{"id":13700,"date":"2010-05-25T00:01:00","date_gmt":"2010-05-24T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13700"},"modified":"2012-05-15T14:56:21","modified_gmt":"2012-05-15T12:56:21","slug":"13700","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13700\/","title":{"rendered":"Sonderparteitag der NRW-LINKE"},"content":{"rendered":"<p>  Erleichterung sp&#252;rbar, Klarheit weniger<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  SPD und Gr&#252;ne verlangten von der NRW-Linken bei den sogenannten   &#8222;Sondierungsgespr&#228;chen&#8220; nicht nur, die &#252;blichen Kr&#246;ten zu schlucken,   sondern auch noch begeistert &#8222;Quak&#8220; zu rufen und durch den Saal zu   h&#252;pfen. Die Gespr&#228;che waren eine Farce, SPD und Gr&#252;ne wollten lediglich   DIE LINKE vorf&#252;hren und mit Hilfe der Medien als   &#8222;politikunf&#228;hig&#8220;darstellen.<\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, Sozialistischer Stadtrat, Die LINKE.K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Anschaulich schilderten RednerInnen auf dem Sonderparteitag der Partei   DIE LINKE am 23. Mai in Bottrop, wie die Unterh&#228;ndler von SPD und Gr&#252;nen   stundenlang &#252;ber die DDR und den Verfassungsschutz redeten.   Nordrhein-Westfalen spielte nur am Rand eine Rolle: Die linke   Verhandlungskommission sollte nebenbei abnicken, Teile der WestLB zu   privatisieren, Stellen im &#246;ffentlichen Dienst abzubauen und den   rosa-gr&#252;nen Vorzeige-Demokraten hoch und heilig schw&#246;ren, ihren   Mitgliedern Proteste gegen eine Regierung zu verbieten.<\/p>\n<p>  &#8222;Der Traum ist aus&#8220; schrieben Vertreter des rechten, regierungswilligen   Parteifl&#252;gels der NRW-Linken im Internet und zogen so den Traum der   &#8222;Ton, Steine, Scherben&#8220; von einer herrschafts- und ausbeutungsfreien   Gesellschaft auf das Niveau eines eingebildeten &#8222;Politikwechsels&#8220; mit   SPD und Gr&#252;nen herab. Tats&#228;chlich blieb der NRW-Linken der Alptraum von   Koalitionsverhandlungen erspart.<\/p>\n<p>  Auf dem Bottroper Sonderparteitag am 23. Juni verhielten sich die   Parteirechten &#252;berwiegend still. Es war nicht ihr Tag. Nur Wolfgang   Freye aus Essen wagte sich ein St&#252;ckchen vor und merkte an, es w&#228;re noch   nicht alles vorbei, man k&#246;nne vielleicht doch noch mal verhandeln. Viel   Applaus bekam er nicht. Die gro&#223;e Mehrheit der RednerInnen zeigte sich   erleichtert &#252;ber das schnelle Ende der Gespr&#228;che oder dr&#252;ckte Emp&#246;rung   &#252;ber den &#8222;Wahlbetrug&#8220; von Kraft und L&#246;hrmann aus.<\/p>\n<h4>  Taktik der AKL<\/h4>\n<p>  Beim Sonderparteitag dominierte das &#8222;linke Zentrum&#8220; der Partei um die   AKL (Antikapitalistische Linke) und den Landesvorsitzenden Wolfgang   Zimmermann. Die Stimmung war gel&#246;st, die Kontroversen scheinbar   nebens&#228;chlich. Die AKL hatte die klare Positionierung gegen jede   Koalition mit SPD und Gr&#252;nen, welche die SAV auf den Regionalkonferenzen   in der Woche zuvor vertreten hatte, abgelehnt. Nach Auffassung der   meisten AKLer w&#252;rde die offizielle Position der Partei &#8211; keine   Beteiligung an einer Regierung, die Sozial- und Personalabbau oder   Privatisierung betreibt &#8211; ohnehin dazu f&#252;hren, dass SPD und Gr&#252;ne keine   Regierung mit der LINKEN bilden w&#252;rden. Die Partei m&#252;sse sich aber im   Vorfeld gespr&#228;chsbereit geben, um nicht als Buhmann f&#252;r das Scheitern   der R&#252;ttgers-Abl&#246;sung hingestellt werden zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  H&#228;tten SPD und Gr&#252;ne echte Verhandlungen gef&#252;hrt, w&#228;re die AKL mit   dieser Taktik Baden gegangen. Wenn DIE LINKE erst einmal mit   &#8222;Mindestbedingungen&#8220; in Gespr&#228;che gegangen w&#228;re und damit akzeptiert   h&#228;tte, dass es prinzipiell m&#246;glich ist, mit SPD und Gr&#252;nen einen   &#8222;Politikwechsel&#8220; einzuleiten, dann w&#228;re es schwieriger zu erkl&#228;ren,   warum es an diesem oder jenem Programmpunkt scheitert, eine Regierung zu   bilden. Das h&#228;tte dazu gef&#252;hrt, dass die Partei ein Position nach der   anderen preisgibt und am Ende entweder dabei gelandet w&#228;re, minimale   &#196;nderungen zu akzeptieren, oder &#8211; wahrscheinlicher &#8211; den &#8222;Schwarzen   Peter&#8220; f&#252;r das Nichtzustandekommen der Koalition in die Hand bekommen   h&#228;tte. Es ist der &#220;berheblichkeit und Dreistigkeit von SPD und Gr&#252;nen zu   verdanken, dass DIE LINKE.NRW relativ unbeschadet aus den Gespr&#228;chen   hervor gegangen ist.<\/p>\n<h4>  Schwache Resolution<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend die Redebeitr&#228;ge k&#228;mpferisch klangen, beschloss der Parteitag   eine sehr schwache Resolution. Als h&#228;tte es die vergangenen zwei Wochen   und die Provokationen von SPD und Gr&#252;nen nicht gegeben, ist die <a href=\"http:\/\/www.die-linke-nrw.de\/fileadmin\/kundendaten\/www.dielinke-nrw.de\/dokumentenarchiv\/Leitantrag_Beschlussfassung.pdf\">Resolution<\/a>   mit &#8222;Den Politikwechsel in NRW jetzt durchsetzen!&#8220; &#252;berschrieben.<\/p>\n<p>  Mit wem soll der wohl durchgesetzt werden? SPD und Gr&#252;ne hatten zum   x-ten Male deutlich gemacht, dass sie nicht das Geringste &#228;ndern wollen.   Doch wieder beschw&#246;rt die Resolution das Unm&#246;gliche: &#8222;Wir fordern von   der SPD, den Willen der W&#228;hlerinnen und W&#228;hler f&#252;r einen   sozial-&#246;kologischen Politikwechsel zu respektieren und entsprechen zu   handeln.&#8220; Man wolle sich nicht anbiedern, hei&#223;t es, aber was sonst als   Anbiederung dr&#252;ckt die Formulierung aus &#8222;F&#252;r die Einleitung eines   grundlegenden Politikwechsels im Interesse der Mehrheit der Menschen in   unserem Land sind wir auch nach dem Scheitern der Sondierungsgespr&#228;che   zwischen SPD, Gr&#252;nen und der LINKEN zu Gespr&#228;chen bereit.&#8220; !?<\/p>\n<p>  Insgesamt war die Resolution so schwach, dass bei der Schlussabstimmung   eine ganze Reihe Delegierte, darunter Mitglieder des Landesvorstandes   und der Landtagsfraktion, nicht f&#252;r diese stimmten. Sie stimmten   allerdings auch nicht dagegen, f&#252;rchteten wohl, die Atmosph&#228;re von   Einigkeit zu st&#246;ren.<\/p>\n<p>  SAV-Mitglieder hatten &#196;nderungsantr&#228;ge eingereicht, um wenigsten den   gr&#246;&#223;ten Unsinn aus der Resolution zu streichen und eine klare   Orientierung auf die anstehenden Aufgaben der Partei zu geben. Die   &#220;berschrift des Antrages sollte lauten &#8222;Jetzt den Widerstand gegen   Sozialabbau und Krise st&#228;rken&#8220;. Der &#196;nderungsantrag skizzierte die   Verbindung der Arbeit im NRW-Landtag &#8211; Abwahl von R&#252;ttgers, Ja-Stimme   f&#252;r jeden Fortschritt, Einbringen eigener Antr&#228;ge &#8211; mit der   au&#223;erparlamentarischen Mobilisierung z.B. zur Abschaffung der   Studiengeb&#252;hren. In der allgemeinen Einheitsstimmung konnten kontroverse   Antr&#228;ge jedoch nicht punkten, ca. 30 Delegierte stimmen f&#252;r die   &#196;nderungen, rund 100 dagegen.<\/p>\n<p>  Das Interesse an den Positionen der SAV au&#223;erhalb der Antragsberatung   war allerdings sehr gro&#223;. 45 Exemplare der &#8222;Solidarit&#228;t&#8220; wurden   verkauft, dazu B&#252;cher und Brosch&#252;ren im Wert von 80 Euro. Mehrere   LINKE-Mitglieder hinterlie&#223;en ihre Adressen, um weiter mit der SAV in   Kontakt zu bleiben.<\/p>\n<h4>  Wie links ist die NRW-Linke?<\/h4>\n<p>  Die Stimmung in der Partei in NRW ist gegen eine Aufgabe eigener   Positionen gerichtet, gegen eine Regierungsbeteiligung Marke Berlin oder   Brandenburg. Die Partei formuliert den Anspruch, vor allem eine   bewegungsorientierte, au&#223;erparlamentarische Kraft zu sein. Doch Anspruch   und Wirklichkeit klaffen auseinander. Die Gespr&#228;che mit SPD und Gr&#252;nen   haben f&#252;r viel Aufregung gesorgt, mehr und mehr n&#228;herten sich die   &#246;ffentlichen &#196;u&#223;erungen der Abgeordneten, der Vorstandsmitglieder und   sogar der Basismitglieder auf den Regionalkonferenzen der formelhaften   Sprache der Politiker und Journalisten an. Der vorherige Wahlkampf war   weitgehend ein Propaganda-Wahlkampf mit Verteilung von bunten Zetteln,   mit nur wenig Ans&#228;tzen, das mit konkreten Aktionen zu verbinden.<\/p>\n<p>  Das Verhalten vieler Ratsfraktionen sollte die Alarmglocken zum Klingeln   bringen. In der Hochburg Duisburg hat Fraktion dem Haushalt zugestimmt,   mit der Begr&#252;ndung, dieses Jahr g&#228;be es somit weniger K&#252;rzungen und die   Geb&#252;hrenerh&#246;hungen w&#228;ren sozialvertr&#228;glich. In Siegen hat DIE LINKE in   einem Allparteienhaushalt zugestimmt, der K&#252;rzungen auf die kommenden   Jahre verschiebt.<\/p>\n<p>  Zwischen &#8222;Politikwechsel&#8220; und &#8222;Politikwechsel&#8220; scheint es Unterschiede   zu geben. Teile der Partei scheinen diesen schon ersp&#228;hen zu k&#246;nnen,   wenn die K&#252;rzungen nicht so drastisch sind wie zuvor. Sie verstehen   unter &#8222;Kein Sozialabbau, keine Personalabbau und keine Privatisierungen&#8220;   nur, dass es keinen zus&#228;tzlichen Ma&#223;nahmen in diese Richtung geben darf.   Die in die kommunalen Haushalte eingestellten K&#252;rzungen der vorherigen   Jahre scheinen Teile der Partei hingegen bedenkenlos durchwinken zu   wollen.<\/p>\n<p>  Ein echter &#8222;Politikwechsel&#8220; m&#252;sste dagegen Ma&#223;nahmen beinhalten, welche   zu deutlich sp&#252;rbaren Fortschritten f&#252;r die arbeitenden und erwerbslosen   Menschen f&#252;hren. Er m&#252;sste eine massive Umverteilung zu Lasten der   Konzerne und der Reichen beinhalten und daher auf der Bereitschaft   beruhen, sich mit den M&#228;chtigen anzulegen. Grundlage daf&#252;r sind   massenhafte soziale K&#228;mpfe.<\/p>\n<p>  Die zentrale Aufgabe der LINKEN ist es, diese K&#228;mpfe zu unterst&#252;tzen,   anzusto&#223;en und programmatisch zu st&#228;rken. Die kapitalistische Krise wird   mittelfristig zum Wachstum der Partei f&#252;hren &#8211; wenn sie eine klare   Oppositionskraft wird und nicht den Weg von Berlin und Brandenburg geht   und sich an der Abw&#228;lzung der Krisenlasten auf die Bev&#246;lkerung beteiligt.<\/p>\n<p>  Die Absage an die Fantasien vom &#8222;Politikwechsel&#8220; mit rot-gr&#252;n w&#228;re auch   wichtig, um die Partei in NRW auf m&#246;gliche Neuwahlen vorzubereiten, &#252;ber   deren Wahrscheinlichkeit man heute nur spekulieren kann. Nachdem sich   gezeigt hat, dass es keine rot-rot-gr&#252;ne Koalition geben wird, ist die   Option als &#8222;Erg&#228;nzungspartei&#8220;, als Teil des ohnehin nicht existenten   &#8222;linken Lagers&#8220; erledigt. Ein scheinbar pragmatischer Wahlkampf auf der   Grundlage &#8222;Bitte redet noch mal mit uns&#8220; w&#252;rde das Risiko erh&#246;hen, dass   die W&#228;hlerInnen auch ganz &#8222;pragmatisch&#8220; entscheiden und durch die   Nicht-Wahl der Partei DIE LINKE sicher stellen, dass SPD und Gr&#252;ne die   Mehrheit im Landtag bekommen. Bei einer Neuwahl k&#246;nnte DIE LINKE die   Position im Landtag nur halten oder ausbauen, wenn sie eindeutig als die   Partei des sozialen Widerstands gegen die unerkl&#228;rte gro&#223;e Koalition der   Hartz-IV- und Kriegsparteien auftritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Erleichterung sp&#252;rbar, Klarheit weniger\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13700"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13700"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13700\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}