{"id":13750,"date":"2010-06-14T10:00:00","date_gmt":"2010-06-14T10:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13750"},"modified":"2010-06-14T10:00:00","modified_gmt":"2010-06-14T10:00:00","slug":"13750","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13750\/","title":{"rendered":"Ouvert&#252;re zum hei&#223;en Herbst?!"},"content":{"rendered":"<p>  45.000 demonstrieren in Berlin und Stuttgart<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8220;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise!&#8221; &#8211; So lautete die deutliche Botschaft   von 45.000 ArbeiterInnen, Erwerbslosen und Jugendlichen, die am 12. Juni   dem Aufruf des so genannten Anti-Krisen-B&#252;ndnisses folgten und auf den   Stra&#223;en Berlins und Stuttgarts lautstark gegen das so genannte Sparpaket   und das Abw&#228;lzen der Krisenkosten auf die Masse der Bev&#246;lkerung   demonstrierten.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Monatelang war auf diese Demonstrationen von den vielen   B&#252;ndnisteilnehmerInnen, darunter auch die SAV, hingearbeitet worden.   Doch eine lange Zeit hielten sich die beteiligten Gewerkschaften und   auch die Partei DIE LINKE zur&#252;ck, eine wirklich breit angelegte   Massenkampagne zur Mobilisierung zu f&#252;hren. W&#228;hrend die Gewerkschaft   ver.di und einzelne Gliederungen anderer Gewerkschaften zwar aufriefen,   beteiligten sich IG Metall, IG BAU und andere erst gar nicht.<\/p>\n<p>  Das &#8220;Sparpaket&#8221; der Bundesregierung, eine Woche vor den Demonstrationen   verk&#252;ndet, hatte dann naturgem&#228;&#223; einen mobilisierenden Effekt und es gab   daraufhin von ver.di und der LINKEN eine Steigerung ihrer   Mobilisierungen, die bei den Demonstrationen auch sichtbar wurde. So   pr&#228;gte ver.di die Stuttgarter Demonstration und in Berlin umfasste der   Block der Partei DIE LINKE &#252;ber 2.000 Menschen und war damit der mit   Abstand gr&#246;&#223;te Block. Dies dr&#252;ckte sich auch bei den RednerInnen aus: in   Stuttgart sprach der ver.di-Vorsitzende Bsirske und in Berlin die neue   LINKE-Vorsitzende Gesine L&#246;tzsch. Dass in Stuttgart auch SPD und Gr&#252;ne   Teil der Demonstration wurden und so ihre Versuche von ihrer   Verantwortung f&#252;r Agenda 2010 und Hartz IV abzulenken auf eine dreiste   Spitze treiben konnten, liegt auch in der Verantwortung der dortigen   ver.di-Kreise, die die Stuttgarter Demo mit vorbereiteten. Ein gro&#223;er   Teil der DemonstrantInnen war damit aber nicht einverstanden und buhte   den SPD-Redner auf der Abschlusskundgebung lautstark aus.<\/p>\n<p>  Die relativ gute Beteiligung von ver.di-Mitgliedern in Stuttgart und   LINKE-Mitgliedern in Berlin ist jedoch nur ein Hinweis darauf, was   m&#246;glich w&#228;re, wenn Gewerkschaften und LINKE tats&#228;chlich ernsthaft f&#252;r   Massenproteste mobilisieren w&#252;rden.<\/p>\n<h4>  Die Demo in Berlin<\/h4>\n<p>  In Berlin dominierten antikapitalistische Parolen die Demonstration. Ein   Hauch von den Protesten gegen Hartz IV aus den Jahren 2003 und 2004   wehte durch die Stadt, als sich nicht wenige PassantInnen spontan dem   Marsch anschlossen und AnwohnerInnen den DemonstrantInnen aus den   Fenstern zuwinkten und applaudierten.<\/p>\n<p>  Bei der Auftaktkundgebung begeisterte unter anderem Mustafa Efe,   IG-Metall-Mitglied und Betriebsrat der Gruppe &#8220;Alternative&#8221; im Berliner   Daimler-Werk, die Zuh&#246;rerInnen mit einer k&#228;mpferischen Rede (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mq0eotJ7SaE\">Link   zur Rede bei YouTube<\/a>), die vielen aus dem Herzen sprach. Er rief   dazu auf, die Gewerkschaften wieder zu Kampforganisationen zu machen und   die notwendigen Proteste europaweit zu koordinieren. Unter gro&#223;em   Applaus sagte er: &#8220;Der IG BAU-Chef Klaus Wieseh&#252;gel sagt, die deutschen   Gewerkschaften k&#246;nnen nicht generalstreiken, weil sie darin nicht ge&#252;bt   seien. Das ist so als wenn eine werdende Mutter vor der ersten Geburt   sagt, sie sei darin aber nicht ge&#252;bt!&#8221; Die Idee des Generalstreiks wurde   von verschiedenen RednerInnen aufgeworfen und fand ein sehr positives   Echo. Efe, der auch Mitglied der SAV ist, und seine KollegInnen aus der   &#8220;Alternative&#8221;-Gruppe kritischer IG Metaller, ist zur Zeit vom Ausschluss   aus der Gewerkschaft bedroht, weil die &#8220;Alternative&#8221; mit einer   eigenst&#228;ndigen Liste zu den Betriebsratswahlen antrat, um eine   inhaltliche Alternative zum Schmusekurs der IG Metall- und   Betriebsratsmehrheit im Betrieb zu pr&#228;sentieren. 25 Prozent der   W&#228;hlerstimmen machten deutlich, dass es unter den KollegInnen ein gro&#223;es   Bed&#252;rfnis nach einer anderen Gewerkschaftspolitik gibt. Unter gro&#223;em   Applaus protestierte die Moderatorin der Kundgebung gegen diese   drohenden Ausschl&#252;sse und rief aus: &#8220;Wir brauchen viele Mustafas in den   Gewerkschaften!&#8221;<\/p>\n<p>  Die &#8220;Alternative&#8221; und ihre Unterst&#252;tzerInnen aus dem Berliner   Solidarit&#228;tskreis beteiligten sich sichtbar mit eigenen Transparenten   und Schildern an der Demonstration.<\/p>\n<p>  Neben einem Redner von ver.di, vom Solikomitee mit der   Widerstandsbewegung in Griechenland und anderen sprach auch die   LINKE-Vorsitzende Gesine L&#246;tzsch. Sie rief unter Applaus aus, dass sie   sich nicht damit abfinden k&#246;nne, dass einerseits kein Geld f&#252;r Soziales   da sei, aber dreistellige Milliardenbetr&#228;ge f&#252;r die Banken locker   gemacht werden. Mit ihren Forderungen blieb sie jedoch hinter den   antikapitalistischen Aussagen vieler DemonstrantInnen zur&#252;ck, erw&#228;hnte   nicht einmal die LINKE-Forderung nach Verstaatlichung der Banken. Viele   Symapthien verspielte sie sich dann jedoch, als sie ihre Rede damit   beendete zu sagen, es m&#252;sse weiter protestiert werden, aber vor allem   (!) sollten die TeilnehmerInnen bei den n&#228;chsten Wahlen daran denken,   wer auf ihrer Seite stehe. Und das auf dem Platz vor dem Roten Rathaus,   in dem SPD und DIE LINKE seit vielen Jahren eine Koalition des   Stellenabbaus, der Privatisierung von Wohnraum, der Umsetzung von Hartz   IV und gewerkschaftsfeindlicher Politik betreiben.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Zur Bilderserie auf das Foto klicken:<\/b><\/p>\n<table>\n<tr>\n<td style=\"background-position: left; background-image: url(http:\/\/picasaweb.google.de\/s\/c\/transparent_album_background.gif); background-repeat: no-repeat; background-attachment: scroll; height: 194px\" align=\"center\"> <a href=\"http:\/\/picasaweb.google.de\/stanicic.sascha\/12Juni2010DemoInBerlin?feat=embedwebsite\"><img loading=\"lazy\" width=\"160\" height=\"160\" style=\"margin-top: 1px; margin-right: 0; margin-left: 4px; margin-bottom: 0\" src=\"http:\/\/lh5.ggpht.com\/_HUOVDHwnWtQ\/TBOtodvd2OE\/AAAAAAAAGSc\/bg4kDL8olR4\/s160-c\/12Juni2010DemoInBerlin.jpg\"> <\/a>    <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>  Zu den RednerInnen der Abschlusskundgebung geh&#246;rte auch die Sch&#252;lerin   Paula, die stellvertretend f&#252;r die Bildungsstreikbewegung forderte, den   Kampf f&#252;r bessere Bildung mit dem Kampf gegen das Sparpaket zu verbinden   und die DemonstrantInnen aufforderte die Debatte &#252;ber eine andere   Gesellschaft jenseits des Kapitalismus zu f&#252;hren (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BSNKqod7UVs\">Link   zum Video der Rede<\/a>). Paula hatte am vergangenen Mittwoch mit &#252;ber   5.000 Sch&#252;lerInnen und Studierenden in Berlin an dem Bildungsstreik   teilgenommen. Auf der Demonstration gab es auch einen   (Aus)Bildungsstreik-Block, an dem sich viele junge SAV-Mitglieder und   Aktive von Linksjugend[&quot;solid]beteiligten. Dort wurde auch zur   bundesweiten Jugendkonferenz der Kampagne &#8222;Die Generation Krise schl&#228;gt   zur&#252;ck&#8220; am 19. Juni in Kassel mobilisiert.<\/p>\n<h4>  Polizeiprovokationen und Angriff auf Polizeibeamte<\/h4>\n<p>  Am Rande der Demonstration kam es zu einem Zwischenfall, der nun von   b&#252;rgerlichen Politikern und kapitalistischen Medien in den Mittelpunkt   der Auseinandersetzung um die Demonstration ger&#252;ckt wird. Zwei   Polizisten sollen von einem Sprengk&#246;rper, der aus der Mitte des   antikapitalistischen Blocks geworfen worden sein soll, getroffen und so   schwer verletzt worden sein, dass sie operiert werden mussten.<\/p>\n<p>  Ein solcher Anschlag ist offensichtlich so kontraproduktiv f&#252;r die Ziele   der Demonstration, dass sich die Frage aufdr&#228;ngt, ob er tats&#228;chlich von   sich als Linke verstehenden Demo-TeilnehmerInnen oder von Provokateuren   , zum Beispiel aus der Nazi-Szene, ausge&#252;bt wurde oder ob es eine   &#252;bertriebene Darstellung von Seiten der Polizei gibt. Klar ist, dass   eine solche Aktion nichts mit den Zielen und Methoden der   DemonstrationsteilnehmerInnen und VeranstalterInnen zu tun hat. Lucy   Redler, SAV-Vertreterin im Anti-Krisen-B&#252;ndnis sagte dazu: &#8222;Solche   Formen willk&#252;rlicher Gewalt haben in der Anti-Krisen-Bewegung nichts   verloren!&#8220;<\/p>\n<p>  Das B&#252;ndnis &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise&#8220; sollte deshalb eine eigene   unabh&#228;ngige Untersuchung zu diesem Vorfall durchf&#252;hren. Denn zweifellos   wird dieser Zwischenfall von der Berliner Polizei in Zukunft als   Begr&#252;ndung herhalten, um eine weiter wachsende Polizeipr&#228;senz,   Durchsuchungen von und Repression gegen linke Demonstrationen zu   rechtfertigen. Schon am Samstag war die Demonstration mit permanenter   Provokation durch Polizeikr&#228;fte konfrontiert. Selten hat man so viele   weinende und ver&#228;ngstigte Kinder auf einer Demonstration gesehen, die   vor allem von den am Rande stehenden wild bellenden Polizeihunden   eingesch&#252;chtert waren.<\/p>\n<h4>  Ausblick<\/h4>\n<p>  Diese Demonstrationen k&#246;nnen einen Anfang einer breiten Bewegung gegen   das Sparpaket und die arbeiter- und erwerbslosenfeindliche Politik der   Bundesregierung darstellen. Nun muss vor allem in den Gewerkschaften der   Druck erh&#246;ht werden, um eine Kampagne in den Betrieben und Verwaltungen   gegen das Sparpaket zu starten, die zu einem hei&#223;en Herbst mit   Massenmobilisierungen und einem eint&#228;gigen Generalstreik, wie in einigen   s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;ndern, f&#252;hrt. Die Vorbereitung dazu muss jetzt   beginnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      45.000 demonstrieren in Berlin und Stuttgart\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23,78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13750"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13750"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13750\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}