{"id":13761,"date":"2010-06-28T17:00:00","date_gmt":"2010-06-28T17:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13761"},"modified":"2010-06-28T17:00:00","modified_gmt":"2010-06-28T17:00:00","slug":"13761","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13761\/","title":{"rendered":"Kirgistan: ethnische Konflikte brechen auf"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;r Arbeitereinheit gegen Pogrome und die Politik der Herrschenden!<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b><i>Wir ver&#246;ffentlichen hier einen Artikel von Rob Jones (CWI   Russland), der am 17. Juni 2010 auf englischer Sprache auf   www.socialistworld.net ver&#246;ffentlicht wurde.<\/i><\/b><\/p>\n<p>  Kaum mehr als zwei Monate sind vergangen, als die revolution&#228;ren   Ereignisse in Kirgistan zum Sturz des ehemaligen Pr&#228;sidenten Bakijew und   der Errichtung einer &quot;provisorischen Regierung&quot; unter Rosa Otunbajewa   gef&#252;hrt haben. Und schon befindet sich das Land inmitten brutaler   ethischer Konflikte, die einen erneuten Zusammenbruch des Staatsapparats   bewirken k&#246;nnen. Nach offiziellen Angaben sind bisher &#252;ber 170 Menschen   get&#246;tet und tausende weitere verletzt worden. Andere Quellen wie das   Rote Kreuz sprechen von hunderten Todesopfern.<\/p>\n<p>  Das benachbarte Usbekistan hat seine Grenzen zu Kirgistan geschlossen,   da 700.000 Usbekischst&#228;mmige &#252;ber die Landesgrenze fl&#252;chteten, die wegen   der herrschenden Pogrome Kirgistan verlassen mussten. Die kirgisische   Regierung in Bischkek, der Landeshauptstadt, hat eine   Generalmobilisierung aller M&#228;nner unter 50 Jahren sowie eine 24-st&#252;ndige   Ausgangssperre &#252;ber die drei s&#252;dlichen Regionen des Landes ausgerufen.   Um die Ordnung wieder herzustellen hat die neue Pr&#228;sidentin Otunbajewa   zudem einen offiziellen Schie&#223;befehl an die Truppen ausgegeben.<\/p>\n<p>  Die St&#228;dte Osch und Dschalalabat am Rande des Fergana-Tals im S&#252;dwesten   Kirgistans bilden momentan das Zentrum der Krise. Dschalalabat ist die   Heimatstadt von Ex-Pr&#228;sident Bakijew; die Stadt Osch, die zweitgr&#246;&#223;te   Stadt des Landes, sein ehemaligen Machtzentrum. In dieser Region   versuchten Bakijews Anh&#228;nger nach den revolution&#228;ren Aprilereignissen   Regierungsgeb&#228;ude zu besetzen und einen Aufstand zu organisieren. Die   Unterst&#252;tzung f&#252;r den gest&#252;rzten Pr&#228;sidenten brach jedoch ein, so dass   der Aufstand schnell unterdr&#252;ckt wurde.<\/p>\n<p>  Bakijew befindet sich nun im wei&#223;russischen Exil. Maksim, sein wohl   ber&#252;chtigtster Sohn, wurde k&#252;rzlich in London verhaftet, weil er von   kirgisischen Beh&#246;rden beschuldigt wurde, Amtsmissbrauch begangen und   staatliche Gelder unterschlagen zu haben.<\/p>\n<p>  Die Entfremdung der Massen von der provisorischen Regierung lie&#223; nicht   lange auf sich warten. Die Regierung senkte zwar die Preise f&#252;r Strom,   Wasser und Gas &#8211; aber das waren auch die einzigen Versprechen, die von   ihr eingehalten wurden. Die Ersparnisse daraus wurden jedoch sofort   wieder durch eine sich versch&#228;rfende &#246;konomische Krise getilgt. Laut   Aussage von ExpertInnen dr&#252;ckte die Wirtschaftsblockade Usbekistans und   Kasachstans das Bruttoinlandsprodukt des Landes um weitere 15 Prozent   seit April. In einigen Regionen ist die &#214;konomie praktisch zum Erliegen   gekommen. Das Haushaltsdefizit w&#228;chst unaufh&#246;rlich, sodass es im Herbst   zu einer Situation kommen k&#246;nnte, dass staatlich Besch&#228;ftigte nicht mehr   entlohnt werden.<\/p>\n<p>  Eine wichtige Forderung der Massenbewegung vom April war die   Verstaatlichung der Schl&#252;sselindustrien des Landes. Diese Forderung fand   gro&#223;en Zuspruch weil es sehr offensichtlich war, wie Bakijew &#252;ber   Privatisierung &#246;ffentlichen Eigentums das Land r&#252;cksichtslos   auspl&#252;nderte.<\/p>\n<p>  Innerhalb weniger Tage nach Macht&#252;bernahme hatte die provisorische   Regierung zwei der gr&#246;&#223;ten Banken &quot;verstaatlicht&quot;, die bisher von   Bakijews Klan kontrolliert wurden. Au&#223;erdem hie&#223; es, dass weitere 30   Firmen in staatliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt wurden. Das hat jedoch noch   keine sp&#252;rbaren Verbesserungen f&#252;r die Arbeiterklasse des Landes mit   sich gebracht. Allerdings wurden etwa 16 Millionen US-Dollar aus den   Tresoren einer der &quot;verstaatlichten&quot; Banken entwendet &#8211; Geld, das so   schnell seinen Weg in die Taschen der neuen Regierungsoberh&#228;upter fand.   Tonbandaufnahmen haben belegt, dass ein Minister 400.000 Dollar   einkassierte, weil er einem Verwandten zu einem Botschafterposten   verhalf. Weitere Aufzeichnungen legten dar, wie sich zwei Minister   dar&#252;ber unterhielten, wie sie am besten eine Million Dollar Geld waschen   k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Die Korruption geht also weiter. So wie der kirgisische Staatsapparat   von Bakijew-Anh&#228;ngerInnen ges&#228;ubert wurde, werden nun Freunde und   Verwandte der neuen Regierungschefs mit Posten bedacht. Eine   Verbrecherbande wurde einfach durch eine andere ausgetauscht.<\/p>\n<h4>  Drogenhandel<\/h4>\n<p>  Aber nicht nur die Stellung der B&#252;rokratInnen und Bosse um Bakijew herum   wurde durch den Regierungswechsel bedroht. Osch ist einer der   Knotenpunkte f&#252;r Drogen, die von Afghanistan kommen und durch   Zentralasien nach Europa geschmuggelt werden. Als Bakijew noch   herrschte, hatten die Drogenbarone klare Abmachungen mit den staatlichen   Beh&#246;rden, die sicherstellten, dass ihre Gesch&#228;fte ungest&#246;rt verlaufen   konnten. Diese Drogenbarone sind nun besorgt dar&#252;ber, dass mit der   provisorischen Regierung ein gewisser Grad an Stabilit&#228;t kommt, der den   Drogenhandel zwar nicht stoppen, aber den neuen Machthabern in der   Regierung mehr Kontrolle zusichern w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Diese Bef&#252;rchtungen werden noch verst&#228;rkt durch die Avancen, die die   neue kirgisische Pr&#228;sidentin Rosa Otunbajewa gegen&#252;ber dem Kreml macht.   Einer der Drogenbarone kommentierte das damit, dass es weitaus einfacher   ist, einen kirgisischen Beamten zu bestechen als mit den Russen klar zu   kommen.<\/p>\n<p>  Es liegt nahe, dass der Aufstand der Anh&#228;nger Bakijews darauf abzielt,   die politischen Verh&#228;ltnisse vor der Konstituierung der neuen Regierung   zu zerr&#252;tten. Aber es kann auch kein Zweifel daran sein, dass diese mit   kriminellen Banden zusammenarbeiten, die ebenfalls bei den gewaltt&#228;tigen   Unruhen des letzten Monats und den darauf folgenden Wochen eine Rolle   spielten. Das wird bekr&#228;ftigt durch verschieden Augenzeugenberichte, die   beschrieben, wie vermummte und schwer bewaffnete Banden die ethnisch   motivierten Massaker lostraten.<\/p>\n<p>  Die Destabilisierung des S&#252;dens, wenn nicht gar ganz Kirgistans, liegt   sowohl im Interesse des Bakijew-Klans als auch der Drogenbarone und   Kriminellen.<\/p>\n<p>  Die ganze Region ist ein einziges Pulverfass. Osch war bereits 1990 das   Zentrum der brutalen ethnischen Konflikte, die das Fergana-Tal tief   ersch&#252;tterten, bis sowjetische Truppen die Unruhen schlie&#223;lich   unterdr&#252;ckten. Fast alle 750.000 UsbekInnen leben in und um Osch herum.   Viele von ihnen sind bereits vor dem brutalen usbekischen Regime   geflohen.<\/p>\n<p>  Au&#223;er den Wenigen in der Region, die von Bakijews Regime profitiert   haben, tendierten die UsbekInnen dazu, die neue provisorische Regierung   zu unterst&#252;tzen. Aber die Weltwirtschaftskrise hat auch diesen Teil der   Erde hart getroffen. Als die Krise Russland erreichte, waren Millionen   von eingewanderten ArbeiterInnen (die meisten aus Zentralasien stammend)   gezwungen nach Hause umzusiedeln, was die regionale Situation zus&#228;tzlich   belastete. Als die verarmte Bev&#246;lkerung der Region ihre Hoffnungen auf   den kirgisischen Aufstand im April setzte, fingen die Leute an die Sache   in die eigene Hand zu nehmen, indem sie sich H&#228;user und L&#228;ndereien der   Menschen aneigneten, die sie als die Schuldigen f&#252;r die Verbrechen der   Vergangenheit ausmachten. Wegen der spontanen und unorganisierten Art   und Weise in der dies geschah, mussten diese Ereignisse unvermeidlich zu   neuen sozialen und ethnischen Konflikten f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Diese verschiedenen Faktoren haben zu einer Explosion des ethnischen   Konflikts gef&#252;hrt. Die Usbekischst&#228;mmigen wurden aus der Gegend von Osch   und Dschalalabat vertrieben. Autos und Gesch&#228;fte wurden abgefackelt. Die   Regierung schickte daraufhin Polizei- und Milit&#228;reinheiten in die Region   und mobilisierte ihre Verteidigungskr&#228;fte, die kurz nachdem sie sich vor   Ort postiert hatten w&#228;hrend der Ereignisse im April auch gleich wieder   abgezogen werden mussten, weil die Situation unkontrollierbar wurde.   Besonders weil UsbekInnen dagegen protestierten, dass die staatlichen   Einheiten eng mit Denen zusammenarbeiteten, die die Pogrome zu   verantworten haben.<\/p>\n<p>  Ein Al Jazeera-Korrespondent berichtete, dass &quot;die Leute sowohl von der   usbekischen als auch von der kirgisischen Community schrecklich Angst   haben. Sie sind bereit bei dem geringsten Anzeichen weiterer Gefahr und   Gewalt ihre Sachen zu packen und aus der Region zu fliehen.&quot;<\/p>\n<h4>  Die ethnische Gewalt nimmt zu<\/h4>\n<p>  Herauszuheben ist, dass viele Augenzeugen und auch die offiziellen   Beh&#246;rden davon ausgehen, dass die K&#228;mpfe zwischen KirgisInnen und   UsbekInnen nicht spontan ausgebrochen sind. Etliche UsbekInnen   berichteten, wie kirgisische FreundInnen und NachbarInnen ihnen Hilfe   anboten oder sie vor den Gefahren warnten, bevor sie dann gezwungen   waren, die Flucht zu ergreifen. Es gibt sogar Berichte von kirgisischen   und usbekischen Nachbarschaften, die gemeinsam ihren Wohnort   verteidigten. Die lokalen und nationalen Beh&#246;rden haben dieser   instinktiv geschlossene Einheit keinerlei Beachtung geschenkt, obwohl   diese auch jetzt noch existiert. Diese K&#228;mpfe stellen den Beginn des   Widerstands gegen die usbekische Krise dar.<\/p>\n<p>  Die Beh&#246;rden suchen stattdessen nach Kr&#228;ften au&#223;erhalb des Landes, die   ihnen aus der Misere helfen sollen. Der Ministerpr&#228;sident der Region   Osch hielt bereits fest, dass es in einer Reihe von Bezirken keinerlei   Konfrontation zwischen den ethnischen Gruppen g&#228;be, da &quot;dort die   KirgisInnen selber die UsbekInnen verteidigen und sogar so weit gehen,   die eigenen Landsm&#228;nner zusammenzuschlagen um Angriffe zu verhindern.&quot;   Aber anstatt zu solch einer multiethnischen Verteidigung aufzurufen, die   bestehenden Zusammenh&#228;nge auszubauen und zu organisieren, appellierte   der Ministerpr&#228;sident an den lieben Gott und die Russen.<\/p>\n<p>  Weil es in den St&#228;dten weder Wasser noch Gas und Strom gibt, hilft die   l&#228;ndliche der st&#228;dtischen Bev&#246;lkerung und versorgt diese mit   Nahrungsmitteln. JournalistInnen beschreiben, dass die Krankenh&#228;user   wegen der vielen Verwundeten &#252;berf&#252;llt sind und die f&#252;r die Pogrome   Verantwortlichen sogar das Krankenhauspersonal angreifen, um dies davon   abzuhalten, die Verletzten zu behandeln. Diese Situation erinnert aus   verschiedenen Gr&#252;nden stark an die ethnischen Konflikte, die den Balkan   und den Kaukasus in den 1990ern ersch&#252;tterten.<\/p>\n<p>  Die kirgisische provisorische Regierung, die auf dem R&#252;cken der   revolution&#228;ren Bewegung an die Macht kam, ist unf&#228;hig, radikale Reformen   durchzuf&#252;hren und tut alles in ihrer Macht Stehende, um weitere   revolution&#228;re Entwicklungen zu stoppen. Aber nur eine Erneuerung der   revolution&#228;ren Protestwelle kann das Land aus der Katastrophe f&#252;hren.   Nur eine Bewegung f&#252;r radikale soziale Verbesserungen kann auch die   ethnischen Konflikte beruhigen.<\/p>\n<p>  Dass die Regierung schnell Polizei- und Milit&#228;reinheiten eingeschaltet   hat um die Region unter Kontrolle zu bringen zeigt, dass die neue   Regierung grunds&#228;tzlich bereit ist, mit milit&#228;rischen Mitteln ihre Macht   zu behaupten. Einige KommentatorInnen nehmen an, dass die neue Regierung   unf&#228;hig ist, den S&#252;den zu kontrollieren und dass dies zu einer Spaltung   des Landes in zwei oder mehr Regionen f&#252;hrt. Der S&#252;den des Landes, der   eine hunderte Kilometer lange Grenze zu Afghanistan hat, k&#246;nnte   fundamentalistische Gruppen dazu einladen, ihre Stellung in Zentralasien   auszubauen.<\/p>\n<p>  Die Krise schafft auch den benachbarten L&#228;ndern gro&#223;e Probleme. Was in   Kirgistan geschehen ist, ist ein Schaubild dessen, was auch in anderen   korrupten diktatorischen oder halbdiktatorischen L&#228;ndern Zentralasiens   bl&#252;hen k&#246;nnte. Sowohl Kasachstan als auch Usbekistan haben seit April   ihre Grenzen geschlossen. Konfrontiert mit einer Fl&#252;chtlingswelle von   Zehntausenden UsbekInnen und TadschikInnen hat Usbekistan 50.000   Menschen aufgenommen, bevor es mit der Begr&#252;ndung die Grenz&#252;berg&#228;nge   wieder dicht machte, dass das Land nicht gen&#252;gend &quot;Kapazit&#228;ten&quot; mehr   habe.<\/p>\n<p>  Au&#223;erstande, die Krise aus eigener Kraft zu l&#246;sen, hat Kirgistans neue   Pr&#228;sidentin Rosa Otunbajewa Russland gebeten, ihr milit&#228;rische   Unterst&#252;tzung zu gew&#228;hren. &quot;Wir rufen den russischen Staatschef Dmitri   Medwedew auf, uns praktisch zur Seite zu stehen die beiden Seiten   auseinanderzubringen, weil es trotz unserer Appelle und unserem   bewaffneten Eingreifen nicht gelang uns durchzusetzen.&quot; Sie begr&#252;ndete   ihre Aufforderung damit, dass die kirgisische Armee nicht stark genug   und die Polizei des Landes komplett demoralisiert w&#228;re.<\/p>\n<p>  Otunbajewas Bitte l&#246;ste nur eine verhaltene Reaktion im Kreml aus,   obwohl Russland sofort Truppen schicken lie&#223; um seinen eigenen   Luftwaffenst&#252;tzpunkt au&#223;erhalb Bischkeks zu sch&#252;tzen. Auch schickte das   Land humanit&#228;re Hilfe, was der Kreml gro&#223;spurig ausfeierte. Otunbajewa   versuchte der russischen Regierung entgegenzukommen indem sie vorschlug,   dass im Falle einer russischen Intervention der US-amerikanische   Luftwaffenst&#252;tzpunkt in Manas nahe Bischkek geschlossen w&#252;rde. (Die USA   hatten ihre Fl&#252;ge nach Afghanistan vor einigen Monaten &#252;ber Rum&#228;nien   umgeleitet und die Nutzung &#252;ber Manas eingestellt.)<\/p>\n<h4>  Die Gefahr einer milit&#228;rischen Intervention von au&#223;en<\/h4>\n<p>  Kommentare von russischen Kommandeuren zeigen m&#246;gliche Gefahren einer   solchen Intervention. Generalmajor Leonid Ibaschow, der die russische   Intervention im tadschikischen B&#252;rgerkrieg 1992-93 befehligte (die   russische Armee ist &#252;brigens immer noch in Tadschikistan und   kontrolliert dessen s&#252;dliche Grenze zu Afghanistan) stimmt nicht damit   &#252;berein, dass der &quot;illegalerweise entmachtete Ex-Pr&#228;sident Bakijew&quot; der   Urheber des Konflikts ist. Ibaschow meint, dass &quot;der Grund f&#252;r diesen   ethnischen Konflikt die soziale Spaltung der Gesellschaft [ist], die   sich jetzt gegen die Menschen anderer Nationalit&#228;ten richtet. So etwas   geschieht, wenn der Staat zu schwach ist&quot;.<\/p>\n<p>  Aussagen wie diese zeigen, dass &quot;Friedenstruppen&quot; keine L&#246;sung des   Problems sein k&#246;nnen &#8211; sie k&#246;nnen zwar versuchen den Konflikt teilweise   oder ganz zu unterdr&#252;cken, aber sie kommen nicht an die tieferliegenden   Wurzeln des Problems heran. Ibaschows Kommentar zu Bakijew illustriert,   dass eine russische Intervention sicher keinen neutralen Charakter   h&#228;tte. Wenn die russische Armee einmarschieren w&#252;rde und damit Russland   in der Region eine gr&#246;&#223;ere politische Rolle beanspruchen w&#252;rde, k&#246;nnte   das Usbekistan dazu bringen, ebenfalls milit&#228;rische Handlungen   vorzubereiten um die Regionen einzunehmen, die das Land f&#252;r sich   beansprucht (Osch eingeschlossen). Schon jetzt verlegt die usbekische   Regierung ihre schwere Artillerie an die Grenze.<\/p>\n<p>  Nun steht noch im Raum, ob die ODKB ( Organisation des Vertrages &#252;ber   kollektive Sicherheit, das gemeinsame Sicherheitsb&#252;ndnis zwischen den   ehemaligen Sowjetstaaten Eurasiens) unter russischer F&#252;hrung als   &quot;friedenssichernde&quot; Kraft interveniert.<\/p>\n<p>  Kirgistan oder Teile des Landes als russisches oder ODKB-&quot;Protektorat&quot;   w&#252;rde auf einen starken Widerwillen Kasachstans und Chinas sto&#223;en   (Chinas unruhige Provinz Sing Yiang hat eine 400 km lange Grenze zu   Kirgistan). Zudem w&#252;rde auch bei den afghanischen Besatzungstruppen   gro&#223;er Unmut geweckt werden.<\/p>\n<p>  Das Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI) ist gegen die Blockade   Kasachstans und Usbekistans. Wir warnen, dass die ganzen Erfahrungen auf   dem Balkan, im Kaukasus und anderswo, alle zeigten, dass der Einmarsch   fremder &quot;Friedenstruppen&quot; kapitalistischer L&#228;nder keine tieferliegenden   Probleme l&#246;st. Wir sind gegen die Stationierung fremder Truppen in   Kirgistan, die unvermeidlich die Interessen der regionalen   Kapitalistenklassen dienen w&#252;rden und gegen die Arbeiterklasse und die   Jugend eingesetzt w&#252;rden. Stattdessen rufen wir die ArbeiterInnen und   die verarmten Massen auf, die multiethnische Verteidigung, die bereits   existiert, weiter aufzubauen und zu entwickeln, ihre eigenen   demokratischen Strukturen zu schaffen und alle ethnischen Gruppen und   Nationalit&#228;ten vor Angriffen und Pogromen, kriminellen Banden und der   herrschenden Klasse zu sch&#252;tzen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>  Bereits im April hielt das CWI fest, dass die Ersetzung eines   b&#252;rgerlichen Pr&#228;sidenten durch einen anderen nichts &#228;ndern w&#252;rde. Wir   schrieben, dass &quot;ohne ein sozialistisches Programm und eine   sozialistische Organisation, die in der Lage ist, diese [demokratischen   und sozialen] Rechte [aller Arbeiter] f&#252;r einen l&#228;ngeren Zeitraum zu   erk&#228;mpfen, revolution&#228;re Ereignisse wie solche nur in einer weitere   &quot;farbigen Revolution&quot; enden, in welcher die revolution&#228;re Energie der   Massen nur von einer anderen Schicht der herrschenden Kapitalistenklasse   ausgeschlachtet wird. Die neue Regierung benutzt schon die selbe Sprache   wie vor f&#252;nf Jahren [vor den vorhergehenden Aufst&#228;nden], als deren   h&#246;chstes Ziel es war, die &quot;Ordnung&quot; wiederherzustellen. Die selbe Clique   wird wieder an die Macht kommen, nur diesmal ohne Bakijew.&quot; Jetzt, wo   das Land tief in den ethnischen Konflikten h&#228;ngt, ist eine   Arbeiterorganisation mit einem sozialistischen Programm noch n&#246;tiger als   im April.<\/p>\n<p>  Solch eine Organisation ist notwendig, um die Versuche der herrschenden   Clique und der kriminellen Banden zur&#252;ckzuschlagen, die die verarmten   Massen entlang ethnischer Unterschiede spalten will, indem   multiethnische Verteidigungskomitees aufgebaut werden, um alle   ArbeiterInnen und Armen vor den Pogromen zu sch&#252;tzen.<\/p>\n<p>  N&#246;tig ist es gegen die Versuche der Herrschenden, eine neue Verfassung   nach ihren Interessen durchzudr&#252;cken, Widerstand zu leisten. Stattdessen   sollten revolution&#228;re Komitees der Arbeiterklasse und der Armen neue   Wahlen zum &quot;Kurultaja&quot; [der traditionellen Volksversammlung der   KirgisInnen, der &#220;bersetzer] um eine neue Form wirklicher Demokratie im   Interesse der Bev&#246;lkerung zu schaffen. Eine sozialistische Alternative   w&#252;rde wirkliche Verstaatlichungen durch die Enteignung der Reichen   sicherstellen und gew&#228;hrleisten, dass die verstaatlichte Industrie von   Arbeiterkomitees kontrolliert und verwaltet werden, als Teil einer   demokratisch geplanten Wirtschaft.<\/p>\n<p>  SozialistInnen rufen auf, den Herrschenden und kriminellen Banden die   politische und wirtschaftliche Macht abzunehmen und eine Regierung der   ArbeiterInnen und Armen f&#252;r ein sozialistisches Kirgistan aufzubauen,   als Teil einer Sozialistischen F&#246;deration Zentralasiens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;r Arbeitereinheit gegen Pogrome und die Politik der Herrschenden!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13761"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13761\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}