{"id":13729,"date":"2010-06-02T10:00:00","date_gmt":"2010-06-02T10:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13729"},"modified":"2010-06-02T10:00:00","modified_gmt":"2010-06-02T10:00:00","slug":"13729","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13729\/","title":{"rendered":"Erneuter Schlag f&#252;r Schwarz-Gelb"},"content":{"rendered":"<p>  Zum R&#252;cktritt von Horst K&#246;hler<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Als w&#228;re der R&#252;cktritt des hessischen Ministerpr&#228;sidenten Roland Koch   noch nicht genug gewesen f&#252;r die Bundesregierung nach der Wahlschlappe   in NRW, verk&#252;ndete am vergangenen Montag Horst K&#246;hler seinen R&#252;cktritt   vom Amt des Bundespr&#228;sidenten. W&#228;hrend &#252;ber die genauen Gr&#252;nde   weiter spekuliert wird, ist eins klar: Der R&#252;cktritt K&#246;hlers versetzt   einer bereits geschw&#228;chten Regierung den n&#228;chsten Schlag. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Lucy Redler, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Eigentlich wollte Merkel diese Woche vor allem in den Mittelpunkt   stellen, wie das bereits angek&#252;ndigte Sparprogramm der Bundesregierung   aussehen soll. Nun muss sie sich auch noch mit der Suche nach   einer\/einem geeigneten KandidatIn f&#252;r das Amt des Bundespr&#228;sidenten   besch&#228;ftigen.<\/p>\n<p>  Die Nominierung K&#246;hlers k&#252;ndigte bei seiner Wahl vor f&#252;nf Jahren den   Wechsel zu Schwarz-Gelb an. Dann kam erst einmal die Gro&#223;e Koalition. Es   dauerte bis 2009, bis eine Mehrheit f&#252;r Schwarz-Gelb im Bundestag   gegeben war. L&#228;utet K&#246;hlers R&#252;cktritt nun den Anfang vom Ende der   Koalition ein?<\/p>\n<p>  In einem kann Man Horst K&#246;hler dankbar sein: Immerhin hat er deutlich   zum Ausdruck gebracht, was der Auftrag der deutschen Bundeswehr in   Afghanistan und anderswo ist. K&#246;hler sagte gegen&#252;ber Deutschlandradio   Kultur am 22. Mai in Bezug auf Afghanistan:<\/p>\n<p>  &#8222;Meine Einsch&#228;tzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch   auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer   Gr&#246;&#223;e mit dieser Au&#223;enhandelsorientierung und damit auch   Au&#223;enhandelsabh&#228;ngigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall   auch milit&#228;rischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu   wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale   Instabilit&#228;ten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere   Chancen zur&#252;ckschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitspl&#228;tze und   Einkommen zu sichern.&#8220;<\/p>\n<p>  Nicht ganz so deutlich, aber &#228;hnlich, hatte es vor ein paar Jahren Peter   Struck formuliert, dem zu folge, deutsche Interessen am Hindukusch   verteidigt w&#252;rden. Das Freihalten von internationalen Handelswegen und   die Sicherung von Rohstoffen war bereits Inhalt der   Verteidigungspolitischen Richtlinien aus dem Jahr 1992. Im Wei&#223;buch der   Bundeswehr von 2006 liest man ganz &#228;hnliches:<\/p>\n<p>  &#8222; Deutschland, dessen wirtschaftlicher Reichtum vom Zugang zu   Rohstoffen, Waren und Ideen abh&#228;ngt, hat ein elementares Interesse an   einem friedlichen Wettbewerb, an einem offenen Welthandelssystem und   freien Transportwegen &#8220; Und weiter:&#8222;Von strategischer Bedeutung f&#252;r die   Zukunft Deutschlands und Europas ist eine sichere nachhaltige   wettbewerbsf&#228;hige Energieversorgung.&#8220;<\/p>\n<p>  K&#246;hler hat also nur gesagt, was die Politik der Herrschenden seit Jahren   ist. In Afghanistan geht es nicht um humanit&#228;ren Aufbau oder Stabilit&#228;t   im Interesse der Menschen dort, sondern um die Durchsetzung   imperialistischer Interessen. Nach acht Jahren Krieg gegen die   afghanische Bev&#246;lkerung hat sich die soziale Lage der Afghanen und   Afghaninnen verschlechtert. Nach Angaben des Ausw&#228;rtigen Amtes leben   heute zwei Drittel unter oder am Rande der Armutsgrenze. Mehr als drei   Viertel haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Lage der Frauen   hat sich ebenfalls nicht verbessert sondern weiter verschlechtert.<\/p>\n<h4>  Stimmung in der Bev&#246;lkerung<\/h4>\n<p>  Doch sagen darf man das nicht, da ist sich die Bundesregierung einig.   Sie versucht zwar durch Verteidigungsminister von Guttenberg die   Bev&#246;lkerung an Auslandseins&#228;tze zu gew&#246;hnen und beginnt offensiv von   &#8222;Krieg&#8220; zu sprechen. Doch die Benennung der Gr&#252;nde des afghanischen   Einsatzes ist tabu angesichts der Stimmung in der Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Einer Umfrage des Instituts f&#252;r Demoskopie Allensbach vom 26.05.2010   zufolge wird deutliuch, dass eine wachsende Mehrheit den Einsatz in   Frage stellt. Auf die Frage &#8222;Sind Sie daf&#252;r, dass sich deutsche Soldaten   auch in Zukunft an der Schutztruppe in Afghanistan beteiligen, oder sind   Sie nicht daf&#252;r?&#8220; antworten heute 65 Prozent der Befragten, sie seien   nicht daf&#252;r, nur 22 Prozent sprechen sich f&#252;r eine weitere Beteiligung   aus.<\/p>\n<p>  Im Bundestag ist die Partei DIE LINKE die einzige Partei, die den   sofortigen Abzug der Truppen aus Afghanistan fordert. Die   Meinungsumfragen und die Haltung der LINKEN setzt die Regierung weiter   unter Druck.<\/p>\n<p>  Fast eine Mehrheit (48 Prozent) der Bev&#246;lkerung ist f&#252;r einen sofortigen   und bedingungslosen Abzug der Truppen aus Afghanistan. Weitere 32   Prozent sagen, erst m&#252;sse das Land stabilisiert werden, bevor sich die   Bundeswehr zur&#252;ckziehen k&#246;nne.<\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund einer solch ablehnenden Haltung innerhalb der   Bev&#246;lkerung ist nicht weiter verwunderlich, dass K&#246;hlers Aussagen auch   aus den eigenen Reihen kritisiert werden.<\/p>\n<p>  Dies war dann der Ausl&#246;ser f&#252;r K&#246;hlers R&#252;cktritt, der sich laut eigenen   Angaben unzureichend respektiert f&#252;hlte. B&#252;rgerliche Medien betonen   jetzt, dass sich das Zerw&#252;rfnis zwischen K&#246;hler und der Regierung schon   l&#228;nger angebahnt habe. Doch was auch immer dazu gef&#252;hrt hat, dass K&#246;hler   das Handtuch schmiss: Die Regierung konnte seinen R&#252;cktritt offenbar   nicht verhindern und bietet ein Bild des Chaos.<\/p>\n<h4>  Getriebene Regierung<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend die Regierung sich von einem Krisenherd zum n&#228;chsten hangelt   wird deutlich, dass sie keine klare Linie vertritt und mehr getrieben   wird, als selbst den Ton angibt. Und das in einer Situation, in der die   Regierung noch nicht unter dem aktiven Druck von Widerstand gegen die   schwarz-gelben K&#252;rzungspl&#228;ne steht. Wenn sich dieser in den kommenden   Monaten weiter entwickelt, kann sich die Halbwertszeit dieser Regierung   weiter verk&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Es ist zu fr&#252;h, den Abgesang auf die schwarz-gelbe Bundesregierung   anzustimmen. Man sollte K&#246;hlers R&#252;cktritt auch nicht &#252;berbewerten als   Anfang vom Ende von Schwarz-Gelb. Und trotzdem wirft der R&#252;cktritt ein   grelles Licht auf die Instabilit&#228;t der schwarz-gelben Regierung, die   einerseits wei&#223;, dass sie Milliarden sparen muss und andererseits noch   versucht, verallgemeinerte und ideologische Angriffe zu vermeiden, um   den Widerstand gegen Sozialabbau nicht zu provozieren.<\/p>\n<p>  Nach dem Ende des neoliberalen Paradigmas (nicht der neoliberalen   Angriffe) fehlt dieser Regierung offensichtlich ein neues ideologisches   Leitbild, dem zu folge sie handelt. Sie bedient sich einem wilden Mix   von wirtschaftspolitischen Vorschl&#228;gen, um die kapitalistischen   Eigentumsverh&#228;ltnisse zu sch&#252;tzen.<\/p>\n<h4>  &#8222;Die Krise hei&#223;t Kapitalismus&#8220;<\/h4>\n<p>  Bei den Demonstrationen am 12. Juni in Berlin und Stuttgart bietet sich   die n&#228;chste M&#246;glichkeit, die Regierung politisch unter Druck zu setzen.   Die Berliner Demonstration findet richtigerweise unter dem Motto &#8222;Die   Krise hei&#223;t Kapitalismus&#8220; statt. Das muss der Ausgangspunkt werden, die   Gewerkschaftsf&#252;hrungen, die bisher die Abw&#228;lzung der Krise auf unserem   R&#252;cken mitorganisieren anstatt Widerstand aufzubauen, herauszufordern   und den Druck f&#252;r die Organisierung von massenhafter Gegenwehr zu   erh&#246;hen.<\/p>\n<p>  F&#252;r DIE LINKE bietet sich jetzt die M&#246;glichkeit, in die Offensive zu   kommen und die Schw&#228;che der Bundesregierung auszunutzen, indem sie mit   eigenen Forderungen, die Teil des Programmentwurfs der Partei sind, wie   beispielsweise nach Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohnausgleich, der   Verstaatlichung aller Banken und drastischer Besteuerung der Reichen den   Kampf gegen den anstehenden Sozialabbau aufnimmt und aktiv den   Widerstand mit aufbaut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zum R&#252;cktritt von Horst K&#246;hler\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,27],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13729"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13729"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13729\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}