{"id":13684,"date":"2010-05-16T00:00:00","date_gmt":"2010-05-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13684"},"modified":"2012-05-15T14:57:47","modified_gmt":"2012-05-15T12:57:47","slug":"13684","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13684\/","title":{"rendered":"Wie weiter f&#252;r DIE LINKE?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Entwicklung der Partei ist nicht entschieden. Linker Fl&#252;gel muss   sich reorganisieren.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  GewerkschafterInnen und SozialistInnen in Gro&#223;britannien oder &#214;sterreich   blicken etwas neidisch auf Deutschland. Denn hier gibt es im Gegensatz   zu ihren L&#228;ndern mit der Partei DIE LINKE eine relativ starke politische   Interessenvertretung f&#252;r Lohnabh&#228;ngige und Benachteiligte, die in   gesellschaftlicher Opposition zu Neoliberalismus, Kapitaldominanz,   Rassismus und dem Einheitsbrei der b&#252;rgerlichen Parteien steht. Das hat   in den letzten Jahren unter anderem den Spielraum f&#252;r rechtsextreme   Parteien eingeschr&#228;nkt &#8211; solche sind in &#214;sterreich und zwischen   Liverpool und London gerade auf dem Vormarsch.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/h4>\n<p>  In Deutschland hat DIE LINKE nicht nur einen wichtigen Anteil an den   Massenblockaden gegen den im Februar versuchten gr&#246;&#223;ten europ&#228;ischen   Nazi-Aufmarsch in Dresden gehabt, ihre Existenz hat in den letzten   Jahren auch gr&#246;&#223;ere Wahlerfolge rechtsextremer Parteien verhindert, weil   sie die soziale Frage von links thematisiert und damit der   faschistischen sozialen Demagogie eine Protestalternative entgegen   setzt. Das allein dr&#252;ckt aus, dass die Existenz der Partei DIE LINKE im   Vergleich zur politischen Lage vor der Gr&#252;ndung der Wahlalternative   Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) ein Fortschritt aus Sicht der   Arbeiterklasse ist.<\/p>\n<p>  Der Partei war es seit dem gemeinsamen Einzug ihrer beiden Quellparteien   WASG und PDS in den Bundestag im Jahr 2005 gelungen, Wut und   Unzufriedenheit &#252;ber Sozialabbau, Lohndr&#252;ckerei, Ausbeutung und   neoliberale Politik im Allgemeinen zu artikulieren und Forderungen wie   die Einf&#252;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns, die R&#252;cknahme der Hartz   IV-Gesetzgebung, den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und Opposition   gegen Privatisierungen auf die politische Agenda zu setzen. Der Druck   der LINKE, der wiederum Ausdruck des Drucks der arbeitenden Bev&#246;lkerung   war, lie&#223; die etablierten Parteien bei einzelnen Themen, wie dem   Mindestlohn, schwanken &#8211; Oskar Lafontaine wurde in den Medien als   &#8216;m&#228;chtigster Politiker&#8217; der Republik bezeichnet. Die Partei schien am   Beginn einer unaufhaltsamen Erfolgsstory zu stehen &#8211; Mitgliederwachstum,   Wahlerfolge, wachsende Unterst&#252;tzung in den Gewerkschaften, die   &#246;ffentliche Debatte mehr und mehr mitbestimmend. Der seit der   Parteigr&#252;ndung existierende Widerspruch zwischen antikapitalistischer   Opposition und der im Land Berlin und vielen ostdeutschen Kommunen (und   in der Vergangenheit in der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern)   praktizierten Sozialabbau betreibenden Koalitionspolitik mit der SPD   schien &#252;berdeckt zu werden. Dann kam die Weltwirtschaftskrise.<\/p>\n<h4>  Den Anforderungen der Krise nicht gerecht geworden<\/h4>\n<p>  Der Weltkapitalismus ger&#228;t in die gr&#246;&#223;te Krise seit achtzig Jahren und   die einzige antikapitalistische Partei in Deutschland profitiert davon   kaum. Der Wahlerfolg bei den Bundestagswahlen blieb unter den   M&#246;glichkeiten angesichts der Krise und der wachsenden Offenheit in der   Bev&#246;lkerung f&#252;r Systemkritik und sozialistische Ideen. Bei Europa- und   Kommunalwahlen waren Ergebnisse ern&#252;chternd. Die Partei ist f&#252;r die   Arbeiterklasse in den Betrieben und Nachbarschaften nicht wahrnehmbarer   geworden &#8211; und medial ist sie das vor allem aufgrund der parteiinternen   Auseinandersetzungen um die Nachfolge Oskar Lafontaines als   Parteivorsitzendem.<\/p>\n<p>  Woran liegt das? Die Weltwirtschaftskrise hat neue Anforderungen an   sozialistische Politik gestellt. Die kapitalistischen Regierungen haben   international durch massive staatliche Intervention auf die Krise   reagiert, scheinbar das Dogma von Deregulierung und Privatisierung &#252;ber   Bord geworfen und den Eindruck erweckt, entschlossen auf die Krise zu   reagieren. Dieses regulative Eingreifen in die kapitalistische   Wirtschaft geschah zwar nur mit dem Ziel einen Zusammenbruch des Systems   zu verhindern und nicht im Interesse der Arbeiterklasse, aber dieser   Interessengegensatz wurde in Deutschland bisher dadurch verwischt, dass   es noch zu keinen gr&#246;&#223;eren Angriffen auf die Rechte der Arbeitenden und   Erwerbslosen gekommen ist. DIE LINKE-F&#252;hrung war nicht in der Lage eine   eigene, sich ausreichend vom Krisenmanagement der Bundesregierung   abhebende, Antwort auf die Krise popul&#228;r zu formulieren.<\/p>\n<p>  Statt offensiv zu massenhaftem Widerstand gegen Bankenrettungsplan,   Lohnverluste durch Kurzarbeit und andere Ma&#223;nahmen, Entlassungen,   Betriebsschlie&#223;ungen, die geplante Gesundheitsreform etc. aufzufordern   und entsprechende Angebote zu machen, statt angesichts der Debatte um   die Sparpolitik in Griechenland zum internationalen Widerstand der   europ&#228;ischen Arbeiterklasse aufzurufen, statt deutlich zu machen, dass   diese Systemkrise systemsprengende Ma&#223;nahmen wie die demokratische   Verstaatlichung nicht nur aller Privatbanken, sondern auch der gro&#223;en   Konzerne und aller Unternehmen, die Massenentlassungen vornehmen wollen   erfordert und sich deutlich dem b&#252;rgerlich-kapitalistischen   Politikbetrieb zu verweigern, machte die Parteif&#252;hrung und die   Parlamentsfraktionen allzuoft den Eindruck, sie wollen ihre   &#8218;verantwortliche&#8216; und systemtragende Politik unter Beweis stellen &#8211; wenn   zum Beispiel die schnelle Durchsetzung des Bankenrettungsplans nicht   parlamentarisch blockiert wurde oder die hessische Landtagsfraktion   einem Schutzschirm f&#252;r Opel zustimmte, statt eine Kampagne f&#252;r die   Verstaatlichung des Unternehmens unter demokratischer Kontrolle und   Verwaltung durch VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung zu f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Dies scheint sich nun mit dem Entwurf f&#252;r ein Parteiprogramm zu &#228;ndern.   Dieser Entwurf formuliert einen dezidiert antikapitalistischen und   sozialistischen Anspruch, wirft die Eigentums- und Machtfrage auf und   stellt im Vergleich zu den bisher g&#252;ltigen programmatischen Eckpunkten   in seiner Gesamtheit einen Schritt nach links dar.<\/p>\n<p>  Das ist eine wichtige Chance f&#252;r die Basis und die Linken in der Partei.   Sofort nach Erscheinen des Programms wurde es von Vertretern des rechten   Parteifl&#252;gels kritisiert und &#196;nderungsbedarf angemeldet. Im Fokus stehen   die relativ weitgehenden Bedingungen zur Regierungsbeteiligung &#8211; nach   denen ein sofortiger Austritt aus den Landesregierungen in Berlin und   Brandenburg angesagt w&#228;re &#8211; und die Forderungen nach Vergesellschaftung   von Banken und strukturbestimmenden Unternehmen. Es ist Aufgabe der   linken Kr&#228;fte in der Partei diese Versuche den Entwurf zu entsch&#228;rfen   zur&#252;ck zu schlagen. Doch vor allem darf die Programmdebatte nicht   losgel&#246;st von einer Debatte um die tats&#228;chliche Politik der Partei   gef&#252;hrt werden. Denn tats&#228;chlich stellt der Programmentwurf eine Paradox   dar: w&#228;hrend sich die Partei in wichtigen konkreten politischen Fragen   nach rechts entwickelt, stellt dieser einen Schritt nach links dar. Doch   Papier ist geduldig und die kritischen und wirklich sozialistischen   Kr&#228;fte in der LINKE d&#252;rfen sich nicht durch einen Text ruhig stellen   lassen, w&#228;hrend die reale Politik sich weiter an kapitalistische   Verh&#228;ltnisse anpasst. Wir wollen die reale Entwicklung der Partei an   einigen zentralen Punkten untersuchen:<\/p>\n<h4>  Regierungsbeteiligung<\/h4>\n<p>  DIE LINKE hat im letzten Jahr eine Koalitionsregierung mit der SPD in   Brandenburg gebildet und f&#252;hrt den so genannten &#8216;rot-roten Senat&#8217; in   Berlin fort. Der Koalitionsvertrag in Brandenburg wurde bis weit in die   Mitte der Partei kritisiert, weil er unter anderem ein Bekenntnis zum   Lissabonner EU-Vertrag und vor allem den Abbau von zehntausend Stellen   im &#246;ffentlichen Dienst vorsieht. In Berlin praktiziert DIE LINKE ein   &#8216;weiter so&#8217; nach acht Jahren &#8222;sparen bis es quietscht&#8220; (Wowereit). Im   letzten Jahr gab es im Bundesrat die Zustimmung zum Bankenrettungsplan   der Bundesregierung, erst k&#252;rzlich wurde f&#252;r die Besch&#228;ftigten des   Landes Berlin ein weiterer Tarifvertrag abgeschlossen, der diese weiter   f&#252;r die leeren Kassen des Landes bezahlen l&#228;sst, der viel gepriesene   &#246;ffentliche Besch&#228;ftigungssektor (&#214;BS) ist faktisch ein   Niedriglohnsektor, mit dem Segen des LINKE-Wirtschaftssenators Harald   Wolf geht die privatisierte Wohnungsbaugesellschaft GSW an die B&#246;rse.   Und: die Partei ist keine Partnerin f&#252;r Gewerkschaften, soziale   Bewegungen; kein Teil des Aufbaus gesellschaftlicher Opposition zum   Kapitalismus in der Hauptstadt.<\/p>\n<p>  In Th&#252;ringen und im Saarland w&#228;re DIE LINKE im letzten Jahr gerne in die   Landesregierungen eingetreten, gro&#223;e inhaltliche Bedingungen hat sie   nicht gestellt. Hier scheiterten ihre Regierungsambitionen nicht an   innerparteilichem Widerstand oder un&#252;berwindbaren inhaltlichen   Konflikten mit SPD und\/oder Gr&#252;nen, sondern diese entschieden sich f&#252;r   Koalitionen mit der CDU. Das wiederum sagt viel aus, &#252;ber den Charakter   der Parteien, mit denen DIE LINKE-F&#252;hrung gerne koalieren w&#252;rde.<\/p>\n<p>  In Nordrhein-Westfalen hatte der als besonders links geltende   Landesverband ein weitgehend antikapitalistisches Landtagswahlprogramm   f&#252;r die Wahlen am 9. Mai verabschiedet, das weithin als klare Absage an   eine Regierungskoalition mit SPD und Gr&#252;nen interpretiert wurde. Seit   der Verabschiedung des Programms waren die NRW-GenossInnen unter   erheblichen Druck der Parteif&#252;hrung und des rechten Parteifl&#252;gels   geraten. Das f&#252;hrte dazu, dass schon die Zusammensetzung der   Kandidatenliste deutlich weniger antikapitalistisch ist und nun ein   weitaus weniger antikapitalistisches Dringlichkeitsprogramm   verabschiedet wurde, das in der &#246;ffentlichen Wahrnehmung mehr und mehr   das Landtagswahlprogramm ersetzt. Gleichzeitig gibt es in immer mehr   &#196;u&#223;erungen der Landesf&#252;hrung eine grunds&#228;tzliche Bereitschaft zur   Regierungsbildung mit den prokapitalistischen Parteien SPD und Gr&#252;ne.   Der Landessprecher Wolfgang Zimmermann betont &#8216;Kompromissbereitschaft&#8217;,   wenn man &#8216;regieren will&#8217; und die Landessprecherin Katharina   Schwabedissen trifft sich mit SPD-Spitzenpolitikern. Auch wenn die   Bedingung, sich an keiner Regierung zu beteiligen, die Sozialabbau und   Privatisierungen betreibt bisher nicht aufgegeben wurde, so zeichnet   sich die Gefahr eines Einknickens von Teilen des Landesverbandes in der   Regierungsfrage deutlich ab.<\/p>\n<p>  <i>Fazit: In der Frage der Bereitschaft zu Regierungskoalitionen mit   prokapitalistischen Parteien gibt es in der Partei keine Entwicklung   nach links, sondern dominiert die durch den rechten Parteifl&#252;gel   beziehungsweise die alte PDS betriebene Politik.<\/i><\/p>\n<h4>  Kommunale Realpolitik<\/h4>\n<p>  Diese Logik der &#8216;Politik des kleineren &#220;bels&#8217; setzt sich auch mehr und   mehr in den Kommunalparlamenten durch &#8211; und das nicht nur in   Ostdeutschland, wo dies schon seit vielen Jahren der Fall ist.<\/p>\n<p>  Nicht nur in Rostock hat die B&#252;rgerschaftsfraktion der Partei DIE LINKE   einem kommunalen Haushalt zugestimmt, der Einschnitte auf Kosten der   Bev&#246;lkerung beinhaltete. Auch in St&#228;dten wie Stuttgart und Duisburg, wo   DIE LINKE vor Ort als links gilt, war das der Fall. Mit dem Argument   Schlimmeres zu verhindern, beteiligt sich die Partei hier daran die   Krisenfolgen auf die Masse der Bev&#246;lkerung abzuw&#228;lzen. Der Weg zur H&#246;lle   ist mit guten Vors&#228;tzen gepflastert. Eine solche kommunalpolitische   Realpolitik macht es der Partei schwer konsequente Opposition gegen jede   Art von K&#252;rzungen zu betreiben und gemeinsam mit Gewerkschaften,   sozialen Bewegungen und Jugendorganisationen den Widerstand gegen   kommunale K&#252;rzungspolitik auf die Stra&#223;e zu tragen.<\/p>\n<p>  <i>Fazit: Der Anpassungsprozess an die prokapitalistischen Parteien SPD   und Gr&#252;ne setzt sich in den Kommunen weiter fort.<\/i><\/p>\n<h4>  Die Personalentscheidungen<\/h4>\n<p>  In der Personaldebatte, die nach dem krankheitsbedingten R&#252;cktritt Oskar   Lafontaines in der Partei ausbrach, hat diese sich wie jede andere   x-beliebige Partei pr&#228;sentiert: Machtk&#228;mpfe und Intrigen bestimmten das   Bild. Das Ergebnis stellt nicht nur keine Linksverschiebung dar, sondern   die f&#252;r die Doppelspitze auserkorenen Klaus Ernst und Gesine L&#246;tzsch   stehen zweifellos nicht f&#252;r die antikapitalistischen Aussagen im Entwurf   des Parteiprogramms. L&#246;tzsch hat, trotz ihres Images als Linke im   Berliner Landesverband, die Beteiligung am rot-roten Senat immer   mitgetragen. Klaus Ernst war schon in der WASG als B&#252;rokrat bekannt, der   sozialistische Positionen lieber aus der Partei hinaus dr&#228;ngen wollte.   In einem Gespr&#228;ch mit dem Autor dieser Zeilen hat er noch vor einem Jahr   betont, dass der Sozialismus ja nur eine Traditionslinie der Partei sei   und er selber kein Sozialist sei. Insgesamt l&#228;sst der Vorschlag f&#252;r die   neue Parteispitze darauf schlie&#223;en, dass radikale und   antikapitalistische &#196;u&#223;erungen, wie man sie ab und zu von Oskar   Lafontaine h&#246;rte, noch seltener werden. Der rechte Parteifl&#252;gel hat eine   starke Position im gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Vorstand und vor allem wird die   reale Macht in der Partei, angesichts einer schwachen Doppelspitze, noch   mehr auf den Apparat und die Bundestagsfraktion und ihren Vorsitzenden   Gregor Gysi &#252;bergehen.<\/p>\n<p>  <i>Fazit: Der Programmentwurf findet keine Entsprechung in den   Vorschl&#228;gen f&#252;r eine neue Parteif&#252;hrung.<\/i><\/p>\n<h4>  Innerparteiliche Demokratie<\/h4>\n<p>  In der Personaldebatte wurden Fakten geschaffen ohne einen breiten und   demokratischen Diskussionsprozess in der Mitgliedschaft zu erm&#246;glichen.   Zu einer Beratung der Landesvorsitzenden wurde ausgerechnet der als   Ernst-Kritiker bekannte bayrische Landessprecher Franc Zega nicht   eingeladen. Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion Gregor Gysi, der   selber kein gew&#228;hltes Parteiamt hat, hat in der Manier eines Napoleon   Bonaparte die Personaldebatte an sich gerissen, Entscheidungen auf den   Weg gebracht und gezeigt, wer in der Partei tats&#228;chlich das Sagen hat.<\/p>\n<p>  Der nun stattfindende Mitgliederentscheid ist in Wirklichkeit kein Mehr   an Demokratie, sondern Scheindemokratie. Ohne eine breite Debatte &#252;ber   Alternativen, soll erreicht werden, dass durch eine Zustimmung zur   Doppelspitze im Mitgliederentscheid &#8211; bei dem ohnehin keine sinnvolle   Alternative zur Abstimmung gestellt wird &#8211; der Bundesparteitag nicht   mehr mit Zwei-Drittel-, sondern mit einfacher Mehrheit die notwendige   Satzungs&#228;nderung beschlie&#223;en kann. Reale Demokratie w&#252;rde bedeuten, dass   die gew&#228;hlten Delegierten beim Parteitag nach intensiver Debatte in den   Kreis- und Ortsverb&#228;nden &#252;ber konkrete Alternativen debattieren und   entscheiden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig geht Druck und Ausgrenzung gegen Kritiker weiter. Nachdem   sich die Weimarer Ratsfraktion der Partei gespalten hat, weil es   schwerwiegende Gegens&#228;tze in der Kommunalpolitik gab, und der linke Teil   der Abgeordneten sich mit dem Verein &#8216;Neue Linke Weimar&#8217; ein Forum f&#252;r   die Fortsetzung der Kommunalpolitik geschaffen hat &#8211; ohne aus der Partei   auszutreten oder diesen Verein als Konkurrenz zur LINKE zu verstehen &#8211;   wird der die &#8216;Neue Linke Weimar&#8217; unterst&#252;tzende Landtagsabgeordnete   Thomas Hartung unter massiven Druck gesetzt und ihm mit Parteiausschluss   gedroht. Als der Verein zu seiner B&#252;roer&#246;ffnung die SAV-Sprecherin Lucy   Redler als Gastrednerin einlud, schrieb der Landesvorsitzende Bodo   Ramelow einen geharnischten Brief, in dem er seine Nicht-Teilnahme an   der Veranstaltung damit begr&#252;ndete, die Einladung von Redler sei ein   Affront gegen&#252;ber der Partei.<\/p>\n<p>  Lucy Redler und vier weiteren SAV-Bundesleitungsmitglieder wird   weiterhin der Eintritt in DIE LINKE verwehrt, um kritische Stimmen zur   Politik des Sozialabbaus im rot-roten Senat klein zu halten.<\/p>\n<p>  <i>Fazit: DIE LINKE wird ihrem eigenen Anspruch von Pluralit&#228;t und   innerparteilicher Demokratie nicht gerecht.<\/i><\/p>\n<h4>  Mitgliederentwicklung und Verh&#228;ltnis zu Bewegungen<\/h4>\n<p>  DIE LINKE ist die einzige Partei, die in den letzten Jahren deutlichen   Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte. Das dr&#252;ckt das Potenzial f&#252;r eine   linke und sozialistische Partei in Deutschland aus. Allerdings deuten   alle Berichte aus den Kreisverb&#228;nden darauf hin, dass es keine   Steigerung der Zahl aktiver Parteimitglieder gibt. Im Gegenteil ziehen   sich Mitglieder aus der aktiven Parteiarbeit zur&#252;ck, weil sie an den   oftmals b&#252;rokratischen Strukturen und der parlamentarischen Ausrichtung   verzweifeln. Zu Kreismitgliederversammlungen in Gro&#223;st&#228;dten wie   Stuttgart oder K&#246;ln kommen keine einhundert Mitglieder mehr.<\/p>\n<p>  Das h&#228;ngt nicht zuletzt damit zusammen, dass sich in der Partei mehr und   mehr eine auf die parlamentarische Arbeit, von der Kommune bis zum   Bundestag, dominierte Praxis durchgesetzt hat, die ParteiaktivistInnen   zu wenig Raum gibt.<\/p>\n<p>  Aktionen, wie der Protest gegen den Bombeneinsatz von Kundus im   Bundestag sind wichtige Signale, dass DIE LINKE das Parlament als   Plattform f&#252;r sozialen Protest versteht, geschehen aber letztlich zu   selten und bleiben die Ausnahme. Gleichzeitig gelingt es der Partei nur   selten, sozialen Mobilisierungen den Stempel aufzudr&#252;cken, oftmals   werden Beteiligungen an Demonstrationen wie Fototermine behandelt. Die   Massenblockaden gegen den Naziaufmarsch in Dresden bildeten hier eine   positive Ausnahme, die zeigt, was m&#246;glich ist, wenn die Partei und ihre   F&#252;hrung ihre Kraft auf solche Aktivit&#228;ten konzentrieren.<\/p>\n<p>  Doch gerade bei den Protesten gegen Atomenergie und bei den   Sozialprotesten im M&#228;rz in Essen und Stuttgart und den f&#252;r den 12. Juni   geplanten Demonstrationen des B&#252;ndnisses &#8216;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure   Krise&#8217; ist die Partei viel zu wenig engagiert.<\/p>\n<p>  <i>Fazit: Es gibt keine Zunahme der aktiven Basis und der   au&#223;erparlamentarischen Aktivit&#228;ten der Partei.<\/i><\/p>\n<h4>  Was repr&#228;sentiert der Programmentwurf?<\/h4>\n<p>  Der Charakter des Programmentwurfs ergibt sich aus der Tiefe der   kapitalistischen Weltkrise, die offensichtlich nach systemischen   Alternativen fragt. Wenn die in den programmatischen Eckpunkten noch   offen behandelten Fragen in einem deutlich marktwirtschaftlicheren Sinne   durch die Programmkommission beantwortet worden w&#228;ren, h&#228;tte das zu   einem Aufschrei an der Basis, einer Polarisierung und einer zugespitzten   politischen Debatte &#252;ber Sozialismus gef&#252;hrt &#8211; und damit die Frage einer   st&#228;rkeren Organisierung der Parteilinken aufgeworfen. Paradoxerweise   kann die Programmdiskussion nun gerade weil der Entwurf einen linkeren   Charakter tr&#228;gt den gegenteiligen Effekt haben.<\/p>\n<p>  In diesem Sinne ist die Funktion des Entwurfs, ob bewusst gewollt oder   nicht, auch von der notwendigen Debatte &#252;ber die tats&#228;chliche Politik   der Partei abzulenken und die Linken an der Basis zu beruhigen.<\/p>\n<p>  Das darf aber nicht dar&#252;ber hinweg t&#228;uschen, dass der Entwurf auch zum   Ausdruck bringt, dass die Entwicklung der Partei noch nicht entschieden   ist, dass in ihr lebendige Kr&#228;fte miteinander ringen und sie ihren   Doppelcharakter als antikapitalistischer Oppositionspartei einerseits   und die bestehenden Verh&#228;ltnisse konkret st&#252;tzende Partei andererseits   nicht verloren hat.<\/p>\n<p>  Deshalb ist es richtig, nicht nur den Programmentwurf gegen rechte   Kritik zu verteidigen und marxistische &#196;nderungsvorschl&#228;ge   auszuarbeiten, sondern sich weiter in der Partei daf&#252;r einzusetzen, dass   diese eine k&#228;mpferische und sozialistische Politik betreibt, ihren   Schwerpunkt auf den Aufbau au&#223;erparlamentarischer Bewegungen setzt und   so eine Strategie entwickelt eine wirkliche sozialistische Massenpartei   aufzubauen, die in Zukunft auf der Basis gro&#223;er Klassenk&#228;mpfe, sozialer   Bewegungen und wachsendem antikapitalistischen Bewusstsein eine   sozialistische Regierung erk&#228;mpfen kann.<\/p>\n<h4>  Aufgaben der Linken in der LINKE<\/h4>\n<p>  Die Partei darf nicht denjenigen &#252;berlassen werden, deren Ziel es ist   durch m&#246;glichst viele Koalitionen mit den prokapitalistischen Parteien   SPD und Gr&#252;nen in L&#228;ndern und Kommunen eine Regierungsbeteiligung auf   Bundeseben nach den n&#228;chsten Bundestagswahlen vorzubereiten.<\/p>\n<p>  Dazu m&#252;ssen sich die tats&#228;chlich antikapitalistischen und k&#228;mpferischen   Kr&#228;fte in der Partei zusammen schlie&#223;en und eine organisierte Opposition   gegen die drohende Rechtsentwicklung auf die Beine stellen. Denn wenn   DIE LINKE den Weg geht, den SPD und Gr&#252;ne in ihrer Geschichte gegangen   sind und sich den so genannten kapitalistischen Sachzw&#228;ngen anpasst und   die Exekutierung von arbeiterfeindlicher Politik mit betreibt, wird der   Kampf f&#252;r eine lebenswerte Gesellschaft zur&#252;ck geworfen und werden   Rechtsextremisten davon profitieren k&#246;nnen (wie das rechtsextreme   Parteien schon nach den Regierungsbeteiligungen bzw. der   Tolerierungspolitik der PDS in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt   taten).<\/p>\n<p>  Eine besondere Aufgabe beim Aufbau eines starken linken und   sozialistischen Fl&#252;gels in der Partei kann der Linksjugend[&#8218;solid] und   dem Studierendenverband LINKE.SDS zukommen. Mit einer offensiven   antikapitalistischen Politik und rebellisch-radikaler Praxis k&#246;nnen sie   viele tausend Jugendliche organisieren und auf die Arbeiterklasse   orientieren. Dabei sollten sich die beiden Verb&#228;nde nicht nur als   Jugendstruktur der Partei verstehen, sondern auch als linke Opposition   gegen Anpassung und Regierungsbeteiligung mit prokapitalistischen   Parteien.<\/p>\n<p>  Leider hat die wichtigste innerparteiliche Str&#246;mung, die einen   antikapitalistischen und kritischen Anspruch hat &#8211; die   Antikapitalistische Linke (AKL) &#8211; bisher darauf verzichtet in die   Offensive zu gehen. So tr&#228;gt sie unter anderem den von Gysi und anderen   F&#252;hrungskr&#228;ften ausgearbeiteten Personalvorschlag mit und scheint darauf   zu setzen unter der Losung der &#8218;Einheit der Partei&#8216; auf eine st&#228;rkere   Organisierung einer innerparteilichen Opposition zu verzichten. Doch in   der Partei existieren faktisch inkompatible politische Vorstellungen von   Antikapitalismus und Verwaltung des Kapitalismus. Dar&#252;ber kann nicht ein   Mantel des Schweigens ausgebreitet werden, sondern es muss der Kampf   organisiert werden, dass die Bef&#252;rworter von Regierungskoalitionen mit   prokapitalistischen Parteien zur&#252;ck gedr&#228;ngt werden und die Partei f&#252;r   ein nicht nur nominal sozialistisches Programm, sondern tats&#228;chlich   sozialistische Politik gewonnen wird.<\/p>\n<p>  Die SAV hatte in einem offenen Brief an die AKL zu einer   Re-Organisierung der kritischen Linken in der Partei aufgerufen, darauf   aber leider keine Antwort erhalten. Eine solche Re-Organisierung ist   aber nicht nur n&#246;tig, um die innerparteilichen Auseinandersetzungen   erfolgreich zu bestreiten, sondern auch um die Politik und praktische   T&#228;tigkeit der Partei zu beeinflussen und auf Beteiligung an K&#228;mpfen und   au&#223;erparlamentarischem Widerstand auszurichten. Durch exemplarische   Kampagnen und k&#228;mpferische Politik vor Ort kann die Parteilinke zeigen,   wie eine sozialistische Partei agieren und aufgebaut werden kann. Der   Bildungsstreik im Juni und die anstehenden Demonstrationen des   B&#252;ndnisses Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise am 12. Juni sind dazu eine   erste M&#246;glichkeit, unz&#228;hlige weitere werden folgen, wenn das Sparpaket   der Bundesregierung verk&#252;ndet wird und die Kapitalisten zu weiteren   Entlassungswellen &#252;bergehen. Darauf muss sich die Parteilinke nun   vorbereiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Entwicklung der Partei ist nicht entschieden. 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