{"id":13736,"date":"2010-06-09T00:00:00","date_gmt":"2010-06-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13736"},"modified":"2012-05-09T15:35:00","modified_gmt":"2012-05-09T13:35:00","slug":"13736","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13736\/","title":{"rendered":"Stressfaktor (Aus)Bildung &#8211; Was tun?"},"content":{"rendered":"<p>  Sch&#252;lerInnen, Azubis und Studierende leiden oft an hohen   Arbeitsbelastungen und niedrigen Einkommen. Dabei k&#246;nnte es viel besser   gehen&#8230;<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Thies<\/i><\/h4>\n<h4>  Schule: Turboabi+Doppeljahrgang<\/h4>\n<p>  Zahlreiche Bundesl&#228;nder haben das 12-j&#228;hrige Turboabitur eingef&#252;hrt und   zwingen Jugendliche damit, &#8222;Turbosch&#252;lerInnen&#8220; zu werden, die die   gleiche Menge Lernstoff in k&#252;rzerer Zeit lernen sollen. Stundenpl&#228;ne mit   bis zu 40 Wochenstunden sind keine Seltenheit. Mit Hausaufgaben und   Bulimie-Lernen (reinpauken, rauskotzen) vor Klassenarbeiten und   Klausuren arbeiten viele Sch&#252;lerInnen 50 Stunden pro Woche &#8211; g&#228;be es   eine Sch&#252;lerInnengewerkschaft, m&#252;sste sie bei solchen Arbeitszeiten   l&#228;ngst in den Dauerstreik getreten sein. Durch die Schulzeitverk&#252;rzung   sind doppelte Abiturjahr- g&#228;nge entstanden &#8211; beginnend mit diesem Jahr   in Hamburg kommt es zu einer extremen Versch&#228;rfung der Konkurrenz um   Studienpl&#228;tze, die nach dem Abi-Schnitt vergeben werden &#8211; wenn sich fast   doppelt so viele BewerberInnen auf die gleiche Anzahl Pl&#228;tze bewerben,   bleibt Leuten die nicht gerade einen Einser-Schnitt haben oft nur eine   Ausbildung als Ausweg. Dieser wird von der Hamburger Handelskammer unter   dem Motto &#8222;Abi macht Lehre&#8220; beworben &#8211; auch hier fehlen Pl&#228;tze. Ein   passender Slogan in dieser Situation w&#228;re &#8222;Real macht Hartz&#8220; &#8211; denn die   meisten Betriebe werden BewerberInnen mit Abi grunds&#228;tzlich bevorzugen,   wer von der Real- oder Hauptschule kommt, hat Pech gehabt.<\/p>\n<h4>  Ausbildung: Arbeitshetze+Hungerlohn<\/h4>\n<p>  Aber auch diejenigen, die einen Ausbildungsplatz ergattert haben, haben   oft Grund zu Beschwerden. Fast 20 Prozent sind so unzufrieden, dass sie   ihre Ausbildung abbrechen &#8211; trotz des damit verbundenen Risikos,   arbeitslos zu werden und auf Hartz IV zu landen.<\/p>\n<p>  &#220;ber 40 Prozent der Azubis leisten regelm&#228;&#223;ig &#220;berstunden &#8211; davon 21   Prozent mehr als f&#252;nf pro Woche.<\/p>\n<p>  Insgesamt arbeitet die Mehrheit der Azubis &#252;ber 40 Stunden in der Woche.   Dazu kommen noch Berichtsheft, Zwischenpr&#252;fungen und und und.<\/p>\n<p>  Bei einer monatlichen Ausbildungsverg&#252;tung von im Durchschnitt 572,62   Euro ergibt sich ein Stundenlohn von 3,58 Euro. Von 249 Euro im Monat   (FriseurIn, 2. Lehrjahr) kann man sich keine Wohnung finanzieren &#8211; genau   das m&#252;ssen aber immer mehr Azubis zwangsl&#228;ufig, wenn sie nur einen   Ausbildungsplatz weit weg von ihrem bisherigen Wohnort bekommen.   Unabh&#228;ngigkeit von den Eltern oder &#196;mtern gibt es w&#228;hrend der Ausbildung   fast nie.<\/p>\n<h4>  Studium: Bachelor und Anwesenheitspflicht<\/h4>\n<p>  Wegen Studiengeb&#252;hren und erschwertem Zugang zu BaF&#246;G m&#252;ssen 65 Prozent   der Studierenden nebenbei arbeiten. Wegen Pflichtveranstaltungen und   verst&#228;rktem Pr&#252;fungsdruck im Bachelor\/Master-Alltag kommt fast ein   Drittel aller Studierenden auf eine Arbeitsbelastung von 50 und mehr   Stunden pro Woche. Unialltag ist zum Stressfaktor geworden.<\/p>\n<h4>  Ausweg: Kampf um Verbesserungen<\/h4>\n<p>  Ziel der Bildungsproteste muss sein, Pr&#252;fungsdruck und Leistungsstress   abzubauen. Das Turboabitur und das Bachelor\/Master-System geh&#246;rt   abgeschafft. Demokratische Komitees von Lernenden, Lehrenden und   GewerkschaftsvertreterInnen sollen &#252;ber die Alternative entscheiden.<\/p>\n<p>  Wir brauchen eine Ausbildungsverg&#252;tung von der man leben kann. Das hei&#223;t   1400 Euro brutto im Monat. Die Arbeitszeiten m&#252;ssen bei vollem Lohn   gesenkt werden. Der gro&#223;e Stressfaktor, die Notwendigkeit, neben dem   Studium oder Schule zu arbeiten, muss durch ein elternunabh&#228;ngiges BaF&#246;G   in H&#246;he von 500 Euro plus Warmmiete &#252;berwunden werden. Ein Studien- oder   Ausbildungsplatz im gew&#252;nschten Beruf f&#252;r jede und jeden sowie die   garantierte &#220;bernahme f&#252;r alle im erlernten Beruf w&#252;rde den   Konkurrenzdruck senken.<\/p>\n<p>  Ziel muss die umfassende Demokratisierung von Schulen und Unis sein. Die   Ausbildung muss raus aus Unternehmerhand. Wo Lernende und Lehrende   gemeinsam &#252;ber Inhalte und Methoden entscheiden und selbst bestimmen   k&#246;nnen, was sie lernen m&#246;chten, kann viel Stress abgebaut werden. Eine   Welt, in der niemand zum Frontalunterricht in linearer Algebra oder zum   Goethe lesen gezwungen wird ist m&#246;glich! Wer nach Interesse und   &#8222;Wissensbedarf&#8220; entscheidet, was er oder sie lernt, kann das Gelernte   besser nutzen und hat weniger Stress als jemand mit starrem Lehrplan,   Ausbeutung im Betrieb oder Anwesenheitspflicht in der Uni.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sch&#252;lerInnen, Azubis und Studierende leiden oft an hohen<br \/>\n      Arbeitsbelastungen und niedrigen Einkommen. 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