{"id":13710,"date":"2010-06-05T03:30:05","date_gmt":"2010-06-05T03:30:05","guid":{"rendered":".\/?p=13710"},"modified":"2010-06-05T03:30:05","modified_gmt":"2010-06-05T03:30:05","slug":"13710","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13710\/","title":{"rendered":"Weg mit Kohle und Kapital"},"content":{"rendered":"<p>  Das drohende Versagen des Kapitalismus im Kampf gegen den Klimawandel<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<!-- too long \"tooLong-sid3710\" --><\/p>\n<p>  Vorbemerkung: Der Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 war eine   Pleite. Einmal mehr wurde uns vor Augen gef&#252;hrt, dass von den heute   Regierenden nichts zu erwarten ist. Wir ver&#246;ffentlichen hier eine   Resolution von R&#228;ttvisepartiet Socialisterna (schwedische   Schwesterorganisation der SAV), die im November 2009 beschlossen wurde.<\/p>\n<p>  &#8222;Tatsache ist, dass sich der Planet schneller ver&#228;ndert als selbst   PessimistInnen es erwartet h&#228;tten: mit erschreckendem Tempo schrumpfen   die Eiskappen und dehnen sich W&#252;stenzonen aus. Und laut einer Reihe von   neueren Studien kann eine Katastrophe &#8211; ein so gro&#223;er Temperaturanstieg,   dass er fast unvorstellbar ist &#8211; nicht l&#228;nger als blo&#223;e M&#246;glichkeit   betrachtet werden. Er ist vielmehr das wahrscheinlichste Ergebnis, wenn   wir auf dem gegenw&#228;rtigen Kurs fortfahren&#8220; Paul Krugman,   &#214;konomie-Nobelpreisgewinner des letzten Jahres in dem Artikel &#8222;Betraying   the Planet&#8220; [Verrat am Planeten] aus der New York Times vom 28. Juni   2009.]<\/p>\n<p>  Keines der j&#252;ngsten Spitzentreffen, von Gipfeln wie den G8, der   UN-Klimakonferenz in New York oder den G20, auf denen die Klimafrage von   den Machthabern der Welt diskutiert wurde, hat irgendeinen wirklichen   Fortschritt gebracht abgesehen davon, dass die USA, Japan und Kanada   Lippenbekenntnisse f&#252;r die 2&#186;C ablegen &#8211; ein Ziel, das von vielen   WissenschaftlerInnen immer mehr als unzureichend und zugleich als immer   schwerer zu erreichen betrachtet wird.<\/p>\n<p>  Sich verst&#228;rkende Mechanismen, die zu sogenannten &#8222;tipping-points&#8220;   (etwa: Umschlagspunkten) f&#252;hren, wie die schnellere Erw&#228;rmung der Ozeane   wegen dem Schmelzen des arktischen Eises und die vergr&#246;&#223;erte Freisetzung   von Methan durch die kleiner werdende Tundra sind heute schon zu   beobachten. ForscherInnen warnen, dass selbst eine Erw&#228;rmung um 1&#186; C das   Ziel der EU, die Kohlendioxidemissionen um 92 Millionen Tonnen pro Jahr   zu verringern, auffressen kann. Barack Obamas Rede auf der   UN-Klimakonferenz in New York, in der er erkl&#228;rte, die USA seien   &#8222;entschlossen, aktiv zu werden&#8220;, klingt so hohl wie seine immer mehr   verw&#228;sserten Gesetzesinitiativen zu einer allgemeinen   Krankenversicherung oder das Wort des chinesischen Pr&#228;sidenten Hu   Jintao, China werde die Kohlendioxidemissionen &#8222;betr&#228;chtlich, pro   Prozent des Wirtschaftswachstums&#8220; verringern.<\/p>\n<p>  Selbst das Wall Street Journal kommentierte, das Treffen habe geendet,   wo es begonnen habe, weil die &#8222;industriellen Heimatbasen [der zwei   Pr&#228;sidenten] nicht ihre globale Wettbewerbsf&#228;higkeit dem Wohle der   Umwelt opfern wollen, erst recht nicht w&#228;hrend einer Rezession.&#8220;<\/p>\n<p>  Das gibt die Schuld genau denen, die sie verdienen, dem Kapitalismus als   Wirtschaftssystem, den Gro&#223;unternehmen und ihren Lobbyorganisationen.   Und die Regierungen versuchen auch die kleinsten Schritte noch zu   torpedieren.<\/p>\n<p>  So hat das Repr&#228;sentantenhaus der USA schon das Waxman-Markey-Ziel einer   Verringerung der Emissionen bis 2020 um 17 Prozent beschlossen, aber   nicht gemessen an dem Niveau von 1990 wie im Kyoto-Protokoll und den   EU-Zielen, sondern im Vergleich zum Niveau von 2005. Im Vergleich zu   1990 ist das nur eine Verringerung der Emissionen um 3 Prozent.<\/p>\n<p>  Der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren ringt die H&#228;nde und   beteuert, die EU h&#228;tte nicht nur die weitest reichenden Angebote f&#252;r   ihre eigene Verringerung der Emissionen gemacht, sondern auch den   weitest gesteckten Vorschlag f&#252;r die Unterst&#252;tzung von   Emissionsverringerung und Anpassung an den Klimawandel durch   Entwicklungsl&#228;nder. Nichts davon ist wahr oder w&#252;rde sich auch nur dem   Erforderlichen n&#228;hern.<\/p>\n<h4>  Emissionen wurden untersch&#228;tzt<\/h4>\n<p>  Tats&#228;chlich sind sich die Klimaforscher heute weltweit einig, dass die   Emissionen h&#246;chstwahrscheinlich in den Prognosen untersch&#228;tzt wurden,   die den Zwischenstaatlichen Ausschuss f&#252;r Klima&#228;nderungen   (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) zwangen,   Emissionsverminderungen um 25-40 Prozent bis zum Jahr 2020 zu fordern.   Dies bedeutet, dass auch das Emissionsverringerungsziel der EU von 20   Prozent bis 2020 im Vergleich zum Niveau von 1990 v&#246;llig unzureichend   ist, um den Temperaturanstieg auch auf nur 2&#186;C zu begrenzen. Besonders   wenn ein Teil der Verringerung nicht in den EU-L&#228;ndern selbst   stattfinden w&#252;rde. Selbst die Ziele einer Verringerung der globalen   Emissionen um 50 Prozent bis zum Jahr 2050, und um 80 Prozent f&#252;r   industrialisierte Nationen sind v&#246;llig unzureichend.<\/p>\n<p>  China, Indien und die anderen &#8222;Entwicklungsl&#228;nder&#8220; in der so genannten   G77 schlagen noch h&#246;here Forderungen an die entwickelten Nationen   bez&#252;glich der Finanzierung von Emissionsverringerungen und der   Anpassungen f&#252;r die unterentwickelten L&#228;nder und Technologietransfer,   der Energieeffizienzma&#223;nahmen in diesen L&#228;ndern f&#246;rdern k&#246;nnte, vor, als   die EU bisher zu akzeptieren bereit ist. W&#228;hrend ein UN-Bericht   behauptet, dass mehrere hundert Milliarden Dollar pro Jahr erforderlich   sind, hat die EU-Kommission bisher vorgeschlagen, dass die EU insgesamt   2 bis 15 Milliarden Euro pro Jahr zahlen.<\/p>\n<p>  Die Hilfsorganisation Oxfam bezeichnet zu Recht Carlgrens Beschreibung   der EU als &#8222;F&#252;hrer&#8220; in Klimafragen als &#8222;einen Skandal&#8220;, wenn man sich   den Widerwillen der EU gegen eine Entsch&#228;digung der Entwicklungsl&#228;nder   f&#252;r die &#8222;historische Schuld&#8220; der Industriel&#228;nder f&#252;r die globalen   Emissionen anschaut. Obendrein haben mehrere EU-Staaten Pl&#228;ne, die   Bezahlung f&#252;r die unzureichende Finanzierung der Emissionsverringerung   und Anpassung der so genannten Entwicklungsl&#228;nder von ihren   Entwicklungshilfebudgets abzuzwacken.<\/p>\n<p>  Es ist jetzt h&#246;chstwahrscheinlich, dass die IPCC gezwungen sein wird,   zuzugeben, dass sie 2007 sowohl die Treibhausgasemissionen gewaltig   untersch&#228;tzte als auch, wie sie sich selbst verst&#228;rkende Mechanismen der   globalen Erw&#228;rmung in der Natur ausl&#246;sen. Das gilt besonders f&#252;r den   Beschleunigungseffekt, der stattfindet, wenn schmelzender   Permafrost-Boden das Methangas der Tundra und der arktischen Meeresb&#246;den   freisetzt und die Regenw&#228;lder und Ozeane zunehmend unf&#228;hig werden, mehr   Kohlendioxid aufzunehmen.<\/p>\n<p>  Der Vorsitzende des IPCC, Dr. R. Pachauri, warnte in seiner Rede auf der   UN-Klimakonferenz 2009 auch ernst, dass die sich beschleunigende   Emissionsrate im letzten Jahrzehnt drohe, die globale Erw&#228;rmung in den   oberen Bereich der Spanne von 1,1-6,4&#176; C zu bringen, die 2007 f&#252;r den   Fall eines &#8222;Weiter so&#8220; bis zum Ende dieses Jahrhunderts angek&#252;ndigt   wurde, und sogar &#252;ber 7&#186;C, wenn man die Zunahme mitrechnet, die bereits   stattgefunden hat. Er unterstrich daher, dass die Gesamtemissionen der   Treibhausgase &#8222;sp&#228;testens 2015, also innerhalb von 6 Jahren&#8220; beginnen   m&#252;ssen zur&#252;ckzugehen, wenn der Temperaturanstieg auf nur 2-2,4&#176;C   beschr&#228;nkt werden soll.<\/p>\n<p>  Dies sind Tatsachen, die die Allianz Kleiner Inselstaaten (Alliance of   Small Island States, AOSIS), die schon heute stark betroffen sind, dazu   veranlasst haben, ein viel gr&#246;&#223;eres Ziel als den EU-Vorschlag von 45   Prozent 2020 vorzuschlagen. Viele der Umweltorganisationen der Welt   fordern, dass die entwickelten Industriel&#228;nder ihre Emission um   mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2020 verringern m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  2&#176;C gen&#252;gen f&#252;r katastrophale Auswirkungen<\/h4>\n<p>  Die Mehrheit der Machthaber der Welt stimmen dem 2&#186;C-Ziel zu, nicht weil   es erstrebenswert ist, sondern mehr, weil ehrgeizigere Ziele als   politisch unrealistisch angesehen wurden.<\/p>\n<p>  Der neue Weltentwicklungsbericht der Weltbank &#8222;Entwicklung und   Klimawandel&#8220; (World Develop&#173;ment Report 2010: Development and Climate   Change), der vor dem Kopenhagener Klimagipfel ver&#246;ffentlicht wurde,   warnt vor einem Temperaturanstieg um 5&#186;C dieses Jahrhundert, wenn die   gegenw&#228;rtigen Trends nicht gebrochen werden. Laut Weltbank wird selbst   ein 2&#186;C-Anstieg eine Verschiebung zu neuen und turbulenteren globalen   Wetterbedingungen und intensiven extremen Wetterereignissen bedeuten.<\/p>\n<p>  Zwischen 100 und 400 Millionen mehr Menschen als heute w&#228;ren von   Hungersn&#246;ten bedroht, w&#228;hrend ein bis zwei Milliarden mehr Menschen   nicht genug Wasser f&#252;r Verbrauch, Hygiene und Nahrungserzeugung h&#228;tten.   Obendrein w&#252;rden 75-80 Prozent der Gesamtkosten diejenigen treffen, die   schon die &#196;rmsten und Verwundbarsten in den unterentwickelten L&#228;ndern   sind. Dar&#252;ber hinaus w&#252;rde die Vergr&#246;&#223;erung des Ozeanvolumens bei einer   Erw&#228;rmung um 2&#186;C einen Anstieg der Meeresspiegel zwischen 0,4 und 1,4   Metern bedeuten.<\/p>\n<p>  Zusammen mit dem schmelzenden Eis und Schnee von Landgebieten in der   Antarktis, Gr&#246;nland und von Gletschern w&#252;rde das mehrere kleine   Inselstaaten in der Karibik ebenso wie die Inseln im S&#252;dpazifik und die   Malediven im Meer versenken.<\/p>\n<p>  Oxfam sch&#228;tzt, dass der politisch akzeptable Temperaturanstieg um 2&#186;   eine verheerende Zukunft f&#252;r 660 Millionen Menschen bedeuten w&#252;rde,   w&#228;hrend man erwarten kann, dass 375 Millionen schon 2015 von   Wetterkatastrophen getroffen werden. Innerhalb von 30 Jahren k&#246;nnten 200   Millionen Menschen j&#228;hrlich gezwungen sein, wegen Hungersn&#246;ten,   Umweltsch&#228;den und Landverlust auszuwandern.<\/p>\n<h4>  Die Erw&#228;rmung steigt weiter an<\/h4>\n<p>  Laut UN-Umweltprogramm (UN environmental programme) haben die Emissionen   seit dem Jahr 2000, zumindest bis zu einem kleinen R&#252;ckgang w&#228;hrend der   tiefen Krise 2008-2009, die Vorhersagen der schlimmsten Szenarien des   IPCC &#252;bertroffen, was 2007 nicht wahrscheinlich erschien. Aber die   &#8222;Klimaskeptiker&#8220; konnten darauf verweisen, dass der globale   Temperaturanstieg w&#228;hrend dieses Jahrzehnts sich seit 1998 trotz der   Zunahme der Emissionen abgeflacht hat, das bis jetzt das w&#228;rmste Jahr   jemals war.<\/p>\n<p>  Diese falsche Hoffnung wird laut US-WissenschaftlerInnen kurzlebig sein.   Es ist wahr, dass die Temperatur nicht nur vom Treibhauseffekt   beeinflusst wird. Sie h&#228;ngt auch von nat&#252;rlichen Ph&#228;nomenen wie dem   11-Jahres-Zyklus der Sonnent&#228;tigkeit, Vulkanausbr&#252;chen und Wasser- und   Luftstr&#246;mungen ab, so wenn die als El Ni&#241;o bekannte gegenw&#228;rtige   Str&#246;mung im Pazifik stattfindet. So wie ein neuer El Ni&#241;o best&#228;tigt   wurde, als w&#228;rmeres Oberfl&#228;chenwasser ostw&#228;rts nach Amerika   zur&#252;ckzustr&#246;men begann, so wird auch eine zunehmende Sonnent&#228;tigkeit f&#252;r   die n&#228;chsten paar Jahre vorhergesagt, die laut WissenschaftlerInnen zu   einem deutlich h&#246;heren Temperaturanstieg als vom IPCC vorhergesehen   f&#252;hren wird.<\/p>\n<p>  Vor dem Klimatreffen in Bangkok im Oktober 2009 ver&#246;ffentlichten die   KlimaforscherInnen vom britischen Met Office Hadley Centre eine neue   Prognose, die auf den Computermodellen des IPCC und neuen   Emissionstrends und Ergebnissen &#252;ber sich selbst verst&#228;rkende   Mechanismen beruhte, die zu Umschlagspunkten f&#252;hren, an denen weitere   Emissionen aus dem Boden freigesetzt werden. Laut dieser Prognose kann,   wenn nicht kr&#228;ftige Gegenma&#223;nahmen ergriffen werden, die Temperatur   schon bis 2060, zu Lebzeiten vieler heute lebender Menschen, um ganze   4&#176;C steigen, mit m&#246;glichen Temperaturanstiegen von 10&#186;C in der Arktis   und in West- und S&#252;dafrika!<\/p>\n<p>  Laut Paul Krugman haben WissenschaftlerInnen am Massachusetts Institute   of Technology, die bisher einen Temperaturanstieg der Erde um 4&#186;C   w&#228;hrend dieses Jahrhunderts vorhersagten, wenn nichts getan wird, diese   Prognose auf 9&#186;C angehoben. Solch ein Szenario w&#252;rde laut dem Met Office   eine fast unvorstellbare Katastrophe bedeuten, die die Wasserversorgung   der halben Weltbev&#246;lkerung bedrohen und die H&#228;lfte aller Pflanzen- und   Tierarten ausrotten und niedrig liegende K&#252;stengebiete &#252;berfluten w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Einer der f&#252;hrenden Klimaforscher der USA und Chef des NASA-Goddard-Instituts   f&#252;r Weltraumstudien (NASA Goddard Institute for Space Studies), der   Physiker James Hansen, weist auf die alarmierenden Berichte &#252;ber das   Schrumpfen des arktischen Eises hin und glaubt, dass die Konzentration   von Kohlendioxid in der Atmosph&#228;re nicht 350 Teile pro Million (PPM)   &#252;berschreiten kann, das hei&#223;t viel weniger als das IPCC-2&#186;C -Ziel eines   Maximum von 450 PPM, &#8222;wenn die Menschheit den Planeten so bewahren   m&#246;chte, dass er dem &#228;hnlich ist, auf dem sich die Zivilisation   entwickelte und an den das Leben auf der Erde angepasst ist.&#8220; Die   heutige Konzentration von 386 PPM ist schon betr&#228;chtlich h&#246;her als diese   kritische Marke und es gab bei ihr im 21. Jahrhundert vor der   Finanzkrise eine steigende j&#228;hrliche Zunahme.<\/p>\n<p>  Deutschlands f&#252;hrender Klimaforscher, Hans Joachim Schellnhuber, Chef   des Potsdam-Instituts [f&#252;r Klimafolgenforschung] und ein f&#252;hrender   Klimaberater der deutschen Regierung, meint, dass ein wahrscheinlicher   Temperaturanstieg von 5&#186;C bis zum Jahr 2100 im Fall eines &#8222;Weiter so&#8220; zu   einem Punkt f&#252;hren w&#252;rde, an dem die Erde nicht mehr als eine Milliarde   Menschen ern&#228;hren k&#246;nnte. Das ist ein Neuntel der f&#252;r das Jahr 2050   gesch&#228;tzten Bev&#246;lkerung von 9 Milliarden.<\/p>\n<h4>  Klima&#246;konomen bremsen<\/h4>\n<p>  Obwohl die so genannten Klimaskeptiker unter den ForscherInnen immer   stiller werden, versuchen rechte Klima&#246;konomen immer noch,   wirtschaftliche Einw&#228;nde gegen strenge Klimaziele zu erheben. Der   ber&#252;chtigtste von ihnen ist wahrscheinlich William Nordhaus von der Yale   University in den USA, der behauptet, dass um 25 Prozent verringerte   Emissionen bis 2050 und eine tolerierte Konzentration von 700 PPM   Kohlendioxid ein &#8222;optimales&#8220; Ziel w&#228;ren. Er argumentiert, dass w&#228;rmeres   Wetter n&#246;rdlichen L&#228;ndern nutzen werde und den Marktkr&#228;ften Zeit geben   werde, die notwendigen technologischen Fortschritte hervorzubringen.<\/p>\n<p>  Der fr&#252;here Chef&#246;konom der Weltbank, der Brite Lord Stern, ist   wahrscheinlich der bekannteste Klima&#246;konom. Im Oktober 2006 stellte er   globale Erw&#228;rmung als &#8222;das gr&#246;&#223;te Marktversagen dar, das die Welt je   gesehen hat&#8220;. Er warnte weiter die Machthaber der Welt vor &#8222;Sch&#228;den von   einem gr&#246;&#223;eren Ausma&#223; als die beiden Weltkriege des letzten   Jahrhunderts&#8220;, mit einem 20 Prozent-Fall in der Weltproduktion. Jetzt   gibt Stern zu, dass er 2006 die drohenden Kosten um 50 Prozent   untersch&#228;tzte, was bedeutet, dass der R&#252;ckgang 30 Prozent sein k&#246;nne,   wenn nichts getan wird.<\/p>\n<p>  &#8222;Was w&#228;re die Folge einer in diesem Jahrhundert um 4 bis 7&#186;C erh&#246;hten   Temperatur, auf ein Niveau, das die Welt seit 30 bis 50 Millionen Jahren   nicht gesehen hat, das Milliarden Menschen zum Auswandern zwingen   w&#252;rde?&#8220; fragte er und sagt dann &#8222;in gro&#223;en Teilen der Welt f&#252;r mehrere   Jahrzehnte lang gezogene Konflikte, soziale Unruhen, wesentlich Krieg&#8220;   voraus.<\/p>\n<p>  Trotzdem will Lord Stern in seinem neusten Buch The Global Deal (2009)   [deutsch: Der global deal: wie wir dem Klimawandel begegnen und ein   neues Zeitalter von Wachstum und Wohlstand schaffen] seine eigenen   fr&#252;her vorgeschlagenen Grenzwerte f&#252;r Emissionen nur von 550 auf 500 PPM   senken, mit einem Ziel von 3&#186;C [Temperaturanstieg] und 50 Prozent   Emissionsbeschr&#228;nkung bis 2050. Stern ist sich voll bewusst, dass dies   katastrophale Folgen und Gefahren einer galoppierenden Erw&#228;rmung   beinhalten w&#252;rde, aber sein Argument ist, dass h&#228;rtere Ziele mehr w&#228;ren   als die kapitalistische Wirtschaft verkraften k&#246;nnte, &#8222;eine Aufgabe oder   Verringerung von Wachstum und Entwicklung.&#8220;<\/p>\n<h4>  Wir haben schon eine Klimakrise<\/h4>\n<p>  Das Globale Humanit&#228;re Forum (Global Humanitarian Forum), mit dem   fr&#252;heren UN-Generalsekret&#228;r Kofi Annan als Vorsitzendem erkl&#228;rt, dass   wir schon heute eine stille Krise haben. In einem Bericht im Vorfeld von   Kopenhagen erkl&#228;rte die Organisation, dass die Klimakrise schon hier   ist, wobei es zu mehr als 90 Prozent der Kosten und 99 Prozent aller   Toten in den so genannten Entwicklungsl&#228;ndern kommt, obwohl bisher nur   ein Prozent der Emissionen aus den 50 &#228;rmsten L&#228;ndern kommen.<\/p>\n<p>  Von den 300.000 j&#228;hrlichen Todesf&#228;llen, die schon von der Klimakrise   verursacht werden und die nach Vorhersagen auf mindestens eine halbe   Million bis 2050 ansteigen werden, sterben neun von zehn an indirekten   Folgen wie Unterern&#228;hrung, Durchfall und Malaria &#8211; der Rest direkt wegen   Wetterkatastrophen.<\/p>\n<p>  Der Bericht erkl&#228;rt, dass selbst jetzt &#8222;eine halbe Million extrem Gefahr   laufen, direkt betroffen zu werden, w&#228;hrend sechs von zehn vom   Klimawandel in einem physischen und sozio&#246;konomischen Sinn ausgesetzt   sein k&#246;nnen&#8220;. Aber auch reiche L&#228;nder wie Australien waren stark von   wachsender Hitze, zehn Jahren Trockenheit, Br&#228;nden und St&#252;rmen betroffen.<\/p>\n<p>  In seinem j&#252;ngsten Buch, Plan B 4.0, argumentiert der amerikanische   Klima- und Landwirtschaftsexperte Lester R Brown, dass es notwendig sei,   die Emissionen um 80 Prozent bis 2020 in einer kriegsartigen Umstellung   der Gesellschaft zu verringern. Er warnt, dass die Krisen durch   Nahrungsmangel, die sonst geschehen w&#252;rden, ein Ende der heutigen   Zivilisation bedeuten w&#252;rden, wie es mit den antiken sumerischen und   Maya-Zivilisationen geschah.<\/p>\n<p>  Die dramatische Verdreifachung der Weltmarktpreise f&#252;r Weizen, Reis und   Mais zwischen Mitte 2006 und Mitte 2008, die Hungeraufst&#228;nde in   mindestens 30 L&#228;ndern verursachten, waren nach Lester Brown nur eine   fr&#252;he Warnung. Es brauchte die tiefste Krise seit der Gro&#223;en Depression,   um die Preise herunterzubringen &#8211; aber nur auf ein viel h&#246;heres   Preisniveau als vorher.<\/p>\n<p>  Die verheerende Verbindung von gestiegenen Nahrungsmittelpreisen,   Wirtschaftskrise und Klimawandel hat seit Mitte der 1990er Jahre die   Zahl der von Hunger und Unterern&#228;hrung Betroffenen von 825 Millionen auf   915 Millionen 2008 und &#252;ber 1.000 Millionen 2009 erh&#246;ht.<\/p>\n<p>  Vor dem G8-Gipfel im Juli 2009 schrieb die UN-Organisation f&#252;r Ern&#228;hrung   und Landwirtschaft (FAO). &#8222;Die Zahl der Menschen auf der Welt, die unter   Unterern&#228;hrung leiden, werden mit 1.020 Millionen erstmals auf &#252;ber eine   Milliarde gesch&#228;tzt. Das sind ungef&#228;hr 100 Millionen mehr als letztes   Jahr und ein Sechstel der gesamten Menschheit.&#8220;<\/p>\n<p>  Lester Brown sagt voraus, dass diese Zahl auf 1,2 Milliarden 2015   ansteigen wird, wobei der Mangel an Nahrungsmitteln das schw&#228;chste Glied   in der Entwicklung ist. Laut Plan B 4.0 wird die Nahrungsversorgung auf   der Nachfrageseite durch eine schnelle Zunahme der Weltbev&#246;lkerung in   Verbindung mit einem wachsenden Verbrauch von Getreide und Sojabohnen   f&#252;r die Fleischerzeugung und Fischzucht und eine wachsende Verwendung   von Getreide f&#252;r Biotreibstoff (Ethanol) begrenzt. Auf der Angebotsseite   wird die Produktion erschwert durch Bodenerosion, &#220;berfischung,   wachsenden Wassermangel und das Wachstum begrenzende Hitzewellen, aber   auch durch zunehmende Treibstoffkosten und begrenzten Zugang zu immer   teurerem &#214;l, wachsende St&#228;dte und schrumpfende Fl&#228;chen f&#252;r Ackerbau.<\/p>\n<p>  Brown erkennt klar, dass der kapitalistische Markt unf&#228;hig ist, einen   angemessenen Preis f&#252;r fossile Brennstoffe festzusetzen, und richtet den   Blick zu Recht auf die Notwendigkeit der Armutsbek&#228;mpfung und darauf,   dass die armen Massen schon heute von der Klimakrise betroffen sind.   Gleichzeitig &#252;bertreibt er tendenziell die Rolle des   Bev&#246;lkerungswachstums.<\/p>\n<p>  Er untersch&#228;tzt daher, dass der Nahrungsmangel, von dem er spricht,   zumindest gegenw&#228;rtig, vor allem ein Mangel wegen der geringen Kaufkraft   der Armen ist. Der Sachverhalt, den Brown selbst erw&#228;hnt, dass 26   Millionen Menschen (12 Prozent der Bev&#246;lkerung) in den USA, dem   reichsten Land der Welt, entweder hungern oder eine unsichere   Nahrungsversorgung haben, ist ein offensichtliches Beispiel f&#252;r Hunger   mitten im &#220;berfluss. Dreieinhalb Millionen Kinder unter f&#252;nf Jahren in   den USA riskieren, durch Unterern&#228;hrung gesch&#228;digt zu werden. Die   unvorstellbar Reichen in allen Teilen der Welt h&#228;ufen einen zunehmend   grotesken Luxus auf, w&#228;hrend Nahrung f&#252;r Milliarden von   Nahrungsmittelketten weggeworfen wird und eine Milliarde extrem armer   Menschen mit einem t&#228;glichen Einkommen von 1,25 US-Dollar oder weniger   auskommen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig hat sich die Fleischerzeugung pro Kopf auf der Welt in 40   Jahren durch industrielle Landwirtschaft verdoppelt, wo nach manchen   Sch&#228;tzungen 95 Prozent aller Kalorien &#8222;verschwendet&#8220; werden, wenn   Getreide f&#252;r die Erzeugung von Fleisch und Fisch verwendet werden.<\/p>\n<p>  Die Krise der Weltlandwirtschaft ist zu einem gro&#223;en Teil eine Folge der   kapitalistischer Misswirtschaft und einer wachsenden Reichtumskluft   zwischen den Klassen, die durch die neoliberalen   &#8222;Strukturanpassungsprogramme&#8220; der letzten Jahrzehnte und die   r&#252;cksichtlose Ausbeutung der Menschen, Tiere und der Natur durch die   kapitalistische Agroindustrie versch&#228;rft wurden<\/p>\n<p>  Zum Beispiel hat die neoliberale &#8222;Freier-Markt-Politik&#8220; in armen L&#228;ndern   oft die Produktion von ein paar profitablen Produkten im gro&#223;en Stil f&#252;r   den Export bedeutet, zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion, w&#228;hrend die   N&#228;hrstoffe aus den B&#246;den gesaugt wurden und sie durch unausgeglichene   Bebauung, Kunstd&#252;nger, chemische Pestizide und Unkrautvernichter   vergiftet wurden.<\/p>\n<h4>  Die Klima- und Versorgungskrisen versch&#228;rfen sich<\/h4>\n<p>  Die Himalaya-Gletscher schmelzen bis 2035 drastisch ab. &#8222;Die Folgen   w&#228;ren dramatisch, da die Gletscher gro&#223;e Str&#246;me in den dicht besiedelten   Regionen S&#252;d- und Ostasiens speisen. Wenn die Wassermenge in Fl&#252;ssen wie   Ganges oder Jangtse langfristig zur&#252;ckgehe, seien mehr als eine   Milliarde Menschen davon betroffen, warnen UN-Experten.&#8220;<\/p>\n<p>  So lange die Misswirtschaft des kapitalistischen Systems und die   ungleiche Verteilung von Einkommen und Reichtum bleiben, wird die   Weltbankprognose, wonach 2050 eine verdoppelte Nahrungsmittelproduktion   n&#246;tig sein wird, nat&#252;rlich einen zunehmenden Mangel an Nahrungsmittel   f&#252;r die armen Massen bedeuten. Dies wird umso mehr der Fall sein, wenn   zugelassen wird, dass die Bodenerosion die urspr&#252;ngliche Produktivit&#228;t   des bebaubaren Landes der Erde um 30 Prozent verringern wird, wie Brown   vorhersagt, und wenn L&#228;nder mit zusammengenommen der halben   Weltbev&#246;lkerung von fallenden Grundwasserspiegeln und austrocknenden   Brunnen betroffen sind.<\/p>\n<p>  Die globale Erw&#228;rmung verursacht zunehmend Trockenheiten in gro&#223;en   Teilen der Welt, mit fallenden Grundwasserspiegeln, Hitzewellen, Feuern   und Bodenerosion. Luc Gnacadja, der Exekutivsekret&#228;r der UN-Konvention   zur Bek&#228;mpfung der W&#252;stenbildung (United Nations Convention to Combat   Desertification, UNCCD), warnt, dass 70 Prozent der B&#246;den der Welt schon   2025 von Trockenheit betroffen sein k&#246;nnten, wenn es keine angemessenen   Gegenma&#223;nahmen gibt. Gleichzeitig nehmen die St&#228;rken tropischer Zyklone,   Taifune und St&#252;rme zu, bei denen Regeng&#252;sse und Fluten die fruchtbare   Oberfl&#228;chenschicht in vorher ausged&#246;rrten Gebieten wegwaschen.<\/p>\n<p>  Ganz Ostafrika, einschlie&#223;lich gro&#223;er Teile des Sudan, von &#196;thiopien,   Somalia, Kenia und Uganda, steht eine neue akute Hungersnot bevor.<\/p>\n<p>  Auf dem Blog der Weltbank wird berichtet, dass die Ernte in Kenia nach   vier ausgefallenen Regenperioden auf nur 28 Prozent im Vergleich zum   normalen Niveau gefallen ist. Auf 80 Prozent des Bodens ist die   Wasserversorgung auf ein Zehntel des normalen Niveaus gefallen. Laut dem   kenianischen Umweltminister hungern jetzt 10 Millionen KenianerInnen aus   Wassermangel, und gleichzeitig wird der Zugang zu Elektrizit&#228;t aus   Wasserkraft rationiert.<\/p>\n<p>  Aber dies ist nur der Anfang. Laut Weltbank leben heute schon 175   Millionen InderInnen und 130 Millionen ChinesInnen von Getreide aus   Gebieten, in denen die Brunnen austrocknen. Und es wird schlimmer. Viele   kleinere Gletscher sind schon verschwunden. &#8222;Nirgends ist das Schmelzen   alarmierender als im Himalaja und auf der tibetischen Hochebene, wo das   Schmelzeis aus den Gletschern nicht nur das Wasser der Fl&#252;sse Indus,   Ganges, Jangtse und Huang Ho in der Trockenzeit liefert, sondern auch   die Bew&#228;sserungssysteme, die von ihnen abh&#228;ngen. Ohne diese Gletscher   w&#252;rden viele asiatische Fl&#252;sse in der Trockenzeit zu flie&#223;en aufh&#246;ren&#8220;,   warnt Lester Brown. Er nennt dies &#8222;die massivste Bedrohung der   Nahrungssicherheit, vor der die Menschheit jemals stand&#8220;. Heute leben   eine Milliarde Menschen, ein Sechstel der Weltbev&#246;lkerung, in einem   Gebiet, das mit Wasser aus diesen abschmelzenden Gletschern versorgt   wird. Die Gebiete am Fu&#223; der Anden leiden unter derselben Bedrohung.<\/p>\n<p>  Ein Anstieg der Meeresspiegel der Welt um bis zu einem Meter in diesem   Jahrhundert im Gefolge der beschleunigten Eisschmelze von Gr&#246;nland und   der Westantarktis bedroht auch einen sehr gro&#223;en Teil der Reisproduktion   beispielsweise von Bangladesh und dem Mekong-Delta.<\/p>\n<p>  Laut Lester Brown beschr&#228;nken schrumpfende Ertr&#228;ge sowohl aus genetisch   modifizierten (GM) Saaten als auch mit konventionellen Zuchtmethoden die   Hoffnung auf eine betr&#228;chtliche Steigerung der landwirtschaftlichen   Produktivit&#228;t. Diese Sicht wird von der Weltbank in Bezug auf die   entwickelten L&#228;nder geteilt. Der Blick wird stattdessen auf die   schwierige Herausforderung gerichtet, in Entwicklungsl&#228;ndern, wo die   Bev&#246;lkerung am schnellsten w&#228;chst, neue Methoden und Technologien   anzuwenden, wenn es darum geht, &#214;kosysteme, W&#228;lder, landwirtschaftliche   Gebiete und knappe Wasservorr&#228;te f&#252;r trockene B&#246;den zu erhalten, um die   Ertr&#228;ge pro Tropfen Wasser zu steigern.<\/p>\n<p>  Der Weltbankbericht empfiehlt &#246;ko-agrarische Landschaften, in denen die   B&#228;uerInnen das Land stabilisieren k&#246;nnen, indem sie Mosaike aus bebautem   Land und Naturgebieten schaffen, die die Emissionen niedrig halten   k&#246;nnen, beim &#220;berleben von Arten helfen und die Best&#228;ndigkeit und   Widerstandsf&#228;higkeit des Bodens st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Neue Technologien, bei denen Saatgut direkt in den Boden eingef&#252;hrt   wird, statt nach dem Pfl&#252;gen ges&#228;t zu werden, wurden zusammen mit neuen   Methoden der Anpassung der D&#252;ngung und W&#228;sserung, um sie &#246;konomischer   und dabei genauer zu machen, als positive Erfahrungen hervorgehoben. Die   M&#246;glichkeit, verschiedene von indigenen V&#246;lkern genutzte alte Methoden   zu nutzen und zu entwickeln, wurde auch als positiv hervorgehoben.<\/p>\n<p>  &#8222;W&#228;hrend vom Privatsektor und von Bauern vorangetriebene Prozesse der   Auswahl von Saatgut Einheitlichkeit bevorzugen, die an fr&#252;here oder   gegenw&#228;rtige Bedingungen angepasst ist&#8220;, sagt der Bericht der Bank, dass   eine Pflanzenzucht notwendig ist, die einen gr&#246;&#223;eren genetischen Pool   schaffen kann.<\/p>\n<p>  Zusammen mit der Notwendigkeit einer dauerhafteren Infrastruktur,   Forschungsressourcen und einer besseren Bildung erfordert das eine   demokratisch geplante globale Wirtschaft, die auf einer gemeinsamen und   langfristigen Mobilisierung aller betroffenen Gruppen beruht und daher   im Widerspruch zu der Art und Weise steht, wie der Kapitalismus   funktioniert.<\/p>\n<p>  All dies ist auch ein Rezept f&#252;r immer h&#228;rtere globale K&#228;mpfe um Land   und Rohstoffe. Schon w&#228;hrend der Nahrungsmittelpreiskrise 2007-2008   stellten viele L&#228;nder ihre Weizen- und Reisexporte ein<\/p>\n<h4>  Versch&#228;rfter Kampf um Ressourcen<\/h4>\n<p>  Die K&#228;mpfe im Sudan, wo die Darfur-Konflikte um knappe Ressourcen auch   in den Tschad &#252;berschwappen, sind ein fr&#252;hes Beispiel daf&#252;r, wie der   Mangel an Nahrung und Wasser auch zu Gewalt und einem Fl&#252;chtlingsstrom   f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Ein spektakul&#228;res Zeichen ist, dass eine wachsende Zahl von L&#228;ndern wie   Saudi Arabien, S&#252;dkorea, China, Kuwait, Libyen, Indien, &#196;gypten,   Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar zu &#252;ber 50   bekannten F&#228;llen geh&#246;ren, die versuchen, Land im Ausland zu kaufen oder   zu pachten. Dies geschieht im gro&#223;en Ma&#223;stab und im neokolonialen Stil   f&#252;r ihre eigenen Nahrungsbed&#252;rfnisse in L&#228;ndern, die ihre eigene   Versorgungskrise erleben.<\/p>\n<p>  Insgesamt gab es einen gesch&#228;tzten Verkauf von 20 Millionen Hektar Land   seit 2006, haupts&#228;chlich in Afrika. Das entspricht dem doppelten der   gesamten landwirtschaftlichen Nutzfl&#228;che von Deutschland.<\/p>\n<p>  Dies findet auf einem Kontinent statt, der schon 2020 die H&#228;lfte seines   bebaubaren Landes durch Trockenheit verlieren kann und wo 75 bis 250   Millionen Menschen von &#8222;Wasserstress&#8220; bedroht sind.<\/p>\n<p>  Saudi Arabien zum Beispiel hat schon Land in 11 L&#228;ndern geleast, zwei   von ihnen sind der Sudan und &#196;thiopien. Laut Financial Times feierte im   M&#228;rz 2009 Saudi Arabien seine erste Lieferung von &#228;thiopischem Reis.   &#196;thiopien leidet zur selben Zeit unter einer akuten Nahrungskrise und   das UN-Weltern&#228;hrungsprogramm (WFP) unterst&#252;tzt dort 4,6 Millionen   Menschen.<\/p>\n<p>  Die Gr&#246;&#223;e dieser erworbenen L&#228;ndereien ist in vielen F&#228;llen riesig, zum   Beispiel wenn S&#252;dkorea ein langfristiges Abkommen mit dem Sudan   abschlie&#223;t, auf einer Fl&#228;che von 690.000 Hektar Weizen f&#252;r S&#252;dkorea   anzubauen. Dieses Gebiet entspricht drei Vierteln der Fl&#228;che von 930.000   Hektar, die S&#252;dkorea nutzt, um Reis im eigenen Land anzubauen.<\/p>\n<p>  China, das bisher seine eigene wachsende st&#228;dtische Bev&#246;lkerung mit   heimischer Nahrungsmittelproduktion ern&#228;hren konnte, versucht, f&#252;r seine   eigenen Interessen zu sorgen, indem es die gr&#246;&#223;ten Investitionen dieser   Art t&#228;tigt. Laut Lester Brown hat sich die chinesische Firma ZTE in   einem spektakul&#228;ren Abkommen die Rechte an 2,8 Millionen Hektar im Kongo   f&#252;r die Erzeugung von Palm&#246;l gesichert, das sowohl als &#214;l f&#252;r die   Ern&#228;hrung als auch als Biotreibstoff verwendet werden kann Das Gebiet   ist anderthalb Mal so gro&#223; wie Belgien und 0,9 Millionen Hektar gr&#246;&#223;er   als die Fl&#228;che, die der Kongo selbst nutzt, um Getreide f&#252;r 66 Millionen   Einwohner zu erzeugen. China verhandelt auch mit Sambia um 2 Millionen   Hektar, um eine &#214;lpflanze anzubauen, so wie sie schon mit Algerien,   Mozambique, Birma (Myanmar), Brasilien, Australien, Russland und   Kasachstan verhandelt haben.<\/p>\n<p>  Staatliche und private Firmen sind gleicherma&#223;en an diesen Abkommen   beteiligt, einschlie&#223;lich amerikanischer und britischer   Investmenttrusts. Es ist auch klar, dass diese Arten von Abkommen zu   massiven Protesten und Konflikten f&#252;hren werden, vielleicht sogar zu   Aufst&#228;nden und Krieg.<\/p>\n<p>  Als bekannt wurde, dass China einen Vertrag &#252;ber die Verpachtung von   einer Million Hektar Land auf den Philippinen unterzeichnet hatte,   f&#252;hrte das zu so m&#228;chtigen Protesten von philippinischen B&#228;uerInnen,   dass das Abkommen aufgehoben wurde. Der Erwerb von einer Million Hektar   (der halben Fl&#228;che Belgiens) auf Madagaskar durch die s&#252;dkoreanische   Firma Daewoo war ein wichtiger Faktor hinter der rebellischen   Atmosph&#228;re, die zum Fall der Regierung und der K&#252;ndigung des Abkommens   f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Das Bewusstsein f&#252;r das ernste Sicherheitsproblem dr&#228;ngte auch, laut   Lester Brown, die pakistanische Regierung dazu, ein Angebot der   Verpachtung von 400.000 Hektar Ackerland mit der Vermietung von 100.000   bewaffneten W&#228;chtern zu verbinden. Die W&#228;chter h&#228;tten die Pflicht, das   Land und Eigentum der ausl&#228;ndischen Investoren zu sch&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Eine herausfordernde Anzahl dieser Landerwerbungen findet in L&#228;ndern   statt, die schon arm sind und einen Mangel an Nahrung und Wasser haben,   oder in Regenwaldgebieten, die wegen ihrer wichtigen Rolle als   Kohlendioxidspeicher gesch&#252;tzt werden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Ein halbes Jahrhundert nach den kolonialen Aufst&#228;nden und Revolutionen,   als neue Staaten gebildet wurden und die Kolonialm&#228;chte zum Aufgeben   gezwungen wurden, wird stattdessen mehr Aufmerksamkeit dem Niedergang   von immer mehr Staaten gewidmet.<\/p>\n<p>  &#8222;Gescheiterte Staaten haben einen bemerkenswerten Weg vom Rand zum   Zentrum einer gescheiterten globalen Politik zur&#252;ckgelegt&#8220;, kommentiert   ein Artikel im amerikanischen Magazin Foreign Policy. Der &#8222;Index der   gescheiterten Staaten&#8220; dieser Zeitschrift f&#252;hrt 60 L&#228;nder auf, die schon   zu dieser Kategorie geh&#246;ren oder riskieren, in sie zu geraten<\/p>\n<p>  Die wachsenden Klima- und Versorgungskrisen in einer wachsenden Zahl von   Entwicklungsl&#228;ndern werden auch von den Sicherheitspl&#228;nen sowohl der EU   als auch der USA zu einem zentralen Problem aufgewertet, ebenso wie die   Fl&#252;chtlingsstr&#246;me, die solche Krisen verursachen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Wie es der Hohe Vertreter f&#252;r die Gemeinsame Au&#223;en- und   Sicherheitspolitik der EU, der Spanier Javier Solana, formuliert:   &#8222;Klimawandel wird am besten als Gefahrenmultiplikator betrachtet, der   bestehende Trends, Spannungen und Instabilit&#228;t versch&#228;rft. Die   Kern-Herausforderung ist, dass Klimawandel droht, Staaten und Regionen   zu &#252;berlasten, die schon zerbrechlich und konfliktanf&#228;llig sind. Es ist   wichtig, anzuerkennen, dass die Risiken nicht nur einen humanit&#228;ren   Charakter haben, sondern auch politische und Sicherheitsrisiken   umfassen, die direkt europ&#228;ische Interessen ber&#252;hren.&#8220;<\/p>\n<p>  Laut UN starben oder verschwanden sage und schreibe 6.000 AfrikanerInnen   von ungef&#228;hr 31.000, die versuchten in 900 &#252;berf&#252;llten kleinen Booten   &#252;ber die kanarischen Inseln nach Europa zu kommen.<\/p>\n<p>  Die eiserne Mauer um die Festung Europa wird jetzt weiter verst&#228;rkt   durch das Stockholm-Programm mit Verst&#228;rkung der Grenzkontrollen durch   die EU-Grenzsicherheitsagentur FRONTEX, noch schnellere Abschiebungen   von Fl&#252;chtlingen und mehr kontrollierte Fl&#252;chtlingslager au&#223;erhalb der   europ&#228;ischen Grenzen. Eine wachsende Zahl von afrikanischen und anderen   Regierungen wird auch bestochen, Abkommen &#252;ber einen gemeinsamen   &#8222;Zuwanderungspakt&#8220; mit der EU zu unterschreiben.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig findet eine Aufr&#252;stung der milit&#228;rischen Ressourcen der EU   statt, um in allen Arten von Konfliktzonen au&#223;erhalb Europas eingreifen   zu k&#246;nnen, mit oder ohne Unterst&#252;tzung der USA und der NATO. Die   schwedische rechte Regierung hat w&#228;hrend ihrer EU-Pr&#228;sidentschaft die EU   gedr&#228;ngt, mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken. Die schwedische   Regierung dr&#228;ngt auch die EU, ihre milit&#228;rische Kapazit&#228;t zur schnellen   Entsendung von Truppen f&#252;r Interventionen zum Beispiel in Afrika zu   vergr&#246;&#223;ern. Sie haben zum Beispiel vorgeschlagen, die EU solle in der   Lage sein, ihre st&#228;ndigen Kampfgruppen einzusetzen, auch wenn kein   EU-Land unmittelbar bedroht ist, und auch, dass die EU den milit&#228;rischen   Einsatz ihrer Truppen leichter machen sollte durch die Einf&#252;hrung von   Mehrheitsentscheidungen.<\/p>\n<p>  Auch die Obama-Regierung will Bedrohungen im Zusammenhang mit dem Klima   zu einem zentralen Thema der Sicherheitspolitik machen.<\/p>\n<p>  &#8222;Solche durchs Klima verursachten Krisen (wie St&#252;rme, Trockenheiten,   Massenwanderungen und Seuchen) k&#246;nnen Regierungen st&#252;rzen,   terroristischen Bewegungen Nahrung geben oder ganze Regionen   destabilisieren&#8220;, hat die New York Times kommentiert.<\/p>\n<p>  Andere mit dem Klima verbundene Sicherheitssorgen f&#252;r das US-Milit&#228;r und   Geheimdienste, ebenso wie die der EU und Russlands, sind die Rivalit&#228;ten   um die Kontrolle nat&#252;rlicher Ressourcen wie &#214;l, die mit dem Schmelzen   der arktischen Eiskappe zug&#228;nglich werden.<\/p>\n<h4>  Eine sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>  Der &#220;bergang von fossilen Brennstoffen und kapitalistischer Ausbeutung   von Menschen und Natur zu nachhaltigen und gerechten Gesellschaften auf   der Grundlage erneuerbarer Energie ist die schicksalsschwerste Frage   unserer Zeit.<\/p>\n<p>  Es ist eine Frage, die zusammen mit der mit ihr verbundenen humanit&#228;ren   Nahrungs- und Gesundheitskrise durch den Klimawandel gewaltig versch&#228;rft   wird; sie wird mehr als irgendeine andere Frage das globale Bewusstsein   unter den jungen Menschen, ArbeiterInnen und armen Massen auf der Welt   vergr&#246;&#223;ern, dass es dringend n&#246;tig ist, die gegenw&#228;rtige kurzsichtige   und auf Profit beruhende kapitalistische Weltwirtschaft durch einen   weltweiten und demokratisch geplanten Sozialismus zu ersetzen, um das   &#220;berleben der Menschheit und ihr Bed&#252;rfnis, im Einklang mit der Natur zu   leben zu garantieren.<\/p>\n<p>  Selbst ein UN-Bericht erkl&#228;rt: &#8222;Die gegenw&#228;rtigen globalen   Ungerechtigkeiten &#252;ber das n&#228;chste halbe Jahrhundert oder l&#228;nger   einzufrieren, w&#228;re &#246;konomisch, politisch und ethisch unakzeptabel.&#8220;<\/p>\n<p>  Auch ohne ein Klimaabkommen in Kopenhagen wird der schiere   Selbsterhaltungsinstinkt die kapitalistischen Regierungen und   Gro&#223;konzerne zum Handeln dr&#228;ngen, wenn sie erkennen, dass selbst ihre   Zukunft bedroht ist, selbst wenn ihre Methoden und Handlungen zu wenig   und zu sp&#228;t sind, wenn sie falsch sind und unfaire Folgen haben. Manche   Ma&#223;nahmen k&#246;nnen hoffentlich den kapitalistischen Regierungen durch   Kampf von unten aufgezwungen werden. Aber dies kann bestenfalls zur   Schadensbegrenzung und zum Zeit gewinnen beitragen.<\/p>\n<p>  Ein sozialistisches Programm muss als Ausgangspunkt wissenschaftliche   Ergebnisse haben, aus denen sich ergibt, dass es notwendig ist, die   Kohlendioxidemissionen um 50 Prozent bis zum Jahr 2020 und bis   mindestens um 90 Prozent oder m&#246;glichst nahe an null im Jahr 2050 zu   verringern, um die M&#246;glichkeit zu haben, die globale Erw&#228;rmung auf ein   Maximum von 1,5-2&#186;C zu begrenzen. Ein weiterer zentraler Ausgangspunkt   ist die Notwendigkeit unmittelbarer Hilfe f&#252;r all jene, die am   schlimmsten von Wetterkatastrophen und Nahrungskrisen betroffen sind.<\/p>\n<p>  Vor allem sind in den entwickelten L&#228;ndern, aber auch in mehreren   sogenannten Entwicklungsl&#228;ndern wie China, Indien und Brasilien wirksame   Programme f&#252;r eine schnelle Ersetzung fossiler Brennstoffe n&#246;tig.   Gleichzeitig m&#252;ssen alle L&#228;nder Zugang zu neuer und modernster   Technologie bekommen ohne R&#252;cksicht auf kapitalistische   Patentvorschriften. Massive Unterst&#252;tzungsanstrengungen sind auch   notwendig, um gegen globale Armut zu k&#228;mpfen, die Regenw&#228;lder zu   sch&#252;tzen, B&#228;ume neu zu pflanzen und in allen von Bodenerosion und   Trockenheit bedrohte Regionen &#246;kologischere Methoden einzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Was angesichts dessen notwendig ist, ist eine vertiefte Diskussion eines   &#220;bergangsprogramms mit globalen, nationalen und lokalen Forderungen, die   Menschen begeistern k&#246;nnen und eine Anleitung zum Kampf f&#252;r konkrete   Forderungen und den Aufbau eines sozialistischen Bewusstseins sind.<\/p>\n<p>  R&#228;ttvisepartiet Socialisterna weist alle Vorschl&#228;ge f&#252;r Handel mit   Emissionsrechten zur&#252;ck, sie alle sind reaktion&#228;r. Solch ein Handel   bedeutet eine Art von Privatisierung der Luft und gibt den Kapitalisten   das Recht, sich selbst freizukaufen von der von ihnen angerichteten   Zerst&#246;rung. Solch ein Handel schafft auch einen neuen und kranken   spekulativen Finanzmarkt, der unausweichlich zu einer massiven und   unkontrollierbaren Korruption auf allen Ebenen f&#252;hrt. Wir lehnen auch   alle utopischen Vorschl&#228;ge f&#252;r individuelle Kohlendioxidrationierung ab,   die nicht nur unm&#246;glich zu kontrollieren und einzurichten w&#228;ren, sondern   auch von derselben Art von korrupten M&#228;rkten gekennzeichnet w&#228;ren.<\/p>\n<p>  Der Handel mit Emissionsrechten gibt nicht nur mehr Raum f&#252;r genau den   selben kapitalistischen Markt, dessen fundamentale Schw&#228;chen das Problem   schaffen und von Lester Brown in Plan B 4.0 folgenderma&#223;en   charakterisiert werden: &#8222;Er respektiert nicht die nachhaltigen   Ertragswerte nat&#252;rlicher Systeme. Er zieht auch das Kurzfristige dem   Langfristigen vor und zeigt wenig Sorge f&#252;r k&#252;nftige Generationen. Er   nimmt in die Preise der Waren nicht die indirekten Kosten ihrer   Herstellung auf. Als Ergebnis kann er nicht die Signale liefern, die uns   in einem Pyramidenspiel sagen, wo wir stecken.&#8220;<\/p>\n<p>  Kapitalistische Firmen und Regierungen schauen typischerweise nach allen   Arten von scheinbar leichten &#8222;L&#246;sungen&#8220; wie Atomkraft, Biotreibstoff,   Kohlenstoffdioxid-Abscheidung und -speicherung, genmanipulierten   Pflanzen etc.<\/p>\n<p>  Ein provozierendes Beispiel ist, wie die schwedische Regierung gr&#252;nes   Licht f&#252;r die Gro&#223;investitionen des Energiegiganten Vattenfall in Atom-   und Kohlekraftwerke gegeben hat, die viermal so gro&#223; wie die   Investitionen in erneuerbare Energien sind. Die gr&#246;&#223;ten Investitionen,   in deutsche Kohlekraft, wurden mit Verweis auf die Erforschung der   M&#246;glichkeit von Kohlenstoffdioxid-Abscheidung und -speicherung in der   Erde durch den Konzern gerechtfertigt. Mit anderen Worten: etwas das,   wenn es jemals praktisch und finanziell m&#246;glich wird, eine sehr lange   Zeit zur Entwicklung brauchen wird. SozialistInnen sind nat&#252;rlich nicht   gegen solche Forschung oder zum Beispiel sehr langfristige Forschung zu   Fusionsenergie, fordern aber ein Einfrieren von Kohlekraft (und   alternative Arbeitspl&#228;tze f&#252;r die Besch&#228;ftigten durch andere &#246;kologische   Investitionen) bis sich solch ein Ausweg als m&#246;glich erwiesen hat.<\/p>\n<p>  Auch die kapitalistische Krise wird keine Entlastung f&#252;r das Klima   bieten, selbst wenn davon ausgegangen wird, dass die gegenw&#228;rtige Krise   zu einem vor&#252;bergehenden R&#252;ckgang in den Kohlendioxidemissionen um 5,9   Prozent in den USA und 3 Prozent global f&#252;hrt. Leider sind globale   Investitionen in erneuerbare Energie zur gleichen Zeit um 40 Prozent und   mehr verringert worden.<\/p>\n<p>  Steuererh&#246;hungen k&#246;nnen nur zu kurzfristigen Ergebnissen f&#252;hren. Steuern   auf Treibstoff und Elektrizit&#228;t k&#246;nnen erkl&#228;ren helfen, warum Emissionen   in Europa pro Kopf weniger als halb so hoch wie in den USA sind. Wie der   Weltbank-Klimabericht erkl&#228;rt, w&#252;rde ein Austauschen aller   amerikanischen SUVs durch Autos, die europ&#228;ische Abgasnormen erf&#252;llen,   so viel Kohlenstoffdioxid-Emissionen einsparen, wie es kosten w&#252;rde, den   1,6 Milliarden Menschen Elektrizit&#228;t zu geben, die heute keine haben.<\/p>\n<p>  Aber &#8222;&#214;ko&#8220;-Steuern werden schlecht Bezahlte am h&#228;rtesten treffen, wenn   sie nicht durch verringerte Steuern und Geb&#252;hren ausgeglichen werden,   die f&#252;r die schlecht Bezahlten am wichtigsten sind (zum Beispiel   kostenloser &#246;ffentlicher Verkehr und niedrigere Steuern f&#252;r neue   Mehrfamilienh&#228;user). &#214;kosteuern f&#252;r fossile Treibstoffe und gro&#223;e Autos   k&#246;nnen, als &#220;berlastungsabgaben, geduldet werden, wenn sie mit massiven   Investitionen in alternative und subventionierte kollektive   Verkehrsmittel verbunden werden. R&#228;ttvisepartiet Socialisterna steht f&#252;r   kostenlosen Nahverkehr in allen St&#228;dten.<\/p>\n<p>  R&#228;ttvisepartiet Socialisterna will zuerst und vor allem die Klima- und   Ern&#228;hrungskrisen des Kapitalismus ebenso wie die Wirtschaftskrise und   die Massenarbeitslosigkeit anpacken mit einem sozialistischen Plan f&#252;r   massive Investitionen in allen Bereichen der Gesellschaft f&#252;r   Energieeinsparung und erneuerbare Energie: Im Verkehr ebenso wie in   Industrie, Land- und Forstwirtschaft und beim Bau von Wohnungen, Schulen   und Geb&#228;uden aller Art.<\/p>\n<p>  Die Umgestaltung sollte nicht nur die Produktion, sondern auch den   Konsum umfassen, den &#246;ffentlichen Verkehr, Energieeinsparung bei   Wohnungen und Stadtplanung, scharfe Besteuerung von Reichtum,   Erbschaften und sehr hohen Einkommen, f&#252;r mehr Gleichheit bei Einkommen   und Verbrauchsmustern.<\/p>\n<p>  Ein sozialistischer Plan zur Rettung des Klimas des Planeten wird   notwendigerweise in verschiedenen L&#228;ndern und Regionen verschiedene   Betonungen haben.<\/p>\n<p>  R&#228;ttvisepartiet Socialisterna unterst&#252;tzt viele der Ansichten, die von   Hunderten von KlimaaktivistInnen, haupts&#228;chlich aus Entwicklungsl&#228;ndern,   die zum Beispiel die &#8222;Erkl&#228;rung zum Kyoto-Protokoll und zum Klimawandel&#8220;   (Statement on the Kyoto Protocol and Climate Change) unterschrieben   haben f&#252;r Ideen wie:<\/p>\n<p>  Die Bed&#252;rfnisse der Menschen und des Planeten m&#252;ssen Vorrang vor dem   Profitstreben des Kapitals haben (&#8222;Bed&#252;rfnisse der Menschen statt Gier   der Konzerne&#8220; [People&#8216;s Needs, Not Corporate Greed]);<\/p>\n<p>  Die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels von Wachstums- und   Entwicklungsmodellen auf der Grundlage der Ausbeutung der Menschen und   der Natur durch die multinationalen Konzerne hin zur Souver&#228;nit&#228;t der   Menschen &#252;ber nat&#252;rliche Ressourcen;<\/p>\n<p>  Es gibt keine einfachen technischen oder Marktl&#246;sungen<\/p>\n<p>  Die Klimagefahr ist nicht nur eine Umweltfrage, sondern muss als eine   Frage von sozialer Gerechtigkeit gesehen werden, die ihre Wurzeln in der   Pl&#252;nderung der nat&#252;rlichen Ressourcen durch die transnationalen Konzerne   und Staaten des Nordens hat;<\/p>\n<p>  Das Streben nach Wachstum und Profit ist die grundlegende Ursache f&#252;r   Ausbeutung und strukturelle Armut;<\/p>\n<p>  Es gibt einen inneren Widerspruch zwischen Freihandelsbereichen und   neoliberaler Politik auf der einen Seite und dem globalen Kampf f&#252;r die   Verringerung von Emissionen auf der anderen;<\/p>\n<p>  Die Reichen im Norden sind zusammen mit den Eliten des S&#252;dens historisch   verantwortlich und m&#252;ssen die gr&#246;&#223;te Last tragen<\/p>\n<p>  Zugleich erkl&#228;rt R&#228;ttvisepartiet Socialisterna, dass so ein   Paradigmenwechsel nicht ohne eine revolution&#228;re Umgestaltung der   Gesellschaften und den Aufbau einer globalen Bewegung f&#252;r Arbeitspl&#228;tze,   Wohlfahrt und das Klima als Teil eines sozialistischen Programms   erreicht werden kann. Gleichzeitig m&#252;ssen K&#228;mpfe und Bewusstsein im   Kampf f&#252;r konkrete &#220;bergangsforderungen aufgebaut werden. F&#252;r   SozialistInnen bedeutet dies zum Beispiel:<\/p>\n<p>  Unterst&#252;tzung eines Ziels zur Reduzierung von Emissionen um mindestens   50 Prozent bis<\/p>\n<p>  2020, mit dem Ziel der Verringerung der Emissionen um mindestens 90   Prozent oder auf m&#246;glichst nahe an Null bis 2050.<\/p>\n<p>  Massive Investitionen in Windkraft, Sonnenenergie und Erdw&#228;rme und   langfristig auch Wellenkraft, zusammen mit der notwendigen   Modernisierung des Elektrizit&#228;tsnetzes.<\/p>\n<p>  Eine schnelle Umgestaltung des Verkehrssektors muss m&#246;glichst bald   beginnen; Verkehr ist heute f&#252;r ein Viertel des Energieverbrauchs und   ein Drittel der Gesamtemissionen von fossilen Treibstoffen   verantwortlich.<\/p>\n<h4>  Solch eine Umgestaltung erfordert:<\/h4>\n<p>  Eine m&#246;glichst schnelle Konversion von fossilem Treibstoff zu   Hybridautos und Elektroautos durch wachsende Anforderungen an   Emissionsverringerungen und subventionierte &#214;koautos (auch   Biotreibstoffe, die aus Abfall hergestellt werden, nicht Ethanol, der   auf Nahrungsmitteln beruht);<\/p>\n<p>  Kostenloser &#214;ffentlicher Personennahverkehr<\/p>\n<p>  Stationen f&#252;r das reibungslose Umladen von G&#252;tern von LKWs, die keine   fossilen Treibstoffe verwenden, in Z&#252;ge und Stationen f&#252;r die   Koordinierung des &#246;rtlichen LKW-Verkehrs;<\/p>\n<p>  Eine Stadtplanung, die mehr als bisher weniger Energie erfordernde   Mehrfamilienh&#228;user und mehr &#246;ffentliche Verkehrsmittel baut;<\/p>\n<p>  Alle &#246;ffentlichen Verkehrsmittel sollten sofort wieder in staatliches   und kommunales Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden;<\/p>\n<p>  Verstaatlichung der Autoindustrie und privaten Energiefirmen unter der   Kontrolle der Besch&#228;ftigten f&#252;r eine schnelle Konversion der Produktion   hin zu mehr &#246;ffentlichem Verkehr und der Produktion neuer und   elektrischer Autos, LKWs und Busse ohne fossile Treibstoffe;<\/p>\n<p>  Ein Plan f&#252;r die Klimamodernisierung von H&#228;usern und Geb&#228;uden,   einschlie&#223;lich Wasser, Abfall, Elektrizit&#228;t, Ger&#228;te und Einbauten.   Geb&#228;ude machen ein Drittel des Energieverbrauchs aus, allerdings einen   geringeren Teil der fossilen Brennstoffe.<\/p>\n<h4>  Dies erfordert einen Kampf f&#252;r:<\/h4>\n<p>  Die Renovierung der gro&#223;en H&#228;userblocks, die Verbesserung des Standards   unter der Kontrolle der MieterInnen, mit dem Ziel, Niedrigenergieh&#228;user   mit maximaler Energieeffizienz zu werden;<\/p>\n<p>  Neue H&#228;user m&#252;ssen als Niedrigenergieh&#228;user oder &#8222;Passivh&#228;user&#8220; (ohne   externe Heizung) gebaut werden, die zusammen mit Solarzellen und\/oder   geothermischer Heizung sogar &#8222;Plush&#228;user&#8220; mit einem &#220;berschuss an   Energie werden k&#246;nnen;<\/p>\n<p>  Alles &#214;l und Elektrizit&#228;t f&#252;r die Heizung muss durch Fernw&#228;rme,   Biobrennstoffe auf der Grundlage von Abfall und W&#228;rmepumpen (oder   Solarzellen oder geothermische Heizung) ersetzt werden;<\/p>\n<p>  Bau- und Wohnungskosten sollten durch einen staatlichen   Investitionszuschuss und billige Kredite begrenzt werden, zusammen mit   der Verstaatlichung der Banken und der gro&#223;en Baukonzerne und der   Baumaterialindustrie<\/p>\n<p>  Pl&#228;ne f&#252;r eine dramatisch vergr&#246;&#223;erte Energieeffizienz und eine   schrittweise Ersetzung von fossilen Brennstoffen m&#252;ssen in allen   Energie- und Industriebetrieben unter der Kontrolle der ArbeiterInnen   beschleunigt werden.<\/p>\n<p>  Schnelle Ma&#223;nahmen zur Integration industrieller Prozesse, verbesserte   Heizungseffizienz, Ersetzung fossiler Brennstoffe, Forschung,   Entwicklung und Teilung der besten Technologie und &#196;nderung der   Technologie;<\/p>\n<p>  Verstaatlichung der gro&#223;en privaten Energie- und Industriekonzerne unter   Arbeiterkontrolle, um gr&#246;&#223;ere und schnellere Investitionen   sicherzustellen als die durch das Profitbed&#252;rfnis der Kapitalisten   beschr&#228;nkten;<\/p>\n<p>  Die Verwendung der enormen Profite von Energiekonzernen f&#252;r die   Finanzierung von Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energie,   Infrastruktur f&#252;r Elektroautos etc. unter Arbeiterkontrolle;<\/p>\n<p>  Arbeitspl&#228;tze oder Ausbildung und Umschulung f&#252;r jeden; Vetorecht f&#252;r   Gewerkschaften gegen Ver&#228;nderungen; garantierte Ersatzarbeitspl&#228;tze f&#252;r   alle, wenn die Produktion umgestellt wird.<\/p>\n<p>  Sofortige Stillegung aller Atomkraftwerke<\/p>\n<p>  Die Entwicklung von Pl&#228;nen jetzt f&#252;r eine nachhaltigere Land- und   Forstwirtschaft, die auch f&#252;r eine gewisse begrenzte gesteigerte   Verwendung von Biotreibstoff statt des heutigen &#214;ls in der Fernw&#228;rme   genutzt werden kann.<\/p>\n<p>  Unterst&#252;tzung auf jede Weise, um ArbeiterInnen, Kleinb&#228;uerInnen und   Klimak&#228;mpferInnen in den Entwicklungsl&#228;ndern in ihrem Kampf um   Energieeffizienz, erneuerbare Energiequellen und Schutz gegen die Folgen   des Klimawandels wie Massenarmut und Krankheiten, &#220;berschwemmungen,   Trockenheit und W&#252;stenbildung, die Zerst&#246;rung von &#214;kosystemen,   Entwaldung zu helfen. F&#252;r nachhaltige und ausreichende   Nahrungserzeugung, mehr &#246;kologische Methoden in der Landwirtschaft,   Wiederaufforstung von W&#228;ldern und Kohlenstoffspeicher;<\/p>\n<p>  Kampf gegen die imperialistische Militarisierung der Europ&#228;ischen Union   und der USA, gegen Kriege, Rassismus und Feindseligkeit gegen   Fl&#252;chtlinge; gegen die kapitalistische EU k&#228;mpfen wir f&#252;r ein   demokratisches und sozialistisches Europa in einer sozialistischen Welt   mit gleichen Rechten f&#252;r alle;<\/p>\n<p>  Die Mobilisierung f&#252;r die t&#228;glichen K&#228;mpfe f&#252;r Arbeitspl&#228;tze, Wohlfahrt   und Klima und ihre Vereinheitlichung, mit konkreten Schritten f&#252;r den   Aufbau neuer sozialistischer and umweltbewusster Arbeiterparteien und   einer neuen revolution&#228;ren und auf die Massen gest&#252;tzten sozialistischen   Internationale.<\/p>\n<p>  In allen L&#228;ndern Beteiligung an den K&#228;mpfen zum Aufbau einer m&#228;chtigen   Bewegung der ArbeiterInnen, Armen und Umweltk&#228;mpferInnen in den   kommenden Jahren und Jahrzehnten, und wenn m&#246;glich ihre Beschleunigung,   in der Erkenntnis, dass f&#252;r eine saubere und nachhaltige Entwicklung   global eine sozialistische Revolution notwendig ist, um mit der   Pl&#252;nderung der Menschen und der Natur durch Imperialismus und   Kapitalismus Schluss zu machen.<\/p>\n<p>  Manche Ma&#223;nahmen werden schon unter dem heutigen kapitalistischen System   ergriffen werden, besonders unter dem Druck von drohenden   Wetterkatastrophen und einem st&#228;rkeren &#246;ffentlichen Bewusstsein in der   Gesellschaft. Manche Ma&#223;nahmen sind selbst f&#252;r die Kapitalisten   kurzfristig profitabel. Aber es wird zu wenig und zu sp&#228;t sein. Andere   Ma&#223;nahmen wie der Emissionsrechtehandel der Gro&#223;konzerne und   individuelle Rationierung von Emissionen sind direkt kontraproduktiv   oder unm&#246;glich.<\/p>\n<p>  Deshalb gibt es keine L&#246;sung innerhalb des Kapitalismus f&#252;r den   Niedergang des Klimas, der jetzt zu unumkehrbaren qualitativen   Umschlagspunkten zu f&#252;hren droht: Hunger und Krankheiten, verzweifelte   Wanderungsbewegungen, nationale und soziale Konflikte, Kriege, Aufst&#228;nde   und Revolutionen. Wir sind jetzt in einen historischen Wettlauf mit der   Zeit eingetreten, bevor der ausschlaggebende Durchbruch f&#252;r eine v&#246;llig   andere und demokratisch geplante sozialistische und umweltbewusste   Gesellschaft im globalen Ma&#223;stab vollzogen werden kann. F&#252;r Arbeit,   Wohlfahrt und Klima &#8211; raus mit Kohle und Kapital!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das drohende Versagen des Kapitalismus im Kampf gegen den Klimawandel\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13710"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13710"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13710\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13710"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13710"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13710"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}