{"id":13679,"date":"2010-05-06T17:00:00","date_gmt":"2010-05-06T17:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13679"},"modified":"2010-05-06T17:00:00","modified_gmt":"2010-05-06T17:00:00","slug":"13679","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13679\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir bleiben hier&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  1.500 MetallerInnen demonstrierten auf dem KBA-Firmengel&#228;nde und vor der   Behr-Zentrale gegen Entlassungen &#8211; Solikomitee gegr&#252;ndet<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Im Mittleren Neckarraum stehen die Zeichen auf Sturm. Belegschaften von   Autozulieferern, des Maschinenbaus und anderer Metallbetriebe k&#228;mpfen um   ihre Arbeitspl&#228;tze. Nach Kurzarbeit drohen ihnen Entlassungen und   Werksschlie&#223;ungen. Beispiel Stuttgart Feuerbach: hier hat Bosch sein   Stammwerk. Drum herum gibt es viele andere wichtige Betriebe. Dazu   geh&#246;rt der Traditionsbetrieb K&#252;hler-Behr. Von den einst 3.000   Produktionsarbeitern sind nur noch 200 &#252;briggeblieben. Und ihnen will   Behr Ende Juni k&#252;ndigen. Die Produktion soll in Stuttgart eingestellt   und auf andere Werke verlagert werden. In Verwaltung und Entwicklung   droht 180 Besch&#228;ftigten die K&#252;ndigung.<\/p>\n<h4>  <i><b>von Ursel Beck, Stuttgart<\/b><\/i><\/h4>\n<p>  F&#252;nfhundert Meter Luftlinie entfernt liegt ein weiterer Stuttgarter   Traditionsbetrieb. Hier werden Anlagen f&#252;r Blechdruck und Lackierung   hergestellt. Der Betrieb wurde vom Druckmaschinenkonzern K&#246;nig&amp;Bauer;   (KBA) aufgekauft. Seither hei&#223;t er KBA MetalPrint.<\/p>\n<p>  Die Konzernleitung in W&#252;rzburg will den Standort in Stuttgart   zerschlagen. 39 K&#252;ndigungen wurden bereits ausgesprochen. 31 weitere   sollen folgen. Damit soll das Ende des Werks mit mehr als 300   Besch&#228;ftigten vorbereitet werden.<\/p>\n<h4>  <b>Kampfbereite Belegschaften<\/b><\/h4>\n<p>  Die Belegschaften von Behr und KBA Metalprint sind nicht bereit, die   Vernichtung ihrer Arbeitspl&#228;tze zu akzeptieren. Beide Belegschaften sind   kampferprobt. Die Behrler waren im Streik f&#252;r die 35-Stunden-Woche und   in anderen Tarifauseinandersetzungen Streikbetrieb der IG Metall. In der   aktuellen Auseinandersetzung um die Schlie&#223;ung des Produktionsbetriebs   Werk 8 haben sie im Dezember zweimal kurzfristig die B10\/B27 blockiert.<\/p>\n<p>  Die Kollegen bei KBA Metalprint haben 2001 und 2005 Massenentlassungen   verhindert und sich jahrelang erfolgreich gegen Erpressungsversuche aus   den Chefetagen zur Wehr gesetzt. Seit Oktober 2009 sind sie mehrmals   gegen die Vernichtung ihrer Arbeitspl&#228;tze auf die Stra&#223;e gegangen. Weil   die gek&#252;ndigten Kollegen von der Arbeit freigestellt wurden, kommen sie   jeden Tag ans Werkstor, bieten erfolglos ihre Arbeit an und halten dann   den ganzen Tag eine Mahnwache ab. Drinnen wissen die Kolleginnen und   Kollegen nicht, wie sie ihre Arbeit ohne die Entlassenen erledigen   sollen. Aus Unmut &#252;ber diesen Zustand gehen im organisierten Wechsel   Kollegen aus allen Abteilungen zu den Kolleginnen und Kollegen vors Tor   und unterst&#252;tzen sie. Zur Symbolik haben die KBAler ein Kreuz   aufgestellt, an das alle Namen der Gek&#252;ndigten gepinnt sind.<\/p>\n<h4>  <b>Alle gemeinsam<\/b><\/h4>\n<p>  In den Belegschaften wird immer mehr eingefordert, dass die IGM den   Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung konsequent und mit allen betroffenen   Belegschaften gemeinsam f&#252;hrt. Einen Schritt in diese Richtung gab es   mit dem IGM-Aufruf f&#252;r den 5. Mai. Die Belegschaften von KBA Metalprint   und Behr k&#228;mpften einen Tag gemeinsam f&#252;r ihre Arbeitspl&#228;tze und wurden   dabei von Delegationen von Bosch, Mahle, Coperion, Porsche, Daimler,   Alcatel, Werner&amp;Pfleiderer; und Schaudt unterst&#252;tzt. Auftakt f&#252;r die   Protestaktion war das Werkstor von KBA. Als der Demozug von ca. 800   Kolleginnen und Kollegen sich in Bewegung setzte, ging es erst mal wie   selbstverst&#228;ndlich durch das KBA-Firmengel&#228;nde. Vorne weg das   Transpartent der KBA-KollegInnen mit der Aufschrift: &#8222;Wer mit uns nicht   rechnet, hat sich verrechnet&#8220;. Dann zog der Demozug durch die Stra&#223;en   des Industriegebiets zum Verwaltungsgeb&#228;ude von Behr, wo bereits mehrere   hundert Besch&#228;ftigte aus anderen Betrieben zur Abschlusskundgebung   eingetroffen waren.<\/p>\n<h4>  <b>&#8222;Wir bleiben alle hier&#8220;<\/b><\/h4>\n<p>  In der Er&#246;ffnungsrede erkl&#228;rte Behr-Betriebsrat Thomas W&#246;rner dass die   Firmenleitung Listen f&#252;r eine Sozialauswahl erstelle und ein   Abfindungsprogramm ver&#246;ffentlicht habe. Das sei aber nicht   Verhandlungsstand. Ziel sei immer noch f&#252;r alle drei Standorte die von   Arbeitsplatzabbau und Verlagerung bedroht sind &#8222;weiterhin Besch&#228;ftigung,   Arbeit und Lohn zu sichern&#8220;. Er bekr&#228;ftigte, dass weder Betriebsr&#228;te   noch IGM in irgendeinem Betrieb der Region betriebsbedingte K&#252;ndigungen   akzeptieren w&#252;rden. Wenn es n&#246;tig sei, dann m&#252;ssten noch weitere   Aktionen folgen und zwar aus Produktion, Verwaltung und Entwicklung   gemeinsam. Thomas W&#246;rner griff den Sprechchor &#8222;Wir bleiben hier&#8220; aus   Werk 8 auf und rief unter dem Jubel der Kundgebungsteilnehmer: &#8222;Wir   bleiben alle hier, Kolleginnen und Kollegen&#8220;.<\/p>\n<p>  Behr-VKL-Leiter Wolfgang Zeleny erkl&#228;rte, dass die Schlie&#223;ung von Werk 8   eine rein politische Entscheidung der Gesch&#228;ftsleitung sei. Kolleginnen   und Kollegen, die Behr zu dem gemacht h&#228;tten, was es heute ist, sollen   bis Ende Juni die K&#252;ndigung bekommen. Das sei eine Riesensauerei. Aber,   so Wolfgang Zeleny: &#8222;So wie die Gesch&#228;ftsleitung politische   Entscheidungen f&#228;llt, k&#246;nnen wir politischen Widerstand leisten.&#8220; Er   k&#252;ndigte die Gr&#252;ndung eines Solidarit&#228;tskomitees an und forderte die   Anwesenden auf, sich daf&#252;r in eine Liste einzutragen.<\/p>\n<p>  Aus dem bayrischen Behr-Standort Neustadt war ein voller Bus Kolleginnen   und Kollegen zur Kundgebung gekommen, um Solidarit&#228;t zu demonstrieren.   Ein Betriebsratsmitglied von dort erkl&#228;rte, dass weitere Gespr&#228;che   keinen Sinn machen w&#252;rden, wenn es morgen keinen klaren und guten   Vorschlag g&#228;be. Dann m&#252;sse man andere Ma&#223;nahmen ergreifen. Welche   Ma&#223;nahmen das sein k&#246;nnten, lie&#223; er allerdings offen.<\/p>\n<p>  Immer wieder kamen Rufe &#8222;Flick muss weg&#8220;. Eine Kollegin aus   Kornwestheim, die in der Verhandlungskommission sitzt, setzte noch einen   drauf, und sagte, nicht nur der Werksleiter, sondern alle im siebten   Stock m&#252;ssten weg. Sie drohte damit, dass man den &#8222;Laden an die Wand   fahren werde&#8220;, wenn es keinen &#8222;vern&#252;nftigen Abschluss&#8220; g&#228;be.<\/p>\n<h4>  <b>Mahnwache bei KBA<\/b><\/h4>\n<p>  Ronny Schwarz, Betriebsratsvorsitzender von KBA MetalPrint, erkl&#228;rte in   seiner k&#228;mpferischen Rede, dass die Belegschaft seit einem Jahr den   Kampf um den Erhalt der Arbeitspl&#228;tze f&#252;hre. Als vor Kurzem die 39   Gek&#252;ndigten durch eine kurze Infoveranstaltung &#252;ber ihre sofortige   Freistellung informiert wurden, seien nicht nur die eingeladenen   Gek&#252;ndigten, sondern alle gekommen und h&#228;tten gemeinsam ihren Unmut kund   getan. Solche Szenen h&#228;tte er in seinen 20 Jahren Betriebszugeh&#246;rigkeit   noch nicht erlebt. Wenn der Betriebsrat, die Gesch&#228;fte f&#252;hren w&#252;rde,   g&#228;be es einen solchen Irrsinn nicht, dass die einen in Arbeit ersticken   und die anderen rausgeschmissen w&#252;rden. Wenn die Gesch&#228;ftsleitung   behaupte, der Betrieb w&#252;rde nur Verluste machen, dann solle sie den   Betrieb an die Belegschaft &#252;bergeben. Sie w&#252;rde ihn mit Sicherheit   besser f&#252;hren. Zum Schluss gab Ronny Schwarz die KBA-Gesch&#228;ftsleitung   dem sp&#246;ttischen Gel&#228;chter der Kundgebungsteilnehmer preis. Er   berichtete, dass das Kreuz, das sie bei ihrer Mahnwache aufgestellt   h&#228;tten zwei Stunden sp&#228;ter auf Anweisung eines   M&#246;chtegerngesch&#228;ftsf&#252;hrers wegger&#228;umt werden sollte und dass dieser   daf&#252;r eine Firma mit LKW und Kran beauftragt h&#228;tte, obwohl das Kreuz   locker von einer Person weggetragen werden k&#246;nnte. Soviel &#8222;Sachverstand&#8220;   h&#228;tten ihre Chefs. Aber zum Abtransport des Kreuzes sei es auch gar   nicht gekommen, so Ronny Schwarz. Die Belegschaft war schneller, nahm   das Kreuz wieder vom Haken und der LKW-Fahrer musste ohne Ladung   abfahren. Gestern sei es wieder aufgestellt worden und werde von den   gek&#252;ndigten und freigestellten Kollegen den ganzen Tag bewacht. Er   berichtete, dass die Solidarit&#228;t aus den umliegenden Betrieb enorm sei   und dass es immer wieder Besuchsgruppen g&#228;be. Es t&#228;te gut zu wissen,   dass man in einer solchen Situation nicht alleine sei. Er versprach,   dass der Kampf mit allen Mitteln fortgef&#252;hrt werde und er sicher sei,   das man ihn gewinne.<b> <\/b><\/p>\n<h4>  <b>Betriebsschlie&#223;ung bei Schaudt &#8211; eine Warnung<\/b><\/h4>\n<p>  Von der IGM-Verwaltungsstelle Stuttgart erkl&#228;rte Hansj&#246;rg Schmierer,   dass f&#252;r den heutigen Tag viele Solidarit&#228;tsadressen eingegangen seien   und viele VK-Sprecher Gru&#223;worte entrichten wollten, man sich aber darauf   geeinigt habe, dass er das stellvertretend &#252;bernehme. Die IGM h&#228;tte   letztes Jahr die Losung ausgegeben, &#8222;ohne Entlassungen durch die Krise&#8220;.   Damit sei die IGM erfolgreiche gewesen, wobei Kollege Schmierer es als   Erfolg verkaufte, dass die Besch&#228;ftigten mit Kurzarbeit und dem   Tarifvertrag Besch&#228;ftigungssicherung f&#252;r die Krise bezahlen. Dass damit   aber keine Entlassungen verhindert werden, zeigt sich nicht nur bei   Behr. Kollegen des Schleifmaschinenherstellers Schaudt in   Stuttgart-Hedelfingen, die bei der Kundgebung in Feuerbach anzutreffen   waren, berichteten, dass die H&#228;lfte der Belegschaft seit einem Jahr in   Kurzarbeit sei. Ab 1. Juni soll die Belegschaft mit 180 Besch&#228;ftigten in   eine Transfergesellschaft &#252;berf&#252;hrt werden, mit dem Ziel den Betrieb in   Hedelfingen ganz dicht zu machen. Inzwischen, so berichteten die   Kollegen, h&#228;tte sich eine B&#252;rgerinitiative gegr&#252;ndet, die gegen die   Betriebsschlie&#223;ung k&#228;mpfe. Die Betriebsschlie&#223;ung wird damit wohl leider   nicht verhindert werden k&#246;nnen. Das Aus f&#252;r Schaudt ist eine Warnung an   andere Belegschaften. Wer zu sp&#228;t kommt mit entschlossenen   Kampfma&#223;nahmen, den bestraft das Leben. Bei Behr und KBA, bei Betrieben   wie Mann+Hummel, Getrag, Index\/Traub, L&#228;pple, AEG, Heller,   Siemens&#8230;..ist der Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung noch nicht   verloren. Wenn er erfolgreich sein soll, muss er jedoch mit allen   m&#246;glichen Mitteln gef&#252;hrt werden und dazu geh&#246;rt auch das Mittel   Betriebsbesetzung. Diese Erkenntnis bekommt zunehmend Unterst&#252;tzung in   den Betrieben. Gestern wurde auf dem Betriebsgel&#228;nde von KBA   demonstriert und dann das Gel&#228;nde wieder verlassen. Wer sagt, dass es   das n&#228;chste mal wieder verlassen wird? Und warum sollen Behr-KollegInnen   auf Weihnachts-, Urlaubsgeld und k&#252;nftige Tariferh&#246;hungen verzichten,   wenn die Familie Behr mit einem Verm&#246;gen von &#252;ber eine Milliarde Euro zu   den 100 Reichsten in Deutschland geh&#246;rt. Die Profiteure des Systems   sollen f&#252;r ihre Krise bezahlen, nicht die Besch&#228;ftigten. &#8222;Wir sind alle   Griechen&#8220; titelte neulich die Tageszeitung &#8222;Junge Welt&#8220;. Zeit, dass wir   mit Bossen und Regierung griechisch reden.<\/p>\n<h4>  Erstes Treffen des Solidarit&#228;tskomitees<\/h4>\n<p>  Das von Vertrauensleuten von Mahle und Behr initiierte   Solidarit&#228;tskomitee trifft sich zum ersten mal am Mittwoch, den 12. Mai   um 17.00 Uhr in der Kellerschenke des DGB-Haus Stuttgart, Bleicherstr.<\/p>\n<h4>  Fotos von der Protestaktion am 5.5. 2010 in Stuttgart-Feuerbach gibt es   unter<\/h4>\n<h4>  <a href=\"http:\/\/www.stuttgart.igm.de\/news\/meldung.html?id=38366\">http:\/\/www.stuttgart.igm.de\/news\/meldung.html?id=38366<\/a><\/h4>\n<h4>  Flugblatt der SAV Stuttgart<\/h4>\n<h4>  <a href=\"\/media\/m\/2010-05-sav-stuttgart-flugblatt-behr.pdf\">\/media\/m\/2010-05-sav-stuttgart-flugblatt-behr.pdf<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      1.500 MetallerInnen demonstrierten auf dem KBA-Firmengel&#228;nde und vor der<br \/>\n      Behr-Zentrale gegen Entlassungen &#8211; Solikomitee gegr&#252;ndet\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13679"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13679"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13679\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}