{"id":13743,"date":"2010-06-10T00:00:00","date_gmt":"2010-06-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13743"},"modified":"2012-05-09T15:34:55","modified_gmt":"2012-05-09T13:34:55","slug":"13743","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13743\/","title":{"rendered":"Flucht aus der Krise?"},"content":{"rendered":"<p>  Stress, Angst und nur Probleme? Hunderttausende fl&#252;chten in virtuelle   Parallelwelten.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Mit der Verbreitung von Facebook, Onlinegames etc. ist die Zahl der   Internet-S&#252;chtigen extrem gestiegen. Schuld ist aber nicht das Internet   oder die NutzerInnen: Der Kapitalismus macht krank.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Michael<\/i><\/h4>\n<p>  Das Krankheitsbild ist noch nicht endg&#252;ltig definiert. Allgemein kann   man sagen, die &#8222;Onlinesucht ist der exzessive Gebrauch des Mediums   Internet. Der Betroffene integriert nicht das Internet in sein Leben,   sondern sein Leben ins Internet.&#8220; (onlinesucht.de)<\/p>\n<p>  Gesicherte Statistiken gibt es noch nicht. Gesch&#228;tzt wird, dass zwischen   3 und 7 Prozent aller InternetnutzerInnen onlines&#252;chtig sind und die   gleiche Anzahl suchtgef&#228;hrdet. Das sind mehrere hunderttausend Menschen   in Deutschland. Die Unter-Drei&#223;igj&#228;hrigen sind besonders betroffen.<\/p>\n<h4>  Vereinsamung und Kontrollverlust<\/h4>\n<p>  Sebastian, 17 Jahre schreibt: &#8222;Man vergisst alles um sich herum.   Vergessen ist oft ein Segen. Alle Probleme, denen man sich vorher   stellen musste, sind scheinbar nicht mehr da. Man muss keine Hindernisse   wie Faulheit &#252;berwinden, wof&#252;r ich mich qu&#228;len m&#252;sste, was ich nicht   kann. Jetzt habe ich das Gef&#252;hl vergesslich zu werden, ich vergesse   sogar dauernd, was ich vor 10 Minuten gesagt habe. Ich habe das Gef&#252;hl   zu verbl&#246;den, immer kindlicher statt reifer zu werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Die suchthafte und &#252;berm&#228;&#223;ige Nutzung des Internet f&#252;hrt zu   Vereinsamung, Kontrollverlust und Entzugserscheinungen wie Aggressivit&#228;t   und Konzentrationsst&#246;rungen. Ein Beispiel, ein 16j&#228;hriger Spieler kann   nicht mehr schlafen &#8211; eine typische Entzugserscheinung. Er erh&#228;lt   elektrische Stimulation, um brachliegende Teile des Nervensystems zu   reaktivieren.<\/p>\n<h4>  Ursachen<\/h4>\n<p>  Die Ursachen f&#252;r eine Sucht sind von Person zu Person unterschiedlich   und nicht mit einfachen Mustern zu erkl&#228;ren. Wahrscheinlich ist, dass   sich vorhandene psychische Probleme (ADHS, Depression u.a.) in einer   Onlinesucht ausdr&#252;cken und verst&#228;rken. Doch wenn Sucht und psychische   St&#246;rungen zu Massenph&#228;nomenen werden, steckt ein gesellschaftliches   Problem dahinter.<\/p>\n<p>  Als Ursachen f&#252;r Onlinesucht gelten vor allem der Versuch Stress zu   bew&#228;ltigen und die Nutzung der Online-Parallelwelt als Ersatz f&#252;r das   reale Leben. Studien haben bewiesen, dass Turbo-Abitur und   Bachelor\/Master an der Uni zu vermehrten Stresserscheinungen gef&#252;hrt   haben. Leistungsdruck und Zukunfts&#228;ngste greifen in allen Bereichen um   sich und werden Suchterkrankungen vermehren.<\/p>\n<h4>  Parallelwelten<\/h4>\n<p>  Der Kapitalismus, der auf Konkurrenz, Entm&#252;ndigung, Unterdr&#252;ckung und   Ausbeutung beruht, wird die Flucht in Parallelwelten verst&#228;rken. &#8222;Aber   Warum? Ganz einfach: Im Internet war ich wer&#8230; in dem Spiel gab es   gewisse Stufen die man erreichen konnte. Je h&#246;her die Stufe, je h&#246;her   das Ansehen. Innerhalb von 8 Monaten hatte ich die h&#246;chste Stufe   erreicht. In jedem Chan wurde ich mit Freude begr&#252;&#223;t. Ich wurde   geachtet, ich wurde gemocht, ich wurde respektiert. Genau das, was ich   immer wollte. Beliebt sein. Es war wie auf einem Mordsm&#228;&#223;igem Trip. Im   Real haben mich meistens alle geh&#228;nselt, ich war ein Niemand. Aber im   Spiel war ich ein JEMAND.&#8220;<\/p>\n<p>  Was wird dagegen unternommen? Bislang beschr&#228;nkten sich die Vorschl&#228;ge   der Bundesregierung weitesgehend darauf, das Mindestalter f&#252;r   Computerspiele hochzusetzen. Ursachenbek&#228;mpfung? Fehlanzeige! Die   Jugendlichen werden selbst f&#252;r ihre Sucht verantwortlich gemacht.<\/p>\n<p>  Statt dessen fordern wir: Stress und Zukunftsangst m&#252;ssen bek&#228;mpft   werden. Selektion und Leistungsdruck geh&#246;ren nicht in die Schule und   Uni. Ein garantierter Studien, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz f&#252;r jede   und jeden gibt Sicherheit. Die Arbeitszeiten m&#252;ssen runter und zwar bei   vollem Lohn. Online-Besch&#228;ftigung ist meist die billigste Besch&#228;ftigung:   Kostenlose Freizeitangebote im RealLive geh&#246;ren ausgebaut statt   weggek&#252;rzt.<\/p>\n<h4>  Profitsystem abschaffen<\/h4>\n<p>  Die Firma Activision Blizzard, die das Spiel &#8222;World of Warcraft&#8220;   vertreibt, hat 2009 4,28 Mrd Dollar Umsatz gemacht. Das Release des   neuen Addon Cataclysm soll die Nutzerzahlen wieder steigern: Die Profite   m&#252;ssen hoch gehalten werden.<\/p>\n<p>  Um Spiel- und Onlinespa&#223; zu verwirklichen, muss die Game- und   Online-Industrie dem Profitsystem entrissen werden.<\/p>\n<p>  Spielspa&#223;, der keine Suchtmechanismen einbaut um Profite zu erh&#246;hen.   Onlinewelten, die einen nicht jeden Tag auf die Seite locken, um ihre   Werbung zu verbreiten. Ein Schritt dahin ist die Verstaatlichung unter   demokratischer Kontrolle und Verwaltung der EntwicklerInnen, GamerInnen   \/ NutzerInnen und der Allgemeinheit. Ausbeutung, Existenzangst und   Unterdr&#252;ckung m&#252;ssen abgeschafft und das kapitalistische System durch   eine sozialistische Gesellschaft ersetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Stress, Angst und nur Probleme? 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