gegen Nazi-Terror in Aachen"},"content":{"rendered":"<p>  Aufbau einer breiten Bewegung n&#246;tig. Vorbereitungen gegen Nazi-Aufmarsch   in Stolberg beginnen.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am Freitag, den 18. 6., fand abends um 20 Uhr eine Demonstration gegen   den sich immer weiter versch&#228;rfenden Nazi-Terror in Aachen und Umgebung   statt. Rund 500 AntifaschistInnen aus mehreren Orten NRWs kamen zusammen   und zogen mehr als drei Stunden durch die Innenstadt. Darunter auch SAV-   und Linksjugend [&quot;solid]-Mitglieder aus Aachen und K&#246;ln.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Wiesenm&#252;ller, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Insbesondere das Autonome Zentrum (AZ) wurde mehrmals von Nazis,   vorwiegend von Mitgliedern der &#8222;Kameradschaft Aachener Land&#8220; (KAL),   angegriffen. Die KAL arbeitet eng mit der NPD zusammen und organisiert   Fascho-Skins wie Autonome Nationalisten. Au&#223;erdem verf&#252;gt sie &#252;ber ein   gr&#246;&#223;eres Umfeld in der Hooliganszene.<\/p>\n<p>  Auch Genossen der SAV wurden schon mehrmals Opfer gewaltsamer &#220;bergriffe   durch diese Schl&#228;gerbande. Zuletzt attackierten Nazis   KonzertbesucherInnen des AZ mit Zwillen und Stahlgeschossen. KAL-Leute   zogen mit selbst gebauten Morgensternen vor das AZ und spr&#252;hten eine   chemische Substanz in den Eingang. Von einem Auto aus wurde mit einer   Gaspistole auf AZ-Besucher geschossen. Auch kam es zu &#220;bergriffen und   Einsch&#252;chterungen durch Nazis auf TeilnehmerInnen eines an der   Technischen Hochschule stattfindenden Protestcamps im Rahmen des   Bildungsstreiks. Beim public viewing w&#228;hrend des WM-Spiels   Deutschland-Australien attackierten KAL-Leute Fu&#223;ballfans, die sich an   rassistischen Sprechch&#246;ren und einer Reichskriegsflagge st&#246;rten.<\/p>\n<p>  Die Polizei stellt den Nazi-Terror weiterhin als Auseinandersetzung   zwischen Linken und Rechten dar, die letztlich auf einer Stufe st&#252;nden.   Angesichts der &#220;bergriffe auf Fu&#223;ballfans erscheint diese Argumentation   aber in der &#214;ffentlichkeit immer haltloser.<\/p>\n<h4>  Laute und k&#228;mpferische Demo &#8211; Polizeirepression gegen AntifaschistInnen<\/h4>\n<p>  Die Demonstration am 18.6. war laut und k&#228;mpferisch und ging vom AZ aus   zu den Stationen der Nazi-Gewalt in Aachen, so unter anderem auch vor   das B&#252;ro der LINKEN, dessen Fensterscheibe bereits mehrfach eingeworfen   wurde. Durch PassantInnen und AnwohnerInnen gab es viel Zuspruch,   besonders in Vierteln mit hohem Migrantenanteil. Die Demonstration war   allerdings zur H&#228;lfte von Angeh&#246;rigen der Autonomen Szene bestimmt. So   f&#252;hrte der Black Block auch die Demonstration an und bildete die   Demospitze. Jedoch schlossen sich im Laufe des Demozuges immer mehr   Leute an. In der zweiten H&#228;lfte des Demozuges konnten wir per Megaphon   eigene Sprechch&#246;re rufen und Reden halten, die sich auch an PassantInnen   und AnwohnerInnen wandten.<\/p>\n<p>  Die Polizei nahm die Dominanz des Black Block zum Vorwand, um den -ganz   und gar friedlichen- Demonstrationszug (der andauernd von der Polizei   gefilmt wurde) mehrfach (bis zu einer halben Stunde) am Weitergehen zu   hindern. Dabei wurde immer wieder Vermummung als Grund aufgef&#252;hrt.   Angesichts des friedlichen Verhaltens der DemonstantInnen aber wurde   diese &#8222;Vermummung&#8220; sehr frei ausgelegt: so galt schon das Gesichter   verdeckende &#8222;Zu-hoch-Halten&#8220; eines Transparentes als &#8222;Vermummung&#8220;.<\/p>\n<p>  Das erste Mal wurde der Demonstrationszug am Hotel Hesse angehalten. Das   ist ein Hotel in Bahnhofsn&#228;he, das der Besitzer an die NPD Aachen zu   verkaufen beabsichtigt, die dort drin ein Schulungszentrum errichten   will.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend jener Zwischenstation bemerkten einige DemonstrantInnen in der   N&#228;he Nazis, die Fotos von DemoteilnehmerInnen machten. Bei den Nazis   handelte es sich um bekannte Fotografen der Anti-Antifa. Die Polizei   sch&#252;tzte diese Nazi-Fotografen und hinderte die AntifaschistInnen daran,   diese zu verjagen! Ein Antifaschist wurde sogar von der Polizei   herausgegriffen, kam dann aber wieder frei.<\/p>\n<p>  Dieses Vorgehen der Polizei, AntifaschistInnen fotografierende Nazis zu   sch&#252;tzen, ist nicht neu. Im Herbst letzten Jahres bekam ein 15-j&#228;hriger   aus dem Umfeld von Linksjugend [&quot;solid] nach einer Demo eine Anzeige   wegen &#8222;Vermummung&#8220;, weil er sein Gesicht vor Fotografen der Anti-Antifa   mit einem Schal verdeckte. Mehrere PolizistInnen standen daneben!   Anstatt aber gegen die fotografierenden Nazis vorzugehen, wurden   diejenigen mit Repressalien belegt, die sich vor ihnen sch&#252;tzen!<\/p>\n<p>  Danach kam es noch zweimal dazu, dass der Demozug von der Polizei   aufgehalten wurde. Diese zerm&#252;rbenden Zwangsstopps kann man nur als   Schikane bewerten. Beim zweiten Mal ging die Polizei auch mit extremer   Brutalit&#228;t und sinnloser Gewalt gegen die Demospitze vor. Weil ein   Transparent angeblich zu hoch gehalten wurde (also weil man sich der   permanenten Abfilmerei durch die Polizei und auch m&#246;glichen   Anti-Antifa-Fotografen entzog) ging die Staatsmacht mit Schlagst&#246;cken   und Pfefferspray gegen die DemonstrantInnen vor. Mehrere Demoteilnehmer   mussten &#228;rztlich behandelt werden.<\/p>\n<p>  Etliche AnwohnerInnen konnten so live erfahren, was der Sinn des aus der   Demo gerufenen &#8222;This is what democracy looks like!&#8220; ist.<\/p>\n<p>  Am 18. 6. wurde der von der Regierung eingeleitete Kampf gegen den   &#8222;Linksextremismus&#8220; (wie schon am Samstag davor bei den Demonstrationen   in Stuttgart und Berlin) eindrucksvoll vorexerziert.<\/p>\n<p>  Den &#8222;Aachener Nachrichten&#8220; fiel aber nichts besseres ein, als in ihrer   Berichterstattung &#252;ber den Tag, Nazis als Opfer zu pr&#228;sentieren, indem   sie schrieben dass ein 18-j&#228;hriger aus der rechten Szene in der Nacht   nach der Demo von Linken angegriffen wurde. Hier wird also wieder einmal   versucht, Gegenwehr gegen Nazi-Gewalt mit dieser gleich zu setzen, was   angesichts der Tatsache, dass Nazi-Gewalt seit 1990 schon eine ins   Dreistellige gehende Zahl von Todesopfern gefordert hat, der reinste   Hohn ist!<\/p>\n<h4>  Polizei und Justiz ermutigen Faschisten<\/h4>\n<p>  Dass Polizei und Justiz viel lieber gegen AntifaschistInnen vorgehen,   als gegen die Nazis, ist leider nichts Neues. In Aachen aber ist das so   offensichtlich, dass man es beinahe f&#252;r makabere Satire halten k&#246;nnte.   So befand im Fr&#252;hjahr 2009 ein Aachener Gericht, dass der Hinweis &#8222;zum   Abschuss freigegeben&#8220; (nebst gekreuzten Pistolen) auf einer &#8222;Outing&#8220;-   Seite von Nazis, wo diese AntifaschistInnen, Linke und Aussteiger mit   Fotos, Namen, Adressen outen, keine Bedrohung sei. Es sei &#8222;lediglich ein   scharf formulierter Hinweis, dass man mit diesen Personen nichts zu tun   haben wolle&#8220;! Von den Nazis, die im M&#228;rz 2008 eine antifaschistische   Demo &#252;berfallen hatten, ist bis heute noch keiner verurteilt worden,   angeblich &#8222;weil der zust&#228;ndige Richter pensioniert wurde&#8220; und<\/p>\n<p>  &#8222;der neue noch nicht genug in die Sache eingearbeitet&#8220; sei!   W&#228;hrenddessen liefen aber schon etliche Verfahren gegen TeilnehmerInnen   der angegriffenen Demo, die sich gegen Nazis und eben so gegen sie   vorgehende, als solche nicht erkennbare ZivilpolizistInnen gewehrt haben.<\/p>\n<p>  Wer von Nazis angegriffen wurde und bei der Polizei Anzeige erstatten   will, bekommt nicht selten zu h&#246;ren, dass er \/ sie es ja irgendwie   selber schuld sei, wenn man antifaschistisch aktiv sei.<\/p>\n<p>  Ein solches Vorgehen kann man nur als Ermutigung faschistischer   Gewaltt&#228;ter sehen. Offenbar hat der b&#252;rgerliche Staat ein Interesse   daran, dass linke AktivistInnen in ihrer Arbeit durch Nazis erheblich   eingeschr&#228;nkt werden und es sich lieber zweimal &#252;berlegen, ob sie in   Protestbewegungen aktiv werden.<\/p>\n<h4>  Rolle von Nazis in der Krise<\/h4>\n<p>  Das Vorgehen der Nazis, die nicht mehr &#8222;nur&#8220; gegen AntifaschistInnen   (als ob das nicht schon genug w&#228;re) gewaltsam vorgehen, sondern auch   ganz offen Jagd auf GewerkschafterInnen, auf TeilnehmerInnen des   Bildungsstreiks und auch auf AktivistInnen sozialer Bewegungen machen,   weist diese eindeutig als das aus, was sie immer schon waren: als die   brutalen Kettenhunde des Kapitals, deren Hauptaufgabe die gewaltsame   Zerschlagung der Arbeiterbewegung und aller Formen fortschrittlicher   sozialer Bewegungen ist. Der Staat hat sicherlich (momentan) kein   Interesse daran, die Nazis politisch st&#228;rker werden zu lassen. Vor allem   kann er es nicht hinnehmen, wenn durch Nazi-Terror das Ansehen des   Wirtschaftsstandorts Deutschland besch&#228;digt wird. Nat&#252;rlich geht es auch   ihm zu weit, wenn Fu&#223;ballfans beim public viewing von braunen Schl&#228;gern   attackiert werden.<\/p>\n<p>  Aber angesichts der Krise setzen die Herrschenden verst&#228;rkt auf   Spaltungshetze. Aussagen von Sarrazin, Koch und Westerwelle sowie der   Bild-Zeitung sind da nur die Spitze des Eisbergs.<\/p>\n<p>  Angesichts der Perspektive von sozialen Unruhen, der Zunahme von   Klassenk&#228;mpfen und sozialen Protestbewegungen, wird auch der Staat eine   h&#228;rtere Gangart einlegen. Nicht anders kann man die gegenw&#228;rtigen   Kampagnen gegen den &#8222;Linksextremismus&#8220; bewerten.<\/p>\n<p>  Nicht zuletzt aber hat der Staat auch ein Interesse daran, seine   Kettenhunde am Leben zu halten, und sie bei Bedarf auf Linke losgehen zu   lassen. Dass sie auch jetzt schon kr&#228;ftig mit den Z&#228;hnen fletschen und   damit gegen&#252;ber Linken, Antifas und sozialen Bewegungen ein Klima der   Angst schaffen, kann Staat und Kapital nur recht sein.<\/p>\n<h4>  Anstehende Aufgaben<\/h4>\n<p>  Umso mehr m&#252;ssen wir den Widerstand gegen den Nazi-Terror selbst in die   Hand nehmen. Die Demo vom 18. 6. in Aachen war ein guter Anfang und ein   klarer Punktsieg gegen die Nazis. Aber weitere und noch gr&#246;&#223;ere   Mobilisierungen werden folgen. Wir brauchen eine antifaschistische   Bewegung, die in den Stadtvierteln, den Schulen, Unis und Betrieben   aktiv ist und auf Massen setzt.<\/p>\n<p>  Denn mit der Verhinderung einzelner Aufm&#228;rsche ist es nicht getan. Den   Nazis muss man auf t&#228;glicher Grundlage entgegentreten: durch den Aufbau   einer sozialistischen Alternative.<\/p>\n<p>  Doch Gro&#223;events haben f&#252;r die Nazis bedeuteten psychologischen Wert. Im   April n&#228;chsten Jahres wollen die Nazis wieder in Stolberg bei Aachen   aufmarschieren. Bislang ist ihnen das immer gelungen, was nicht zuletzt   an der Schw&#228;che des von B&#252;rgerlichen dominierten Protestb&#252;ndnisses lag.   Doch die erfolgreichen Blockaden von Dresden, K&#246;ln und anderen Orten   haben gezeigt, wie man Nazis erfolgreich stoppen kann. Das muss auch in   Stolberg 2011 erfolgen! Bis dahin ist es zwar noch lange hin , doch gilt   es jetzt schon f&#252;r eine erfolgreiche Massenblockade den   organisatorischen und politischen Grundstein zu legen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Aufbau einer breiten Bewegung n&#246;tig. 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