{"id":13713,"date":"2010-06-01T00:00:00","date_gmt":"2010-06-01T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13713"},"modified":"2010-06-01T00:00:00","modified_gmt":"2010-06-01T00:00:00","slug":"13713","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13713\/","title":{"rendered":"Wie kann die Atompolitik gestoppt werden?"},"content":{"rendered":"<p>  Anti-AKW-Bewegung in den Achtzigern: Blick zur&#252;ck nach vorn<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nach den Protesten vor der Bundestagswahl, an denen sich 50.000   Menschen beteiligten, fand im April in Norddeutschland eine   Menschenkette mit &#252;ber 120.000 TeilnehmerInnen statt. Diese Renaissance   des Widerstands gegen die Atommafia ist auch dringend notwendig. Zumal   die Kernkraftwerke &#8211; wenn es nach Schwarz-Gelb geht &#8211; nun bis zu 60   Jahren am Netz bleiben d&#252;rfen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Tom Gottan, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  SPD und Gr&#252;ne behaupten dreist, mit dem Atomausstieg begonnen zu haben.   Damit meinen sie den so genannten Atomkonsens. Real hat der aber wenig   mit einem echten Ausstieg zu tun.Von der rot-gr&#252;nen Bundesregierung 2002   auf den Weg gebracht, hat dieser &#8222;Atomkonsens&#8220; lediglich dazu gef&#252;hrt,   dass zwei ohnehin schon altersschwache Kernkraftwerke abgeschaltet   wurden und vorerst keine neuen Anlagen gebaut wurden &#8211; wobei der Bau   neuer Atomanlagen aufgrund gro&#223;er &#220;berkapazit&#228;ten zu der Zeit auch gar   nicht im Interesse der Energiekonzerne lag.<\/p>\n<p>  Ein Blick in die Vergangenheit l&#228;sst das Ganze noch grotesker   erscheinen: 1986 forderte die SPD auf ihrem N&#252;rnberger Parteitag einen   Ausstieg innerhalb von zehn Jahren, und die Gr&#252;nen sogar den sofortigen   Ausstieg. Das hei&#223;t, sp&#228;testens ab 1998, mit Rot-Gr&#252;n im Bund, h&#228;tte es   in riesigen Schritten voran gehen m&#252;ssen. Aber auch nach sieben Jahren   Regierungszeit waren immer noch 17 Kernkraftwerke in Betrieb &#8211; und sind   es auch heute noch.<\/p>\n<h4>  Was war los in den Achtzigern?<\/h4>\n<p>  Nicht mit angepasster gr&#252;ner Politik auf Regierungsb&#228;nken, sondern mit   Massenprotesten konnten bedeutende Erfolge erzielt werden. Und zwar in   der Bundesrepublik der achtziger Jahre. So sollte im bayerischen   Wackersdorf eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) f&#252;r Atomm&#252;ll errichtet   werden. Gro&#223;proteste von Atomgegnern &#8211; und zwar nicht nur von   ausw&#228;rtigen DemonstrantInnen, sondern auch von gro&#223;en Teilen der   Bev&#246;lkerung vor Ort &#8211;, an denen sich sowohl am Ostermontag als auch beim   Anti-WAAhnsinnsfestival im Juni 1986 jeweils &#252;ber 100.000 Menschen   beteiligten, sorgten daf&#252;r, dass die Anlage nach langen K&#228;mpfen nicht   fertig gestellt werden konnte! Und das trotz massiver, teils   gewaltt&#228;tiger Polizeieins&#228;tze (bei denen auch das als Kriegswaffe   ge&#228;chtete CS-Gas eingesetzt wurde).<\/p>\n<p>  Damals peilte die deutsche Atomlobby an, 80 Meiler zu bauen. Nat&#252;rlich   kann niemand sagen, wieviele AKWs ohne Proteste wirklich hochgezogen   worden w&#228;ren. Aber der Bau einer ganzen Reihe der urspr&#252;nglich geplanten   Anlagen wurde dank des Aufruhrs definitiv nicht in Angriff genommen.<\/p>\n<h4>  Warum gibt es &#252;berhaupt noch AKWs?<\/h4>\n<p>  Eigentlich k&#246;nnte man die Atomkraftwerke sofort vom Netz nehmen, ohne,   dass die VerbraucherInnen es merken w&#252;rden. Schlie&#223;lich gibt es in der   Energieproduktion gewaltige &#220;berkapazit&#228;ten. Die Konzerne selbst wollen   deshalb Kraftwerke stilllegen &#8211; blo&#223; keine AKWs. Denn Atomstrom bringt   den Energiekonzernen riesige Gewinne. Die Baukosten sind, nicht zuletzt   dank hoher Subventionen, relativ gering. Je l&#228;nger die Anlagen dann am   Netz bleiben, desto profitabler ist es. Und die Entsorgungskosten werden   vom Staat getragen. Zudem er&#246;ffnet das den Herrschenden die M&#246;glichkeit,   recht schnell Atomwaffen produzieren zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Erfolge, die die Anti-Atom-Bewegung erzielen konnte, sind ein guter   Beweis daf&#252;r, dass Widerstand sich lohnt. Dass die Kapitalisten aber   vehement an der Atompolitik festhalten wollen, zeigt, dass nicht nur in   einzelnen Gebieten, wie zum Beispiel in Wackersdorf, sondern   &#252;berregional, auf der Stra&#223;e, in den Betrieben massenhafte Gegenwehr   entwickelt &#8211; und mit dem Kampf gegen dieses Profitsystem verbunden &#8211;   werden muss.<\/p>\n<h4>  Kampf gegen die WAA in Wackersdorf<\/h4>\n<p>  Die Oberpfalz in den achtziger Jahren: Erst wurden im Stahlwerk Maxh&#252;tte   in gro&#223;em Stil Stellen gestrichen, womit sich die dortige   Arbeitslosigkeit auf 20 Prozent katapultierte. Dann versprach der   reaktion&#228;re bayrische Ministerpr&#228;sident Franz-Josef Strau&#223; (CSU) viele   neue Jobs &#8211; durch den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage (WAA)   in Wackersdorf.<\/p>\n<p>  Doch diese Rechnung ging nicht auf. Die Bev&#246;lkerung sah nicht ein, dass   sie Tausende von sinnvollen Arbeitspl&#228;tzen in der Stahlindustrie   verlieren sollte, um sich auf ein paar gef&#228;hrliche Jobs einzulassen. Die   Wut der Stahlwerker &#252;ber den Verlust ihrer Arbeitspl&#228;tze n&#228;hrte den   Widerstand gegen die WAA. Von 1985 bis 1989 kam es zu   b&#252;rgerkriegs&#228;hnlichen Zust&#228;nden. Im M&#228;rz 1987 wurde mit dem Bau   begonnen. F&#252;r 15 Millionen DM errichtete man eine Bauzone um das   Gel&#228;nde. Trotzdem ging der Widerstand weiter. DemonstrantInnen aus der   ganzen Republik, aktiv unterst&#252;tzt von der Landbev&#246;lkerung, legten sich   mit der Polizei an. Polizisten verweigerten den Einsatz. Weil die   Kn&#252;ppeleins&#228;tze in Wackersdorf (die Bayern 50 Millionen DM kosteten)   finanziell und politisch zu hoch wurden, mussten die Herrschenden den   Bau zwei Jahre nach seinem Beginn wieder einstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Anti-AKW-Bewegung in den Achtzigern: Blick zur&#252;ck nach vorn\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,114,119],"tags":[226],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13713"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13713"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13713\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13713"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13713"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13713"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}