{"id":13708,"date":"2010-05-27T19:00:00","date_gmt":"2010-05-27T19:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13708"},"modified":"2010-05-27T19:00:00","modified_gmt":"2010-05-27T19:00:00","slug":"13708","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13708\/","title":{"rendered":"&#187;Einheit im Widerstand oder im Verzicht?&#171;"},"content":{"rendered":"<p>  Bei Daimler wehren sich kritische Gewerkschafter gegen   Ausschlu&#223;verfahren aus der IG Metall. Ein Gespr&#228;ch mit Tom Adler<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Sie treten am Sonnabend in Berlin bei einer Veranstaltung auf, die   sich gegen Ausschlu&#223;verfahren von Berliner Daimler-Kollegen aus der IG   Metall richtet. Was sind die Hintergr&#252;nde?<\/b><\/p>\n<p>  Im Daimler-Werk Berlin hat die Betriebsratsmehrheit in den vergangenen   Jahren einen extrem am Ko-management orientierten Kurs gefahren. Gegen   den Ausverkauf der Interessen der Belegschaft hat sich unter den   IG-Metall-Vertrauensleuten und -Betriebsr&#228;ten sowie aus der Belegschaft   heraus eine Opposition entwickelt. Die Kritiker wurden in der   Vergangenheit permanent mit administrativen Mitteln und Tricks   kaltgestellt. Als Konsequenz daraus sind die Kollegen mit einer eigenen   Liste zur diesj&#228;hrigen Betriebsratswahl angetreten. Aus Anla&#223; dieser   Kandidatur hat der Berliner Ortsvorstand der IG Metall ein   Untersuchungsverfahren wegen &#187;gewerkschaftssch&#228;digenden Verhaltens&#171;   eingeleitet.<\/p>\n<p>  <b>Es wird damit argumentiert, da&#223; die Einheit der Gewerkschaft   verteidigt werden m&#252;sse.<\/b><\/p>\n<p>  Das ist in dieser Abstraktheit nat&#252;rlich immer richtig. Die Einheit der   Gewerkschaft wird aber gerade durch die Politik der Betriebsratsspitzen   untergraben, zum Beispiel durch die Schaffung unterschiedlicher   Standards f&#252;r Altbesch&#228;ftigte und Neueingestellte. Die so geschaffene   Spaltung geht viel tiefer als eine politische Auseinandersetzung um   Mehrheiten in einem Betriebsrat jemals gehen k&#246;nnte. Insofern f&#228;llt der   Vorwurf der Spaltung denen, die diese Politik vertreten, voll auf die   F&#252;&#223;e.<\/p>\n<p>  <b>Sollten Gewerkschaften und Betriebsr&#228;te nicht dennoch &#8211; insbesondere   in Krisenzeiten &#8211; einheitlich auftreten?<\/b><\/p>\n<p>  Die Frage ist immer: Einheit wof&#252;r? Einheit im Widerstand oder im   Verzicht? Hierzu hatte die Stuttgarter Delegation beim Verbandstag der   Deutschen Metallarbeiter-Verbandes 1930 einen Antrag eingebracht, in dem   es hei&#223;t: &#187;Die Einheit der Arbeiterklasse ist in solcher Lage ein   dringendes Gebot. Diese Einheit kann aber nicht die Kampff&#228;higkeit und   Schlagkraft der Arbeiterbewegung erh&#246;hen, wenn sie der Koalitionspolitik   und der Arbeitsgemeinschaft dienstbar gemacht werden soll. Eine solche   Einheit ist weder w&#252;nschenswert noch m&#246;glich, sie ist nur erreichbar,   wenn die Gewerkschaften und insbesondere der DMV die Arbeiterklasse f&#252;r   ihre n&#228;chstliegenden Interessen (&#8230;) in die au&#223;erparlamentarische Aktion   f&#252;hren wird.&#171; Das gilt meiner Ansicht noch heute.<\/p>\n<p>  <b>Geht die IG Metall generell mit Ausschl&#252;ssen gegen Mitglieder vor,   die auf eigenen Listen zur Betriebsratswahl kandidieren?<\/b><\/p>\n<p>  Nein, damit wurde und wird sehr unterschiedlich umgegangen. Da&#223; sich   Str&#246;mungen von Gewerkschaftern zu Betriebsratslisten formieren, die f&#252;r   ihren jeweiligen strategischen Ansatz stehen, gibt es zum Beispiel bei   Opel seit vielen Jahren &#8211; ohne da&#223; das solche Sanktionen nach sich   gezogen h&#228;tte. &#196;hnlich bei Karmann und in vielen anderen Betrieben. Ob   so etwas als &#187;gewerkschaftssch&#228;digendes Verhalten&#171; eingestuft wird,   h&#228;ngt stark damit zusammen, wie der IG-Metall-Apparat die &#246;rtlichen   Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse einsch&#228;tzt.<\/p>\n<p>  <b>Aktuell scheint es einen gewissen Zuwachs oppositioneller   Betriebsratslisten zu geben. Worauf f&#252;hren Sie das zur&#252;ck?<\/b><\/p>\n<p>  Ich wei&#223; nicht, ob es tats&#228;chlich eine Zunahme eigenst&#228;ndiger   Kandidaturen gibt. Auf jeden Fall aber w&#228;chst die Unzufriedenheit mit   der von der IG Metall in der Krise verfolgten Politik, die die von   Betriebsr&#228;ten verfolgte Strategie des Komanagements quasi auf die   gewerkschaftliche Ebene &#252;bertr&#228;gt. Weil sie die Belegschaften spaltet   und nicht in der Lage ist, die Standards bei Einkommen und   Arbeitsbedingungen zu verteidigen, st&#246;&#223;t diese Politik zunehmend auf   Kritik. Oppositionelle Kandidaturen bei Betriebsratswahlen sind ein   Ausdruck dessen.<\/p>\n<h5>  <b>Das Interview f&#252;hrte Karl Neumann. Es erschien zuerst in der   Tageszeitung junge Welt. <\/b>    <\/h5>\n<h5>  <b>Tom Adler ist Betriebsrat im Daimler-Werk Untert&#252;rkheim<\/b><\/h5>\n<p>  <b>Veranstaltung gegen Gewerkschaftsausschl&#252;sse: Samstag, 29. Mai, 18   Uhr, M&#252;nzenberg-Saal im ND-Geb&#228;ude, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (N&#228;he   Ostbahnhof); organisiert vom &#187;Solidarit&#228;tskreis f&#252;r vom Ausschlu&#223;   bedrohte MetallerInnen im Mercedes-Benz-Werk Berlin&#171; und &#187;Forum Betrieb,   Gewerkschaft und soziale Bewegungen Berlin&#171;<\/b><\/p>\n<\/p>\n<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bei Daimler wehren sich kritische Gewerkschafter gegen<br \/>\n      Ausschlu&#223;verfahren aus der IG Metall. 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