{"id":13698,"date":"2010-05-26T00:00:00","date_gmt":"2010-05-26T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13698"},"modified":"2010-05-26T00:00:00","modified_gmt":"2010-05-26T00:00:00","slug":"13698","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13698\/","title":{"rendered":"Hartz IV in &#214;sterreich?"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Jan Rybak, Mitglied der Sozialistischen Links-Partei   (SLP), der &#246;sterreichischen Schwesterorganisation der SAV.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Gro&#223;e Koalition von Sozialdemokratischer Partei &#214;sterreichs (SP&#214;)   und der &#214;sterreichischen Volkspartei (&#214;VP) versucht die bisher geltende   Sozialhilfe abzuschaffen und durch eine so genannte &#8222;Bedarfsorientierte   Mindestsicherung&#8220; zu ersetzten, was einen massiven Angriff auf die   Lebenssituation von Erwerbslosen mit sich bringen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  <i>sozialismus.info sprach mit Jan Rybak.<\/i><\/p>\n<h4>  Steht in &#214;sterreich mit der &#8222;Mindestsicherung&#8220; die Einf&#252;hrung eines   &#8222;Hartz IV&quot; an?<\/h4>\n<p>  Die &#246;sterreichische Bundesregierung spricht von einer   &#8222;Bedarfsorientierte Mindestsicherung&#8220;. Klingt ja eigentlich ganz nett.   Dahinter steckt aber ein Modell, dass Menschen zu einem Leben in Armut   verurteilt. Der H&#246;chstwert bei der Mindestsicherung wird bei 744 Euro   monatlich liegen. Nach Abzug der Fixkosten f&#252;r Wohnen wird einem gro&#223;en   Teil der betroffenen nicht mehr als vier Euro pro Tag &#252;brig bleiben.   Dabei w&#228;re gerade jetzt ein Ausbau der Sozialleistungen notwendig.   &#214;sterreichweit sind gesch&#228;tzte eine Million Menschen von Armut   betroffen. 456.000 leben in manifester Armut. Besonders betroffen sind   Frauen. 2009 ist die Zahl der Sozialhilfeempf&#228;ngerInnen &#246;sterreichweit   um 8 Prozent gestiegen. In Gegenden, die besonders stark von der   Wirtschaftskrise betroffen sind, wie etwa der Steiermark, liegt der   Anteil sogar noch deutlich h&#246;her. In Graz ist die Zahl der Bed&#252;rftigen   um unglaubliche 60 Prozent gestiegen. Diese Menschen sind jetzt mit   massiven Verschlechterungen konfrontiert. Die bisher bestehende   Sozialhilfe, die nicht daran gebunden war jede noch so miese Arbeit   anzunehmen, wird es so nicht mehr geben. Stattdessen wird das deutsche   Hartz-Modell &#252;bernommen &#8211; gemeint ist Zwangsarbeit f&#252;r Arbeitslose. Wenn   du als Empf&#228;nger der Mindestsicherung nicht jeden Mistjob annimmst wird   sie dir um bis zu 50 Prozent gek&#252;rzt. Das kann bis zu dem Punkt gehen,   wo du die Mindestsicherung ganz gestrichen bekommst. Wenn man &#252;ber &#8222;zu   hohe&#8220; eigene Geldmittel verf&#252;gt, sich also in den vergangenen Jahren ein   bisschen was angespart hat, muss man das zuerst aufbrauchen, wie in   Deutschland. Auch das Auto muss man verkaufen und erst mal den Erl&#246;s   verbrauchen bis man Geld vom Sozialamt kriegt. Eine Lebensversicherung   oder dergleichen musst sofort gek&#252;ndigt werden.<\/p>\n<h4>  Was bedeutet das im internationalen Vergleich?<\/h4>\n<p>  Eine OECD-Studie vom Februar 2010 bescheinigt &#214;sterreich eine &#228;u&#223;erst   schlechte Absicherung von neu in die Arbeitslosigkeit Geratene. Im   Bereich &#8222;Geringverdiener, die gerade ihren Arbeitsplatz verloren haben&#8220;   liegt &#214;sterreich in der Absicherung an vorletzter Stelle. Abgeschlagen   hinter der T&#252;rkei, Deutschland und der Slowakei. Gerade noch vor Korea.   Daf&#252;r steht &#214;sterreich in der Studie beim Bereich Langzeitarbeitslose   noch recht gut da, weil die Leistungen bei andauernder Arbeitslosigkeit   bisher nicht zu stark gek&#252;rzt wurden. Das wird sich im September &#228;ndern   wenn die Mindestsicherung in Kraft tritt. Damit kommen zum ersten Mal   gro&#223; angelegte Repressalien gegen Langzeitarbeitslose.<\/p>\n<h4>  Regt sich Widerstand gegen dies Pl&#228;ne? Was sagt der &#214;GB?<\/h4>\n<p>  Die Debatte ist hierzulande absurderweise von genau dem Gegenteil   dominiert. Teile der &#214;VP und die beiden rechtsextremen   Parlamentsparteien bezeichnen die Mindestsicherung als &#8222;soziale   H&#228;ngematte&#8220;. Nat&#252;rlich geht das vollkommen an der Realit&#228;t vorbei.   Beschlossen hat das Ganze die Regierungskoalition. Dabei sind   katastrophalerweise auch eine Reihe f&#252;hrender GewerkschafterInnen   beteiligt gewesen. Sozialminister Hundstorfer ist der ehemalige   &#214;GB-Pr&#228;sident. Neugebauer und Katzian, die Vorsitzenden der Gewerkschaft   &#214;ffentlicher Dienst und der Gewerkschaft der Privatangestellten sind   beide Nationalratsabgeordnete und haben beide daf&#252;r gestimmt. Noch   unappetitlicher ist eigentlich, dass auch innerhalb des &#214;GB Werbung f&#252;r   die Mindestsicherung gemacht wird. Dabei wird nicht einmal argumentiert,   dass es ein sozialer Fortschritt w&#228;re &#8211; was einfach nicht stimmt &#8211;   sondern wird versucht zu betonen, warum es keine &#8222;soziale H&#228;ngematte&#8220;   geben soll. In einer Stellungnahme hei&#223;t es: &#8222;Der &#214;GB sieht die   Mindestsicherung au&#223;erdem als Sprungbrett zur&#252;ck ins Arbeitsleben&#8230;&#8220;   Genau jene Ma&#223;nahmen, die zus&#228;tzlichen Druck auf arme und arbeitslose   Menschen aus&#252;ben, jeden noch so miesen Job anzunehmen, werden total   gefeiert. Pr&#228;sident Foglar zeigt sich &#8222;sehr erfreut&#8220;. Die Position der   Gewerkschaftsf&#252;hrung ist eine Schande f&#252;r die gesamte Organisation,   deren eigentliche Aufgabe es in der jetzigen Situation w&#228;re eine breit   angelegte Kampagne gegen die &#8222;Mindestsicherungs&#8220;-Farce zu starten und   f&#252;r soziale Rechte zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  <i>Die Fragen stellt Sebastian Fuhr<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Jan Rybak, Mitglied der Sozialistischen Links-Partei<br \/>\n      (SLP), der &#246;sterreichischen Schwesterorganisation der SAV.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13698"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13698"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13698\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13698"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13698"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}