{"id":13733,"date":"2010-06-08T00:00:00","date_gmt":"2010-06-08T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13733"},"modified":"2010-06-08T00:00:00","modified_gmt":"2010-06-08T00:00:00","slug":"13733","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13733\/","title":{"rendered":"Sri Lanka: Die Parlamentswahlen 2010"},"content":{"rendered":"<p>  Der Chauvinismus ist gest&#228;rkt &#8211; MarxistInnen standhaft in der Opposition<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>Zum Hintergrund des folgenden Artikels:<\/b> Die Politik in Sri   Lanka wird seit Jahren durch den Konflikt zwischen singhalesischer   Mehrheit und tamilischsprachiger Minderheit gepr&#228;gt. Dabei gibt es   sozusagen dreierlei TamilInnen: Es gibt zun&#228;chst die tamilische   Bev&#246;lkerung im Norden und Osten der Insel. Dann gibt es im Rest des   Landes, vor allem der Hauptsadt Colombo, eine tamilische Minderheit, die   w&#228;hrend der britischen Kolonialherrschaft als Teil der   Teile-und-Herrsche-Politik manchmal gegen&#252;ber der singhalesischen   Mehrheit bevorzugt wurde. Drittens gibt es im Hochland tamilische   TeeplantagenarbeiterInnen, deren Vorfahren von den britischen   Kolonialherren als billige Arbeitskr&#228;fte aus S&#252;dindien importiert   wurden. Der nationale Konflikt wird noch durch einen religi&#246;sen   versch&#228;rft: die TamilInnen sind &#252;berwiegend hinduistisch, die   SinghalesInnen &#252;berwiegend buddhistisch, es gibt noch eine muslimische   Minderheit. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Im Unabh&#228;ngigkeitskampf gegen die Briten bis 1948 waren die   b&#252;rgerliche Vereinigte Nationalpartei (United National Party, UNP) und   die Sozialistische Partei von Sri Lanka (Lanka Sama Samaja Party, LSSP),   eine der wenigen trotzkistischen Massenparteien bisher, als f&#252;hrende   Parteien entstanden. In den 1950er Jahren wurde die Sri Lanka   Freiheitspartei (Sri Lanka Freedom Party, SLFP) als weitere b&#252;rgerliche   Partei gegr&#252;ndet. Sie versuchte durch Populismus und singhalesischen   Nationalismus Stimmen zu gewinnen. Insbesondere trat sie daf&#252;r ein,   englisch durch singhalesisch als Amtssprache zu ersetzen, was sich   sowohl gegen die &#220;berbleibsel der Kolonialherrschaft als auch gegen die   tamilischsprachigen Menschen richtete. Die SLFP ist der Hauptbestandteil   des heutigen Wahlb&#252;ndnisses Vereinigte Allianz der Volksfreiheit (United   People&#8217;s Freedom Alliance, UPFA) von Pr&#228;sident Rajapaksa. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die wachsende Diskriminierung der TamilInnen f&#252;hrte in den 70er   Jahren zu der nationalistischen Forderung nach einem eigenen   Tamilenstaat (Tamil Eelam) und der Entstehung der Befreiungstiger von   Tamil Eelam (Liberation Tigers of Tamil Eelam). Nach Pogromen gegen die   tamilische Minderheit mit mehreren Tausend Toten im Juli 1983 begann ein   offener B&#252;rgerkrieg, bei dem die LTTE gr&#246;&#223;ere Gebiete im Norden und   Osten eroberte und &#252;ber viele Jahre kontrollierte. Der B&#252;rgerkrieg, der   von Waffenstillst&#228;nden und Friedensverhandlungen unterbrochen war,   endete 2009 mit dem milit&#228;rischen Sieg der Armee von Sri Lanka. Die   Politik ist weiterhin durch nationalen Chauvinismus und Kommunalismus   (das Aufhetzen der singhalesischen und tamilischen Volksgruppen, der   &#8218;communities&#8217;, gegen einander) gepr&#228;gt. Dabei haben beide gro&#223;en   b&#252;rgerlichen Parteien ihren Beitrag zur Unterdr&#252;ckung der   tamilischsprachigen Menschen geleistet: Die SLFP ist mit dem Sch&#252;ren   antitamilischer Ressentiments gro&#223; geworden und &#252;ber die UPFA f&#252;r das   mit der milit&#228;rischen Beendigung des B&#252;rgerkriegs verbundene Leid   veranwortlich. Unter der ziemlich diktatorischen Herrschaft der UNP   1977-94 f&#252;hrten verst&#228;rkte Unterdr&#252;ckung und Pogrome gegen die   tamilischsprachige Minderheit zum blutigen B&#252;rgerkrieg. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die LSSP hatte die ersten Jahre konsequent die Rechte der tamilischen   Minderheit verteidigt und war f&#252;r einen gemeinsamen Kampf von   singhalesischen und tamilischen ArbeiterInnen eingetreten. 1964 und 1971   trat sie in v&#246;lligem Gegensatz zu allen marxistischen Prinzipien in   Koalitionsregierungen mit der SLFP ein. Die Folgen zeigten, wie richtig   diese Prinzipien sind: Die LSSP erreichte ein paar Ref&#246;rmchen und   Kosmetik wie die Umbenennung Sri Lankas in &#8222;Demokratische Sozialistische   Republik Sri Lanka&#8220;, diskreditierte sich aber mittelfristig bei den   Massen und ist inzwischen zu einer Splittergruppe geworden, die das   Rajapaksa-Regime unterst&#252;tzt. In den 1970er Jahren entstand deshalb eine   gro&#223;e Oppositionsstr&#246;mung innerhalb der LSSP, die sich 1977 als NSSP   (Nava Sama Samaja Party, Neue Sozialistische Partei) abspaltete, nachdem   die F&#252;hrung einen Parteikongress immer wieder verschleppte, auf dem die   Kritik h&#228;tte diskutiert werden k&#246;nnen. Die NSSP schloss sich zun&#228;chst   dem CWI an, es kam aber bald zu grundlegenden Differenzen: 1986   vereinbarten Indien und Sri Lanka, indische Truppen in Sri Lanka zu   stationieren, die als &#8218;neutrale Schlichter&#8220; den B&#252;rgerkrieg beenden   sollten. Da es in Indien in Tamil Nadu im S&#252;den eine gro&#223;e tamilische   Bev&#246;lkerung gibt, gab es zun&#228;chst gro&#223;e Illusionen, vor denen die NSSP   einknickte. Nach kurzer Zeit waren die indischen Truppen aber bei   singhalesischer und tamilischer Bev&#246;lkerung gleicherma&#223;en unbeliebt.   Statt ihren Fehler zu korrigieren, ging die Mehrheit der NSSP mit   undemokratischen Methoden gegen die Minderheit vor, die die Kritik der   internationalen F&#252;hrung des CWI teilte. Diese Minderheit bildete   daraufhin die neue Sektion des CWI, die heute Vereinigte Sozialistische   Partei (United Socialist Party, USP) hei&#223;t. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die NSSP betrieb seither eine opportunistische B&#252;ndnispolitik. Vor   zehn Jahren verband sie sich mit der Volksbefreiungsfront (Janath&#257;   Vimukthi Peramu&#7751;a, JVP), einer Partei, die antikapitalistische Rhetorik   mit antitamilischer Politik verbindet und sich damals relativ links gab.   Bei den Wahlen jetzt trat die NSSP als Linke Befreiungsfront (Left   Liberation Front, LLF) zusammen mit anderen linken Kleingruppen und   Abspaltungen der tamilischen Nationalisten an. Unterst&#252;tzt wurde dieses   opportunistische B&#252;ndnis auch von der Sozialistischen Partei von Sri   Lanka, einer kleinen Abspaltung der USP, die sich international der   sonst so wortradikalen Liga f&#252;r eine F&#252;nfte Internationale (in   Deutschland Gruppe Arbeitermacht) angeschlossen hat. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Dagegen tritt die USP seit Jahren konsequent f&#252;r den Wiederaufbau der   Arbeiterbewegung in Sri Lanka ein. Dabei arbeitet sie zwar punktuell mit   b&#252;rgerlichen Oppositionskr&#228;ften bei der Verteidigung demokratischer   Freiheiten gegen den Terror des Rajapaksa-Regimes zusammen, besteht aber   auf der politischen Unabh&#228;ngigkeit der Arbeiterbewegung.<\/i><\/p>\n<p>  <b>Der folgende Artikel erschien erstmals auf <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">www.socialistworld.net<\/a>   am 22.4.2010<\/b><\/p>\n<p>  Nach gro&#223;er Verz&#246;gerung und der Wiederholung der Wahl in einer Reihe von   Bezirken aufgrund gewaltt&#228;tiger St&#246;rungen bei der Wahl wurde das   Endergebnis der Parlamentswahl 2010 in Sri Lanka am Mittwoch, 21. April,   bekannt gegeben.<\/p>\n<h4>  <i>Von Siritunga Jayasuriya, Vereinigte Sozialistische Partei (United   Socialist Party, USP, CWI in Sri Lanka) &amp; Senan, CWI<\/i><\/h4>\n<p>  Eine Rekordzahl von 7.680 KandidatInnen bewarb sich um 196 Sitze in 22   Wahlbezirken bei der 14. Parlamentswahl in Sri Lanka, die am 8. April   2010 abgehalten wurde. Sechsunddrei&#223;ig politische Parteien und eine   gro&#223;e Zahl von EinzelkandidatInnen nahmen teil. Allein im Bezirk Colombo   traten 836 KandidatInnen an. Diese Zahlen wurden von der herrschenden   Klasse als ein Zeichen einer bl&#252;henden Demokratie vorgef&#252;hrt. Sie   erkl&#228;rten es zu einem &#8218;neuen Anfang&#8217; nach 30 Jahren B&#252;rgerkrieg, der im   Mai letzten Jahres brutal beendet wurde. Aber das Gerede von einer   &#8218;bl&#252;henden Demokratie&#8217; ist weit von der Wahrheit entfernt.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich war bei dieser Wahl die Beteiligung auf einem Rekordtief, im   Durchschnitt lag sie bei knapp &#252;ber 50 Prozent. Die geringste   Beteiligung war im Jaffna-Bezirk (in den Tamilengebieten, A.d.&#220;.) mit   gerade mal 18 Prozent. Wenn die innerhalb des Landes vertriebenen   Menschen (internally displaced people, IDPs) mitgez&#228;hlt wurden, erh&#246;hte   sich das nur auf 23 Prozent. Dies war die geringste Beteiligung in der   Geschichte des Landes seit der Unabh&#228;ngigkeit von britischer   Kolonialherrschaft. Dies ist ein schockierendes Ergebnis, weil Sri Lanka   eine lange Geschichte hoher Beteiligungen in der Gr&#246;&#223;enordnung von 80   Prozent bei Wahlen hat. Bei der letzten Wahl waren es 76 Prozent. Das   niedrigste Ergebnis bisher war 64 Prozent 1989.<\/p>\n<p>  Diese Wahl war auch gekennzeichnet durch eine Rekordzunahme von   gewaltsamer Einsch&#252;chterung und Korruption. Etwa 1.000 Beschwerden   wurden gez&#228;hlt. Am Tag der Wahl berichtete das Zentrum f&#252;r die   Beobachtung von Wahlgewalt (Centre For Monitoring Election Violence,   CMEV) 84 gr&#246;&#223;ere Zwischenf&#228;lle, einschlie&#223;lich 53 Zwischenf&#228;llen in der   N&#228;he von Wahllokalen, und 189 Verletzungen des Wahlgesetzes. Aber man   sch&#228;tzt, dass die tats&#228;chliche Zahl noch h&#246;her ist, da die   &#220;berwachungsgremien an wirksamer Arbeit gehindert wurden. Gewalt und   Verletzungen des Wahlgesetzes waren so schwerwiegend, dass die   Ausz&#228;hlung der Stimmen in 34 Wahllokalen ausgesetzt wurde und   Wahlwiederholungen in zwei Bezirken &#8211; Trincomalee und Kandy &#8211;   festgesetzt werden mussten, die am 20. April nach dem   tamilisch\/singhalesischen Neujahr stattfanden.<\/p>\n<p>  Es wird berichtet, dass Minister der Regierungspartei und Gangster die   Kontrolle &#252;ber Wahlkabinen &#252;bernahmen und Oppositionsunterst&#252;tzer   vertrieben und sie am W&#228;hlen hinderten. Den Medien wurde untersagt, in   die N&#228;he von Wahllokalen zu kommen und eine Reihe von JournalistInnen   wurden Opfer von Einsch&#252;chterungen und Drohungen. Alle   regierungskontrollierten Medien wurden direkt und indirekt zum Wahlkampf   f&#252;r die herrschende Partei verwendet. Eine Reihe von   OppositionsaktivistInnen und -politikerInnen und auch JournalistInnen   sind immer noch im Gef&#228;ngnis. Selbst der Ex-General Sarath Fonseka, der   als der Haupt-Oppositionskandidat bei der letzten Pr&#228;sidentschaftswahl   gegen Pr&#228;sident Mahinda Rajapaksa antrat und &#252;ber 40 Prozent bekam, wird   gefangen gehalten. Er hat jetzt direkt aus der Gefangenschaft einen Sitz   im Bezirk Colombo gewonnen.<\/p>\n<p>  Mit solchen Einsch&#252;chterungstaktiken f&#252;hrte die Wahl zu einem gro&#223;en   Sieg f&#252;r die amtierende Vereinigte Allianz der Volksfreiheit (United   People&#8217;s Freedom Alliance, UPFA). Die UPFA gewann 144 Sitze, w&#228;hrend die   Hauptopposition, die Vereinigte Nationalpartei (United National Party,   UNP), nur 60 Sitze gewann. Die f&#252;hrende tamilische Partei, die   Tamilische Nationalallianz (Tamil National Alliance, TNA), bekam nur 14   Sitze. Bei den letzten Wahlen 2004 gewann die TNA, unterst&#252;tzt von den   Liberation Tigers of Tamil Eelam (Befreiungstigern von Tamil Eelam,   LTTE), 22 Sitze. Beachtlicherweise bekam die   singhalesisch-chauvinistische Partei, die Volksbefreiungsfront (Janath&#257;   Vimukthi Peramu&#7751;a, JVP), die unter dem neuen Namen Demokratische   Nationalallianz (Democratic National Alliance, DNA) antrat, nur 7 Sitze,   ein massiver R&#252;ckgang gegen&#252;ber den 39 Sitzen, die sie nach den letzten   Wahlen hatten.<\/p>\n<p>  Es war eine verheerende Niederlage f&#252;r die Hauptoppositionspartei, die   Vereinigte Nationalpartei (UNP). Die ArbeiterInnen und Armen glauben   nicht, dass eine b&#252;rgerliche Partei, die UNP, eine wirkliche Opposition   gegen das Rajapaksa-Regime darstellen kann. Das Hauptinteresse der UNP   besteht in der Umsetzung neoliberaler kapitalistischer Politik, wie sie   vom Westen diktiert wird. In ihrer Politik gibt es keinen Raum f&#252;r die   Verbesserung der Lebensverh&#228;ltnisse der arbeitenden und armen Massen.   Mit schrumpfender Unterst&#252;tzung k&#246;nnen der UNP in der nahen Zukunft   durchaus weitere Krisen drohen. Da sie nicht die Interessen der   einfachen Massen vertreten, m&#252;ssen sie sich vielleicht auf eine l&#228;ngere   &#8218;Schlafperiode&#8217; ohne Macht vorbereiten, die vom Rajapaksa-Regime   bestimmt ausgebeutet werden wird.<\/p>\n<p>  Rajapaksa erwartete auch, an der JVP pers&#246;nlich Rache zu nehmen, die   2005 massiv f&#252;r seine Wahl zum Pr&#228;sidenten Wahlkampf machte. Die JVP hat   immer Chauvinismus und Nationalismus in marxistisches Vokabular   gekleidet und ist f&#252;r spalterische Politik eingetreten. Diese feige   Herangehensweise spielte eine Schl&#252;sselrolle, betr&#228;chtliche Schichten   der Arbeiterklasse f&#252;r singhalesischen Chauvinismus und Unterst&#252;tzung   f&#252;r das Rajapaksa-Regime zu gewinnen. Die JVP lehnte alle Arten von   politischen L&#246;sungen und jede Art von Machtabgabe an die   tamilischsprachigen Minderheiten ab. Sie verherrlichte den Krieg und   mobilisierte selbst dann noch Unterst&#252;tzung f&#252;r ihn, nachdem sie sich   von der herrschenden Koalition abgespalten hatte. Um sich in die   Siegesmanie einzureihen, verbanden sie sich mit dem &#8218;Abweichler&#8217;-General   Fonseka und der f&#252;hrenden b&#252;rgerlichen Partei, der UNP, um Rajapaksa   herauszufordern. Nachdem Rajapaksa Fonseka gefangen genommen hat, um   seine Unterst&#252;tzung zu festigen, k&#246;nnte er sich jetzt gegen seinen alten   Verb&#252;ndeten von der JVP wenden. Die JVP ist jetzt durch ihre verheerende   Wahlniederlage geschw&#228;cht und steht vor einer ernsthaften Krise. Sie   kann auch nicht dem wachsenden Druck der ArbeiterInnen von unten   entgehen, die Massenaktionen wollen. Sie sind unf&#228;hig, irgendeine   Massenopposition der Arbeiterklasse zu f&#252;hren. Sie werden sich vielmehr   weiterhin auf chauvinistische Propaganda st&#252;tzen, um etwas Unterst&#252;tzung   von Rajapaksa weg zu erhalten. Dadurch haben sie den Weg daf&#252;r ge&#246;ffnet,   dass Rajapaksa jede Form von Arbeiterbewegung im Namen des Kampfs gegen   den &#8218;Terrorismus&#8217; &#8211; entweder in der Spielart der LTTE oder der JVP &#8211;   angreifen kann.<\/p>\n<h4>  &#8218;Friedensdividende&#8217;?<\/h4>\n<p>  Der Sieg der UPFA wird als Sieg f&#252;r den singhalesischen, buddhistischen   Chauvinismus und seinen Wortf&#252;hrer, Pr&#228;sident Rajapaksa, gesehen. Die   Siegeseuphorie nach dem Krieg wurde vom Rajapaksa&#8218;clan&#8217; zur Festigung   seiner chauvinistischen Unterst&#252;tzung nach seiner Wiederwahl hoch   gepeitscht, als er seinen Gegenkandidaten und Ex-General der Armee von   Sri Lanka, Sarath Fonseka, mit Gewalt entfernte und zumindest f&#252;r die   Dauer des Parlamentswahlkampfs 2010 einsperrte. Fonseka, der mit der   Regierung im brutalen Krieg gegen die Rebellen (Befreiungstiger von   Tamil Eelam, Liberation Tigers of Tamil Eelam, LTTE), zusammengearbeitet   hatte, stellte eine Gefahr dar und h&#228;tte vielleicht die Stimmen der   singhalesischen Mehrheit spalten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Das UPFA-Wahlprogramm behauptete: &#8222;Sri Lanka ist ein Entwicklungswunder   von Asien.&#8221; Es wird erwartet, dass die Wirtschaft 2010 im Durchschnitt   bis zu 6 Prozent w&#228;chst, was von der herrschenden Klasse als Zeichen   einer bl&#252;henden Zukunft dargestellt wird. Aber dieses Wachstum bleibt   hinter dem Wachstum zur&#252;ck, das es w&#228;hrend der 2002 initiierten   Friedensverhandlungen gab. Mit Staatsschulden &#252;ber 80 Prozent des BIP   und einem massiven Haushaltsdefizit musste die Wirtschaft durch einen   IWF-Kredit von 2,6 Milliarden Dollar gerettet werden, der 2009 gew&#228;hrt   wurde. Die herrschende Elite weigert sich, &#252;ber die Zunahme der Armut   und die massiven Preiserh&#246;hungen f&#252;r G&#252;ter des t&#228;glichen Bedarfs zu   reden. Die versprochene so genannte &#8218;Friedensdividende&#8217; ist f&#252;r die   Mehrheit der arbeitenden und armen Bev&#246;lkerung nicht Wirklichkeit   geworden.<\/p>\n<p>  Aber das Prahlen, ein &#8218;Entwicklungswunder&#8217; zu sein, plus die   Kriegseuphorie helfen der herrschenden Partei weiter, Unterst&#252;tzung zu   mobilisieren. Der Rajapaksaclan will diese Gelegenheit n&#252;tzen, um seine   Macht durch eine &#196;nderung der Verfassung zu st&#228;rken. Die UPFA ist der   Zwei-Drittel-Mehrheit, die sie anstrebte, sehr nahe gekommen und es wird   jetzt erwartet, dass sie Oppositionsabgeordnete &#8218;kaufen&#8217; &#8211; damit sie die   Seite wechseln und f&#252;r die gew&#252;nschte Zwei-Drittel-Mehrheit sorgen, um   die Macht zur &#196;nderung der Verfassung zu haben. Die vorgeschlagenen   Verfassungs&#228;nderungen w&#228;ren eine Katastrophe. Als Teil der &#196;nderungen   schl&#228;gt die Regierung einen &#8218;Senat&#8217; vor, dem nicht gew&#228;hlte &#8218;religi&#246;se   F&#252;hrer&#8217; angeh&#246;ren sollen.<\/p>\n<p>  Auch ohne eine legale Macht, in der Regierung mitzureden, haben   kommunalistische buddhistische M&#246;nche und andere religi&#246;se F&#252;hrer in der   ganzen Geschichte von Sri Lanka eine spalterische und rassistische Rolle   gespielt. Die Partei der buddhistischen M&#246;nche &#8211; Jathika Hela Urumaya   oder Partei des Nationalen Erbes (JHU) &#8211; ist eine der rechtesten   rassistischen kommunalen Parteien im Land. Sie ist Teil der UPFA und   trat in Colombo, im Gampaha-Bezirk an. JHU-Kandidaten gewannen bei   dieser Wahl einen bedeutsamen Sieg. In der Tat kamen Kandidaten, die   Pr&#228;sident Rajapaksa besonders nahe stehen und am kommunalistischsten   sind, auf vielen UPFA-Kandidatenlisten nach oben.<\/p>\n<p>  Deshalb wird diese Wahl als Sieg von singhalesisch-buddhistischen   nationalistischen Hardlinern gesehen. Ein anderer   singhalesisch-nationalistischer Hardliner, Wimal Weerawansa, kam in   Colombo auf Platz eins.<\/p>\n<p>  Wimal war ein f&#252;hrendes Mitglied der JVP und blieb bei der herrschenden   UPFA w&#228;hrend der Abspaltung eines Teils der JVP 2008. Von den 11   fr&#252;heren JVP-Abgeordneten, die sich entschlossen, bei der herrschenden   Partei zu bleiben, waren Wimal und nur ein weiterer Kandidat die beiden   einzigen, die ihre Sitze behielten. Kommunalistische Hardliner in der   UPFA waren auch verantwortlich f&#252;r Gewalt sogar gegen ihre eigenen   Mitglieder. Innerparteiliche Gewalt war eines der Hauptmerkmale der   Wahlkampfgewalt, wo Rajapaksa nahe stehende Kommunalisten alle   angriffen, auch ihre eigenen Mitglieder, und W&#228;hlerInnen   einsch&#252;chterten. Als Ergebnis haben singhalesisch-chauvinistische Kr&#228;fte   bei diesen Wahlen &#8218;triumphiert&#8217; und sind in vielen Teilen des Landes   vorne gewesen.<\/p>\n<h4>  Die Mehrheit der tamilischsprachigen W&#228;hlerInnen lehnt die herrschende   Partei ab.<\/h4>\n<p>  Die weithin gef&#252;rchtete und brutale Rajapaksa-Familie kontrolliert Sri   Lanka weitgehen, um sie herum sind die singhalesischen Chauvinisten.   Niemand erwartet einen Schritt vorw&#228;rts in der Zukunft und es wird   keinen Raum f&#252;r politische L&#246;sungen geben. Bei den vorgeschlagenen   Verfassungs&#228;nderungen werden die Rechte der tamilischsprachigen   Minderheiten nicht erw&#228;hnt. Eine so genannte politische L&#246;sung ist   unwahrscheinlich. Der Pr&#228;sident t&#228;uschte alle jahrelang mit einem   All-Parteien-Vertretungs-Komitee (APRC), das zur Ausarbeitung einer   politischen L&#246;sung gebildet worden war. Aber dabei wird nichts   herauskommen. Alles was sie erreichen k&#246;nnen, ist etwas, das f&#252;r die   singhalesischen Nationalisten akzeptabel sein wird. Es wird keine echten   Versuche zur Vers&#246;hnung oder Erf&#252;llung der nationalen Bestrebungen der   tamilischsprachigen und muslimischen Minderheiten geben. Schon vor den   Wahlen k&#252;ndigte der Pr&#228;sident an, dass alle neu gew&#228;hlten tamilischen   Abgeordneten ihn nach den Wahlen treffen m&#252;ssen, um mit ihm die Probleme   des tamilischen Volks zu &#8218;diskutieren&#8217;! Dies bedeutet, dass die   tamilischen Abgeordneten gezwungen werden, nach der Pfeife des   Pr&#228;sidenten zu tanzen.<\/p>\n<p>  Wie bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen nahm an dieser Wahl, die nur ein paar   Wochen sp&#228;ter abgehalten wurde, eine gro&#223;e Zahl von tamilischsprachigen   Menschen nicht teil. Die geringste Beteiligung wurde im Norden und Osten   gemeldet, wo eine Mehrheit der tamilischsprachigen Menschen lebt.   Diejenigen, die w&#228;hlten, zeigten Mut, indem sie die kriegstreiberische   herrschende Partei und die paramilit&#228;rischen Kr&#228;fte ablehnten.<\/p>\n<p>  Die TNA-F&#252;hrer k&#252;ndigten vor den Wahlen an, dass sie &#8218;tamilischen   Nationalismus&#8217; unterst&#252;tzten, w&#228;hrend sie gleichzeitig der Regierung   versicherten, dass sie sich jetzt zu einer L&#246;sung innerhalb eines   Einheitsstaates verpflichten. Die TNA gewann 14 Sitze und kam h&#246;her als   der Rest der tamilischen Parteien. Sie verloren zwar eine Reihe von   Sitzen und bekamen weniger Stimmen als bei den Wahlen 2004, aber das   Endergebnis war ein bedeutsamer Sieg f&#252;r die TNA. Alle TNA-Abgeordneten,   die sich im Vorfeld der Wahlen von der TNA abspalteten, um neue Parteien   zu bilden und eigenst&#228;ndig zu kandidieren, wurden besiegt. Dies lag zum   Teil daran, dass sie kein Programm vertraten, das von dem der TNA   unterscheidbar gewesen w&#228;re. Abgesehen davon, dass sie erkl&#228;rten, dass   sie dem &#8218;tamilischen nationalen Befreiungskampf&#8217; verbunden seien, sagten   sie nichts dar&#252;ber, wie sie den Tausenden, die in dem langen Krieg sehr   litten, ein besseres Leben sichern wollten. Sie konzentrierten ihre   Kampagne auf Angriffe auf die TNA statt auf Angriffe auf die herrschende   Rajapaksa-Partei. Sie bekamen auch keine Unterst&#252;tzung von den   tamilischen Medien, die jetzt nur Unternehmerinteressen ausdr&#252;cken und   die TNA als ihren nat&#252;rlichen Verb&#252;ndeten sehen. Tats&#228;chlich kandidierte   der Eigent&#252;mer der f&#252;hrenden tamilischen Zeitung im Norden, &#8218;Udayan&#8217;,   f&#252;r die TNA und hat jetzt einen Sitz gewonnen. Herr Saravanabavan, der   auch eine weitere Zeitung, &#8218;Sudar oli&#8217;, kontrolliert, nutzte beide   Zeitungen f&#252;r einen energische Wahlkampf f&#252;r die TNA. In der   Vergangenheit wurde er beschuldigt, in Manipulationen mit einem   Finanzunternehmen namens &#8218;Shabra&#8217; verwickelt zu sein und Studierende als   &#8218;Auszubildende&#8220; ohne Bezahlung f&#252;r seine Zeitung arbeiten zu lassen.<\/p>\n<p>  In einem Versuch, sich von ihrer vergangenen Verbindung mit der LTTE zu   distanzieren, hat die TNA ihre von den &#8218;Tigern&#8217; vorgeschlagenen   Abgeordneten f&#252;r diese Wahl nicht wieder aufgestellt und durch so   genannte &#8218;gem&#228;&#223;igte Gesichter&#8217;, wie Saravanabavan, ersetzt. Andere waren   fromme Hindu-F&#252;hrer! Keiner von ihnen hat in der Vergangenheit eine   Rolle im Kampf f&#252;r die Rechte der tamilischsprachigen Massen gespielt.   Dies hat zu Entt&#228;uschung unter den TamilInnen in der Diaspora gef&#252;hrt,   von denen manche die TNA-F&#252;hrer kritisiert haben. Aber dies hatte eine   geringe Wirkung, da die Kritik der Diaspora kaum in den &#246;rtlichen Medien   in Sri Lanka berichtet wurde.<\/p>\n<p>  Die Wahrheit ist, dass es f&#252;r die tamilischsprachigen Menschen keine   einzige ernsthafte &#8218;tamilische Alternative&#8217; gibt, mit der sie sich   identifizieren k&#246;nnen. Nur weil es so etwas nicht gab, konnte sich die   TNA als &#8218;Dachverband&#8217; pr&#228;sentieren, f&#252;r den sich die tamilischsprachigen   W&#228;hlerInnen entscheiden k&#246;nnten, wenn sie es sich nicht antun wollten,   entweder f&#252;r die UNP oder die herrschende UPFA zu stimmen, die beide als   &#8218;singhalesische Parteien&#8217; mit Basis im S&#252;den gesehen werden.<\/p>\n<p>  Die TNA ist zunehmend unternehmerfreundlich geworden. TNA-F&#252;hrer machten   keine Opposition und &#228;u&#223;erten keine Zweifel an den Investitionspl&#228;nen   der Regierung im Norden und Osten. Stattdessen ermutigen sie Unternehmen   und besonders die Einbeziehung Indiens.<\/p>\n<h4>  Betr&#252;gerische Zahlen<\/h4>\n<p>  F&#252;r die TNA, die sich als Verhandlungsf&#252;hrer f&#252;r tamilische Rechte   darstellt, wird es viel schwieriger werden, irgend welche Forderungen   aufzustellen, da die herrschende Parteienallianz auch im Norden und   Osten einen bedeutsamen Sieg erzielte! Die UPFA gewann f&#252;nf Sitze im   Norden. Die UNP gewann auch zwei Sitze im Norden und vier Sitze im   Osten. Die Stimmen, die die UPFA im Norden und Osten gewann, sind   entlarvend und ein Beweis f&#252;r Wahlbetrug. In einem der drei Bezirke im   Osten wurde eine Wahlwiederholung beschlossen und in einem dieser drei   Bezirke und in einem &#252;berwiegend tamilischen Bezirk in Batticaloa bekam   die TNA nur 4.000 Stimmen mehr als die UPFA! Im anderen Bezirk bekam die   UPFA &#252;ber 100.000 Stimmen mehr als die TNA. Selbst im Norden ist die   Kluft zwischen TNA und UPFA nicht so gro&#223;. In Jaffna bekam die TNA   gerade mal 17.000 Stimmen mehr und in Vanni, dem fr&#252;heren Herzland der   LTTE, lag die herrschende Partei nur um 4.000 Stimmen hinten. Bei den   Vorzugsstimmen kam ein TNA-Kandidat in Jaffna auf Platz drei und wurde   sowohl von UNP als auch UPFA geschlagen! Douglas Devananda, F&#252;hrer einer   paramilit&#228;rischen Gruppe und ein Minister in der UPFA-Regierung kam auf   Platz eins! V&#246;llig unglaublich war, dass die UPFA auch bei den im Land   Vertriebenen auf Platz eins kam &#8211; und sowohl TNA als auch UNP schlug.   Die UNP hatte es bei der Pr&#228;sidentschaftswahl anderthalb Monate vorher,   am 26. Februar, geschafft, eine betr&#228;chtliche Mehrheit zu gewinnen. Hier   sind die Ergebnisse f&#252;r Vanni und die Stimmen der Vertriebenen in Vanni:<\/p>\n<p>  ITAK &#8211; Illankai Tamil Arasu Kachchi (Teil der TNA) 41.673 (bekam drei   Sitze), UPFA 37.522 (bekam zwei Sitze), UNP 12.783 (bekam einen Sitz).   Stimmen der Vertriebenen: UPFA: 12.011, UNP: 5.497, ITAK: 2.527.<\/p>\n<p>  Man vergleiche das mit den Ergebnissen der Pr&#228;sidentschaftswahl in   diesen Gebieten wenige Monate vorher: Sarath Fonseka (UNP) 70.367,   Mahinda Rajapaksa (UPFA) 28.740.<\/p>\n<p>  Man kann sich unm&#246;glich vorstellen, dass die Vertriebenen &#8211; bombardiert,   brutal behandelt, in Fl&#252;chtlingslager gesteckt &#8211; mit &#252;berw&#228;ltigender   Mehrheit f&#252;r ihre Verfolger gestimmt h&#228;tten. Dies zeigt nicht nur, wie   die Wahl durchgef&#252;hrt wurde, sondern gibt uns auch einen Vorgeschmack   darauf, was in Zukunft in Bezug auf eine politische L&#246;sung kommen wird.   Wie die Brutalit&#228;t des Krieges zeigt, werden sie eine so genannte   &#8218;L&#246;sung&#8217; aufzwingen, die f&#252;r die singhalesisch-chauvinistischen Kr&#228;fte   rund um den Rajapaksaclan annehmbar ist.<\/p>\n<h4>  Keine L&#246;sung<\/h4>\n<p>  Das Wahlprogramm des Pr&#228;sident mit seinem verbl&#252;ffenden Namen &#8218;Mahinda   Chinthana&#8217;, was bedeutet: &#8218;die Gedanken von Mahinda&#8217;, erkl&#228;rte, dass sie   im Norden mit dem weitermachen wollen, was sie im Osten gemacht haben.   Durch das so genannte Programm der &#8218;&#246;stlichen Wiederbelebung&#8217; hat es   keine Verbesserungen gegeben. Jetzt erzeugt das Versprechen eines so   genannten Programms des &#8218;n&#246;rdlichen Fr&#252;hlings&#8217; keinerlei Begeisterung   unter den Armen und ArbeiterInnen im Norden. Das so genannte Programm   der &#8218;&#246;stlichen Wiederbelebung&#8217; wurde im Pr&#228;sidentenb&#252;ro diktiert. Es   ignorierte den ganzen &#246;stlichen Provinzialrat und die W&#252;nsche der   TamilInnen und MuslimInnen, die in dieser Gegend leben. Der Chefminister   f&#252;r den Osten, Sivanesan Chandrakanthan alias &#8218;Pillayan&#8217;, wurde als   &#8218;Marionette&#8217; genutzt und alle seine Forderungen f&#252;r eine Art von   Kontrolle in der Region wurden abgelehnt. Aber das Wahlergebnis war eine   dem&#252;tigende Niederlage f&#252;r &#8218;Pillayan&#8217; und seine Tamil Makal Viduthalai   Pullikal (TMVP). Sie bekamen keinen einzigen Sitz und erzielten nur   16.886 Stimmen in der angeblichen Hochburg des Batticaloa-Bezirks.   &#8218;Pillayan&#8217;, der Teil der regierungstreuen paramilit&#228;rischen Gruppen ist,   unterst&#252;tzte alle brutalen Ma&#223;nahmen der Regierung. Die bewaffnete   paramilit&#228;rische Gruppe um ihn ist wegen ihrer gewaltsamen Aktivit&#228;ten   in der Region verhasst. Als er zum Chefminister gemacht wurde, verlangte   er etwas Macht vor Ort. Er forderte auch die Entfernung eines von der   Regierung ernannten Gouverneurs, der ein Ex-Marine-Mann und gut bekannt   f&#252;r sein r&#252;cksichtloses Vorgehen, Arroganz und Korruption ist. Die   Regierung lehnte einfach alle Forderungen ab. Dies ist die so genannte   Erfolgsgeschichte der &#8218;&#246;stlichen Wiederbelebung&#8217; und die Regierung   bereitet ihre Wiederholung im Norden mit dem &#8218;n&#246;rdlichen Fr&#252;hling&#8217; vor.   Selbst die sehr grundlegenden Forderungen des Chefministers f&#252;r den   Osten, der im Krieg ein Verb&#252;ndeter des Pr&#228;sidenten war, wurden nicht   erf&#252;llt. Es macht keinen Sinn, Illusionen zu hegen, dass diese Regierung   eine L&#246;sung hervorbringen wird, die den Bestrebungen der   tamilischsprachigen Menschen entgegen kommt.<\/p>\n<p>  Manche Kommentatoren glauben sogar, dass ein Teil der TMVP, die immer   noch Waffen hat, eine Basis f&#252;r die Wiederbelebung bewaffneter   Opposition gegen die Regierung bieten k&#246;nnte. Es gibt auch Furcht, dass   ein Teil der schwer geschlagenen JVP-Mitglieder auch versuchen werden,   den Weg zu beschreiten, die Waffen gegen die Regierung zu erheben, wie   sie es bei vielen Gelegenheiten in der Vergangenheit gemacht haben. Die   Niederlage der LTTE und der grausame Charakter der Regierung bei ihren   Angriffen auf GegnerInnen bedeutet, dass die M&#246;glichkeiten der   Entwicklung eines bewaffneten Kampfes zumindest in den n&#228;chsten Jahren   vermindert sind. Aber wachsende Unzufriedenheit und Wut bedeuten, dass   immer noch die Gefahr besteht, dass junge Menschen zu Gewaltma&#223;nahmen   greifen.<\/p>\n<h4>  Vereinigte Sozialistische Partei<\/h4>\n<p>  Aber angesichts des Fehlens einer wirklich k&#228;mpfenden Alternativkraft   wird die Brutalit&#228;t der Regierung unausweichlich mehr junge Menschen   dahin treiben, gewaltsame Aktionen gegen den Staat zu unternehmen. Es   ist entscheidend, dass eine unabh&#228;ngige k&#228;mpferische Kraft aufgebaut   wird, um eine Opposition gegen den kommenden Ansturm von Angriffen gegen   die Rechte der ArbeiterInnen und Armen zu schaffen. Die Vereinigte   Sozialistische Partei (USP), die bei dieser Wahl im Norden und S&#252;den   kandidierte, rief zum Aufbau einer solchen Kraft auf.<\/p>\n<p>  Auch wenn sie von den Medien praktisch totgeschwiegen wurde, hatte die   USP eine sehr gute Kampagne, besonders im Norden, wo sie die Heuchelei   der f&#252;hrenden Parteien entlarvte. Die Wirkung, die sie hatte, und die   bedeutende Unterst&#252;tzung, die sie in der Bev&#246;lkerung gewann, spiegeln   sich nicht angemessen in den Stimmen wieder. Aber die USP bekam   bedeutsame Stimmergebnisse und kam an manchen Stellen, wo sie   kandidierte, auf Platz sechs. In Nuwara Eliya, wo die USP eine   unglaubliche Geschichte des Kampfs f&#252;r die Rechte der   PlantagenarbeiterInnen hat, bekam die USP &#252;ber 300 Stimmen, viel mehr   als der Rest der Linken, und 280 Stimmen in Jaffna und 352 Stimmen in   Colombo.<\/p>\n<p>  Der Wiederaufbau des Vertrauens unter den ArbeiterInnen und Armen wurde   durch die Haltung mancher Gruppen auf der Linken behindert, die ein als   Marxismus verkleidetes opportunistisches Programm vertraten. Die USP   sieht die Wahl nicht als einen wahren Ausdruck der Stimmung der   Arbeiterklasse. Aber beim Fehlen von Massenk&#228;mpfen der Arbeiterklasse   wird die USP Wahlen nutzen, um die Idee zu verbreiten, dass eine   sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft notwendig ist, wie sie es   bei dieser Parlamentswahl 2010 gemacht hat. Die USP hat in den letzten   sechs Jahren an Wahlen teilgenommen, einschlie&#223;lich den   Pr&#228;sidentschaftswahlen 2005 und 2009. Bei all diesen Wahlen hatte die   USP eine gr&#246;&#223;ere Wirkung als der Rest der Linken. Die so genannte   &#8218;Linke&#8217; bildete zu Wahlzwecken eine prinzipienlose Allianz. Die Nava   Sama Samaja Party (NSSP) war fr&#252;her als Neue Linke Front (NLF) bekannt   und nannte sich jetzt Linke Befreiungsfront (Left Liberation Front,   LLF), bei der auch manche Ex-Mitglieder der USP mitmachten. Sie gingen   aus ihren pers&#246;nlichen Gr&#252;nden und &#228;u&#223;erten keine politischen   Meinungsverschiedenheiten, bevor sie gingen; jetzt haben sie sich von   Wahlspielereien mitrei&#223;en lassen. Die NSSP verlor zum Beispiel das   Vertrauen, das sie genoss, als sie sich mit fr&#252;heren Abgeordneten der   TNA verb&#252;ndete, die kein Interesse am Aufbau eines unabh&#228;ngigen und   vereinigten Kampfes der Arbeiterklasse haben. Obwohl zwei tamilische   Abgeordnete unter dem Namen der &#8218;Linken Befreiungsfront&#8217; antraten,   schafften sie nur 868 Stimmen in Jaffna. Sie konnten in vielen   Wahlkreisen, in denen sie antraten, nicht mehr als 50 Stimmen kriegen,   mit der Ausnahme von Colombo. Eines ist klar &#8211; dass die USP die f&#252;hrende   linke Kraft im Lande ist. Der Anstieg kommunaler Kr&#228;fte hatte eine   riesige Wirkung auf die Unterst&#252;tzung f&#252;r die Linke. Abgesehen von der   USP ist keine Kraft auf der &#8218;Linken&#8217; bereit, eine wirkliche Opposition   zu schaffen.<\/p>\n<p>  Die Zukunft der Arbeiterklasse und Armen in Sri Lanka scheint jetzt   d&#252;sterer denn je. Rajapaksa benimmt sich zunehmend wie ein Diktator. Es   scheint, dass sich der Rajapaksaclan auf eine lange Familienherrschaft   vorbereitet. Der Sohn des Pr&#228;sidenten, Namal Rajapaksa, f&#252;hrte die Liste   im UPFA-Kernland, dem Hambantota-Bezirk, an, wo die chinesische   Regierung jetzt einen Hafen mit einer Investition von mehr als einer   Milliarde Dollar baut. Furcht ist weit verbreitet, dass die   Familienherrschaft weiter gehen wird, selbst wenn der Pr&#228;sident nach   einer ausgeweiteten Amtszeit von sechs Jahren abtritt!<\/p>\n<p>  Um den Rest des IWF-Kredits zu sichern, muss die Regierung das   Haushaltsdefizit um 7 Prozent k&#252;rzen. Das Haushaltsdefizit steht schon   bei 10,2 Prozent. Wenn die vom IWF auferlegten K&#252;rzungen dazu kommen,   werden sie einem verheerenden Schlag f&#252;r die Arbeiterklasse bedeuten.   Mit immer gr&#246;&#223;eren Verteidigungsausgaben wird es mehr Angriffe auf   &#246;ffentliche Dienstleistungen und Arbeiterrechte geben.<\/p>\n<p>  In der gegenw&#228;rtigen Lage nimmt die USP die Herausforderung durch das   Rajapaksa-Regimes an und arbeitet f&#252;r den Aufbau einer Massenpartei der   Arbeiterklasse. Wir sind noch eine kleine Kraft, aber beim Fehlen   alternativer politischer Organisationen der Arbeiterklasse ist es unsere   Verantwortung, gr&#246;&#223;ere Schritte zum Aufbau einer solchen Kraft zu   ergreifen.<\/p>\n<p>  Die Notwendigkeit des Aufbaus von Massenopposition gegen die herrschende   Klasse in Sri Lanka ist dringlicher denn je. Wir brauchen eine   Massenorganisation, die demokratische Rechte verteidigen wird,   Redefreiheit und das Recht auf Selbstbestimmung der tamilischsprachigen   Menschen. Tausende innerhalb des Landes Vertriebene werden immer noch in   Fl&#252;chtlingslagern festgehalten. Diejenigen, die es mit Gegenwehr Ernst   meinen, m&#252;ssen zusammen kommen. Wir werden die begr&#252;&#223;en, die bereit   sind, eine starke Massenopposition der Arbeiterklasse gegen das   Rajapaksa-Regime und den Kapitalismus in Sri Lanka und in der ganzen   Region zu bilden.<\/p>\n<p>  <b>Webseite der Vereinigten Sozialistischen Partei (USP): <a href=\"http:\/\/www.lankasocialist.com\">www.lankasocialist.com<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Chauvinismus ist gest&#228;rkt &#8211; MarxistInnen standhaft in der Opposition\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13733"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13733"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13733\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}