{"id":13711,"date":"2010-05-31T10:00:00","date_gmt":"2010-05-31T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13711"},"modified":"2012-07-18T15:59:44","modified_gmt":"2012-07-18T13:59:44","slug":"13711","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13711\/","title":{"rendered":"Top Kill"},"content":{"rendered":"<p>  BP und die &#214;lkatastrophe am Golf von Mexiko<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Karibik brennt. Da bei einer Probebohrung der &#214;lplattform   &#8222;Deepwater Horizon&#8220; etwas schief ging, pl&#228;tschern t&#228;glich Hunderte   Tonnen &#214;l ins kalte Nass. Selbst nach m&#246;glicherweise noch frisierten   Angaben Washingtons waren das Ende Mai schon 85 Millionen Liter &#214;l &#8211;   mehr als das Doppelte der Tanker-Katastrophe von Exxon-Valdez 1989 vor   Alaska. Elf Arbeiter kamen bei der Explosion der von British Petroleum   (BP) geleasten &#8222;Deepwater Horizon&#8220; ums Leben.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Marco Immisch, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Noch immer ist das Bohrloch nicht geschlossen. Noch immer laufen   Millionen Liter &#214;l aus. Ein Versuch, das Leck mit Schlamm zu schlie&#223;en,   lief unter dem Namen &#8222;Top Kill&#8220;. Dieser Versuch scheiterte. Aber die   Folge des BP-Handelns ist nichts anderes als Top Kill.<\/p>\n<h4>  &#214;lteppich<\/h4>\n<p>  Eine &#8222;L&#246;sung&#8220;, das ausgelaufene &#214;l wegzubekommen, ist, es abzubrennen.   Dabei wird in Kauf genommen, dass Verbrennungsr&#252;ckst&#228;nde in die Luft und   ins Meer gelangen. Eine weitere ist das Aufspr&#252;hen von Chemikalien auf   das &#214;l. Das sorgt daf&#252;r, dass das &#214;l sich besser mit dem Wasser   vermischt. Das Problem: So gelangen &#214;l und die zur Aufl&#246;sung ben&#246;tigten   Chemikalien ins Meer.<\/p>\n<h4>  M&#252;llhalde Weltmeere<\/h4>\n<p>  Und f&#252;rs Meer gibt es schon genug Probleme: die &#220;berfischung, die   &#220;berd&#252;ngung und der Zustrom von Pflanzenschutzmitteln, die Zerst&#246;rung   des Meeresbodens zum Beispiel durch Schleppnetze, der nicht enden   wollende Zufluss von &#214;lprodukten, die Versauerung durch   Kohlendioxydanreicherung, die Verklappung von M&#252;ll, die Anreicherung von   Schwermetallen und radioaktiven Stoffen, Atombombenversuche, das   Entleeren von Ballastwassertanks der Schiffe &#8211; eine unvollst&#228;ndige   Aufz&#228;hlung dessen, was die Meere langsam aber sicher in eine stinkende,   leblose Pf&#252;tze verwandelt.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus bedeutet Vernichtung<\/h4>\n<p>  Die Havarie der &#8222;Deepwater Horizon&#8220; ist nur ein Beispiel dieses Systems   f&#252;r den Umgang mit der Natur. Raubbau trifft es nicht &#8211; es herrscht   Krieg gegen das Leben. Ausbeutung von allem und jedem. Alles f&#252;r den   Profit.<\/p>\n<p>  Anstatt die Gewinne der &#214;lkonzerne daf&#252;r einzusetzen, eine Alternative   zum &#214;l zu finden, wird flei&#223;ig nach neuem gebohrt. Und zwar immer   riskanter. &#8222;Wer es etwas sicherer will, muss sich eben f&#252;r Bohrungen an   Land entscheiden, zum Beispiel im Arctic National Wildlife Refuge&#8220;, so   Sarah Palin, die stockkonservative Ex-Gouverneurin von Alaska (SPIEGEL   ONLINE vom 23. Mai).<\/p>\n<p>  Das gr&#252;ne M&#228;ntelchen, das sich Konzerne gerne umh&#228;ngen &#8211; so wie es auch   BP tut &#8211; ist nichts weiter als Blendwerk und die Hoffnung, dass niemand   genauer hinschaut. Aber sie beweisen Tag f&#252;r Tag, dass ein   verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt von ihnen nicht zu erwarten   ist.<\/p>\n<p>  Die Umwelt ist keine auszubeutende Ressource. Wir sind ohne intaktes   &#214;kosystem genauso im Arsch wie der Heuler unterm Robbenklopper.<\/p>\n<h4>  Wie BP l&#252;gt und Geld macht<\/h4>\n<p>  &#8211; &#8222;Unsere Industrie ging davon aus, dass wir &#252;ber die Jahre gelernt   h&#228;tten, diese Risiken zu beherrschen&#8220; (BP-Vorstandsvorsitzender Tony   Hayward). Die zu erwartenden Sch&#228;den nach der Explosion der &#8222;Deepwater&#8220;   nannte Hayward &#8222;geringf&#252;gig&#8220;.<\/p>\n<p>  &#8211; Die Methoden zur Schlie&#223;ung eines Bohrlochs 1,5 Kilometer unter dem   Wasserspiegel wurden noch nie erprobt.<\/p>\n<p>  &#8211; Vor der Katastrophe am Golf von Mexiko waren Warnzeichen &#252;bersehen und   n&#246;tige Tests nicht durchgef&#252;hrt worden.<\/p>\n<p>  &#8211; Die amtliche Rohstoffaufsicht &#8222;Minerals Management Service (MMS), die   &#214;lbohrungen genehmigt, haben BP und Co. fest im Griff: &#8222;Nach einer   Untersuchung des Innenministeriums f&#252;r die Jahre 2005 bis 2007 haben   manche Aufseher den &#214;lunternehmen erlaubt, Pr&#252;fungsformulare selbst mit   dem Bleistift auszuf&#252;llen, bevor der Kontrolleur dann mit Kugelschreiber   die Worte nachschrieb. Inspektoren akzeptierten Mahlzeiten, Geschenke   und Einladungen&#8220;, so die FAZ vom 29. Mai. &#8222;Umweltpr&#252;fungen wurden lasch   gehandhabt.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8211; Trotz Rezession und fallender &#214;lpreise wies BP 2009 einen Nettogewinn   von 14 Milliarden Dollar aus. Im 1. Quartal 2010 verdiente der Konzern   sechs Milliarden.<\/p>\n<h4>  Obamas Katrina<\/h4>\n<p>  Nach dem Hurrikan &#8222;Katrina&#8220; vor f&#252;nf Jahren steckte der damalige   US-Pr&#228;sident George W. seinen Kopf in den Sand. Diese   Vogelstrau&#223;-Politik betreibt jetzt auch sein Nachfolger.<\/p>\n<p>  Selbst die FAZ fragte am 29. Mai: &#8222;Warum &#252;bernahm das Wei&#223;e Haus   zun&#228;chst die Zahlen von BP, statt sich umgehend ein eigenes Bild von der   Lage zu machen?&#8220; Erst neun Tage nach der Explosion wurde die Katastrophe   zum &#8222;Unfall von nationaler Bedeutung&#8220; erkl&#228;rt &#8211; die Voraussetzung, um   uneingeschr&#228;nkt Mittel aus dem Bundeshaushalt freigeben zu k&#246;nnen. Auch   die B&#252;rgerlichen spotten, dass Barack Obamas Drohung, BP die   Federf&#252;hrung im Kampf gegen die &#214;lpest zu entziehen, eine leere Drohung   ist. N&#246;tig w&#228;re es, den privaten &#214;lmultis ein f&#252;r alle Mal das Handwerk   zu legen, in dem man sie enteignet. Obama, der von BP &#252;ber 77.000 Dollar   Spenden erhielt, mehr als jeder andere Politiker in den letzten 20   Jahren, wird diesen Weg kaum einschlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      BP und die &#214;lkatastrophe am Golf von Mexiko\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[118],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13711"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13711"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13711\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}