{"id":13744,"date":"2010-06-15T00:00:00","date_gmt":"2010-06-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13744"},"modified":"2012-05-09T15:34:48","modified_gmt":"2012-05-09T13:34:48","slug":"13744","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13744\/","title":{"rendered":"1968: Die Bremer Stra&#223;enbahnunruhen"},"content":{"rendered":"<p>  Vor 41 Jahren schlugen Bremer Jugendliche mit Blockaden und Protesten   eine Fahrpreiserh&#246;hung zur&#252;ck.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Die .megafon beleuchtet die Ereignisse, um Anregungen f&#252;r zuk&#252;nftige   Bewegung zu geben.<\/b><\/h4>\n<h4>  <i>von Anna<\/i><\/h4>\n<p>  Mitte Dezember 1967 gab die Bremer Stra&#223;enbahn AG (BSAG) eine   Fahrpreiserh&#246;hung von 15Prozent bekannt. Die SPD, die die Interessen der   Arbeitenden, Lehrlinge, Sch&#252;lerInnen und Studierenden vertreten sollte,   winkte die Preiserh&#246;hung durch. Daraufhin entflammte vom 15. bis zum 22.   Januar 1968 eine Sch&#252;lerInnenbewegung, wie sie Bremen bisher nicht   wieder gesehen hat: Trotz heftiger Polizeigewalt demonstrierten und   blockierten eine Woche lang Sch&#252;lerInnen Stra&#223;enbahnen an den   Hauptverkehrsstellen. Die Zahl der DemoteilnehmerInnen stieg innerhalb   von f&#252;nf Tagen von 50 auf 5000 und als Teile der Bev&#246;lkerung sich   solidarisierten, auf 20 000.<\/p>\n<h4>  Die Frage nach dem &#8222;Wozu?&#8220; &#8230;<\/h4>\n<p>  Organisiert hat die Aktionen haupts&#228;chlich der Unabh&#228;ngige Sch&#252;lerbund   (USB), der damals die entscheidende au&#223;erparlamentarische Opposition in   Bremen stellte. Die SPD war bundesweit in die Gro&#223;e Koalition   eingetreten und es gab keine parlamentarische Opposition mehr. Die   Menschen mussten selbst f&#252;r ihre Interessen in Schulen, Betrieben und   Unis einstehen, wenn sie beachtet werden wollten.<\/p>\n<p>  Der USB wandte sich nicht nur gegen Fahrpreiserh&#246;hungen. Es ging auch um   den Vietnamkrieg, in dem Kinder durch Napalmbomben verbrannten, w&#228;hrend   die deutsche Gesellschaft sich um Anstand und Ordnung sorgte. Um den   nicht aufgearbeiteten Nationalsozialismus. Darum, dass LehrerInnen Werte   und Inhalte vermittelten, die mehr zu diktatorischen Ideen passten als   zu demokratischen. Um Reformen des autorit&#228;ren und als stumpfsinnig und   verlogen betrachteten Bildungssystems.<\/p>\n<h4>  &#8230;und dem &#8222;Wie?&#8220;<\/h4>\n<p>  Die Protestierenden blockierten &#252;ber Tage &#8211;von morgens acht bis abends   zehn &#8211; den Stra&#223;enbahnverkehr mit Sitzblockaden und Demos. Am ersten Tag   trug die Polizei Demonstrierende von den Schienen und drohte Gewalt an.   Das f&#252;hrte in den folgenden zwei Tagen zu Ausschreitungen, bei denen   Stra&#223;enbahnen und Busse besch&#228;digt wurden. Darauf ordnete   Polizeipr&#228;sident von Bock und Polach an: &#8222;Draufhauen, draufhauen,   nachsetzen!&#8220;, und die Mannschaften reagierten mit Wasserwerfer und   Schlagstock und nahmen &#252;ber 130 Menschen fest. Das setzte sich in den   folgenden Tagen fort, obwohl keine Zerst&#246;rungen mehr vorkamen, und stie&#223;   auf Unmut in Presse und Bev&#246;lkerung. Ein Polizeioffizier sagte laut   Spiegel: &#8222;Der Bruch zwischen uns und der Bev&#246;lkerung ist bedrohlich.&#8220;<\/p>\n<h4>  Das Ende &#8211; Widerstand ist erfolgreich!<\/h4>\n<p>  Am Freitag, den 22. Januar 1968, fand ein Treffen zwischen   VertreterInnen der Proteste und dem Vorstand der BSAG sowie   B&#252;rgermeisterin Mevissen statt. Dort wurde als Kompromiss eine teilweise   R&#252;cknahme der Erh&#246;hungen ausgehandelt: Ein Erfolg der   Sch&#252;lerInnenbewegung. M&#246;glich wurde er durch die Gr&#246;&#223;e der Proteste und   den politischen Druck der Arbeiterklasse. Die Betriebsr&#228;te von Kl&#246;ckner   Stahl und der AG Weser, der damals gr&#246;&#223;ten Arbeitgeber Bremens, hatten   sich mit den Forderungen der Sch&#252;lerInnen solidarisiert und sich   ausdr&#252;cklich gegen die Polizeigewalt ausgesprochen. Um die Bev&#246;lkerung   nicht weiter zu ver&#228;rgern, lenkte die Regierung ein.<\/p>\n<h4>  Widerstand ist n&#246;tig!<\/h4>\n<p>  Trotzdem war das nur ein Teilerfolg: Tats&#228;chlich erkl&#228;rte die Stadt   Bremen sich bereit, eine Wegnutzungsgeb&#252;hr von 650 000 DM entfallen zu   lassen und der BSAG h&#246;here Zusch&#252;sse zu zahlen. Sie bekam so den   entgangenen Gewinn aus der Stadtkasse zugeschoben. Die Proteste flauten   schnell ab, aber sie lie&#223;en eine Schicht politisierter Jugendlicher   zur&#252;ck und gaben der politischen Bewegung in Bremen einen neuen Schub.   Wegen der breiten Stimmung gegen die Polizeieins&#228;tze wurden die meisten   Verfahren gegen Aktivistinnen und Aktivisten eingestellt.<\/p>\n<h4>  Beispiel f&#252;r heute?<\/h4>\n<p>  Letztes Jahr gab es vor dem Hintergrund der Krise bereits   H&#246;rsaalbesetzungen, symbolische Bank&#252;berf&#228;lle und Autobahnbesetzungen im   Rahmen des Bildungsstreiks. Wenn es gelingt, Besch&#228;ftigte und   Arbeitslose einzubeziehen und eine starke, gut organisierte Bewegung   aufzubauen, ist dieses Mal auch mehr drin als ein fauler Kompromiss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vor 41 Jahren schlugen Bremer Jugendliche mit Blockaden und Protesten<br \/>\n      eine Fahrpreiserh&#246;hung zur&#252;ck.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13744"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13744"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13744\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13744"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13744"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13744"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}