{"id":13697,"date":"2010-05-21T15:00:00","date_gmt":"2010-05-21T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13697"},"modified":"2010-05-21T15:00:00","modified_gmt":"2010-05-21T15:00:00","slug":"13697","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13697\/","title":{"rendered":"Thailand: Entscheidungsschlacht zwischen den &#8222;Rothemden&#8220; und der \r\n      Regierung?"},"content":{"rendered":"<p>  Ein Augenzeugenbericht<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zum Zeitpunkt, da dieser Artikel geschrieben wurde, haben die Spannungen   in Bangkoks Stra&#223;en seit dem Ultimatum von Mittwochnacht noch einmal   zugenommen. Am 19. Mai wurden die oppositionellen &quot;Rothemden&quot;durch einen   massiven Einsatz des thail&#228;ndischen Milit&#228;rs brutal niedergewalzt. Die   F&#252;hrer der Bewegung wurden von Scharfsch&#252;tzen erschossen oder ergaben   sich der Polizei. Die Oppositionsbewegung scheint jedoch noch nicht   aufgegeben zu haben.<\/p>\n<p>  <b>Wir dokumentieren hier einen Bericht von Reportern der Website   socialistworld.net in Thailand, der am Freitag, den 14. Mai 2010   verfasst wurde.<\/b><\/p>\n<p>  Die Oppositionellen bereiten sich auf einen bevorstehenden Milit&#228;rschlag   vor. Ausgehend von den m&#246;rderischen K&#228;mpfen Ende April bedeutet dies,   dass man sich auf ein Blutbad vorbereitet. &#220;ber zwei Monate lang haben   die &#8222;Rothemden&#8220;, die in Opposition zur Regierung von Abhisit Vejjajiva   stehen, das Handels- und Finanzviertel Siam besetzt gehalten. Sie   fordern die Aufl&#246;sung des Parlaments und rufen zu sofortigen Neuwahlen   auf.<\/p>\n<h4>  Hintergrund und Geschichte der Ereignisse<\/h4>\n<p>  Im September 2006 wurde der damalige Premierminister und Multimilliard&#228;r   Thaksin Shinawatra durch einen Milit&#228;rputsch gest&#252;rzt. Zeitgleich   verurteilte man ihn zu zwei Jahren Gef&#228;ngnis auf Grund eines   &#8222;Interessenkonfliktes&#8220; und verschiedenen Finanzbetr&#252;gereien. Seitdem   lebt er in Dubai &#8222;im Exil&#8220;&#160;und wartet auf eine triumphale R&#252;ckkehr nach   Thailand.<\/p>\n<p>  In Thailand kommt die Unterst&#252;tzung f&#252;r Thaksin haupts&#228;chlich von einer   gro&#223;en Anzahl an B&#228;uerinnen und Bauern aus den l&#228;ndlichen Gebieten (vor   allem aus dem Norden des Landes und den Regionen um Bangkok). Au&#223;erdem   kann er sich auf Teile der verarmten Arbeiterklasse aus den St&#228;dten   st&#252;tzen. Diese Unterst&#252;tzung konnte er mittels seiner populistischen   Politik aufbauen und dank einiger kleinerer, w&#228;hrend seiner Amtszeit   durchgef&#252;hrter Ma&#223;nahmen, die im Sinne der &#196;rmsten waren. Trotzdem   spielte er nat&#252;rlich die Rolle, die man es von kapitalistischem   Oligarchen wie ihm erwarten musste: Er setzte neoliberale Ma&#223;nahmen um,   die zu gro&#223;er Unzufriedenheit unter den ArbeiterInnen in den St&#228;dten   f&#252;hrten.<\/p>\n<p>  Ende 2008 besetzten die &#8222;Gelbhemden&#8220;, die den momentanen Premierminister   Abhisit unterst&#252;tzen, das Regierungsgeb&#228;ude und zwei Flugh&#228;fen. Beendet   wurden diese Aktionen als die damalige Regierung, der man Verbindungen   zu Thaksin vorwarf, aufgel&#246;st wurde. Abhisits Partei schaffte es dann,   ausreichend Unterst&#252;tzung &#8211; auch von den Thaksin-freundlichen   Abgeordneten &#8211; zu erhalten, um eine neue Regierung zu bilden. Auch wenn   die Armee bei diesen Ereignissen keine aktive Rolle einnahm, so steht   f&#252;r viele au&#223;er Frage, dass nur auf Grund von Drohungen durch das   Milit&#228;r so viele pro-Thaksin-Abgeordnete zu Wendeh&#228;lsen wurden.<\/p>\n<p>  Derweil organisierten die &#8222;Rothemden&#8220; ihre erste wichtige Mobilisierung,   indem sie in einem der gr&#246;&#223;ten Stadien Bangkoks 50.000 Unterst&#252;tzerInnen   sammelten. Die wichtigste Gruppe dabei war die &#8222;United Front for   Democracy and against Dictatorship&#8220; (dt.: Einheitsfront f&#252;r Demokratie   und gegen Diktatur), die von der &#8222;Pheu Thai Party&#8220; (dt.: Partei f&#252;r die   Thais) unterst&#252;tzt wird, welche wiederum in Verbindung zu Thaksin steht.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite steht die &#8222;Demokratische Partei&#8220; von Abhisit. Sie   erh&#228;lt Unterst&#252;tzung von der PAD &#8211; &#8222;People Alliance for Democracy&#8220; (dt.:   Volksb&#252;ndnis f&#252;r Demokratie). Die &#8222;Gelbhemden&#8220; haben ihre wichtigste   Basis in der st&#228;dtischen Mittelschicht und Teilen der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Die jetzige Regierung hat sich selbst diskreditiert. Sie steht f&#252;r eine   Politik, die die Position der Monarchie und des Milit&#228;rs im Lande   gest&#228;rkt und wieder zu einem wichtigen politischen Faktor gemacht hat.   &#220;ber 70 Prozent der Regierungsmitglieder sind nicht gew&#228;hlt worden.<\/p>\n<h4>  Die &#8222;Rothemden&#8220; und die K&#228;mpfe von 2009<\/h4>\n<p>  Genau vor einem Jahr, im April 2009, besetzten die &#8222;Rothemden&#8220; zum   ersten Mal Bangkoks Stadtzentrum. Sie forderten den sofortigen R&#252;cktritt   Abhisits und unterst&#252;tzten Thaksin, die Oppositionsfigur im Exil.   Tagelang kam es zu offenen Gefechten zwischen tausenden jungen   &#8222;Rothemden&#8220; und den Einsatzkr&#228;ften der Regierung. Der Ausnahmezustand   wurde &#252;ber die Stadt verh&#228;ngt und paramilit&#228;rische Kr&#228;fte bezogen   Stellung. Die Armee r&#252;ckte mit Panzern vor und feuerte mit scharfer   Munition auf die Menge. Dabei starben zwei Menschen, hunderte wurden   verletzt. Eine w&#252;tende Menge griff den Wagen des Premierministers an.   Weil die Auseinandersetzungen derartige Ausma&#223;e angenommen hatte, musste   au&#223;erdem ein Gipfeltreffen der Eliten aus verschiedenen Nachbarstaaten   abgesagt werden. Einige Wochen sp&#228;ter stimmten die F&#252;hrungsk&#246;pfe der   &#8222;Rothemden&#8220; angesichts der drastischen staatlichen Repression dem Abzug   ihrer Truppen zu. Dabei k&#252;ndigten sie neue Proteste an, sollte es nicht   bald zu Neuwahlen kommen.<\/p>\n<h4>  April 2010: erneuter Aufstand der &#8222;Rothemden&#8220;<\/h4>\n<p>  Fast genau ein Jahr nach den Ereignissen von 2009 kamen die &#8222;Rothemden&#8220;   erneut zusammen und entschieden eines der Wirtschaftszentren Bangkoks,   das Viertel Siam, zu besetzen. Es gab etliche Demonstrationen, die Leute   marschierten auf oder fuhren in Massen mit Motorr&#228;der durch die Stra&#223;en   der Stadt. Die wohl spektakul&#228;rste Aktion fand vor einigen Wochen statt,   als man entschied, zum Parlament zu ziehen. Dabei erzwang man den   Abbruch der laufenden Plenarsitzung und sorgte daf&#252;r, dass die   Abgeordneten aus den Parlamentsr&#228;umen fliehen mussten. Die Regierung   musste f&#252;r einige Wochen umziehen und sich in einer Stadt au&#223;erhalb   Bangkoks treffen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig wurden auf t&#228;glicher Basis zahlreiche Kundgebungen   organisiert. Zwischen 100.000 und 150.000 Menschen zogen jeden Tag in   das besetzte Stadtzentrum. Die Zeitung &#8222;The Nation&#8220; erkl&#228;rte: &#8222;Mehr und   mehr arme Bauern haben sich eingefunden und den Rothemden angeschlossen,   um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Sie f&#252;hlen sich als die sozialen   Opfer der Politik&#8220;. Auf ihrer Titelseite schrieb dieselbe Zeitung:   &#8222;Armut ist der gr&#246;&#223;te Feind Thailands. Mindestens zehn Millionen der   insgesamt 65 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Diese   Bev&#246;lkerungsschicht hat fast keinen Zugang zu Grundnahrungsmitteln,   Gesundheitsversorgung oder Bildung&#8220;.<\/p>\n<p>  Um die Lage zu beruhigen, war Abhisit zum ersten Mal dazu gezwungen,   Friedensverhandlungen mit den f&#252;hrenden K&#246;pfen der &#8222;Rothemden&#8220; zu   f&#252;hren. Er legte einen neuen &#8222;Fahrplan&#8221; vor, versprach Wahlen f&#252;r den   14. November und eine ganze Palette von Ma&#223;nahmen f&#252;r die armen   B&#228;uerinnen und Bauern. Das vorderste Ziel dabei war, die Proteste   abzuschw&#228;chen und Zeit zu gewinnen. Die f&#252;hrenden K&#246;pfe der &#8222;Rothemden&#8220;   hingegen entschieden sich f&#252;r die Fortsetzung der Besetzungsaktionen im   Stadtzentrum und forderten die sofortige Aufl&#246;sung des Parlaments.<\/p>\n<p>  Angesichts der Entschlossenheit der Opposition versuchte die Armee   bereits zweimal einzumarschieren und das besetzte Gebiet zu r&#228;umen.   Diese Versuche trafen auf den w&#252;tenden Widerstand der &#8222;Rothemden&#8220; und   f&#252;hrten zu Dutzenden von Toten. In den letzten Wochen ist es in Bangkok   auch zu starken &#220;bergriffen gekommen, bei denen auch etliche   Staatskr&#228;fte verwundet oder gar get&#246;tet wurden. Diese Angriffe gehen   offiziellen Medien zufolge zweifellos auf den &#8222;harten Kern&#8220; der   &#8222;Rothemden&#8220; zur&#252;ck. Es ist allerdings auch m&#246;glich, dass diese   Ausschreitungen Provokateure der &#8222;Gelbhemden&#8220; (Regierungsseite) zu   verantworten haben, die ihrerseits in den letzten Tagen einige   gewaltt&#228;tige Aktionen gegen die &#8222;Rothemden&#8220; organisiert haben.<\/p>\n<p>  Seit diesen tragischen Ereignissen ist eine Hauptforderung der   &#8222;Rothemden&#8220; die Verhaftung von Verteidigungsminister Suthep, da er f&#252;r   die m&#246;rderische Repression Ende April verantwortlich ist. Die Regierung   hat ihrerseits ihre Rhetorik versch&#228;rft und f&#252;r den Fall, dass die   Oppositionellen nicht bis zum 12. Mai das Stadtzentrum Rajprasong   verlassen sollten, zun&#228;chst das Abstellen von Strom und Wasser sowie die   darauf folgende Invasion der Armee angek&#252;ndigt. Dazu k&#246;nnte es in den   n&#228;chsten Stunden schon kommen. Dies war schon einmal der Fall, als sich   die Regierung seit Ende April in der Defensive befand. Man f&#252;rchtete den   Zusammenbruch der bewaffneten Kr&#228;fte zwischen den Fronten der   Regierungstreuen und SympathisantInnen der &#8222;Rothemden&#8220;.<\/p>\n<p>  Der Anf&#252;hrer der &#8222;Rothemden&#8220;, Jatuporn Promphan, hielt am 12. Mai   gegen&#252;ber der Zeitung &#8222;The Nation&#8220; fest, dass man auf das Ultimatum der   Regierung nicht eingehen werde und dass&#160;&#8222;wir uns von diesem Druck nicht   einsch&#252;chtern lassen. Nach dem Tod so vieler Protestierender kann die   Roten nichts mehr stoppen. &#8220;<\/p>\n<h4>  Die Stimmung im Lager der &#8222;Rothemden&#8220; und die j&#252;ngsten Ereignisse<\/h4>\n<p>  Am Mittwoch, 12. April, einige Stunden vor Ablauf des Ultimatums, hatte   ich die M&#246;glichkeit, in das besetzte Stadtzentrum zu gelangen, das von   allen Seiten von der Opposition des Regimes verbarrikadiert ist. Dieses   Viertel, das einige Quadratkilometer gro&#223; ist, wird von den &#8222;Roten&#8220; mit   gro&#223;er Vorsicht gesichert. Jeder Zugang zu dem Gebiet ist durch starke   Barrikaden abgeriegelt, man kann nicht zu den Kundgebungen und den   Schlafstellen gelangen.<\/p>\n<p>  Die &#8222;Schwarzen Garden&#8220;, die Sicherheitskr&#228;fte der Bewegung, durchsuchen   jedes Fahrzeug, um zu verhindern, dass Waffen oder Sprengs&#228;tze hinein   kommen k&#246;nnen. Im ganzen besetzten Viertel wird man ununterbrochen von   einer B&#252;hne, die mit Lautsprechern im gesamten Viertel verbunden sit mit   den Reden der f&#252;hrenden K&#246;pfe der &#8222;Rothemden&#8220; beschallt. Unz&#228;hlige   Menschen und Familien halten sich hier auf oder schlafen auf dem Boden &#8211;   ihrem neuen Zuhause. Lebensmittel und Wasser sowie alle weiteren G&#252;ter   des t&#228;glichen Bedarfs stehen &#252;berall in diesem gro&#223;en Areal zur   Verf&#252;gung. &#220;berall h&#228;ngen Bilder von den Demonstrationen, Darstellungen   der Repression vom April und Banner, auf denen zur Aufl&#246;sung des   Parlaments aufgerufen wird. Von den BasisaktivistInnen wird man sehr   herzlich empfangen, und es herrscht trotz der sprachlichen   Schwierigkeiten die breite Bereitschaft dazu, die momentane Lage zu   erkl&#228;ren. Als ich sie fragte, was sie &#252;ber die momentane Situation und   das Regierungsultimatum denken, erkl&#228;rte uns eine 19 Jahre junge &#8222;Rote&#8220;:   &#8222;Ich bin seit zwei Monaten hier. Die Armee hat schon einige Male   versucht uns zu r&#228;umen. Viele Menschen sind bereits tot. Sie sprechen   von rund 20 Toten. Aber wir gehen von mehr als 100 Toten aus. Sollte die   Armee zur&#252;ckkommen &#8211; was in den n&#228;chsten Tagen mit Sicherheit der Fall   sein wird, werde ich gegen sie k&#228;mpfen.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Kommentator der Zeitung &#8222;The Nation&#8220; sprach vor einigen Tagen von   wesentlichen Meinungsverschiedenheiten unter den &#8222;Rothemden&#8220;. Es ist   klar, dass den gro&#223;en Hoffnungen, die sich in dieser Massenbewegung   ausdr&#252;cken und die von Thaksin und seiner Gruppe benutzt werden, um   deren eigene politische Position zu verbessern, nicht einfach durch das   simple Versprechen von Neuwahlen im November entsprochen werden kann.   Unter den Anf&#252;hrern haben sich in den letzten Tagen zwei Fl&#252;gel   herauskristallisiert: Auf der einen Seite steht ein &#8222;moderater&#8220; Fl&#252;gel,   der den &#8222;Fahrplan&#8220; der Regierung akzeptieren und die eigenen Kr&#228;fte   abziehen will. Auf der anderen Seite steht der &#8222;harte Kern&#8220;, der sich um   die &#8222;Pheu Thai Party&#8220; herum positioniert; der wichtigsten politischen   Partei hinter den &#8222;Roten&#8220;, die sich gegen den &#8222;Fahrplan&#8220; wendet. Unter   einer immer gr&#246;&#223;er werdenden Schicht der mobilisierten Unterst&#252;tzerInnen   der &#8222;Rothemden&#8220; kommen Zweifel an der Redlichkeit der eigenen F&#252;hrer   auf. Einer dieser Unterst&#252;tzer sagte: &#8222;Heute ist klar, dass es in K&#252;rze   zu einem Blutbad f&#252;hren w&#252;rde, w&#252;rde man den konfrontativen Standpunkt   gegen&#252;ber der Regierung aufrecht erhalten. Ich habe etliche Male   erfolglos versucht, mit den Anf&#252;hrern zu sprechen. Ich habe das Gef&#252;hl,   dass wir einigen von ihnen nicht trauen k&#246;nnen, und ich bezweifle auch,   ob sie wirklich f&#252;r Demokratie k&#228;mpfen&#8220;.&#160;&#220;ber ein auf dem Gel&#228;nde   installiertes Radio wurde kurz zuvor mitgeteilt, dass &#8222;die   BasisaktivistInnen sich nun selbst organisieren und ihre Anf&#252;hrer davor   warnen, sie besser nicht zu vergessen&#8220;. Ein anderer Aktivist sagte: &#8222;Du   kannst der Bewegung jetzt von der B&#252;hne aus Befehle erteilen, dass sie   zur&#252;ck nach Hause gehen sollen. &#8211; Ich sch&#228;tze, dass die Reaktion darauf   w&#228;re, dass alles, was man finden kann, auf die Person geworfen w&#252;rde,   die sich so etwas trauen w&#252;rde. Einige planen sogar, zum 11.   Infanterieregiment zu marschieren und den Premierminister zu verhaften,   bevor man dann den Volksaufstand starten w&#252;rde&#8220;.<\/p>\n<p>  Zur Zeit, da ich diesen Artikel schreibe (Donnerstag, 13. Mai 2010), hat   die Armee das ganze Gebiet bereits abgeriegelt und gr&#252;nes Licht f&#252;r den   Einsatz scharfer Munition erhalten. Dutzende Panzer sind in der N&#228;he der   Barrikaden zusammen gezogen worden. In 15 Provinzen des Landes wurde der   Ausnahmezustand ausgerufen. Erst vor einigen Minuten ist der Anf&#252;hrer   der &#8222;Rothemden&#8220; w&#228;hrend eines Interviews mit einem japanischen   Fernsehsender durch Scharfsch&#252;tzen get&#246;tet worden. Um die Armee auf   Distanz zu halten, sind in den benachbarten Vierteln K&#228;mpfe aufgeflammt,   was schon zu einem Toten gef&#252;hrt hat &#8211; einem 25-J&#228;hrigen namens   Chartchai Chalao. 20 Personen wurden schwer verletzt. Die Anf&#252;hrer der   &#8222;Roten&#8220; haben ihre Kr&#228;fte angewiesen, sich an jeder Absperrung   aufzustellen und dort auf das Eintreffen der Armee zu warten. Die   Situation wird sich in den n&#228;chsten Stunden sicherlich weiter zuspitzen.<\/p>\n<h4>  Welche Perspektive haben ArbeiterInnen, arme B&#228;uerinnen und Bauern in   Thailand ?<\/h4>\n<p>  Es ist klar, dass die Ereignisse in Thailand Ausdruck eines Machtkampfs   zwischen Thaksin und der Regierung Abhisit sind. Die aktuelle Situation   hat die bereits bestehenden Spannungen zwischen l&#228;ndlicher und   st&#228;dtischer Bev&#246;lkerung allerdings weiter versch&#228;rft.<\/p>\n<p>  Ganz klar wird die Regierung Abhisit heute von Milit&#228;r und Monarchie   unterst&#252;tzt, damit die R&#252;ckkehr Thaksins und seiner Clique an die Macht   verhindert wird. Thaksins Unterst&#252;tzerInnen haben sich selbst zum   Sprachrohr der Armen des Landes erkl&#228;rt, und sie nutzen die Wut und   Frustration, die in der thail&#228;ndischen Gesellschaft vorherrschen f&#252;r   ihre Zwecke aus. Bewusst haben die besagten F&#252;hrungspersonen die   Spannungen und Spaltungslinien zwischen den Armen vom Land und den   st&#228;dtischen ArbeiterInnen und der Mittelschicht weiter vergr&#246;&#223;ert.<\/p>\n<p>  Bislang sind die Opfer der gierigen Eliten weiterhin die armen   B&#228;uerinnen und Bauern, die Arbeiterklasse und einige andere   gesellschaftliche Schichten &#8211; egal, f&#252;r welche der beiden Seiten in   diesem Konflikt sie sich bisher auch entschieden haben m&#246;gen. Die   Korruption hat im Lande bisher nie erreichte Ausma&#223;e angenommen. Klar   ist in dieser Situation, dass keiner der f&#252;hrenden politischen K&#246;pfe   auch nur im Ansatz die Ursache der Probleme angehen wird, unter denen   die thail&#228;ndische Bev&#246;lkerung zu leiden hat. Thailand ist eines der am   meisten von der kapitalistischen Krise betroffenen L&#228;nder. Und abgesehen   davon sind sich die F&#252;hrungsfiguren beider Lager darin einig, wer daf&#252;r   in den n&#228;chsten Monaten und Jahren zahlen soll: die ArbeiterInnen und   die &#196;rmsten der Gesellschaft.<\/p>\n<p>  Aus diesem Grund ist es auch desastr&#246;s, dass keine Partei mit einem   Programm existiert, das von den Bed&#252;rfnissen der armen B&#228;uerinnen und   Bauern und der ArbeiterInnen ausgeht, um die existierende enorme Wut zu   kanalisieren, die sich in den Stra&#223;en des Landes ausdr&#252;ckt. Wir werden   die Armut und Unterdr&#252;ckung nicht dadurch beenden, indem wir entweder   der Regierung oder einiger korrupter Milliard&#228;re Vertrauen schenken.<\/p>\n<p>  Die jetzige Situation ist &#228;u&#223;erst instabil, und es ist schwer zu sagen,   was in den bevorstehenden Tagen geschehen wird. Es ist klar, dass die   Regierung sich auf eine Kraftprobe vorbereitet. Es ist jetzt nur noch   eine Frage von Stunden. Wie lange k&#246;nnen die &#8222;Rothemden&#8220; Widerstand   leisten? Werden die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Milit&#228;rs   offen ausbrechen? In welchem Ausma&#223; wird sich die Gewalt Bahn brechen?<\/p>\n<p>  Was auch immer geschehen mag: Selbst wenn es nicht das Wahrscheinlichste   ist, dass die &#8222;Rothemden&#8220; mit ihrer Forderung nach Neuwahlen   durchkommen, so erwarten offizielle KommentatorInnen dann einen Sieg der   Thaksin nahe stehenden Parteien. Sollte es doch dazu kommen, dann ist es   sehr wahrscheinlich, dass die Koalition der &#8222;Gelbhemden&#8220;, die von Teilen   des Milit&#228;rs unterst&#252;tzt wird, erneut auf die Stra&#223;e gehen wird. Das   alles bedeutet, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass es im Land mit   der Instabilit&#228;t weitergehen wird.<\/p>\n<p>  Dar&#252;ber hinaus ist das, was wir derzeit in Thailand erleben &#8211; einem   Land, das seit 1930 schon 18 Milit&#228;rputsche durchgemacht hat &#8211; ein   Hinweis auf die Instabilit&#228;t, die sich auf h&#246;herer Ebene und in ganz   Asien weiter entwickeln kann. Vor allem vor dem Hintergrund der sich   zuspitzenden Krise. F&#252;r uns revolution&#228;re SozialistInnen ist es daher   von noch wesentlicherer Bedeutung, die Dringlichkeit des Aufbaus einer   massenhaften politischen Kraft zu verstehen. Diese muss die Interessen   der ArbeiterInnen und verarmten Massen verteidigen und auf die   Notwendigkeit hinweisen, dass der Kampf f&#252;r eine sozialistische   Gesellschaft die einzige Alternative ist um mit der Barbarei des   Kapitalismus Schluss zu machen.<\/p>\n<p>  <b>Die Forderungen des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI): <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Keine Unterdr&#252;ckung demokratischer Rechte und der Medien <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Abschaffung jeglicher drakonischer Gesetze wie dem ISA (Gesetz &#252;ber   die Innere Sicherheit), die die Rechte der Menschen unterminieren <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Nein zur Herrschaft der Gener&#228;le und der korrupten,   millionenschweren Politiker <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Fundamentale Opposition gegen einen Milit&#228;rputsch <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r massenhaften Kampf zur Erringung voller demokratischer Rechte.   Dazu muss auch das Recht der ArbeiterInnen z&#228;hlen, sich selbst zu   organisieren, zu demonstrieren und zu streiken <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r unabh&#228;ngige, k&#228;mpferische, demokratische Gewerkschaften und   Organisationen der Kleinbauern <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Gewerkschaftliche Rechte f&#252;r die bewaffneten Kr&#228;fte in den   niedrigeren R&#228;ngen &#8211; verarmte Soldaten m&#252;ssen f&#252;r den Kampf der   arbeitenden Menschen gewonnen werden <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r den Aufbau einer Massenpartei der ArbeiterInnen, Armen,   B&#228;uerinnen und Bauern <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r den vereinten Kampf der ArbeiterInnen, armen B&#228;uerinnen und   Bauern, Studierenden und anderer durch das System Unterdr&#252;ckter, um die   korrupte Regierung zu st&#252;rzen <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r eine wirkliche und repr&#228;sentative konstituierende Versammlung <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Abschaffung der Monarchie <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r eine mehrheitlich aus ArbeiterInnen, armen B&#228;uerinnen und   Bauern bestehende Regierung <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Volle Rechte f&#252;r den unterdr&#252;ckten moslemischen Bev&#246;lkerungsteil im   S&#252;den Thailands und aller anderen Minderheiten <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Nein zur neoliberalen Politik der Privatisierung und Deregulierung <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; Gro&#223;konzerne, Schl&#252;sselindustrien, gro&#223;e private   Grundbesitzervereine und Banken m&#252;ssen in demokratisches &#246;ffentliches   Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r eine geplante Wirtschaft unter demokratischer Kontrolle und   Verwaltung gew&#228;hlter Komitees der ArbeiterInnen Kleinb&#228;uerinnen und   Kleinbauern, um die Bed&#252;rfnisse der arbeitenden Menschen sowie der armen   B&#228;uerinnen und Bauern zu befriedigen <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8226; F&#252;r ein sozialistisches Thailand als Teil einer sozialistischen   Konf&#246;deration S&#252;dostasiens<\/b><\/p>\n<h5>  <i>Dieser Artikel erschien am 19.05.2010 auf www.socialistworld.net, der   Webseite des Committee for a Workers&quot; International (CWI), dem die SAV   als deutsche Sektion angeh&#246;rt<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein Augenzeugenbericht\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13697"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13697"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13697\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}