{"id":13696,"date":"2010-05-20T14:00:00","date_gmt":"2010-05-20T12:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13696"},"modified":"2012-05-15T14:56:32","modified_gmt":"2012-05-15T12:56:32","slug":"13696","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13696\/","title":{"rendered":"Schicksalsfrage Regierungsbeteiligung"},"content":{"rendered":"<p>  Wie DIE LINKE in NRW agieren und argumentieren sollte<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Frage der Regierungsbeteiligung ist entscheidend f&#252;r die Zukunft der   LINKEN.<\/p>\n<p>  In der Partei gibt es bekanntlich Bef&#252;rworter und Gegner einer   Regierungs-Koalition mit SPD und Gr&#252;nen in NRW. Aber auch innerhalb   dieser Lager gibt es Unterschiede. Das wurde auch bei der   Regionalkonferenz-Rheinland in NRW am 17. Mai deutlich.<\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Die Mehrheit der Bef&#252;rworter einer solchen Koalition haben tats&#228;chlich   die Illusion, dass man mit SPD und Gr&#252;nen den Sozialabbau stoppen   k&#246;nnte, auch wenn man nicht alle eigenen Forderungen durchsetzen k&#246;nne.<\/p>\n<p>  Eine kleine Minderheit deutete allerdings auch an, dass eine Koalition   selbst dann zu rechtfertigen sei, wenn man zwar K&#252;rzungen zustimmen   m&#252;sste, aber an anderer Stelle einzelne Punkte des LINKEN-Programms   durchsetzen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Problematisch ist allerdings auch die Position derer, die eine   Regierungsbeteiligung nach eigenen Angaben ablehnen, aus taktischen   Gr&#252;nden aber an Sondierungsgespr&#228;chen teilnehmen und eine Koalition mit   SPD-Gr&#252;nen nicht &#246;ffentlich ausschlie&#223;en wollen. Sie argumentieren in   etwa so: Wir wissen, dass eine Koalition mit SPD und Gr&#252;nen zu   Sozialabbau f&#252;hren w&#252;rde. Aber die W&#228;hlerInnen wissen das noch nicht.   Deshalb gehen wir auf das Angebot der Sondierungsgespr&#228;che ein und   lehnen auch eine Koalition nicht im vor hinein ab. Wir bleiben nat&#252;rlich   bei unseren Forderungen und werden keinen K&#252;rzungen zustimmen. Deshalb   werden die Verhandlungen scheitern. Aber wir haben gezeigt, wof&#252;r wir   stehen. F&#252;r das Scheitern werden die W&#228;hlerInnen die SPD und Gr&#252;nen   verantwortlich machen.<\/p>\n<p>  Das h&#246;rt sich zun&#228;chst gut an, doch diese Rechnung wird nicht aufgehen.   Die LINKE-NRW trifft sich jetzt zu Sondierungsgespr&#228;chen mit SPD und   Gr&#252;nen. Dort geht es offiziell darum, die M&#246;glichkeit einer gemeinsamen   Regierung auszuloten. Nun hat die LINKE immer wieder erkl&#228;rt, dass es   mit ihr keine Zustimmung zu Sozialabbau geben w&#252;rde und eine   Regierungsbeteiligung nur in Frage komme, wenn es dadurch zu einem   grundlegenden Politikwechsel im Sinne der Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen   etc. komme.<\/p>\n<p>  Wenn die LINKE die M&#246;glichkeit einer Koalition nicht ausschlie&#223;t und   sich zu Sondierungsgespr&#228;chen trifft, hei&#223;t das im Umkehrschluss, man   h&#228;lt einen Politikwechsel mit SPD und Gr&#252;nen f&#252;r m&#246;glich. Das ist   jedenfalls die Botschaft die ankommt. Wenn man sich aber einem B&#252;ndnis   mit zwei Parteien verweigert, mit denen man vorgeblich eine Politik im   Interesse der Bev&#246;lkerungsmehrheit, dann f&#228;llt die Schuld f&#252;r das   Scheitern auch auf die LINKE zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  SPD, GR&#220;NE und Teile der Medien w&#252;rden argumentieren: &quot;Im B&#252;ndnis mit   Rot-Gr&#252;n h&#228;tte es zumindest ein paar kleine Fortschritte gegeben, aber   die mangelnde Kompromissbereitschaft der LINKEN hat das leider   verhindert&quot;. Wem wird man dann die Schuld am Scheitern einer   Rot-Rot-Gr&#252;nen Koalition geben?<\/p>\n<p>  Was ist denn, wenn SPD und Gr&#252;ne in die Gespr&#228;che gehen, mit dem Ziel   die LINKE vorzuf&#252;hren?<\/p>\n<p>  Sie sollen zum Beispiel verlangt haben, dass die LINKE sich zuerst von   der DDR distanziert. Nach Meinung der SAV sollten Sozialisten immer klar   sagen, dass die DDR kein Sozialismus, sondern eine stalinistische   Diktatur war. Aber man sollte sich von den Kriegs-Parteien SPD und Gr&#252;ne   nat&#252;rlich nicht zu plumpem Anti-Kommunismus zwingen lassen..<\/p>\n<p>  Wem werden die W&#228;hlerInnen die Schuld geben, wenn man am Ende dasteht   und sagen muss: &quot;Wir waren der Meinung, dass man mit SPD-Gr&#252;ne   m&#246;glicherweise einen Politikwechsel schaffen kann, aber zu einer   Verurteilung der Verh&#228;ltnisse in der DDR sind wir so nicht bereit.   Deshalb wird es keine Koalition geben.&quot; Wem werden dann wohl selbst   potenzielle LINKE-W&#228;hlerInnen die Schuld am Scheitern geben?<\/p>\n<p>  Wenn man sich zu Sondierungsgespr&#228;chen bez&#252;glich einer   Regierungskoalition trifft, wenn man eine Koalition mit Rot-Gr&#252;n nicht   klar ausschlie&#223;t, sch&#252;rt man die Illusion, mit Rot-Gr&#252;n sei ein   Politikwechsel m&#246;glich. in Zeiten der Krise f&#252;hrt der   pro-kapitalistische Charakter von SPD und Gr&#252;nen zwangsl&#228;ufig zu einer   Politik, die sich gegen die Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen und   Jugendlichen wendet. Eine soziale Politik muss notwendigerweise   antikapitalistisch sein. Das ist mit SPD und Gr&#252;nen nicht m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Was sollte die LINKE in NRW stattdessen tun? Was sollten ihre   VertreterInnen sagen, wenn sie zu ihrer Haltung gegen&#252;ber Sondierungs-,   Koalitionsgespr&#228;chen und m&#246;glicher Regierungskoalition gefragt werden.   Hier ein fiktives Interview und Antworten, die die LINKE so bisher nicht   gibt aber geben sollte:<\/p>\n<p>  <b>Sind sie zu Sondierungsgespr&#228;che mit SPD und Gr&#252;nen bereit?<\/b><\/p>\n<p>  &#8222;Wir, die LINKE-NRW, haben schon eine Reihe von Gesetzesvorschl&#228;gen   vorbereitet, mit denen die unsozialen Ma&#223;nahmen der R&#252;ttgers-Regierung   wieder r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden k&#246;nnen. Diese Gesetzentw&#252;rfe werden wir   jetzt in einem offenen Brief an SPD und GR&#220;NE schicken. Wir sind   gespannt in einem Gespr&#228;ch zu h&#246;ren, welchen unserer Gesetzentw&#252;rfe SPD   und Gr&#252;ne bei der Abstimmung im Landtag zustimmen wollen.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Sie sind nicht zu einer Koalition mit SPD und Gr&#252;nen bereit. Eher   w&#252;rden sie also R&#252;ttgers als Ministerpr&#228;sidenten im Amt lassen?<\/b><\/p>\n<p>  &#8222;Tatsache ist, dass SPD und Gr&#252;ne eine Koalition mit der CDU nicht   ausgeschlossen haben. Beide sind also offensichtlich unter Umst&#228;nden   bereit, R&#252;ttgers oder einen seiner Parteig&#228;nger im Amt zu lassen. An uns   w&#252;rde die Abwahl von R&#252;ttgers dagegen nicht scheitern. Laut   Landesverfassung reicht zur Wahl des Ministerpr&#228;sidenten die einfache   Mehrheit. Da wir nat&#252;rlich nicht f&#252;r R&#252;ttgers stimmen werden, liegt es   in der Hand von SPD und Gr&#252;nen R&#252;ttgers abzuw&#228;hlen, wenn sie wollen.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>SPD und Gr&#252;nen haben angek&#252;ndigt, die Studiengeb&#252;hren abzuschaffen.   Wie wollen sie den W&#228;hlern vermitteln, wenn das ausgerechnet an der   LINKEN scheitert?<\/b><\/p>\n<p>  &#8222;Die Abschaffung der Studiengeb&#252;hren w&#252;rde nicht an uns scheitern. Wir   werden in der ersten Sitzung des Landtages ein entsprechenden Gesetz   einbringen dass die sofortige Abschaffung fordert. Wenn SPD und Gr&#252;ne es   ernst meinen, dann k&#246;nnen sie dem zustimmen und die Studiengeb&#252;hren sind   weg. Das gleiche gilt f&#252;r andere sozialpolitische Ma&#223;nahmen.&#8220;<\/p>\n<p>  Mit diesen Antworten w&#252;rde die LINKE zeigen, dass die Absage an eine   Regierungsbeteiligung kein Widerspruch zur Durchsetzung linker   Forderungen ist.<\/p>\n<p>  Trotzdem bleibt das Problem, dass viele W&#228;hlerInnen auch der LINKEN   nicht trauen. Immerhin sind 40 Prozent der Wahlberechtigten bei der Wahl   zu Hause geblieben. In Meinungsumfragen rangierte DIE LINKE bei der   Glaubw&#252;rdigkeit auf dem letzten Platz. Au&#223;erdem gibt es kaum eine   Vorstellung, wie man von au&#223;en Druck auf eine Regierung machen kann.<\/p>\n<p>  Vertrauen kann man letztendlich nicht durch reden gewinnen sondern durch   Taten. Die LINKE muss durch Handeln beweisen, dass sie anders ist als   die etablierten Parteien.<\/p>\n<p>  Der Kampf gegen die Studiengeb&#252;hren geht mit einem Bildungsstreik am 9.   Juni weiter. Am 12. Juni gibt es Demonstrationen unter dem Motto &#8222;Wir   zahlen Eure Krise nicht.&#8220; Die Linke hat im Wahlkampf viele Geld f&#252;r   Plakate ausgegeben und im ganzen Land Flugbl&#228;ttern mit Wahlaufrufen   verteilt. Sie k&#246;nnte und m&#252;sste jetzt mit ebenso gro&#223;em Einsatz f&#252;r die   Teilnahme am Bildungsstreik und an den Demonstrationen am 12. Juni   werben. Also im ganz NRW und bundesweit Plakatfl&#228;chen mieten,   Flugbl&#228;tter an Haushalte, vor Schulen und Betrieben verteilen, um f&#252;r   den Bildungsstreik und die Demos am 12. Juni zu mobilisieren.<\/p>\n<p>  Wolfgang Zimmermann und B&#228;rbel Beuermann sollten die gro&#223;e   Medienaufmerksamkeit dazu nutzen, nicht nur &#252;ber   Regierungskonstellationen und parlamentarische T&#228;tigkeit zu sprechen,   sondern in die Mikrofone sagen: &#8222;DIE LINKE wird im Parlament nur etwas   bewirken k&#246;nnen, wenn sie sich auf Proteste, Bewegungen, Streiks st&#252;tzen   kann. Deshalb rufen wir alle Arbeiter, Arbeitslosen und Jugendlichen   auf, selber aktiv zu werden, sich in Gewerkschaften, sozialen Bewegungen   und der LINKEN zu organisieren und mit uns gemeinsam zu k&#228;mpfen.&#8220;   &#220;berall sollten die Abgeordneten in den n&#228;chsten Wochen die Diskussion   mit Gewerkschaftern, Erwerbslosenvertretern und   Bildungsstreik-Aktivisten intensivieren. Zur ersten Landtagssitzung   sollte DIE LINKE schon jetzt gemeinsam mit anderen zu einer gro&#223;en   Demonstration zur sofortigen Abschaffung der Studiengeb&#252;hren und f&#252;r die   R&#252;cknahme der Verschlechterungen beim Personalvertretungsgesetz aufrufen   und mobilisieren.<\/p>\n<p>  Das m&#252;sste einher gehen mit einem Engagement f&#252;r k&#228;mpferische und   demokratische Gewerkschaften. Die SPD- und Gr&#252;nen-M&#228;nner an der Spitze   der Gewerkschaften sind eine Bremse bei der Organisierung von Gegenwehr.   Sie m&#252;ssen politisch durch linke Gewerkschafter herausgefordert werden.   DIE LINKE darf keine Angst haben, den Gewerkschaftsbossen auf die F&#252;&#223;e   zu treten.<\/p>\n<p>  Auch die elf Landtagsabgeordneten k&#246;nnten zeigen, dass sie grundlegend   anders sind als die Politiker der etablierten Parteien. Sie sollten von   ihren Di&#228;ten, (9.979 Euro monatlich brutto), nur den Betrag behalten,   der einem durchschnittlichen Facharbeiterlohn entspricht, plus   nachweislichen Ausgaben, die durch die Aus&#252;bung ihrer   Abgeordnetent&#228;tigkeit entstehen. Alles dar&#252;ber hinaus sollten sie an die   LINKE und soziale Bewegungen abf&#252;hren. Dann w&#252;rde jeder W&#228;hler und jede   W&#228;hlerin sofort erkennen, dass DIE LINKE sich grundlegend von allen   anderen Parteien unterscheidet und es LINKE-Politikern um die Inhalte   und nicht Karriere oder pers&#246;nliche Motive geht.<\/p>\n<p>  Der Mangel an Vertrauen in die LINKE h&#228;ngt auch mit deren unklaren   Haltung gegen&#252;ber der DDR zusammen. Auf die Fragen der Journalisten   sollte man einfach die Wahrheit sagen: &quot;Die DDR war kein Sozialismus,   sondern eine stalinistische Diktatur. Sozialismus ohne Demokratie kann   es nicht geben.&quot;<\/p>\n<p>  Auf dieser Grundlage kann sie dann glaubw&#252;rdig erkl&#228;ren, was die   Alternative zum kapitalistischen Krisensystem und damit auch zu   Arbeitslosigkeit, Armut und Krieg ist: Eine sozialistische Demokratie,   in der Wirtschaft und Gesellschaft demokratisch organisiert sind. Das   ist eine Gesellschaft, in der die Frage nicht mehr lautet: Was n&#252;tzt den   Profiten der Banken und Konzerne? Sondern: was ist gut f&#252;r die Menschen   und die Umwelt?<\/p>\n<p>  Mit der Verbindung von k&#228;mpferischer Politik und sozialistischer   Perspektive k&#246;nnte die LINKE zu einem Anziehungspunkt werden, den   Sozialabbau-Parteien von CDU bis SPD das F&#252;rchten lehren und einen   entscheidenden Beitrag zu erfolgreichem Widerstand gegen die   Sozialabbaupolitik der etablierten Parteien leisten.<\/p>\n<h5>  <i>Georg K&#252;mmel ist Mitglied der LINKEN in K&#246;ln und geh&#246;rt dem   SAV-Bundesvorstand an.<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie DIE LINKE in NRW agieren und argumentieren sollte\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13696"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13696"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13696\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}