{"id":13740,"date":"2010-06-10T15:00:00","date_gmt":"2010-06-10T13:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13740"},"modified":"2012-07-18T15:15:28","modified_gmt":"2012-07-18T13:15:28","slug":"13740","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13740\/","title":{"rendered":"Streichen bei den Reichen statt k&#252;rzen bei den Armen!"},"content":{"rendered":"<p>  Jetzt den Kampf gegen &#8222;Sparpaket&#8220;, Gesundheitsreform und Entlassungen   steigern.<\/p>\n<p>  <i>Flugblatt der SAV [<a href=\"\/media\/2010\/2010-06-sparpaket.pdf\">hier   als PDF<\/a>]<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Schwarz-Gelb bleibt sich treu: das so genannte Sparpaket ist ein   weiterer Angriff auf die &#228;rmsten Schichten der Bev&#246;lkerung. Nachdem den   Reichen und Unternehmern zum Jahresanfang Geld in den Hintern geblasen   wurde und Milliarden an die Banken flie&#223;en, werden ihre Profite und   Verm&#246;gen nun nicht angetastet. Sozial ausgewogen und gerecht geht anders!<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Das ist trotz gegenteiliger Beteuerungen von Merkel und Westerwelle so   offensichtlich, dass selbst aus der CDU Kritik laut wird.   Bundestagspr&#228;sident Lammert (CDU) merkte an, er h&#228;tte sich gew&#252;nscht,   dass &#8222;auch die Spitzeneink&#252;nfte einen Beitrag zu leisten haben&#8220; und der   Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts, Reiner Haselhoff, warnte davor,   dass die politische Glaubw&#252;rdigkeit in Frage gestellt wird, wenn &#8222;die   zehn Prozent der Oberschicht keinen steuerlichen Beitrag zur Sanierung   des Bundeshaushalts leisten.&#8220;<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich ist dieses so genannte Sparpaket der Versuch, die   Kapitalisten zu schonen, die abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten nicht gegen sich   aufzubringen und die Schw&#228;chsten zu schr&#246;pfen. Es ist ein Programm gegen   Langzeitarbeitslose und wird die Alters- und Kinderarmut steigern. Die   Erwerbslosigkeit wird durch den Abbau von 10.000 Stellen im &#246;ffentlichen   Dienst zunehmen. Es soll die Spaltung in der Gesellschaft vergr&#246;&#223;ern und   die Kluft zwischen den Erwerbslosen und Besch&#228;ftigten steigern. Doch wer   denkt, er komme als Besch&#228;ftigter mit einem blauen Auge davon, vertut   sich.<\/p>\n<h4>  Das ist noch nicht alles<\/h4>\n<p>  Denn dieses Sparpaket ist erst der Anfang &#8211; und es ist nicht alles. Ganz   abgesehen davon, dass die kosmetischen Besteuerungen von Unternehmen   (Atomstromsteuer, Bahn-Dividende und Flugabgabe) wahrscheinlich auf die   VerbraucherInnen abgew&#228;lzt werden, wird es zum Jahresende zur Erh&#246;hung   des Beitrags f&#252;r die Arbeitslosenversicherung kommen, wird das Defizit   der gesetzlichen Krankenversicherungen durch Erh&#246;hung von   Medikamenten-zuzahlung, Leistungsk&#252;rzung oder\/und Zusatzbeitr&#228;ge durch   die Masse der Versicherten gedeckt werden und finden in L&#228;ndern und   Kommunen weitere K&#252;rzungsorgien, Stellenabbau und Geb&#252;hrenerh&#246;hungen   statt. Hinzu kommt dann noch die Ersetzung der GEZ-Geb&#252;hr durch eine   Haushaltsabgabe, die dann auch die (zugegebenerma&#223;en wenigen) trifft,   die keinen Fernseher besitzen oder aus Armutsgr&#252;nden (und das sind dann   schon ein paar mehr) auf die Entrichtung der Geb&#252;hr verzichtet haben und   den GEZ-Sheriffs bisher durch die Lappen gegangen sind.<\/p>\n<p>  Vor allem aber werden auch die zusammen gerechneten 80 Milliarden nicht   ausreichen. Denn die Regierung geht von konstanten Arbeitslosenzahlen   und einer sich fortsetzenden wirtschaftlichen Erholung aus. Doch die   Weltwirtschaftskrise ist alles andere als vorbei und die sich weiter   zuspitzende Euro-Krise kann auch die so genannte Realwirtschaft in eine   zweite Rezession ziehen &#8211; mit allen Folgen wachsender   Erwerbslosenzahlen, sinkender Steuereinnahmen und wachsender   &#246;ffentlicher Haushaltsdefizite. So k&#246;nnen aus 80 Milliarden schnell 100   und mehr Milliarden werden. Dass die Bundesregierung selber das   K&#252;rzungsvolumen hoch rechnet und die Notwendigkeit zum &#8222;Sparen&#8220; so   betont ist auch eine ideologische Vorbereitung auf die n&#228;chsten   K&#252;rzungen, bei denen dann sicher die abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten deutlicher   zur Kasse gebeten werden. Ebenso ist die so genannte &#8222;Autonomiest&#228;rkung&#8220;   der Bundesagentur f&#252;r Arbeit (soll hei&#223;en, dass diese k&#252;nftig ohne   Darlehen und Zusch&#252;sse aus dem Bundeshaushalt auskommen soll) nichts   weiter als eine Vorbereitung weiterer drastischer Einsparungen bei   Erwerbslosen in der Zukunft.<\/p>\n<h4>  Welche Alternativen?<\/h4>\n<p>  Das &#8220;Sparpaket&#8221; ist eine direkte Folge der kapitalistischen Krise und   der Politik f&#252;r Banken und Konzerne, die von allen etablierten Parteien   betrieben wird. Es ist pure Heuchelei, wenn SPD und Gr&#252;ne die   Merkel-Westerwelle-Regierung als unsozial gei&#223;eln und gegen die   K&#252;rzungen opponieren. Unter der Schr&#246;der-Fischer-Regierung wurden den   Reichen und Konzernen Steuergeschenke von weit &#252;ber 40 Milliarden   j&#228;hrlich gemacht; Agenda 2010 und Hartz IV wurden eingef&#252;hrt. Ohne diese   Vorarbeiten w&#228;re dieses &#8222;Sparpaket&#8220; so gar nicht m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Eine wirkliche Alternative zur kapitalistischen Haushaltspolitik aller   pro-kapitalistischen Parteien w&#252;rde nicht nur die Einf&#252;hrung einer   Verm&#246;gens- und einer wirksamen Erbschaftssteuer vorsehen, sondern das   ganze Steuersystem so umbauen, dass es eine stark progressive   Besteuerung von Gewinnen und Verm&#246;gen g&#228;be und gleichzeitig die   Massenverbrauchssteuern, die die Armen und Lohnabh&#228;ngigen besonders   belasten, drastisch reduziert bzw. ganz abgeschafft w&#252;rden. Dies w&#252;rde   zweifellos auf den erbitterten Widerstand der Kapitalisten treffen, die   mit Entlassungen, Verlagerungen und Investitionsboykott drohen w&#252;rden.   Deshalb k&#246;nnte eine solche gerechte Steuerpolitik nur von einer   sozialistischen Regierung umgesetzt werden, die bereit w&#228;re, sich mit   dem Kapital tats&#228;chlich anzulegen und Banken und Konzerne in   &#246;ffentliches Eigentum zu &#252;berf&#252;hren und unter demokratische Kontrolle   und Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung zu stellen. Dann k&#246;nnte der   gesellschaftlich erarbeitete Reichtum auch tats&#228;chlich im Sinne der   Gesellschaft eingesetzt werden. Eine sozialistische Demokratie w&#252;rde die   Diktatur der M&#228;rkte beenden und durch eine demokratisch geplante   Wirtschaft, die Bed&#252;rfnisse von Mensch und Natur, statt den Profit, in   den Mittelpunkt r&#252;ckt.<\/p>\n<h4>  Was tun?<\/h4>\n<p>  Gewerkschaften und DIE LINKE lehnen das &#8222;Sparpaket&#8220; ab. Aber Worte   helfen hier wenig. Es m&#252;ssen endlich Taten folgen &#8211; Taten des   Widerstands, wie wir sie in den letzten Wochen bei den ArbeiterInnen in   Spanien, Portugal und Griechenland beobachten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Der Regierungsbeschluss ist wahrlich keine &#220;berraschung. Es ist deshalb   eine Schande, dass die Gewerkschaftsspitzen bisher v&#246;llig unt&#228;tig waren   und die Demonstrationen &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise&#8220; am 12. Juni in   Berlin und Stuttgart nicht unterst&#252;tzen bzw. wie die ver.di-F&#252;hrung zwar   offiziell dazu aufrufen, aber kaum mobilisieren. Die Schande der Partei   DIE LINKE ist nur geringf&#252;gig kleiner. Sie ruft zwar zu diesen   Demonstrationen auf, mobilisiert aber viel zu schwach dort hin. In ganz   NRW stellt der Landesverband nur einen Bus zur Fahrt nach Stuttgart, in   Berlin h&#228;ngt kein Plakat und sieht man kein Flugblatt der LINKE f&#252;r die   Demonstration. Trotzdem werden sich viele Mitglieder von Gewerkschaften   und LINKE an den Demos beteiligen und werden diese ein Signal des   Aufbruchs zur Organisierung von ernsthaftem Widerstand sein.<\/p>\n<p>  Der Bundestag soll im September erstmals &#252;ber das &#8220;Sparpaket&#8221; beraten,   bis November soll es beschlossen sein. Gewerkschaften und LINKE m&#252;ssen   nun eine Massenkampagne starten: mit Vertrauensleute- und   Betriebsr&#228;tekonferenzen, Betriebsversammlungen, &#246;ffentlichen   Veranstaltungen und Aktionen. Aktionsgruppen in Betrieben, Schulen,   Hochschulen und Stadtteilen, sowie von Erwerbslosen m&#252;ssen aufgebaut und   vernetzt werden. Mit Zeitungsanzeigen, Fernsehspots und Plakatkampagnen   sollte um die so genannte &#246;ffentliche Meinung gek&#228;mpft werden. Der Kampf   gegen das &#8220;Sparpaket&#8221; der Bundesregierung muss dabei verbunden werden   mit den &#246;rtlichen Mobilisierungen gegen kommunale K&#252;rzungen,   Arbeitsplatzvernichtung, Bildungsabbau etc. Eine Bewegung der   Lohnabh&#228;ngigen und Erwerbslosen muss und kann aufgebaut werden &#8211; denn   die Emp&#246;rung ist gro&#223;, nur wissen viele Menschen nicht, was sie gegen   diese Politik f&#252;r Banken und Konzerne tun k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Ziel muss als erster H&#246;hepunkt ein eint&#228;giger Generalstreik gegen   &#8222;Sparpaket&#8220;, Gesundheitsreform, Bildungsabbau und die ganze   pro-kapitalistische Politik der Regierung sein. Wenn die   Gewerkschaftsf&#252;hrungen jetzt mit einer entschlossenen Kampagne starten,   ist ein solcher im Herbst m&#246;glich. Doch von alleine werden Huber,   Bsirske und Sommer kaum einen solchen, notwendigen Kampf organisieren.   Deshalb brauchen sie den organisierten Druck von der Gewerkschaftsbasis   und von sozialen und linken Initiativen, wie dem B&#252;ndnis &#8222;Wir zahlen   nicht f&#252;r Eure Krise&#8220;.<\/p>\n<p>  Ein wichtiger Termin kann in diesem Zusammenhang der 29. September   werden. An diesem Tag wird der Europ&#228;ische Gewerkschaftsbund eine   internationale Demonstration in Br&#252;ssel durchf&#252;hren. Es darf nicht   zugelassen werden, dass dies eine der &#252;blichen   Schaufenster-Mobilisierungen zum Dampf ablassen wird, wie wir sie vom   EGB leider kennen. Die Demonstration sollte zum Anlass genommen werden   zeitgleich in allen L&#228;ndern einen europaweiten Aktionstag durchzuf&#252;hren   und &#8211; je nach den M&#246;glichkeiten und Bedingungen vor Ort &#8211; Streiks,   Generalstreiks und Gro&#223;demonstrationen durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  F&#252;r die AktivistInnen an der Basis der Gewerkschaften, der Partei DIE   LINKE und sozialen Bewegungen hei&#223;t das: sich von unten vernetzen,   unabh&#228;ngige Aktionen fortsetzen und den Druck in Gewerkschaften und   LINKE f&#252;r wirklichen Widerstand steigern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Jetzt den Kampf gegen &#8222;Sparpaket&#8220;, Gesundheitsreform und Entlassungen<br \/>\n      steigern.\n    <\/p>\n<p>\n      <i>Flugblatt der SAV [<a href=\"\/media\/2010\/2010-06-sparpaket.pdf\">hier<br \/>\n      als PDF<\/a>]<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[81],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13740"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13740"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13740\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}